Lebensdaten
1836 bis 1916
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Darmstadt
Beruf/Funktion
völkischer Schriftsteller ; Militärhistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116166894 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pfister-Schwaighusen, Hermann von (seit den 1880er Jahren)
  • Pfister, Hermann von
  • Pfister-Schwaighusen, Hermann von (seit den 1880er Jahren)
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Pfister, Hermann von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116166894.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus e. seit 1735 in Hessen, ursprüngl. in d. Schweiz (Schwaighusen am Sempacher See, Kt. Luzern) ansässigen Fam.;
    V Ferdinand (1800–86), Major im kurhess. Gen.stab;
    M Julie Gissot, T e 1812 in Rußland gefallenen Obristen;
    1867 Therese Telge (1848–1909), T e. Juweliers u. d. N. N. Zech;
    1 S, Otto (* 1868), Landger.dir. in D.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Kassel und Gotha schlug P. 1859 die Offizierslaufbahn ein. Noch im selben Jahr ließ er sich vom Militärdienst beurlauben, um in Jena Germanistik und vergleichende Sprachwissenschaft zu studieren. 1861 trat er in den|preuß. Heeresdienst ein, wo er nach Absolvierung der Potsdamer Kriegsakademie in verschiedenen Verwendungen – u. a. beim Generalstab, als Lehrer an der Kasseler Kriegsschule und als Major im Infanterieregiment v. Keith – eingesetzt wurde und an den Kriegen von 1866 und 1870/71 teilnahm. Infolge einer Kriegsverletzung Halbinvalide, quittierte P. 1877 den Militärdienst. Nach einigen Jahren freier schriftstellerischer Tätigkeit hatte P. von 1884 bis zu seiner Emeritierung 1914 eine Dozentur für Militärwissenschaften und neuere Sprachen (Deutsch, Russisch) an der TH Darmstadt inne.

    P. hinterließ ein umfangreiches patriotisch motiviertes, zunehmend nationalistisch aufgeladenes schriftstellerisches Œuvre, wobei er sich bis zum Ausscheiden aus dem aktiven Militärdienst vornehmlich mit militärgeschichtlichen Themen befaßte, um sich anschließend sprachgeschichtlichen Forschungen (insbes. zu seiner hess. Heimat) und – in geringerem Maße – zur Geschichte der deutschen Schrift zuzuwenden. Bekanntheit erlangte P. vor allem aufgrund seines Engagements in der nationalen Sprach- sowie auch der Schriftbewegung, das sich in der 1886 erfolgten Gründung des Darmstädter Zweigvereins des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins äußerte und insbesondere der Verdeutschung von Fremdwörtern diente: P. wird es zugeschrieben, bereits um 1875 das Adjektiv „völkisch“ als deutsches Synonym für „national“ in Vorschlag gebracht zu haben. Seine zunehmende nationalistische und sprachpuristische Radikalisierung führte seit Beginn der 1890er Jahre zunächst zu Irritationen und schließlich 1898 zum Bruch mit dem bildungsbürgerlich geprägten Allgemeinen Deutschen Sprachverein. Das organisatorische Sammelbecken für „Radikalverdeutscher“ (Olt) wie P. bildeten der von dem Berliner Publizisten Adolf Reinecke (1861–1940) 1898 ins Leben gerufene Alldeutsche Sprach- und Schriftverein und dessen 1896 gegründetes Sprachrohr „Heimdall, Zeitschrift für reines Deutschtum und Alldeutschtum“, die alldeutsche bzw. pangermanische Forderungen mit sprach- und schriftgeschichtlichen Pseudoforschungen zu begründen suchten und zu den ältesten völkischen Unternehmungen im Wilhelminischen Reich zählen. Mit seinen Büchern, Broschüren und Flugschriften sowie als Beiträger in „Heimdall“ und anderen radikalnationalistisch-völkischen Blättern und zudem als agiler Vortragsredner (vor allem b. burschenschaftl. u. alldt. Veranstaltungen in Österr.) hatte P. bedeutenden Anteil an der Ausformulierung und Verbreitung der rassenideologisch begründeten völkischen Weltanschauung. Darüber hinaus trug er mit seinem Engagement in zahlreichen Vereinigungen (etwa im Allg. Dt. Schriftver. od. in d. ariosophischen Guido v. List-Ges.) und mit seinen Initiativen zur Sammlung der Anhängerschaft maßgeblich zur Etablierung der organisatorisch wie ideologisch vielgestaltigen völkischen Bewegung an der Jahrhundertwende bei.

  • Werke

    Gesch. d. thür. Truppen in d. Feldzuge von 1810/11 in Katalonien, 1866, 21868;
    Das franz. Heereswesen, Mit 3 Erg.hh., 1867–70, 21877;
    Über Bestrebungen auf d. Gebiet dt. Rechtschreibung, 1869;
    Das franz. u. preuß. Bataillon im Spiegel ihrer elementar-takt. Fechtweise, 1870;
    Friedrich II. u. d. neuere Gesch.schreibung, Ein Btr. z. Widerlegung d. Märchen üb. angebl. Soldatenhandel hess. Fürsten, 1872, 21879;
    Unsere Kriegs-Kunstsprache in ihrer geschichtl. Entwickelung u. unterm Einflusse d. Fremdwörterei, 1873;
    Zur Vorgesch. d. hochdt. u. suev. Stämme, 1875, 21877;
    Chatt. Stammeskde., 1880;
    Über dt. inbes. hess. Stammesfürstentum, 1882;
    Dt. Wort – Volkes Hort! Ein Mahnruf … z. Widerstande gegen planmäßige Zerrüttung dt. Sprache, 1883;
    Hess. Ehrenbüchlein, 1885;
    England u. Irland, 1886;
    Mundartl. u. stammheitl. Nachträge zu A. E. C. Vilmar's Idiotikon v. Hessen, 1886;
    Gestaltung dt. Reichsgrenzen im Westen u. Süden nach nächstem dt.-franz. Kriege, 1887;
    Über dt. u. lat. Buchstaben, 1887;
    Verdeutschungswb. fachmänn. u. dienstl. Sprache d. dt. Wehrtumes, 1887;
    Chatt. Stammeskde., Anhang, 1888;
    Über urgerman. Formenlehre, 1889;
    Über Verschiebung chatt. Sitze, 1890;
    Vom Ursprunge d. Franken unter Bezugnahme auf Trittenheims Chronik sowie auf Äthikus Histrius, 1891;
    Sprachl. Briefe, Betrachtungen üb. Zerrüttung d. Formenlehre, 1891;
    Wie soll d. Volksschule dt. lehren?, in: Slg. pädagog. Vorträge, hg. v. W. Meyer Markau. V/7, 1892;
    Vom Horte dt. Schrift, ebd. VI/8, 1893;
    Btrr. z. Frage weibl. Bestrebungen, 1894;
    Auch e. Seite sprachl. Verwüstung, 1894;
    Germanenspiegel üb. alldt. Künnen u. Sprachen, 1896;
    Werktätige Verdeutschungs-Arbeit nebst d. Anhang: Dt. Heeressprache, 1898;
    Alt-Englands Ansprüche, 1902;
    Alldt. Stammeskde. nach Mundarten u. Geschichten mit genauen Grenzen aller Stämme, 1903, 21905;
    Elsäss. Einblicke aus dreien Fristen: vor d. Kriege, während dess., sowie heute, 1914;
    Hessenland u. Belgien, 1915. – Hg.: Sagen u. Aberglaube aus Hessen u. Nassau, 1885.

  • Literatur

    Verz. d. Hochschullehrer d. TH Darmstadt, bearb. v. Ch. Wolf, 1977, S. 158;
    R. Olt. Wider d. Fremde?, Das Wirken d. Allg. Dt. Sprachver. in Hessen 1885-1994, Mit e. einleitenden Studie üb. Sprachreinigung u. Fremdwortfrage in Dtld. u. Frankreich seit d. 16. Jh., 1991;
    S. Hartmann, Fraktur od. Antiqua, Der Schriftstreit v. 1881 bis 1941 1998;
    U. Puschner, Sprache – Rasse – Religion, Stud. z. völk. Bewegung im wilhelmin. Dtld. (in Vorbereitung);
    Wi. 1914;
    Kosch, Lit.lex.3;
    Hdb. z. „völk. Bewegung“ 1871-1918, hg. v. U. Puschner, W.|Schmitz u. J. H. Ulbricht, 1996, S. 919. – Teilnachlaß: Landes- u. Hochschulbibl. Darmstadt.

  • Autor/in

    Uwe Puschner
  • Empfohlene Zitierweise

    Puschner, Uwe, "Pfister, Hermann von" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 338-340 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116166894.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA