Lebensdaten
1880 bis 1951
Geburtsort
Namslau (Schlesien)
Sterbeort
Tel Aviv
Beruf/Funktion
Literaturhistoriker ; Kulturhistoriker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116671114 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Landau, Paul

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Zitierweise

Landau, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116671114.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand (1837–1915), Justizrat, Rechtsanwalt u. Notar in N., später in Breslau, S d. Kaufm. u. Gutsbes. Bernhard (1800–90) u. d. Bertha Jaschkowitz;
    M Hedwig (1849–1921), T d. Kaufm. Wilhelm Epstein in Lublinitz, später in Breslau, u. d. Pauline Landau;
    Breslau 1909 Sophie (* 1890), T d. Bruno Breslauer (1859–1930), Fabr. in Breslau, später in Berlin, u. d. Martha Glücksmann; Schwager Franz Schück-Breslauer (* 1888), Prof. f. Gehirnchirurgie a. d. Univ. Berlin, Dir. d. Chirurg. Abt. d. Städt. Krankenhauses am Urban|bis 1936, dann in d. USA (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1931; Rhdb., P);
    T Eva (* 1910), Dr. iur., Publizistin.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Breslauer König-Wilhelm-Gymnasium 1899 studierte L. Jura, dann Geschichte, Literatur- und Kunstgeschichte in München, Leipzig und Breslau. Hier wurde er 1904 mit der Arbeit „Karl v. Holteis Romane“ promoviert. Anschließend ging er nach Berlin, wo er, seit 1905 als Mitarbeiter in der Zeitungskorrespondenz Kühl, seit 1909 auch als Mitinhaber und Redakteur der Korrespondenz „Welt und Wissen“, zahlreiche, von namhaften deutschen Zeitungen übernommene Aufsätze zu Literatur, Kunst, Theater und zur Kulturgeschichte verfaßte. Er war darüber hinaus Theaterkritiker der „Dresdner Nachrichten“, Kunstkritiker der „Berliner Börsenzeitung“, ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift „Gartenschönheit“, gelegentlicher Mitarbeiter an „Westermanns Monatsheften“, der „Neuen Rundschau“, der „Deutschen Literaturzeitung“ u. a. Während des 1. Weltkriegs war L. beim Militär publizistisch tätig, wobei er, im Auftrag des Oberpräsidenten von Ostpreußen, seine „Ostpreuß. Wanderungen“ (1916) verfaßte. 1916 wurde er als Sektionsleiter in die Pressestelle bei der Auslandsabteilung der Obersten Heeresleitung nach Berlin berufen. Im Herbst 1918 nahm er seine frühere Tätigkeit wieder auf. 1921-23 war er Mitarbeiter, 1923-25 Herausgeber und Redakteur der Kulturzeitschrift „Faust“. Die nationalsozialistischen Rassegesetze verhinderten jede weitere publizistische Arbeit in Deutschland. L. ist 1935 nach Palästina ausgewandert, wo er versuchte, sich ohne Kenntnis des Hebräischen eine neue Existenz als Schriftsteller und Journalist aufzubauen. Er hat mühsam mit Privatunterricht, Vorträgen, Mitarbeit an deutschsprachigen und hebräischen Zeitungen (seine Artikel wurden übersetzt), Beratertätigkeit für Verlage, Mitarbeit an der Hebräischen Enzyklopädie usw. seinen Lebensunterhalt verdient.

    L. stand, solange er in Deutschland war, mit vielen Persönlichkeiten des geistigen und künstlerischen Lebens in Beziehungen, so mit Rodin, Liebermann, Käthe Kollwitz, Erich Heckel, Christian Rohlfs, Max Reinhardt, Emil Ludwig (Schulfreund) und Gundolf. Reisen führten ihn nach Italien, Frankreich und Holland. Die Liste seiner Buchveröffentlichungen spiegelt die Reichweite seiner Interessen nur annähernd wider. Seine eigentliche Leistung ist in anspruchsvoller journalistischer Vermittlung geistiger, speziell kulturgeschichtlicher Bildung zu sehen sowie in fordernder und fördernder Kritik. Wegweisend wurde seine Deutung Georg Büchners (in seiner Büchner-Edition von 1909). Hervorzuheben sind auch seine Arbeiten zur Geschichte der Gartenkultur. Die Summe seiner umfangreichen Kenntnisse zu ziehen, verwehrten ihm die politischen Verhältnisse: das Manuskript einer „Geschichte der europ. Geselligkeit“ sowie ein weiteres über „Das Orientbild des modernen Europa“ blieben unvollendet und befinden sich heute im Deutschen Literaturarchiv in Marbach.

  • Werke

    Weitere W u. a. Giorgione, 1903;
    Mimen, hist. Miniaturen, 1912;
    Daniel Chadowiecki, e. kulturgeschichtl. Lb., 1923;
    Hans Sachs, 1924;
    Gartenglück v. einst, 1926;
    Der dt. Garten, e. J.tausend Naturerleben, 1928 (mit C. Schneider);
    Das Blumenbildnis bei alten u. neuen Meistern, 1929;
    Unsere Gartenlilien, Lilien durch d. J.tausende, 1929 (mit A. Steffen);
    Humanisten, 1958 (hebrä.). -
    Hrsg.: Georg Büchners ges. Schrr., 2 Bde., 1909 (mit ausführl. Einl.);
    Chodowieckis Ill. zu dt. Klassikern, 1914;
    Klödens Jugenderinnerungen, 1922;
    Werner v. Siemens, Lebenserinnerungen, 1922;
    Frauenbriefe d. Romantik, 1923;
    Immanuel Kants Leben in Darst. s. Zeitgenossen, 1924.

  • Literatur

    E. Ludwig, Geschenke d. Lebens, 1931, S. 110;
    C. Wormann, in: Landau, Humanisten, 1958 (Einl., hebrä.);
    W. Martens, in: W. Martens (Hrsg.), Georg Büchner, Wege d. Forschung 53, 31973, S. X f.;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1936–70.

  • Portraits

    Kohlezeichnung v. L. Schwerin, 1948 (im Bes. d. Fam. Landau, Tel-Aviv).

  • Autor/in

    Wolfgang Martens
  • Empfohlene Zitierweise

    Martens, Wolfgang, "Landau, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 486 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116671114.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA