Lebensdaten
1800 bis 1879
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Grillparzers ewige Braut ; Sängerin ; Mäzenin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13600072X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fröhlich, Kathi
  • "Grillparzers ewig Braut" (genannt)
  • Fröhlich, Katharina
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Zitierweise

Fröhlich, Katharina, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13600072X.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus verarmter Kleinfabrikantenfam.;
    V Matthias (1756–1843), Einschlagfabr. (Einschlag = Mittel z. Verhütung d. Ansetzens v. Schimmelpilzen in Weinfässern);
    M Barbara Mayr (1764–1841); 3 Schw Anna (Nanette, 1793-1880), Sängerin u. Musiklehrerin, Schülerin d. Mozartschülers J. N. Hummel u. d. ital. Tenors G. Siboni, leitete 1819-54 d. höheren Klassen an d. Singschule d. Ges. d. Musikfreunde in W. (später „Conservatorium“), Barbara Franziska (Betty, 1798–1878, Ferdinand Bogner, 1786–1846, Flötenvirtuose u. Honorarprof. am Konservatorium d. Ges. d. Musikfreunde; f. ihn schrieb F. Schubert 1824 d. Flötenvariationen Op. 160), Schülerin u. Mitarbeiterin M. M. Daffingers, später Zeichenlehrerin am Offizierstöchtererziehungsinst. in W., Josephine (Pepi, 1803-1878), Schülerin ihrer Schw Anna am Konservatorium u. d. Tenors Siboni in Kopenhagen, erfolgreiche Opern- u. Konzertsängerin (Dänemark, Dtld., Mailand, Wien, 1829 Titel Kgl. dän. Kammersängerin) u. Gesangspädagogin in W.

  • Leben

    Das Haus der musikbegeisterten und als Sängerinnen (Alt) wirkenden, allseits beliebten „Schwestern Fröhlich“, die nach dem Niedergang des elterlichen Betriebes den Hausstand durch eigene Kraft wieder ordneten, war ein bedeutender Mittelpunkt des künstlerischen und kulturellen Lebens im Wien des Vormärz, vor allem der aufblühenden bürgerlichen Musikkultur. Zum großen Freundeskreis der Fröhlichs zählten als nachmalig Berühmteste Schwind, Grillparzer und Schubert. Besonders letzterer verdankt den 4 Schwestern wesentliche Förderung; nicht wenige seiner Lieder und einzelne Chöre wurden von ihnen, hauptsächlich von Anna, bei ihren Hausmusiken und mit ihren Schülerinnen in der Gesellschaft der Musikfreunde wie auch bei zahlreichen musikalischen Soireen zur Aufführung gebracht und bekannt gemacht, wobei Schubert oft selbst am Klavier begleitete. Der „23. Psalm“ Op. 132 (1820), das „Ständchen“ Op. 135 (Zögernd leise, Gedicht von Grillparzer, 1827) und „Mirjams Siegesgesang“ Op. 136 (Gedicht von Grillparzer, 1828) sind, wie manche andere seiner Schöpfungen, für solche Anlässe komponiert worden. (Die Schwestern waren nach Schuberts Tod an der Stiftung seines Grabmals maßgebend beteiligt.) – Kathi F., gleichfalls musikalisch, gerühmt wegen ihrer Schönheit, fiel überdies durch natürliche Intelligenz, starke Schauspielbegabung und ausgeprägte Wesenhaftigkeit auf. Die Beziehung zu Franz Grillparzer, die dieser 1820/21 von sich aus angebahnt hatte und die in der ersten glücklichen Zeit sein dramatisches Ingenium beflügelte, blieb trotz erfolgter Verlobung wegen der Charakterverschiedenheit der beiden und der Unentschlossenheit des Dichters ein dauernder platonischer Brautstand. Als nach Überwindung des krisenreichen Verhältnisses und seiner Verwandlung in Freundschaft der fast 60jährige große Poet 1849 sich bei den ihn verehrenden Schwestern Fröhlich in der Spiegelgasse 21 einmietete, war es besonders Kathi, die ihn bis zu seinem Tode (1872) mit liebender Sorgfalt umhegte. Grillparzer hat ihr in so manchem seiner Werke ein bleibendes Denkmal gesetzt. Kathi, im Geiste des Verewigten handelnd, stiftete als seine Universalerbin 1872 den „Grillparzer-Preis“ zur Förderung deutscher dramatischer Dichter (1875 erstmals verliehen). Den literarischen Nachlaß betreute sie sorgsam. 1878 widmete sie das kostbare Vermächtnis der Gemeinde|Wien, wo es seither in der Obhut der Stadtbibliothek ist und wissenschaftlich erschlossen werden konnte.

  • Auszeichnungen

    Durch eine letztwillige Verfügung der Anna Fröhlich 1879 wurde eine „Schwestern Fröhlich-Stiftung“ zur Förderung und Unterstützung notleidender Künstler und Wissenschaftler ins Leben gerufen.

  • Literatur

    F. Grillparzer, Sämtl. Werke, histor.-krit. Ausg., hrsg. v. A. Sauer, 1909 ff. (u. a. d. Kind Kathi Fröhlich in „Kg. Ottokars Glück u. Ende“, Melitta in „Sappho“, Hero in „Des Meeres u. d. Liebe Wellen“, Edrita in „Weh' dem, der lügt“, „Libussa“, Barbara in „Der arme Spielmann“; Gedichte:
    Allgegenwart, 1821, Albumblatt, 1821, Als sie, zuhörend, am Klavier saß, 1821, Gedanken am Fenster, 1822, Jugenderinnerungen im Grünen, als Nr. 15 in d. Zyklus „Tristia ex Ponto“, 1824-30; Tagebücher
    );
    Statut d. „Schwestern F.-Stiftung“, 1883;
    H. Laube, F. Grillparzers Lebensgesch., 1884;
    L. A. Frankl, Zur Biogr. F. Grillparzers, 1884;
    L. Speidel, F. Grillparzer u. K. F., in: Neue Zeit, Wschr. f. dt. Theater u. Urheberrecht 13, II. Halbj., Nr. 50, 1884;
    A. Sauer, Grillparzers Kathy, Jugend, 1902, Nr. 4;
    H. Rau, Grillparzer u. s. Liebesleben, 1904;
    A. Sauer, Zur Biogr. d. Schwestern F., in: Grillparzer Stud., hrsg. v. O. Katann, 1924: F. Wolf-Cirian, Grillparzers Frauengestalten, 1908;
    J. A. Lux, Grillparzers Liebesroman, Die Schwestern F., 1912 (Roman);
    M. v. Ebner-Eschenbach, Meine Erinnerungen an Grillparzer, 1915;
    S. M. Prem, Grillparzers ewige Braut, 1922;
    Ungedr. Briefe aus Grillparzers Nachlaß, d. 3 Altersdramen betr., in: Grillparzer Stud., 1924 (P);
    F. Schreyvogl, Grillparzer, 1935 (Roman), Neuaufl. u. d. T. Sein Leben ein Traum, 1948 u. 1955;
    A. T. Leitich, Die Wienerin, 1939;
    R. Auernheimer, F. Grillparzer d. Dichter Österreichs, 1948;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Kosch, Theater-Lex.;
    A. Orel, in: MGG IV, Sp. 999-1001 (auch f. d. 3 Schw, P);
    ÖBL.

  • Portraits

    Miniatur (Aquarellmedaillon) v. M. M. Daffinger, 1823 (im Bes. d. Hist. Mus. d. Stadt Wien), Abb. b. Wilpert, Literatur in Bildern;
    Kreidezeichnung v. B. Heinrich, Abb. MGG (auch f. Schw Anna u. Josephine).

  • Autor/in

    Johann Gunert
  • Empfohlene Zitierweise

    Gunert, Johann, "Fröhlich, Katharina" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 650-651 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13600072X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA