Lebensdaten
1737 bis 1813
Geburtsort
Buchsweiler (Unterelsaß)
Sterbeort
Straßburg
Beruf/Funktion
Jurist ; Publizist ; Kirchenrechtler
Konfession
evangelisch Augsburger Bekenntnisses
Normdaten
GND: 100179800 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Koch, Christoph Wilhelm (bis 1777)
  • Koch, Christoph Wilhelm Edler von
  • Koch, Christoph Wilhelm (bis 1777)
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Zitierweise

Koch, Christoph Wilhelm Edler von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100179800.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Reinhard (1697–1755), hanau-lichtenberg., dann hessen-darmstädt. Kammerrat in B., S d. Joh. Philipp (1654–1767) aus St., hanau.-lichtenberg. Finanzrat u. Geh. Kammerrat in B., u. d. Maria Margaretha Steinheil;
    M Susanna Dor. (1698–1767), T d. Joh. Georg Fleischmann, hanau. Amtsschaffner in Wolffisheim Unterelsaß u. Kirchenschaffner d. Ämter Willstett u. Lichtenau/Baden, u. d. Anna Dor. Oestringer;
    Om Georg Wilhelm Fleischmann ( 1765 ?), hessen-darmstädt. GR; 3 Brüder (s. Einl.); - ledig.

  • Leben

    Als achtes von 11 Kindern geboren, verlebte K. die ersten Jahre seiner Jugend in Buchsweiler, wo er das Gymnasium besuchte. Nach der Übersiedlung der Eltern nach Straßburg 1750 besuchte er dort zuerst noch 2 Jahre das protestantische Gymnasium. Später ließ er sich an der philosophischen Fakultät der Universität einschreiben. Hier beschäftigte er sich mit Geschichtsstudien, wozu ihn Schoepflin ermunterte. Nach 3 Jahren wechselte er zur juristischen Fakultät über. Im Juni 1759 schloß er sein Rechtsstudium als Lizentiat ab. Mitte 1762 verteidigte er seine Disputationsschrift „de Collatione dignitatum et beneficiorum ecclesiasticorum“, welche kirchenrechtliche Streitfragen zum Gegenstand hatte. Im selben Jahre ging K. nach Paris zum Bruder seiner Mutter, dem Geheimen Rat Fleischmann, der sich in der französischen Hauptstadt als Bevollmächtigter des hessen-darmstädtischen Landgrafen aufhielt. Diesen Aufenthalt benutzte K., um seine französischen Sprachkenntnisse zu verbessern. Gleichzeitig trat er mit französischen Gelehrten in Verbindung. Nach der Rückkehr aus Paris half er Schoepflin besonders bei der Herausgabe von dessen „Alsatia diplomatica“ und trat an die Stelle Lameys nach dessen Übersiedlung nach Mannheim. Die Assistentenstelle bei Schoepflin wurde für K. der Ausgangspunkt seiner Hochschullehrerlaufbahn für neuere Geschichte und Staatsrecht. Nach dem Tode der Mutter (1767) nahm Schoepflin K. in sein Haus auf, wo dieser bis zu Schoepflins Tod 1771 verblieb. Bald darauf wurde K. Bibliothekar der von Schoepflin gestifteten Stadtbibliothek. In Anerkennung seiner Verdienste als Lehrer erhielt er 1773 die Würde eines Dr. phil. und 1776 die eines Dr. iur. Als einziger der damaligen Straßburger Professoren wurde er 1777 zusammen mit seinem ältesten und jüngsten Bruder von Kaiser Joseph II. in den Adelstand erhoben. Eine Berufung an die Universität Göttingen lehnte er ab. Er unternahm zahlreiche Reisen nach Deutschland, Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden: Überall besuchte er Bibliotheken und Archive und nahm Verbindung mit Gelehrten und Würdenträgern auf. Der Ausbruch der Französischen Revolution 1789 riß ihn aus seiner Tätigkeit als Lehrer und Schriftsteller. Während der Revolution nahm er sich protestantischer Interessen an. Er wurde Mitglied der legislativen Versammlung (1791), wurde während des Terrors eingekerkert, war Mitglied des Tribunats (1802–07) und schließlich diplomatischer Agent und Berater bei Friedensverhandlungen (Frieden von Lunéville 1801). 1804 wurde er Mitglied der Ehrenlegion. Nach der Auflösung des Tribunates (1807) verzichtete K. endgültig auf ein Amt im Staatsdienst und widmete den Rest seines Lebens der Wissenschaft als Hochschullehrer, Mitglied der gelehrten Gesellschaften, Bibliothekar und als Schriftsteller. Ende 1809 übernahm er das Dekanat im Thomasstift, und im Jahr darauf wurde er Mitglied des Direktoriums der Kirche Augsburger Konfession. – Die Zeitumstände erlaubten K. nicht, eine wissenschaftliche Schule zu hinterlassen. Seine Anschauungen lebten indes bei seinen Schülern, zu denen Goethe, Metternich und Montgelas zählen, fort. Durch seinen Einfluß auf die Ausgestaltung der Verfassungen des kurzlebigen Königreichs Westfalen und anderer Rheinbundstaaten wurde K. zum Mittelsmann straßburgischer und französischer Ausstrahlung auf Deutschland. Weiter verdankt das gesamte linke Rheinufer K. die Bewahrung des protestantischen Kirchengutes vor der staatlichen Einziehung. Als Historiker, Staats- und Kirchenrechtslehrer huldigte K. den aufklärerischen Tendenzen seiner Zeit und versuchte überall, die hohen Menschheitsideale in den Vordergrund zu stellen.

  • Werke

    Tables généalogiques des maisons souveraines de l'Europe, 1780;
    Tableau des révolutions de l'Europe dans le moyen âge, 2 Bde., 1790;
    Abrégé de l'hist. des traités de paix entre les puissances de l'Europe, 4 Bde. 1796;
    Tableau des révolutions de l'Europe depuis le bouleversement de l'Empire Romain en Occident jusqu' à nos jours, 3 Bde. 1807.

  • Literatur

    ADB 16;
    J. G. Schweighaeuser, Vie de Ch. G. K., 1813;
    F. Buech, Ch. W. K. (1737-1813), der letzte Rechtslehrer d. alten Straßburger Hochschule, 1936 (W, L, P);
    M. J. Bopp, Die ev. Geistlichen u. Theologen in Elsaß u. Lothringen v. d. Ref. b. z. Gegenwart, 1959, S. 300. |

  • Quellen

    Qu.: Thomasarchiv im Stadtarchiv Straßburg.

  • Portraits

    Gem. v. Lefèvre (Straßburg, Kapitelsaal d. Thomasstiftes), Abb. b. Buech, s. L;
    Denkmal v. Ohmacht, 1816 (ebd., Thomaskirche).

  • Autor/in

    F. Joseph Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Joseph, "Koch, Christoph Wilhelm Edler von" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 260-261 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100179800.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Koch: Christoph Wilhelm v. K., Gelehrter, Schriftsteller und Universitäts-Professor zu Straßburg. Er wurde geboren den 9. Mai 1737 zu Buchsweiler im Elsaß, dem Hauptorte der alten Grafschaft Lichtenberg, welche damals dem Landgrafen von Hessen gehörte. Sein Vater, Finanzrath dieses Fürsten, ließ ihn zuerst das Gymnasium zu Buchsweiler besuchen, allein 1750 siedelte derselbe, hauptsächlich der Ausbildung seiner vier Söhne wegen, nach Straßburg über, wo der junge K. zuerst am dortigen Gymnasium und seit 1752 an der protestantischen Universität seine Studien fortsetzte und vollendete. Er widmete sich dem Studium der Rechte, aber zugleich auch und mit Vorliebe dem der Geschichte und der Staatswissenschaft, welche letztere damals Joh. Dan. Schöpflin lehrte und für welche an den Universitäten jener Zeit kein eigener Lehrstuhl bestand. Schöpflin, welcher bald die Anlagen und den Fleiß seines Zuhörers erkannte, wurde sein Freund und setzte ihn in den Stand, nach ihm diese Schule der Staatswissenschaft, welche er zu Straßburg gegründet und wohin sein Name junge Leute aus den vornehmsten Familien aller europäischen Länder gezogen hatte, fortzusetzen. Obgleich Protestant, beschäftigte sich K. viel mit dem kanonischen Rechte und als Probe dieser seiner Studien veröffentlichte er 1761 die akademische Dissertation „Commentatio de collatione dignit. et benetic. in imper. roman. germanico“, zugleich ein Vorläufer seiner 1789 zu Straßburg erschienenen „Sanctio pragmatica Germanorum illustrata“, welch' letztere Schrift lebhaftestes Aufsehen im katholischen Deutschland erregte und durch ihre Gelehrsamkeit dem Verfasser den Dank der angesehensten kirchlichen Würdenträger eintrug. Nachdem K. durch seine Dissertation die Doctorwürde davongetragen, begab er sich 1762 auf ein Jahr nach Paris, um in der dortigen Bibliothek Forschungen anzustellen und hierdurch sich für seine künftigen Arbeiten vorzubereiten. Nach Straßburg|zurückgekehrt, lieferte er die Fortsetzung der „Historia Zaeringo-Badensis“, von welcher Schöpflin nur den ersten Band verfaßt hatte und auch alle folgenden Bände sind die Arbeit Koch's, obgleich sie den Namen Schöpflin's tragen, der den ersteren mit dieser Arbeit betraut hatte, wie denn auch Schöpflin durch K. in der Herausgabe der „Alsatia diplomatica“, einer elsässischen Urkundensammlung von großem Werthe, unterstützt wurde. Im J. 1766 vermachte Schöpflin der Stadt Straßburg seine reiche, 30 000 Bände zählende Bibliothek sowie seine Alterthumssammlung unter der Bedingung, daß K. deren Bibliothekar und Conservator werde. Beide Sammlungen, die den Grundstock der früheren Straßburgischen Bibliothek bildeten, sind bekanntlich 1870 in Brand aufgegangen. K. erhielt denn auch nach Schöpflin's Tode 1771 beide Aemter zugleich mit dem Titel eines außerordentlichen Professors, der ihn berechtigte öffentlich zu lesen, die Lehrkanzel Schöpflin's aber wurde Joh. Michael Lorentz eingeräumt, einem verdienstvollen Manne zwar, aber unfähig Schöpflin oder K. in dem Unterrichte der jungen Männer für die Staatswissenschaft zu ersetzen. So schaarten sich denn alsbald die Zöglinge Schöpflin's um K., welcher bald das Haupt jener Schule ward, aus welcher lange Jahre hindurch eine große Zahl von Ministern und Staatsmännern hervorging. Im J. 1779 bot ihm der Kurfürst von Hannover die Stelle eines ordentlichen Professors an der Universität Göttingen mit einem glänzenden Gehalte an, K. ließ sich jedoch aus Liebe zur Heimath bewegen, in Straßburg zu bleiben, erhielt aber als Entschädigung den Lehrstuhl des öffentlichen Rechts, den er von jetzt an für immer inne hatte. Die Würde eines Rectors der Universität bekleidete er 1787 zum ersten Male und zwar, wie es akademischer Brauch war, für sechs Monate. Am Schlusse seines Rectorats gab er eine wichtige Abhandlung heraus über die Sammlung der Kirchengesetze, welche der Straßburger Bischof Rachio, gerade ein Jahrtausend zuvor, 787, hatte ausschreiben lassen. Er schrieb dazu eine geschichtliche Einleitung und fügte historische Anmerkungen bei. Rachio's Sammlung war um so werthvoller, als die sogen. falschen Decretalen des Isidorus von Sevilla, d. h. die auf Befehl des Papstes verfälschten und älteren Kirchenversammlungen zugeschriebenen Urkunden und kirchlichen Satzungen vollständig darin fehlen. Koch's Abhandlung erschien in dem 7. Bande der „Notizen und Auszüge aus Handschriften der kaiserlichen Bibliothek“, Paris 1801. Die Handschrift der werthvollen Sammlung des Bischofs Rachio befand sich auf der Straßburger Bibliothek und ging gleichfalls mit derselben unter. Im Anfange des Jahres 1789 entsendeten die Protestanten des Elsasses K. als Deputirten nach Paris, um der französischen Nationalversammlung die bürgerlichen und kirchlichen Rechte der Religionsverwandten Augsburgischer Confession darzulegen und derselben die Freiheiten und Privilegien in Erinnerung zu bringen, welche denselben durch den westphälischen Frieden zugesichert und durch die nachfolgenden Friedensschlüsse bestätigt worden waren. Seine Wünsche wurden erfüllt, indem er den Beschluß der Versammlung vom 17. August 1790 empfing, welcher diese Rechte sanctionirte und erklärte, daß die kirchlichen Güter der Protestanten nicht in denen mitbegriffen seien, welche das Decret vom 1. November 1789 zur Verfügung der Nation gestellt hatte. Zu gleicher Zeit beschloß K., weil die Folgen der französischen Revolution alle jene jungen Leute aus Straßburg vertrieben hatten, die als Zuhörer zu seinen Füßen gesessen waren, sich ganz den Staatsgeschäften zu widmen. Zum Deputirten der ersten gesetzgebenden Versammlung (Assemblée législative) erwählt, bekämpfte er die Faction, die den Thron bedrohte, als Präsident des „Comité diplomatique“ dieser Versammlung bemühte er sich den Frieden zu erhalten und prophezeite in einem Berichte vom März 1792 das Unglück, welches über Frankreich hereinbräche, wenn man Oesterreich den Krieg erklärte. Als er, nach Straßburg zurückgekehrt, in einem officiellen Schreiben vom 10. August 1792 an das Departement des Niederrheins seine Mitbürger zum Widerstande gegen die Maßregeln der Jakobiner und Clubisten ermunterte, trug ihm dieses Schreiben sowie anderen Professoren und Freunden Jerem. Jak. Oberlin, Dr. Blessig, Dr. Isaak Haffner u. A. eine mehrmonatliche Gefängnißstrafe zu Straßburg ein, die nur mit dem Schaffotte sich würde geendigt haben, wenn nicht die Revolution des 9. Thermidor ihm und seinen Freunden die Freiheit gegeben hätte. Seit 1795 widmete er sich wieder seinen Vorlesungen und nahm mit Eifer litterarische Arbeiten auf, welche lange unterbrochen gewesen waren, und nur einmal noch erlitten diese Beschäftigungen eine Störung durch seine Ernennung zum Mitgliede des Tribunats, einer Art Staatsrath, am 9. März 1802. K. trat dieses Amt in der Hoffnung an, seinen Religionsgenossen und deren öffentlichen Cultus, der Stadt Straßburg sowie der Wiederherstellung der protestantischen Hochschule dieser Stadt nützlich zu werden, welche Hoffnungen sich denn auch, wenn auch nicht in dem von ihm gewünschten Maße, erfüllten. Nachdem das Tribunat 1808 aufgelöst worden war, wies K. alle ihm zu Paris angebotenen anderweitigen Stellen ab, dagegen bewilligte man ihm, ohne sein Ansuchen, eine Pension von 3000 Francs. Hierauf kehrte er noch in demselben Jahre nach Straßburg zurück, wo er fortfuhr sich den Wissenschaften zu widmen und 1810 Mitglied des Generalconsistoriums wurde; zu Ende dieses Jahres wurde ihm von der Straßburger Akademie seiner hohen Verdienste wegen der Titel eines Ehrenrectors der Akademie ertheilt. Sein Tod erfolgte den 25. October 1813 und seine Collegen, die Professoren zu Straßburg, ließen ihm in der St. Thomaskirche daselbst ein Monument neben demjenigen Schöpflin's und Oberlin's errichten. Die wichtigsten seiner Werke sind außer den bereits erwähnten: „Traités généalogiques des maisons souveraines (du midi et de l'ouest) de l'Europe“. Strasb. 1782. 4°. welche später durch die de l'Est und du Nord vermehrt wurden und „Abrégé de l'histoire des Traités de paix ...“. Bâle 1796, 8° (4 Bde.), wovon 1817—1818 eine bis zum Wiener Congreß und den Pariser Friedensschlüssen von 1815 fortgeführte, durch F. Schöll besorgte Ausgabe in 15 Bänden erschien. In seinem Nachlasse befanden sich Manuscripte über sein Leben, in deutscher Sprache geschrieben, und mehrere Abhandlungen über den Zustand der Verwaltung des Protestantismus im Elsaß. Unter den für gelehrte Gesellschaften verfaßten Abhandlungen befindet sich auch ein „Mémoire sur la société littéraire que Jacques Wimpfeling avait fondée à Strasbourg vers la fin du XV. siècle“, es findet sich in den „Mémoires de la classe des sciences historiques et politiques de l'Institut“.

    • Literatur

      Autobiographie zu Anfang der „Histoire des Traités de paix“. Schweighäuser, Leben d. Prof. Koch. Biographie Univ. XXII. 510—514. Rathgeber, Die Grafschaft Hanau-Lichtenberg, S. 202—219.

  • Autor/in

    J. Franck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Franck, Jakob, "Koch, Christoph Wilhelm Edler von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 371-373 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100179800.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA