Lebensdaten
1538 bis 1574
Geburtsort
Dillenburg
Sterbeort
auf der Mooker Heide
Beruf/Funktion
Graf von Nassau-Katzenelnbogen ; Staatsmann ; Feldherr
Konfession
lutherisch,calvinistisch
Normdaten
GND: 101521707 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ludwig von Nassau
  • Ludwig von Nassau-Dillenburg
  • Ludwig von Nassau-Katzenelnbogen
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Zitierweise

Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101521707.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gf. Wilhelm (d. Reiche) v. N.-D. (1487–1559), S d. Gf. Johann V. v. N. (1455–1516) u. d. Elisabeth v. Hessen;
    M Juliane (1506–80), T d. Gf. Botho III. zu Stolberg-Wernigerode (1467–1538) u. d. Anna v. Eppenstein;
    B Prinz Wilhelm v. Oranien (1533–84), Generalstatthalter d. Niederlande, Gf. Johann VI. v. N.-D. (1536–1606), reg. seit 1559; - ledig.

  • Leben

    Am väterlichen Hof zu Dillenburg erzogen, kam L. nach kurzen Studienaufenthalten in Straßburg, Wittenberg und Genf 1556 an den Hof seines Bruders Wilhelm in den Niederlanden (Brüssel, Breda). Er war ebenso an den Feldzügen des Oraniers wie an den Friedensverhandlungen von Cateau-Cambrésis beteiligt und erwarb sich hier schon seine militärischen wie diplomatischen Fähigkeiten, die er von nun an ganz in den Dienst Wilhelms stellte. Versuche des span. Kg. Philipp II., ihn zum Übertritt zum kath. Glauben zu bringen, scheiterten. Seine Zugehörigkeit zur luth. Religion machte ihn zum Gegner Granvellas und hinderte ihn an der Übernahme des Oberbefehls der westfäl. Kreistruppen. Seit 1565 trat er in Verbindung mit kalvinist. Gelehrtenzirkeln und schloß sich 1566 dem Adelsbund an. Seither eines der wichtigsten Mitglieder des niederländ. Aufstandes gegen Spanien, vertrat er die Theorie des gerechtfertigten Widerstandes. Sowohl seine erfolglose Kandidatur für die Bischofswahl in Münster 1566 wie auch seine 1567 unternommenen Anstrengungen zur stärkeren Einbindung der deutschen Lutheraner in das Geschehen des niederländ. Auftandes zeigen die Absicht, eine breitere Schicht von höheren Reichsständen für die antispan. Politik zu gewinnen. Auch nach dem ersten Scheitern der Bestrebungen Oraniens und der Rückkehr der Brüder nach Dillenburg war L. rastlos bestrebt, sowohl militärisch wie politisch die Sache des Aufstands lebendig zu halten.

    Die 1567 und 1568 wenig erfolgreich verlaufenen militärischen Unternehmungen hielten L. nicht davon ab, 1569 zur Unterstützung der Hugenotten zu Felde zu ziehen und damit die Sache des niederländ. Aufstandes zu internationalisieren. Nach einer Verwundung Colignys übernahm er den Oberbefehl über die hugenottischen Truppen und war maßgeblich am Zustandekommen des Friedens von St. Germain-en-Laye beteiligt. Die Zunahme seines politischen Einflusses am franz. Hof versuchte er zur Aufrichtung einer franz.-engl. Allianz im Zusammenwirken mit den deutschen Lutheranern gegen Spanien zu benutzen. Doch weder dies noch die Absicht, den Königshof mit den Hugenotten zu versöhnen, um von Frankreich eine Basis zur Rückeroberung der Niederlande zu gewinnen, erwiesen sich als durchführbar. Mit der Bartholomäusnacht zerschlugen sich dann L.s weitgespannte Pläne, für die er allenthalben geworben hatte. Aber auch nach 1572 setzte er – unter anderem mit Kg. Karl IX. von Frankreich – alles daran, seine niederländ. Pläne in Verbindung mit Oranien weiter zu verfolgen. Auf einem schlecht vorbereiteten Feldzug, der in Siegen im Februar 1574 seinen Ausgang nahm, fiel L. zwei Monate später in der Schlacht auf der Mooker Heide. Mit ihm hatte nicht nur Wilhelm von Oranien seinen wichtigsten Mitstreiter verloren, sondern zugleich der frühe niederländ. Aufstand einen seiner engagiertesten Vertreter. Hoch gebildet, trat L. mehr auf diplomatischer als auf militärischer Ebene hervor. Trotz seines großen organisatorischen Könnens werden an ihm die begrenzten Möglichkeiten der frühen kalvinistischen Bewegung auf politischer Ebene deutlich. Seine Rolle als Landesherr der Gfsch. Nassau-Siegen sowie als Verwalter des Fürstentums Orange zeitigte außer in der Bildungspolitik nur geringe Wirkungen.

  • Werke

    Apologie van Lodewijk van Nassau, hrsg. v. P. J. Blok, in: Bijdragen en Mededeelingen van het Historisch Genootschap, gevestigt te Utrecht, 8. T., 1884.

  • Literatur

    G. Groen van Prinsterer (Hrsg.), Archies ou Corr. inédite de la maison d'Orange-Nassau, Série I, Bd. 1-4, 1835-37;
    L. P. Gachard (Hrsg.), Corr. du Duc d'Albe sur l'invasion du Comte Louis de Nassau en Frise en 1568 et les batailles de Heyligerlee et de Gemmingen, in: Compterendu des séances de la Comm. Royale d'Hist. 16, 1850, S. 221-384;
    Commentaires de Bernardino de Mendoça sur les évènements de la Guerre des Pays-Bas 1567–77, Traduction nouvelle par Loumier, Avec Notice et Annotations par le Colonel Guillaume, 2 Bde., 1863;
    M. de la Huguerye, Mémoires inédits, hrsg. v. A. de Ruble, 3 Bde., 1877 ff.;
    P. J. Blok (Hrsg.), Correspondentie van en betreffende Lodewijk van Nassau en andere onuitgegevene documenten, 1887;
    ders., Lodewijk van Nassau, 1889;
    ders., De slag op de Mookerheide, 1891;
    P. J. van Herwerden, Het verblijf van Lodewijk van N. in Frankrijk. Hugenoten en Geuzen (1568–72), 1932;
    ders., Lodewijk van N., een leven gewijd aan de Nederlanden, 1939 (P);
    K. Wolf, L. Gf. v. N.-D., in: Nassau. Lb. III, 1948, S. 93-116 (P);
    J. C. A. de Meij, De Watergeuzen en de Nederlanden 1568–72, 1972;
    N. M. Sutherland, The Massacre of St. Bartholomew and the European Conflict, 1559–72, 1973;
    G. Parker, Der Aufstand d. Niederlande, Von d. Herrschaft d. Spanier z. Gründung d. niederländ. Republik 1549-1609, 1979 (Übers. d. engl. Ausg.: The Dutch Revolt, 1977);
    G. Menk, „Qui trop embrasse, peu estreind“, Pol. u. Persönlichkeit Gf. Johanns VI. v. N.-D., in: Jb. f. westdt. Landesgesch. 7, 1981, S. 119-57;
    ders., Die Hohe Schule Herborn in ihrer Frühzeit (1584–1660), 1981.

  • Portraits

    Gem. v. W. de Geest (Rijksmuseum Amsterdam) Bild;
    Gravur, ca. 1572, mit Wilhelm v. Oranien (Bibl. Nat., Paris, Inv. Nr. Hennin 661), Abb. b. Herwerden, Lodewijk van Nassau, u. Wolf, s. L.

  • Autor/in

    Gerhard Menk
  • Empfohlene Zitierweise

    Menk, Gerhard, "Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 402 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101521707.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ludwig, Graf von Nassau-Katzenellenbogen, geb. am 10. Januar 1538 zu Dillenburg, war der dritte Sohn des Grafen Wilhelm und der Juliane von Stolberg. Seinem ältesten Bruder Wilhelm von Oranien folgte der reichbegabte junge Mann, nachdem er in Straßburg und Genf studirt hatte, in die Niederlande, wo er bald eine der ersten Stellen unter dem Adel einnahm. Ein Spiegel aller Tapferkeit und ritterlicher Sitte (schon in der Schlacht von Saint Quentin, 1557, hatte er sich hervorgethan), erwarb er sich, so jung er war, bald eine weitverbreitete Popularität in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden, sowol an den Höfen und in den Schlössern, in welchen er, ein gefeierter Turnierheld, verkehrte, als auch unter dem Volke. Denn L. besaß eine tiefe innerliche Frömmigkeit, dazu einen regen Eifer für den Protestantismus, der ihn, den freilich auch unter Reformirten erzogenen Lutheraner, zum Beschützer und Freund der Calvinisten machte, ohne ihn zum Verfolger der Katholiken zu stempeln, was die Augen des der alten Religion je länger je mehr abspenstig werdenden niederländischen Volkes fortwährend auf ihn zog, während seine Lebensmeise, in Mitten einer sittenlosen, verdorbenen und dem Trunk ergebenen Aristokratie, niemals das Volksgefühl verletzte. So konnte er der Herzbruder Brederodes (s. d.) und doch der Freund der beiden edlen Brüder Marnix sein. Obgleich ein Ausländer, gehörte er zu den hervorragendsten Häuptern des niederen Adels, der sich im Spätjahr 1565, als sich die Religionsfrage unaufhaltsam in den Vordergrund drängte, nachdem er bisher die großen Herren nur unterstützt hatte in ihrer Opposition gegen Granvelle, des Volkes selbständig annahm und mit der Forderung freierer Religionsübung auftrat. Mit Brederode und Graf Karl von Mansfeld war L. der erste Unterzeichner des bekannten Compromis des Nobles, an dessen Zustandekommen und Ausbreitung er den größten Antheil hatte. Von jetzt an ist die Geschichte der Revolution die Geschichte Ludwigs. Er war nicht allein als Bruder Oraniens derjenige, welcher die allen Extremen und revolutionären Maßregeln abgeneigten Größen mit den Führern des Compromisses in Verbindung hielt, sondern auch, seines Einflusses auf Brederode wegen, mit den beiden Brüdern Marnix, mit de Harnes, Gilles le Clercq u. a., das Haupt der Bewegungspartei. Seine Verbindungen in Deutschland kamen ihm jetzt zu Statten, auch dort war er unablässig thätig, der niederländischen Sache Freunde und Bundesgenossen, später auch Soldaten, zu werben. Denn L. war entschlossen, den Kampf mit der Regierung, den er kommen sah, aufzunehmen, das arme Volk nicht der Gnade der Spanier zu überlassen. Doch war er, wie sämmtliche Lutheraner und überhaupt alle Gemäßigten, entrüstet und betrübt wegen des Bildersturmes, dessen man ihn später freilich beschuldigt hat, ein Urheber gewesen zu sein. Er verdammte denselben nicht allein, weil er den fanatischen Haß der Calvinisten nicht theilte, sondern auch weil derselbe der Sache der Freiheit gewaltigen Abbruch thun mußte, die Katholischen unwiderruflich entfremden, den König zur Rache seiner Ehre und seiner Religion entzünden. Doch hätte er sich auch wol jetzt noch, den Calvinisten angeschlossen, wenn sich sein Bruder offen erklärt hätte. So wie es jetzt stand, war jeder Widerstand vergeblich und L. verließ, wie so viele, das Land, als Alba heranzog, 1567. Im nächsten Jahre übernahm er die Führung des|Zugs, welcher im Norden des Landes den Aufstand zu erwecken beabsichtigte, während Oranien selber den Süden angriff. Mit seinem jüngeren Bruder Adolf von Nassau und einer Schar Ausgewanderter und geworbener Landsknechte fiel er im Gröningerland ein und besiegte den Statthalter Graf Arenberg bei Heiligerlee (23. Mai 1568), in welcher Schlacht letzterer, sowie auch Adolf von Nassau den Tod fanden. Doch obgleich er jetzt keinen geringen Zuzug erhielt, gelang es ihm nicht, irgend einen Vortheil zu behaupten. Die Stadt Gröningen öffnete ihm ihre Thore nicht und bald nahte der Herzog selbst mit einer erdrückenden Uebermacht, denn Alba setzte Alles daran, um im Norden fertig zu werden, bevor Wilhelm seinen Schlag im Süden führen konnte. Vergebens suchte L. seine wegen Mangel und ausbleibender Soldzahlung meutrischen Landsknechte zu begeistern; nach kurzem Ringen ward sein Heer von einem Theil der spanischen Armee bei Jemgum an der Ems (21. Juli 1568) über den Haufen geworfen und in den Fluß gesprengt. Er selber, dessen Beispiel so machtlos gewesen war wie seine Worte, entkam mit genauer Noth über den Fluß. Mit wenigen Begleitern kam er zu seinem Bruder, den er auf seinem fruchtlosen Zug durch die Südprovinzen begleitete und dann nach Frankreich mit hinüber folgte. Hier machte er mit demselben den Feldzug des J. 1569 im Heere Colligny's mit und spielte mit seinen deutschen Reitern eine Hauptrolle. Seine ritterliche Tapferkeit machte ihn zu einem beliebten Führer der Hugenotten, seinem ungestümen Feuer hat man wol die Niederlage bei Moncontour zugeschrieben, wo seine Energie aber die vollständige Vernichtung abwehrte. Der Friede von Saint Germain verdammte ihn zur Unthätigkeit, doch nur im Felde. Unablässig war er beschäftigt, neue Verbindungen zu knüpfen, der Sache der Niederlande und des Protestantismus Bundesgenossen zu gewinnen. Die Statthalterschaft des Fürstenthums Oranien gab ihm Veranlassung, in Frankreich zu bleiben und so seine französischen Verbindungen zu erhalten und neue, namentlich mit England, zu knüpfen. Doch sind wir über seine Wirksamkeit in Frankreich weniger unterrichtet, weil ans diesen Jahren seine sonst so reichhaltige Correspondenz fehlt. Im Frühjahr des J. 1572, als der König Karl und die Königin-Wittwe Catharina sich mit Hülfe der Hugenotten kräftig gegen Spanien anstrengen zu wollen schienen und Colligny einen Augenblick der einflußreichste Rath der Krone war, planten die niederländischen Ausgewanderten einen zweiten allgemeinen Angriff. Die Herrschaft Alba's war sehr erschüttert, die Nation zur Rebellion bereit, die Wassergeusen hatten den Briel eingenommen und auch der wichtige Scheldehafen Blissingen hatte sich ihnen angeschlossen. Da überfiel L. mit einer meist aus Hugenotten bestehenden Schaar von einem Paar Tausend Mann die wichtige Festung Mons (23. Mai 1572) und bedrohte von da Brüssel und die Südprovinzen. Doch ward er bald von Don Federigo di Toledo eng eingeschlossen und obgleich er einen Theil der spanischen Armee beschäftigt hielt, gelang es ihm nicht, weiteren Einfluß auf den sonst so unglücklichen Gang der Ereignisse zu üben. Sowol die Versuche der Hugenotten ihn zu entsetzen mißlangen, als später die seines Bruders Wilhelm. So zwang, als Wilhelm, ohne Schlacht vollständig geschlagen, seinen Zug aufgegeben und die Bartholomäusnacht die Hoffnungen der Protestanten für längere Zeit vernichtet hatte, Mangel und Meuterei ihn am 19. September zur Capitulation, welche ihm und seinen Soldaten und den mit ausziehenden Bürgern freien Abzug gewährte. Der unermüdliche Kämpfer ward im nächsten Jahre der Vermittler zwischen den Protestanten und der französischen Regierung, als die Hoffnung, die polnische Krone dem Herzog von Anjou zu erwerben, letztere aufs neue zu einem Bündniß mit allen Gegnern Spaniens gegen die habsburgischen Interessen trieb. Merkwürdig ist eine von ihm herrührende, aus diesen Zeiten stammende Denkschrift an den|König Karl IX., in welcher er denselben zu überzeugen sucht, wie dessen Kampf mit dem Protestantismus ein fruchtloser und nur für Spanien ein fruchtbringender sein mußte. Er wagte gegen denselben eine Sprache zu führen, wie Könige selten zu hören bekommen, die ihm aber damals am französischen Hofe nicht übel genommen wurde. Von den Franzosen mit Geld unterstützt, gelang es ihm im Frühjahre des J. 1574 in Deutschland ein kleines Heer, ungefähr 9000 Mann, außer einigen Franzosen, deutsche Reiter und Landsknechte, zu versammeln und über den Rhein nach der Maas zu führen. Seine Brüder Johann und Heinrich und Herzog Christoph, der Sohn des pfälzischen Kurfürsten begleiteten ihn. Er beabsichtigte mit dieser Macht Mastricht anzugreifen und nachher der Maas entlang nach Holland vorzudringen, um sich mit den holländischen Truppen in Bommel zu vereinigen. Bald hatte er Geldmangel und in Folge davon viele Desertionen unter seinem schlecht ausgerüsteten Heer, dem am 14. April eine kleine, aber aus auserlesenen Truppen bestehende spanische Macht unter Don Sancho d'Avila und dem Herrn von Hierges beim Dorfe Mook an der Maas entgegentrat. Auf der Haide bei diesem Dorfe wurden die Truppen Ludwigs nicht allein geschlagen, sondern völlig vernichtet und weder von ihm selber, noch von seinem Bruder Heinrich (Johann war vom Heer abwesend, um Geld zu beschaffen) oder dem pfälzischen Herzog ist je wieder eine gewisse Kunde vernommen. Entweder ist L. in der Schlacht (er hatte sich, als dieselbe verloren war, ins dichteste Kampfgetümmel gestürzt) gefallen und nackt ausgezogen auf dem Schlachtfelde liegen geblieben oder er ist im Fluß umgekommen. So war das jämmerliche Ende einer der liebens- und merkwürdigsten Persönlichkeiten jener an hervorragenden Menschen so reichen Zeit. Wie der Amerikaner Motley sagt, sein Leben war kurz an Jahren, er ist nur 36 Jahre alt geworden, doch es schien ein Leben bis zum Greisenalter auszufüllen, wenn man Alles in Anbetracht nahm, was er darin gethan hatte. Zehn Jahre lang war er der rechte Arm seines Bruders und öfter auch der Führer der Protestanten in den Niederlanden und eines ihrer Häupter in Europa gewesen. Es ist von ihm gesagt worden: hätte er länger gelebt, er wäre der berühmteste Feldherr seiner Zeit geworden. Wir können dem vielleicht beistimmen, denn nur sein allzu kühner Muth verführte ihn dann und wann im Felde, doch eher noch möchten wir sagen, er wäre einer der größten und berühmtesten Männer seiner Zeit geworden. Denn es liegt ein eigenthümlicher Zauber über diesem deutschen Grafen, dem jüngeren Sproß eines keineswegs sehr vornehmen Hauses, dem Ritter ohne Furcht und Tadel der Reformation. L. war gewandt mit der Feder, wie mit dem Schwert, unablässig thätig im Sattel oder im Cabinet, wegen der Einfachheit und Reinheit seiner Sitten, der Uneigennützigkeit seiner Absichten, wegen seiner Frömmigkeit und Duldsamkeit von Calvinisten und Lutheranern, ja von Katholiken geehrt, von weisen Staatsmännern, wie von Kriegsleuten gelobt. Hätte das protestantische Deutschland des 16. Jahrhunderts viele Männer, wie dieser Nassauer, aufzuweisen gehabt, es wäre ein anderes geworden, als jenes, das in den folgenden Jahrzehnten gegen die katholische Gegenreformation unterlag.

    • Literatur

      Die vornehmsten Quellen über Ludwig sind sein Briefwechsel in den vier ersten Bänden der Archives de la Maison d'Orange und daneben die Memoiren seines Secretärs la Huguerye. Vgl. weiter Arnoldi, la Pise, Bor, v. Reyd, die Correspondance de Philippe II., Thuanus und die übrige Litteratur des Zeitraums. Monographien über ihn sind mir unbekannt.

  • Autor/in

    P. L. Müller.
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, P. L., "Ludwig" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 563-565 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101521707.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA