Lebensdaten
erwähnt 937, gestorben 965
Beruf/Funktion
Markgraf der Elbmark
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 136648940 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gero
  • Elbmark, Gero von
  • Gero, Ostmark, Markgraf
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Zitierweise

Gero, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136648940.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    G. war kein homo novus, wie man lange geglaubt hat, sondern entstammte e. hochangesehenen Geschl. d. östl. Sachsens (Fam. d. „Thietmare“, d. sich in d. Grafen „v. Merseburg“ fortsetzten), das mit d. liudolfing. Königshause verwandt war. V (?) Gf. Thietmar, Erzieher u. Vertrauter Heinrichs I.;
    B Sigfrid ( 937), gründete 936 Kloster (Wester-) Gröningen, hatte e. als legatio bezeichnete Statthalterschaft in Sachsen u. d. Gfsch. im östl. Grenzgebiet an d. mittleren Elbe u. unteren Saale inne;
    Schw Hilda ( Christian, 950, Gf. im Schwabengau u. Serimunt); Cousine Hatheburg ( Kg. Heinrich I., 936);
    Judith;
    2 S Gero, Sigfrid ( Hathui, seit 939 Äbtissin v. Gernrode, N d. Kgn. Mathilde [†968]);
    N EB Gero v. Köln ( 976, s. NDB VI), Thietmar ( 978), Mgf. an d. mittleren Saale u. Mulde.

  • Leben

    G. folgte seinem Bruder bei dessen Tode 937 in der Grenzhut, während die Statthalterschaft in Sachsen den Billungern zufiel. G.s Grafschaft erstreckte sich über Orte in Nordthüringen und im Schwabengau, dazu im eroberten Gebiet jenseits der Elbe-Saale in Serimunt, Zitice und Moraciane. Im selben Gebiet erscheinen gleichzeitig auch Thietmar, Dietrich, Adalbert und Christian, G.s Schwager, als Grafen; vielleicht waren sie alle mit ihm verwandt. Der Allodialbesitz G.s lag um Frose und Gernrode, wo er um 950 und 959 ein Benediktinerkloster und ein Kanonissenstift gründete, also am Ostharz und in seinem Vorland, sowie um Nienburg und in der Landschaft Serimunt östlich der Saale. Er stammte zum Teil aus königlicher Schenkung, wie zum Beispiel die ostsaalischen Besitzungen und Egeln, das ein Patengeschenk Ottos des Großen für G.s Sohn Sigfrid war, und gelangte post acerbam mortem filiorum an die beiden Stifter; auch Frose wurde 959 in ein Kanonissenstift umgewandelt. G.s Stellung wird zunächst durch den Titel comes gekennzeichnet, Widukind von Corvey nennt ihn auch preses, Thietmar von Merseburg rückblickend marchio, und sehr bezeichnend Orientalium marchio, und seit 941 heißt er auch in den Urkunden marchio, schließlich dux et marchio. In der Tat war seine Gewalt eine markgräfliche, das heißt eine vornehmlich auf den Schutz und die Verteidigung der Ostgrenze, aber auch auf die Ausdehnung der deutschen Herrschaft nach Osten gerichtete. Sie wurzelte in der militärischen Befugnis, griff aber sicherlich auch auf andere Bereiche über, so daß seine Stellung schließlich der herzoglichen verglichen werden konnte. G. hat sie sich selbst geschaffen, und so fehlte es ihm nicht an Neidern, die ihn zu stürzen suchten, was aber nicht gelang, da er stets festen Rückhalt am König fand. Schon am Anfang seiner Laufbahn zog er sich die Feindschaft von Ottos des Großen Halbbruder Thankmar zu, der selbst gern Sigfrids Nachfolger im östlichen Sachsen, woher seine Mutter stammte, geworden wäre. Auch der häufige, beschwerliche und kostspielige Heeresdienst zur Bekämpfung der Slawen erregte Mißmut. In diesen Kämpfen war G. höchst erfolgreich: er besiegte die unruhigen östlichen Nachbarn immer wieder; genannt werden die Ukrer, die Lausitzer, auch Mieszko, der Herzog von Polen, der damals die Festigung und Ausdehnung des polnischen Staates in die Wege zu leiten begann. G.s Maßnahmen waren von rücksichtsloser Härte; die Heimtücke, mit der er etwa 30 zu einem Gelage geladene slawische Große (principes) ermorden ließ, sucht Widukind als Vergeltungs- und Vorbeugungsmaßnahme zu entschuldigen. Wenn es möglich war, 948 mitten im Slawenlande in Havelberg und Brandenburg Bistümer zu errichten, so dürfte dies nicht zuletzt auf G.s Tätigkeit beruhen. Das Gebiet der Diözese Brandenburg wurde jedenfalls zu seiner marca gerechnet. Die planmäßige „Gründung“ einer festumgrenzten Mark braucht trotzdem nicht angenommen zu werden, sondern Umfang und Intensität der markgräflichen Gewalt ergaben sich aus der jeweiligen Lage. Immerhin ist es möglich, daß das östliche Grenzgebiet nach dem Vorbild karolingischer Burgbezirke fester zu organisieren suchte, auf G. zurückgehen. Folgenreich war die Anfänge der Burgwardverfassung, die vor allem der Zug G.s in die (Nieder-) Lausitz 963, der dieses Gebiet der deutschen Herrschaft unterwarf und damit die Voraussetzung für die Errichtung des weit vorgeschobenen Bistums Meißen 968 schuf. Damals scheint auch eine Tributpflicht Mieszkos „bis zur Warthe“ begründet worden zu sein, ohne daß über die Deutung des Ausdrucks Einmütigkeit bestünde. Dies war die letzte Tat G.s im Osten. An der sonstigen Reichspolitik war er anscheinend wenig beteiligt. Auf Reichsversammlungen findet man ihn nicht, auch nicht auf den Italienzügen Ottos. Seine beiden Besuche in Rom 950 und wohl 963 waren vielmehr „privater“ Art und wurden durch die Stiftung von Frose und Gernrode veranlaßt. Auf der Rückkehr von der 2. Romreise wurde er nach einer reichen Schenkung in die Gebetsbruderschaft des Klosters Sankt Gallen aufgenommen und seine ganze Verwandtschaft in das Gedenkbuch eingetragen; von der zweiten brachte er eine päpstliche Schutzurkunde für Gernrode und einen Arm des heiligen Cyriacus mit. Seine Frömmigkeit glich also derjenigen seiner adligen Standesgenossen in ottonischer Zeit, doch entspricht die erbauliche Schilderung seines Endes, die Thietmar gibt, schwerlich den Tatsachen. Seinen Eigenbesitz hat er in Ermangelung direkter Nachkommenschaft allerdings wirklich seinen beiden Hausstiftern vermacht. Thietmar berichtet, G. sei „der Große“ genannt worden, ein Wort, das sein Zeitgenosse Widukind ebenfalls braucht (vir magnus et potens), der ihn auch sonst fast überschwenglich rühmt. Einen Schützer des Landes (defensor patriae) nannte ihn Thietmar mit Recht, und König Otto wird Grund gehabt haben, ihn in den Urkunden immer wieder als treu, ja besonders treu (fidelissimus) hervorzuheben. Zweifellos war er einer der bedeutendsten und tatkräftigsten Helfer Ottos des Großen.

  • Literatur

    ADB IX;
    O. v. Heinemann, Mgf. G., 1860;
    F. M. Fischer, Politiker um Otto d. Gr., Diss. Berlin 1937;
    S. Lüpke, Die Markgrafen d. sächs. Ostmarken in d. Zeit v. G. bis z. Beginn d. Investiturstreits (940–1075), Diss. Halle 1937;
    K. Schmid, Neue Qu. z. Verständnis d. Adels im 10. Jh., in: ZGORh 108, 1960, bes. S. 211 ff.

  • Autor/in

    Walter Schlesinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlesinger, Walter, "Gero" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 312-314 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136648940.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gero, Markgraf, von unbekannter Herkunft aber wahrscheinlich einem im nördlichen Theile des Gaues Suevon ansässigen und begüterten Geschlechte entsprossen, ward im J. 937 von König Otto I. mit der durch den Tod des Grafen Siegfried erledigten Legation gegen die Wenden betraut, ein Amt, welches sich unter seiner Verwaltung durch fortgesetzten Kampf gegen das Slaventhum bald zu einer Markgrafschaft im späteren Sinne des Wortes umgestaltete.|Otto übertrug ihm im J. 939 den Krieg gegen die wendischen Stämme an der mittleren Elbe und unteren Saale, und schon im J. 941 hatte G. theils durch die Erfolge seiner Waffen theils durch den Verrath des Hevellerfürsten Tugumir in Brandenburg den größten Theil dieser Stämme bis gegen die Oder hin der deutschen Herrschaft unterworfen. Gestützt auf zahlreiche in dem Gebiete der Wenden angelegte Burgwarde und durch die Begründung der Bisthümer Havelberg (946) und Brandenburg (948) in seinem Streben nicht unwesentlich unterstützt, schien er schon damals der Erreichung seines Zieles, der völligen Unterjochung der Wenden, nahe, als der grausame Bürgerkrieg, in welchen Deutschland nach Otto's Rückkehr von seinem ersten italienischen Zuge durch den Ehrgeiz seines Sohnes und Eidams gestürzt wurde, und der große Ungarneinfall des J. 955 die unterworfenen Stämme noch einmal zu einer großen allgemeinen Erhebung ermuthigten. Allein sie wurden nach Otto's Siege über die Ungarn bei Augsburg an dem Flusse Raxa (meist für die Reckenitz im Mecklenburgischen gehalten) am 16. October des genannten Jahres in einer großen Schlacht, welche, obschon der König selbst beim Heere war, doch unter Gero's persönlicher Leitung geschlagen ward, vollständig besiegt und nun ihre Unterwerfung durch eine Reihe von Feldzügen in den nächstfolgenden Jahren vollendet. Nachdem im J. 963 noch einmal die Lusici (Lausitzer) sich empört, aber durch G. in einem blutigen Treffen überwunden worden waren, konnte das ganze Land bis zur Oder als vollständig unterworfen angesehen werden, ja G. nöthigte durch die von ihm an den Grenzen Polens eingenommene drohende Haltung den König dieses Landes, die Oberhoheit des deutschen Reiches anzuerkennen. Bald nach diesen Erfolgen zog sich der „große Markgraf“, wie ihn seine Zeitgenossen nannten, von den öffentlichen Angelegenheiten mehr und mehr zurück. Nachdem ihm die beiden Söhne im Tode vorausgegangen, verschied er am 20. Mai 965 und ward in der jetzt in reicher Weise restaurirten Kirche des von ihm gestifteten und mit seinem ganzen Erbe ausgestatteten Frauenklosters Gernrode am Nordostsaume des Harzes begraben. — Die gleichzeitigen Annalisten, so dürftig ihre Nachrichten über G. sind, lassen doch erkennen, daß er eine der hervorragendsten Persönlichkeiten seiner Zeit war: hart, rücksichtslos, ja grausam gegen seine Feinde, aber freigebig, tapfer und in einer Zeit, da Verrath und Abfall auf der Tagesordnung standen, seinem kaiserlichen Herrn in unerschütterlicher Treue ergeben. In Lied und Sage lebte sein Name noch lange bei dem Volke fort. Das große Grenzgebiet, das er verwaltet hatte, ward nach seinem Tode in sechs kleinere Marken zersplittert.

    • Literatur

      S. v. Leutsch, Markgraf Gero, 1828; v. Heinemann, Markgraf Gero, 1860.

  • Autor/in

    v. Heinemann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heinemann, Otto von, "Gero" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 38-39 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136648940.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA