Lebensdaten
1729 bis 1796
Geburtsort
Konitz (Chojnice, Westpreußen)
Sterbeort
Wittenberg
Beruf/Funktion
Mathematiker ; Physiker ; Astronom ; Übersetzer
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 115648429 | OGND | VIAF: 72127845
Namensvarianten
  • Tietz, Johann Daniel
  • Tietze, Johann Daniel
  • Titius, Johann Daniel
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Zitierweise

Titius, Johann Daniel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115648429.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Jacob Tietz, Tuchhändler u. Ratsherr in K.;
    M Barbara Dorothea (* 1703), T d. Michael Hanow (1670–1736), luth. Pfarrer in Zamborst (Pommern), u. d. Maria Anna Hoppe ( 1735);
    Om Michael Christoph Hanow (Hanovius) (1695–1773), Prof. am Akad. Gymn. in Danzig, Polyhistor (s. ADB X), Martin Hanow (1705–72), luth. Pfarrer in Zamborst;
    N. N.;
    S Salomo Constantin(us) (1766–1801), Bacc. u. Lic. med., 1792 ao., 1795 o. Prof. d. Anatomie u. Botanik in W., 1797 Rektor, führte d. „Neue Wittenbergsche Wbl. z. Aufnehmen d. Naturkde. u. d. ökonom. Gewerbes“ weiter (s. Hamberger-Meusel; Pogg. II; BLÄ).

  • Leben

    Nach dem frühen Tod seines Vaters wurde T. im Haus seines Onkels in Danzig erzogen. Dort besuchte er bis 1748 das Akademische Gymnasium und studierte anschließend in Leipzig Mathematik und Naturwissenschaften. 1752 erwarb er den Magistergrad mit einer Arbeit über das Mondlicht und wurde 1755 als Privatdozent Mitglied der phil. Fakultät. 1756 erhielt er den Ruf auf eine Professur für Mathematik in Wittenberg, wo er 1762 auch die Professur für Physik übernahm.

    T.s literarische Tätigkeit begann in Leipzig, wo er dem Kreis um Johann Christoph Gottsched (1700–66) angehörte und Übersetzungen aus dem Französischen anfertigte, darunter die erste dt. Übersetzung von Jean-Jacques Rousseaus „Discours sur les sciences et les arts“ (Ob d. Wiederherstellung d. Wiss. u. Künste etwas z. Läuterung d. Sitten beygetragen hat, 1752, Neudr. 1997) und von den „Essais“ von Michel de Montaigne (Versuche, 1753/54). In Wittenberg verfaßte T. neben naturwissenschaftlichen Lehrbüchern auch theol. und historische Werke sowie Schriften zu Themen aus Technik, Haus- und Landwirtschaft. Ferner gab er mehrere Zeitschriften heraus.

    Bekannt ist T. heute v. a. durch eine nach ihm benannte astronom. Entdeckung, die „Titiussche Reihe“ (auch T.-Bodesche Reihe oder Regel). Dies ist ein math. Ausdruck für die Abstände der Planeten von der Sonne, der in moderner Schreibweise lautet: a = 0,4 + 0,3 x 2 n . Dabei ist a der Abstand Sonne – Planet in astronom. Einheiten (d. h. dem mittleren Abstand der Erde von der Sonne). Setzt man für n die Werte –1, 0, 1, 2, 3 usw. ein, erhält man nicht nur eine Übereinstimmung mit den sechs damals bekannten Planeten, sondern auch mit den später entdeckten Planetoiden (n=3) und den Planeten Uranus (n=6) und Pluto (n=7). Nur der 1846 entdeckte Neptun fällt aus der Reihe: Es gibt keine natürliche Zahl n, die man in die T.sche Formel einsetzen könnte, um seinen Abstand zu berechnen.

    Schon Johannes Kepler (1571–1630) hatte nach einem solchen Gesetz gesucht. T. verschleierte seine Entdeckung, indem er dieses Gesetz als eigenmächtig eingefügten Zusatz zu der von ihm übersetzten „Contemplation de la nature“ (1764) von Charles Bonnet publizierte. Diese erschien 1766 als „Betrachtung über die Natur“ in Leipzig. Da Bonnet nicht einverstanden war, daß ihm Überlegungen eines anderen zugeschrieben wurden, kennzeichnete T. die Passage in der zweiten Auflage 1772 als eigenen Zusatz. Von dort übernahm der Astronom Johann Elert Bode (1747–1826) die Formel ohne Angabe einer Quelle in die zweite Auflage seiner „Anleitung zur Kenntnis des gestirnten Himmels“ (1772), worauf sie als „Bodesche Regel“ in die Astronomie einging. Erst nach 1800 wurde T.s Priorität anerkannt und in den Lehrbüchern der Astronomie erwähnt.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Naturforschenden Ges. Danzig, d. Leipziger Ökonom. Soc., d. Ges. Naturforschender Freunde z. Berlin (1774) u. d. Ak. gemeinnütziger Wiss. in Erfurt (1787); Benennung e. Mondkraters u. Asteroiden (1998).

  • Werke

    Weitere W Luminis lunaris theoria nova argumentis cl. Euleris superstructa, 1752;
    Philos. Gedanken v. d. wahren Begriffe d. Ewigkeit, 1755;
    Vom Tartuffelmehle, u. d. daraus zu backenden Brote, Preisschr. d. Ak. Göttingen, in: Nützl. Slgg., 1758, S. 913–32;
    Nachr. v. d. Gel. welche aus d. Stadt Conitz d. Poln. Preußens herstammen, 1763;
    Die gänzliche Ergebung d. Lande Preußen an Polen, 1766;
    Abh. über d. (…) Frage: Welches d. dienlichsten u. am wenigsten kostbaren Mittel sind, d. überhandnehmenden Versandung in d. Danziger Nähring vorzubeugen u. d. weitern Anwachs d. Sanddünen abzuhelfen, 1768;
    Physicae dogmaticae elementa praelectionum caussa evulgata, 1774;
    Lehrbegriff d. Naturgesch., 1777;
    Physicae experimentalis elementa praelectionum caussa in lucem edita, 1782;
    Nachr. v. d. vormaligen u. d. neu erbaueten Elbbrücke bey Wittenberg nebst einigen Beylagen, 1788;
    Hg.: Allg. Mag. d. Natur, Kunst u. Wiss., 1753 f.;
    Neue Erweiterungen d. Erkenntnis u. d. Vergnügens, 1753–62;
    Neue Gesellschaftl. Erzz. f. d. Liebhaber d. Naturlehre, d. Haushaltungswiss., d. Arzneykunst u. d. Sitten, 1758–62;
    Wittenbergsches Wbl. z. Aufnehmen d. Naturkde. u. d. ökonom. Gewerbes, 1768–75.

  • Literatur

    L ADB 38;
    M. M. Nieto, The T.-Bode Law of Planetary Distances, Its Hist. and Theory, 1972;
    R. Konersmann, in: Weimarer Btrr. 44, 1998, S. 207–14;
    A. Kleinert, in: Universitäten u. Wiss. im mitteldt. Raum in d. Frühen Neuzeit, hg. v. K. Blaschke u. D. Döring, 2004, S. 227–41;
    Meusel;
    Pogg. II; Complete DSB.

  • Portraits

    P Kupf. v. J. S. L. Halle, 1790/1808 n. Porträt v. B. Calau, 1770 (Univ.bibl. Leipzig).

  • Autor/in

    Andreas Kleinert
  • Empfohlene Zitierweise

    Kleinert, Andreas, "Titius, Johann Daniel" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 308-309 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115648429.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Titius: Johann Daniel T. (auch Tietz), geboren am 2. Januar 1729 zu Konitz in Westpreußen. Er wurde nach dem frühzeitigen Tode seines Vaters im Hause seines Onkels, des Professors Hanov, in Danzig erzogen. Nach Beendigung des vorbereitenden Unterrichts auf dem Gymnasium zu Danzig, bezog er die Universität Leipzig, wo er 1752 die Magisterwürde erwarb und Privatdocent wurde. Im J. 1756 wurde er als Professor der reinen Mathematik nach Wittenberg berufen; 1762 übernahm er daselbst das Lehramt der Physik. Zuletzt war er Senior der philosophischen Facultät der Universität Wittenberg. Außerdem war er Mitglied der ökonomischen Gesellschaft zu Leipzig, der naturforschenden Freunde zu Berlin und der naturforschenden Gesellschaft zu Danzig. Er starb am 16. December 1796 zu Wittenberg.

    • Literatur

      Das Verzeichniß seiner zahlreichen Schriften findet sich am vollständigsten bei Johann Georg Meusel, Lexikon der vom Jahre 1750—1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig, bei Gerhard Fleischer, dem Jüngeren) XIV, 75—81. — Vergl. auch: Literarische Nachrichten von Preußen, herausgegeben von J. F. Goldbeck (Berlin 1781), S. 194 ff. — Poggendorff, Biographisch-literarisches Handwörterbuch.

  • Autor/in

    R. Knott.
  • Empfohlene Zitierweise

    Knott, Robert, "Titius, Johann Daniel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 38 (1894), S. 380 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115648429.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA