Lebensdaten
1785 bis 1847
Geburtsort
Darmstadt
Sterbeort
Darmstadt
Beruf/Funktion
hessischer Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 10049773X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hoffmann, Ernst Emil
  • Hoffmann, E. E.
  • Hoffmann, Ernst E.

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Hoffmann, Ernst Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10049773X.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans Wilhelm (1754–1813), GR u. Oberkriegsrat in D., Schriftleiter d. Landesztg., S d. Joh. Wilh. (1710–55), Pageninformator in D., dann Pfarrer (aus einer v. Meiningen n. Hessen übergesiedelten Fam.), u. d. Maria Elisabeth Kath. Wagner;
    M Elisabeth Frieder. Dor. (1753–1805), T d. Kriegsrats Joh. Chrstn. Stürtz (1715–91) in D. u. d. Susanna Klemayer;
    Wolfskehlen 1809 Karoline (1793–1849), T d. Phil. Gottfr. Christoph Leusler (1755–1807), GR u. Oberappellationsgerichtsrat in D., u. d. Florentine Pfaff;
    12 K, u. a. Karl Johann (s. Gen. 2), Ernst (1827–77), Prof. d. Anatomie in Basel (s. L), Antonia ( Ludwig Lange, 1808–68, Architekt, s. ADB 17), Emma Johannette (⚭ Wilhelm Soldan, 1803–69, Historiker, s. ADB 34);
    N Reinhold (1831–1919), Dr. phil., Chemiker, Dir. d. Ultramarinfabrik Marienberg b. Bensheim, dann Dir. d. Chem. Fabrik Kalle in Wiesbaden-Biebrich, Aufsichtsratsmitgl. b. Griesheim-Elektron, Vf. mehrerer Publ. üb. Ultramarin (s. Pogg. IV);
    E Ludwig (s. 2), Emil v. Lange (bayer. Personaladel, 1841–1926), Dir. d. Kunstgewerbeschule in München; Groß-N (S d. Reinhold) Berthold (1876–1915), Dr. phil., Chemiker b. Griesheim-Elektron, dann in Bitterfeld.

  • Leben

    H. besuchte 1795-1800 das Gymnasium in Darmstadt, danach wurde er in Mannheim und Hamburg als Kaufmann ausgebildet. Seit 1805 selbständig, erwarb er bald als Unternehmer und Großlieferant ein bedeutendes Vermögen. Es gestattete ihm, politisch tätig zu sein, aber auch Not zu lindern, wo er nur konnte. Bedeutende Opfer brachte er 1813 für den deutschen, in den 20er Jahren für den griechischen Freiheitskampf. Griechenland verlieh ihm das erbliche Ehrenbürgerrecht. Im Hungerjahr 1817 unterstützte er die Bedürftigen; den Geschädigten des großen Brandes in Hamburg 1842 und des Erdbebens von Guadeloupe 1843 half er durch Geldsammlungen. Er war ein Vorkämpfer des deutschen Zollvereins. Der Bau der 1846 eröffneten Main-Neckar-Bahn ging auf seine Anregung und Förderung zurück. Als einer der Führer der freiheitlichen Richtung der „Schwarzen“ half H., 1820 eine Verfassung für Hessen durchzusetzen. Der Regierung war der redegewaltige „Volkstribun“ sehr lästig. 1826 zum erstenmal in die 2. Kammer der Landstände gewählt, konnte er seinen Sitz erst 1829 einnehmen, nachdem er von der Anklage der Majestätsbeleidigung und Wahlbeeinflussung freigesprochen worden war. Als Abgeordneter (1829–35) entfaltete H. große Aktivität. Endlich gelang es der Regierung, ihn mit Hilfe der Justiz durch die unbewiesene Beschuldigung der Wahlbestechung durch Verteilung von 17 Kreuzern für immer von der Kammer fernzuhalten. Auch seine Zeitung, das „Hessische Volksblatt“, das erste freie Organ des Landes, wurde unterdrückt. Doch wirkte er erfolgreich als Mitglied des Darmstädter Gemeinderats (1828–42); als Bürgermeister wurde er von der Regierung nie bestätigt. Dennoch mußte der Minister du Thil zugeben, daß der „berüchtigte“ H. kein Demagoge, kein Revolutionär sei. H. war ein Vertreter des aufstrebenden, freiheitlich gesinnten Bürgertums, selbstbewußt, fester Parteibindung abgeneigt. Zeitgenossen bewunderten seine „titanische Kraft“. Volkstümlich in ganz Hessen, galt er namentlich in Darmstadt als Helfer aller Bedrängten.

  • Literatur

    ADB XII;
    (Karl Buchner), Gal. sämtl. Abgeordneten in Darmstadt od. kurze Biogrr. u. Charakteristiken ders., 1834, S. 26-33, 1, 4 f.;
    Denkwürdigkeiten a. d. Dienstleben d. Hessen-Darmstädt. Staatsmin. Frhr. du Thil 1803–48, hrsg. v. H. Ulmann, 1921;
    Hess. Biogr. II, 1927 (L, Qu., P-Angaben);
    A. Müller, Die Entstehung d. Hess. Vfg. v. 1820, 1931;
    Vom Geist e. Stadt, hrsg. v. H.-W. Sabais, 1956, S. 156-59 (mit Briefen). - Zu S Ernst: ADB XII;
    Hess. Biogr. II, 1927;
    BLÄ.

  • Portraits

    Marmorbüste v. F. Brugger (Darmstadt, Alter Friedhof);
    Ölgem. v. G. Gläser, 1826, Abb. in: Dt.GB 96, b. S. 122.

  • Autor/in

    Rudolf Kraft
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraft, Rudolf, "Hoffmann, Ernst Emil" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 396 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10049773X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hoffmann: Ernst Emil H. — einer der eifrigsten Beförderer des Zollvereins — am 17. Januar 1785 zu Darmstadt als Sohn des Geh. Kriegsraths H. geboren, erlernte die Kaufmannschaft, errichtete 1806 in Darmstadt ein gewöhnliches Spezereigeschäft, gab dasselbe aber bald wieder auf und begann nun Handel mit den verschiedenartigsten Dingen im größten Stil zu treiben, infolge dessen er sich rasch ein bedeutendes Vermögen erwarb. Von da an begann das öffentliche politische Leben Hoffmann's, welches durchaus dem Interesse der Volksfreiheit und der Volkswohlfahrt nach allen Richtungen hin angehörte und welches sich dabei durch eine ganz ungewöhnliche Opferwilligkeit charakterisirte. Im J. 1813 rüstete er in Darmstadt die ersten 6 freiwilligen Jäger auf eigene Kosten aus, besorgte die Ausrüstung eines Theiles des ganzen darmstädtischen Corps und wurde Chef des ersten darmstädtischen Landwehrregiments. Bei der Erhebung der Griechen brachte er wieder sehr bedeutende Opfer. Als Bevollmächtigter sämmtlicher Philhellenenvereinen Deutschlands reiste er 1822 nach Marseille und befolgte dort die Einschiffung der nach Griechenland gehenden Freiwilligen. Um 1823 schuf er eine Militärvertretungs-Gesellschaft. 1826 wurde er zum Landtagsabgeordneten gewählt. Eine von ihm in zahlreichen Exemplaren verbreitete Aufforderung an das Volk, nur unabhängige Männer von liberaler Gesinnung in den Landtag zu wählen, zog ihm jedoch seitens des Ministers Grolmann eine Anklage wegen indirecter Majestätsbeleidigung zu. Am 29. August 1829 völlig freigesprochen, trat er nunmehr in die Ständeversammlung ein, wo sich ihm jetzt sein bedeutendster Wirkungskreis aufthat und wo er als Antragsteller, als Theilnehmer an der Discussion und als Mitglied von Ausschüssen eine ganz ungewöhnliche, in jeder Beziehung schwer wiegende Thätigkeit entfaltete. In seiner Persönlichkeit zeigte sich etwas Titanenhaftes. Zum Landtag von 1832 wurde er gleichzeitig von 6 Bezirken gewählt. Bei dem Volke in Darmstadt galt er als der Vater aller Armen, Wittwen und Waisen, als der Helfer und Berather aller Bedrängten; aber den Männern der Regierung war er mit seinem Liberalismus und mit seinem rastlosen Streben und Schaffen längst verhaßt geworden. Als sich daher 1835 das Gerücht verbreitete. H. habe bei der neuen Wahl zum Landtag durch einen Diener mit gedruckten Wahlzetteln 17 Kreuzer (!) an vier Wähler vertheilen lassen, wurde er wegen angeblicher Bestechung in Anklagestand versetzt. 1836 wurde er nur ab instantia entbunden und trotz aller Bemühungen seines Anwaltes, ein definitives|freisprechendes Erkenntniß zu erwirken, wurde vom Hofgericht zu Darmstadt der Proceß als einfürallemal erledigt angesehen. Mit Hoffmann's parlamentarischer Thätigkeit war es daher aus. Als Gemeinderath gab er sich jetzt vorzugsweise städtischen Interessen hin. Er starb am 22. Mai 1847. Fast die ganze erwachsene Bevölkerung Darmstadts folgte seinem Sarge.

  • Autor/in

    Heppe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heppe, Heinrich, "Hoffmann, Ernst Emil" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 583-584 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10049773X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA