Lebensdaten
erwähnt 862, gestorben 887
Beruf/Funktion
Bischof von Paderborn
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137959710 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Luithard
  • Luithardus
  • Liuthard (eigentlich)
  • mehr

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Zitierweise

Luthard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137959710.html [16.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    Schw Walburg, Äbtissin v. Neuenheerse.

  • Leben

    L. war der dritte Oberhirte des Bistums Paderborn. Wie seine beiden Vorgänger Hathumar (805–15) und Badurad (815–62) entstammte er dem Sachsenlande, nämlich einer im Nethegau (Ostwestfalen) reich begüterten Familie. Es ist zu vermuten, daß er die Paderborner Domschule besuchte und dann eine höhere Stellung im Domklerus bekleidete. Nach dem Tode seines Vorgängers (17.9.862) bestellte ihn Kg. Ludwig der Deutsche zum Bischof von Paderborn. Mit seinem Namen verbinden sich zwei wichtige Ereignisse für die Bistumsgeschichte: die Errichtung (zusammen mit seiner Schwester Walburg) eines freiweltlichen Damenstifts in Neuenheerse, welcher der zuständige Erzbischof Luitbert von Mainz am 16.5.868 und Kg. Ludwig am 13.6.871 zustimmten, und die Bestätigung der freien Bischofswahl für den Paderborner Domklerus durch Kg. Karl den Dicken am 8.9.885, das erste nachweisbare Privileg seiner Art für ein deutsches Reichsbistum.

    Die Nachrichten über L.s Tätigkeit in der Reichskirche zeigen ihn in einer Reihe mit den bedeutendsten Bischöfen seiner Zeit. Zusammen mit dem Bischof von Minden und dem Erzbischof von Mainz weihte er Rimbert von Hamburg und Bremen (865–88) zum Nachfolger des hl. Ansgar. Zu seinem engeren Freundeskreis zählte Bischof Altfried von Hildesheim (847–74), der ihn 872 zur Weihe seines neuen Mariendomes eingeladen hatte. Beide trafen sich ein Jahr später aus ähnlichem Anlaß bei der Domweihe in Köln. Die Weite seiner Verbindungen zeigt auch die Gebetsverbrüderung seiner Kirche mit dem Kloster Reichenau im Bodensee.

    L. dürfte sein Grab im Paderborner Dom neben der Memorie des hl. Liborius gefunden haben, dessen Reliquien 836 nach Paderborn übertragen worden waren. Ein in Neuenheerse erhalten gebliebenes Siegel erinnert an ihn: Es zeigt nach antikem Vorbild ein männliches Haupt mit krausem Bart- und Kopfhaar und die Umschrift „LIVTHARDUS PRESVL“. Es ist das älteste erhaltene deutsche Bischofssiegel und dürfte ursprünglich wohl die Echtheit von Reliquien besiegelt haben.

  • Literatur

    Westfäl. UB, Suppl., 1885, S. 38-42;
    A. Gemmeke, Gesch. d. adeligen Damenstifts zu Neuenheerse, 1931;
    H. J. Brandt u. K. Hengst, Die Bischöfe u. Erzbischöfe v. Paderborn, 1984, S. 48-51.

  • Autor/in

    Karl Hengst
  • Empfohlene Zitierweise

    Hengst, Karl, "Luthard" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 538 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137959710.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA