Lebensdaten
um 1458 bis 1502
Geburtsort
Calw (Württemberg)
Sterbeort
Abtei Schuttern bei Lahr (Baden)
Beruf/Funktion
Philosoph ; Theologe ; Kanonist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100630405 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Summenhart, Conrad
  • Summenhart, Conradus
  • Summenhard, Konrad (?)
  • mehr

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Zitierweise

Summenhart, Konrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100630405.html [17.01.2019].

CC0

  • Leben

    S. begann sein Studium am 24. 4. 1472 in Heidelberg, wo er ein Jahr später den Grad eines Baccalaureus artium erwarb. Anschließend ging er nach Paris und wurde Anfang April 1478 zum Magister artium promoviert. Am 6. 9. 1478 immatrikulierte er sich an der ein Jahr zuvor gegründeten Univ. Tübingen. Am 8. 12. 1483 wurde er unter die Magistri regentes (d. h. die o. Professoren) und in den Rat der Artisten-Fakultät aufgenommen. Er amtierte insgesamt viermal als Rektor der Tübinger Univ. (SS 1484, SS 1491, WS 1496/97, SS 1500). Am 27. 1. 1484 begann S. in der theol. Fakultät als Baccalaureus biblicus mit der Auslegung der Hl. Schrift; am 8. 2. 1485 wurde er als Baccalaureus sententiarius mit Vorlesungen über die Sentenzen des Petrus Lombardus beauftragt. Im WS 1487/ 88 amtierte er noch als Dekan der Artistenfakultät. Am 12. 10. 1489 erhielt er das theol. Lizentiat und wurde am folgenden Tag (mit Wendelin Steinbach, 1454–1519) feierlich zum Dr. theol. promoviert. Bei Antritt seines zweiten Rektorats, am 1. 5. 1491, wurde S. als ,theologie professor` bezeichnet. Er vertrat innerhalb der Theologie die an Duns Scotus orientierte ,Via antiqua`.

    Noch zu S.s Lebzeiten wurde bei Heinrich Gran († um 1523/27) in Hagenau sein Hauptwerk, das „Septipertitum opus de contractibus“ (1500, 1515, Venedig 1580), gedruckt. Es gilt als wichtigstes mittelalterliches Werk zur Wirtschaftsethik, enthält aber darüber hinaus umfassende kritische Überlegungen zur Staats- und Kirchenverfassung. Bereits 1497 war bei demselben Verleger ein Traktat über die Zehnten (d. h. die Kirchensteuern)|erschienen. S.s bedeutendes naturphil. Werk, die „Commentaria in summam physice Alberti Magni“, wurde posthum (1507) von seinem Schüler Johann Caesarius (um 1468–1550) bei Heinrich Gran in Hagenau herausgebracht. Kleinere Traktate und Predigten S.s zu theol., kanonist. und aktuellen Fragen der Kirchenreform sind in Frühdrucken und Handschriften der Tübinger Universitätsbibliothek erhalten. Im Rahmen der spätma. Schultheologie fällt S. als origineller und selbständiger Denker auf. Das bestehende theol. und kanonist. System betrachtete er mit kritischem Blick und sah es als reformbedürftig an. In der Ekklesiologie war S. Konziliarist: Für ihn stand das allgemeine Konzil als oberste kirchliche Autorität über dem Papst.

  • Werke

    Weitere W Tractatulus bipartitus de decimis, Hagenau 1497 (krit. Ed. in Opera omnia I);
    Tractatus bipartitus, in quo quod deus homo fieri voluerit, ( . . . ) conprobatur, Tübingen 1498;
    Tractatulus exhortatorius ad attendendum super decem defectibus virorum monasticorum, Tübingen 1498;
    Oratio funebris et luctuosa ( . . . ) pro illustri principe domino Eberhardo primo duce in Wirtemberg et Deck, Tübingen 1498;
    – Opera omnia, Vol. I: Tractatus theologici et canonistici, hg. v. H. Feld, 2004.

  • Literatur

    ADB 27;
    J. Höffner, Wirtsch.ethik u. Monopole im 15. u. 16. Jh., 1941;
    J. T. Noonan, The Scholastic Analysis of Usury, 1957;
    H. Ott, Zur Wirtsch.ethik d. K. S., in: VSWG 53, 1966, S. 1–27;
    H. A. Oberman, Werden u. Wertung d. Ref., Vom Wegestreit z. Glaubenskampf, 1977;
    H. Feld, K. S., Theol. d. kirchl. Reform vor d. Ref., in: Rottenburger Jb. f. KGesch. 11, 1992, S. 85–116;
    ders., K. S., (um 1458–1502), Der Phönix unter Dtld.s Gelehrten, in: Tubingensia, FS f. W. Setzler, hg. v. S. Lorenz u. V. Schäfer, 2008, S. 151–64;
    K. W. Nörr, „Ein Muster damaliger Gelehrsamkeit“, Kanonist. Bemm. zu zwei Abhh. K. S.s z. Thema d. Simonie, in: Tübingen in Lehre u. Forsch. um 1500, Festgabe f. U. Köpf, hg. v. S. Lorenz u. a., 2008, S. 206–18;
    J. Varkemaa, Conrad S.`s theory of individual rights, 2012;
    Vf.-Lex. MA 2 IX, Sp. 521–27 u. IX, Sp. 1470;
    BBKL XI;
    LThK3;
    RGG4 .

  • Autor/in

    Helmut Feld
  • Empfohlene Zitierweise

    Feld, Helmut, "Summenhart, Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 705-706 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100630405.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Summenhart (diese Schreibart ist die beglaubigteste, Summenhard, Summerhart, Sommerhart nicht): Konrad S., geboren zu Calw (Königreich Württemberg), an der Pest im Kloster Schuttern bei Offenburg, wo er vor dem Chor der Kirche am 20. October 1502 begraben wurde. Als Jahr seiner Geburt wird 1465 und 1467 angegeben, was sich aus den sicheren Angaben seiner Tübinger Thätigkeit als irrig erweist. Den angegebenen Begräbnißtag hat das chronicon coenobii Schutterani, wogegen Eysengrein, Gesner und Martin Gerbert 1501 als Todesjahr angeben. Er machte seine Studien in Paris, wurde hier 1476 baccalaureus — es ist geradezu undenkbar, daß er mit 11 oder gar 9 Jahren diese Würde erlangt habe —, und im J. 1478 Professor in der Artistenfacultät der neugegründeten Universität zu Tübingen. An dieser bekleidete er im J. 1484 das Amt des Rectors, wandte sich jetzt auch der Theologie zu, nahm im genannten Jahre 1484 den Einleitungsact vor, erwarb am 13. October 1487 das Licentiat in der Theologie und wurde am 13. October 1489 feierlich zum Dr. theol. promovirt. Neben dem theologischen Lehramt behielt er das in der Artistenfacultät bei, war 1488 deren Decan und nannte sich noch 1500 „professor artium“. Das Amt des Rectors versah er noch 1491, 1496 und 1500. Schriften: „Commentaria in Summam physicae Alberti Magni“, zuerst nach dessen Tode gedruckt in Hagenau 1507. Das Werk steht wesentlich auf dem Standpunkte der alten Scholastik. „Tractatus bipartitus de decimis defensivus opinionis theologorum adversus communiter cauonistas de quotta decimarum si debita sit jure divino vel humano per Conradum Summenhart de Calw artium atque s. theol. professorein inalma universitate Tubingensi ordinarie in theologia legentem editus et ibidem lectus solenniterque A. D. MCCCCXCVII per eundem disputatus.“ Hagenau, 13. November 1497. fol. „Oratio funebris“ auf den Tod H. Eberhard's VII. ydus Martii 1496 gehalten, gedruckt Tübingen 1498. 4. „Super decem defectibus virorum monasticorum“, Rede, gehalten in Hirsau vor dem Provinzialcaftitel 1492, gedruckt Tübingen 1498. 4. „Tract. bipartitus in quo quod deus homo fieri voluit“ cet. gehalten in Tübingen 24. December 1494 und 1495, gedruckt daselbst. „Septipartitum opus de contractibus pro foro conscientiae et theologico“, zuerst gedruckt Hagenau 1500 (13. October), 4°. Vor allem diese Schrift hat Summenhart einen bleibenden Werth verschafft für alle die mit der Volkswirthschaft zusammenhängenden Fragen: Eigenthum, Kaufgeschäft, Rentenkauf, Gesellschaftsvertrag, Wechsel. Die Theorie des Wuchers (Zinsennehmen) zieht sich durch sie hindurch. Obgleich er auf dem strengen Standpunkte der älteren Zeit steht, bietet sein Werk nicht bloß manche interessante neue Gesichtspunkte dar, sondern ist überhaupt für die Beurtheilung der Zeit und ihrer Wirthschaft von Bedeutung. In der Schrift über den Zehnt negirt er den Charakter der Zehntpflicht als einer im göttlichen Rechte fußenden, und nimmt die Möglichkeit der Beseitigung an.

    • Literatur

      Konrad Summenhard. Ein Culturbild aus den Anfängen der Universität Tübingen, verfaßt von Dr. F. X. Linienmann (Zur vierten Säcularfeier der Univ. Tübingen im Sommer 1877. Festprogramm der katholisch-theologischen Facultät. Tübingen 1877.). Diese Schrift berücksichtigt die ganze frühere Litteratur und geht genau auf den Inhalt der Schriften ein, benutzt außerdem die Acten der Universität.

  • Autor/in

    v. Schulte.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulte, von, "Summenhart, Konrad" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 155-156 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100630405.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA