Lebensdaten
1838 bis 1921
Geburtsort
Laidsen (Kurland)
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
Pharmakologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116794720 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmiedeberg, Johann Ernst Oswald

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Zitierweise

Schmiedeberg, Oswald, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116794720.html [25.07.2017].

CC0

Schmiedeberg, Johann Ernst Oswald

Pharmakologe, * 29.9.1838 Laidsen (Kurland), 12.7.1921 Baden-Baden. (lutherisch)

  • Genealogie

    V Wilhelm Ludwig (* 1809), Amtmann in L., später Oberförster in Paggar (Estland), S d. Johann Ernst, Fuhrmann in Libau, u. d. Gertruda Borchert; M Lucie, Kammerjungfer, T d. Johann Bern(h)ardt, Uhrmacher in Lausanne; B Johann Julius Rudolph (* 1840), Forstmeister in Estland; – ledig.

  • Leben

    In Dorpat besuchte S. 1852-54 die Kreisschule und 1855-59 das Gymnasium. Seit 1860 studierte er hier Medizin und wurde 1866 bei Rudolf Buchheim (1820–79) mit der Arbeit „Über die quantitative Bestimmung des Chloroforms im Blute und sein Verhalten gegen dasselbe“ zum Dr. med. promoviert. 1866-68 Assistent am Pharmakologischen Institut und 1867 zum Privatdozent ernannt, wurde er 1869 – als Nachfolger Buchheims – ao. und 1871 o. Professor der Pharmakologie, Diätetik und Geschichte der Medizin sowie Direktor des pharmakologischen Instituts. 1869 ging er für ein Jahr zu Karl Ludwig (1816–95) nach Leipzig, um seine Kenntnisse in der experimentell-physiologischen Methodik zu vertiefen. 1872 folgte er einem Ruf an die neu gegründete dt. Reichsuniv. Straßburg als Ordinarius der Pharmakologie und Direktor des Pharmakologischen Instituts. 1876-83 gehörte S. der einzigen dt. „Commission zur Prüfung von Geheimmitteln“ an, die seit der Zeit der franz. Medizinschule in Straßburg existierte. Ferner beschäftigte er sich mit Fragen der medizinischen Gesetzgebung und war beratendes Mitglied im Reichsgesundheitsamt.

    Ausgehend von der Vorstellung des Körpers als „chemischem Laboratorium“ untersuchte S. die Vorgänge im tierischen Organismus. Seine Untersuchungen zur Bildung von Hippursäure in den Nieren zeigen die engen Verbindungen zur physiologischen Chemie und der Chemie der Stoffwechselvorgänge. In seinen Forschungen über Schlaf- und Betäubungsmittel wie Chloroform, Paraldehyd und Urethan beschäftigte er sich immer wieder mit der Frage nach dem Zusammenhang zwischen der Wirkung eines Arzneimittels und seinem chemischen Aufbau. Mit seinen Arbeiten zum Digitalin leistete S. einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der Digitalischemie und der Anwendung von Glykosiden in der Herzmedizin. Wie auch schon bei seinen früheren Forschungen zum Theophyllin arbeitete er mit der Firma Boehringer in Mannheim zusammen, mit der er in den 1890er Jahren ein neues Medikament gegen Blutarmut, das „Ferratin“, entwickelt hatte.

    1873 gründete S. gemeinsam mit dem Leiter der Straßburger Inneren Klinik, Bernhard Naunyn (1839–1925), und dem Würzburger Pathologen Edwin Klebs (1834–1913) das „Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie“, welches heute seinen Namen trägt (Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology). Es war das erste größere pharmakologische Fachorgan und wurde zum Symbol der Verbindung von physiologischer Chemie, Pathologie und Klinik in der wissenschaftlichen Erforschung der Wirkung von Arzneimitteln. Ungeachtet seines interdisziplinären Ansatzes verfolgte S. das Ziel einer Verselbständigung der Pharmakologie zu einer von der Klinik und der praktischen Medizin unabhängigen Wissenschaft. 1883 veröffentlichte er einen „Grundriß der Arzneimittellehre“, der seit 1902 (4. Aufl.) unter dem Titel „Grundriß der Pharmakologie in Bezug auf Arzneimittellehre und Toxikologie“ in weiteren Auflagen und in zahlreichen Übersetzungen erschien (81921, niederl. 1885, engl. 1887). Zu S.s Schülern bzw. Mitarbeitern zählten u. a. Erich Harnack (1852–1915), John J. Abel (1857–1938), Hans Horst Meyer (1853–1939), Heinrich Dreser (1860–1924) und Edwin Stanton Faust (1870–1928).

  • Auszeichnungen

    LL. D. (Edinburgh 1884); Dr. h. c. (Bologna 1888); korr. Mitgl. d. Ak. d. Medizin, Paris, d. Acc.|dei Lincei, Rom, u. d. Preuß. Ak. d. Wiss., Berlin (1910); Ehrenmitgl. d. Kgl. Ak. d. Med., Brüssel; 14 Nominierungen f. d. Med.-Nobelpreis; O. S.-Plakette d. Dt. Ges. f. Pharmakol. u. Toxikol.

  • Werke

    Weitere W Über d. Muscarin, 1869; Über d. Pharmaka in d. Ilias u. Odyssee, 1918; Über Oxydationen u. Synthesen im Thierkörper, in: Archiv f. Experimentelle Pathol. u. Pharmazie 14, 1881, S. 288-312; Über d. Digitaliswirkung am Herzmuskel d. Frosches (Festgabe Carl Ludwig), 1875.

  • Literatur

    Archiv f. Experimentelle Pathol. u. Pharmakol., Suppl. 1908 (W-Verz. 1867-1907, P); H. H. Meyer, ebd. 92, 1922, S. I-XVII (W-Verz. 1908–21); J. Koch-Weser u. P. J. Schechter, S. in Strasbourg 1872-1918, The Making of Modern Pharmacology, in: Life Sciences 22, 1978, S. 1361-72; B. Bäumer, L'interdisciplinarité en chimie physiologique et en pharmacologie avec Felix Hoppe-Seyler et O. S., in: E. Crawford u. J. Olff-Nathan (Hg.), La science sous influence, L'université de Strasbourg enjeu des conflits franco-allemands, 1872-1945, 2005, S. 107-15; Ostdt. Gedenktage 1988, 135-37 (L, P); Dt.balt. Biogr. Lex.; BLÄ; Pogg. III, IV, VI, VII a Suppl.; NDBA; |

  • Quellen

    Qu Hist. StA Lettlands; Kirchenbuch d. St. Trinitatisgde. zu Libau; Kirchenbuch Talsen, 1836-60.

  • Autor

    Beatrix Bäumer
  • Empfohlene Zitierweise

    Bäumer, Beatrix, "Schmiedeberg, Oswald" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 227-228 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116794720.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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