Lebensdaten
1781 – 1848
Geburtsort
Basel
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Bankier ; Freiherr
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 136480462 | OGND | VIAF: 80816752
Namensvarianten
  • Geymüller, Johann Heinrich der Jüngere Freiherr von
  • Falkner genannt Freiherr von Geymüller, Johann Heinrich (Namensannahme 1804)
  • Falkner genannt von Geymüller, Johann Heinrich (Namensannahme 1804)
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Zitierweise

Geymüller, Johann Heinrich Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136480462.html [21.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Peter Falkner (1752–1814), Wechselsensal in B., S d. Hans Heinr. F. (1702–87), Güterbestäter u. Ger.herr in B., u. d. Anna Thierry;
    M Ursula Geymüller (1758–1844), Schw d. Joh. Heinr. d. Ä. (s. 2) u. d. Jacob (s. 3);
    1) Rosalie (1785–1834), T d. bayer. Justiz- u. Reg.rats Justus Herm. Deahna in Bayreuth u. d. Charlotte Marg. Frieder. Lösch, 2) Wien 1835 Eleonore (1808–66), T d. Karl Frdr. Ludw. Griesbach (1765–1835), Musiker in d. engl. Hofkapelle, u. d. Sarah Wigg; Gmv d. 2. Ehefrau war Schw d. Astronomen Frdr. Wilh. Herschel ( 1822);
    1 S aus 1) (früh †), 1 S aus 2) Heinrich (s. 1); 1 unehel. T (adoptiert);
    1 Adoptiv-T Luise Freiin v. G. ( 1828 Adolf Gf. v. Kielmannsegg, 1796–1866, hannov. Gesandter in Paris u. London).

  • Biographie

    Mit seinem Bruder zog Johann Heinrichder Ältere nach Wien, wo er 1775 durch Vermittlung seines Vormunds in das Handelshaus des Schweizers Peter Ochs (gegründet 1763) eintrat. Dank seiner großen Tüchtigkeit als Buchhalter vertraute P. Ochs ihm schon 1777 das alleinige Obligo an, 1781 erhielt er Prokura, wurde Associé und gewann eine Beteiligung am Viertel des Gewinnes (1785 Ochs, Geymüller und Co.). 1788 ist der Bruder Jacob als Kompagnon eingetreten. Durch den Tod des Peter Ochs 1804 wurde dem Großhandlungshaus Geymüller und Co. am 24.7.1804 das Großhandlungsprivileg und am 14.1.1805 das Protokollierungsrecht zuerkannt. 1805 wurde ein Sozietätskontrakt mit dem Neffen Johann Heinrichdem Jüngeren Falkner geschlossen, der 1804 im Hinblick darauf den Namen seiner Onkel Geymüller angenommen hatte.

    Als Napoleon 1805 Wien besetzte, forderte er eine riesige Kontribution. Über persönliches Ersuchen des Kaisers sprangen die Brüder G. ein und liehen dem Kaiser zunächst einen Vorschuß von 1 Million Franken. Napoleon forderte aber 32 Millionen Franken, und die G. brachten auch diese Summe in kürzester Zeit auf, indem sie diese durch Wechselbriefe bei den Bankhäusern Arnstein und Eskeles sowie Fries und Co. deckten. Hierfür gewährte ihnen Hofkammerpräsident Karl Graf Zichy ein halbes Prozent Provision unter der Bedingung, daß sie diese Transaktion geheimhielten und nicht in ihren Handelsbüchern eintrügen. Tatsächlich zog das französische Heer auf Grund der G.schen Bürgschaft am 12.1.1806 aus Wien ab. Bei seinem neuerlichen Einzug in Wien 1809 verlangte Napoleon 20 Millionen Gulden Konventionsmünze. Kaiser Franz befahl dem Haus Geymüller durch die Eröffnung eines Silber- und Lotterie-Anlehens gemeinsam mit den Bankhäusern Fries, Arnstein, Eskeles und Steiner die Aufbringung dieser enormen Reparationssumme. Der Kaiser verpfändete im Gegenwert dafür Staatsgüter.

    Johann Heinrichder Ältere gehörte zu den Gründern der Österreichischen Nationalbank (1816), war ein ausgezeichnetes Mitglied jenes Komitees, welches mit dem Entwurf und der Prüfung der Bankstatuten beauftragt wurde (1817-23 Vizegouverneur). Jacob war 1806-21 Deputierter des Großhandlungs-Gremiums und Besitzer der Herrschaften Hollenburg und Eisenthür in Niederösterreich. Daneben besaßen die G. reichen Realitätenbesitz (Schloß Pötzleinsdorf). Ihr Haus in der Wallnerstraße in Wien war ein glanzvoller Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens im Vormärz. Hier verkehrten zahlreiche Künstler, Dichter, Maler und Musiker, darunter auch Grillparzer, der hier seine „ewige Braut“ Kathi Fröhlich kennenlernte.

    Die G. erwarben große Güter in Böhmen und ließen sich auch als Landstand intabulieren. Das Wiener Großhandelshaus führte die Witwe Johann Heinrichsdes Älteren , Barbara, gemeinsam mit Jacob weiter, während Johann Heinrichder Jüngere Falkner das Bankgeschäft leitete. Letzterer gründete 1833 zu Vöslau die erste und einzige Kammgarnspinnerei Österreichs (seit 1846 AG). 1839 zählte diese bereits 325 Beschäftigte an 3200 Spindeln, die außer durch Wasserkraft auch von einer 15 PS Dampfmaschine betrieben wurden. Er war auch einer der Initianten für den Bau der ersten österreichischen Eisenbahn. Johann Heinrichder Jüngere führte einen luxuriösen Lebenswandel, erwarb das Schloß des Grafen Fries in Vöslau und das ehemals kaiserliche Lustschloß am Schaumburgergrund. Trotz Metternichs Eingreifen fallierte auch er 1841 bei einer allgemeinen Bankkrise infolge der Orientwirren und mußte in die Schweiz flüchten. Er wird vielfach, zweifellos zu Unrecht, als Vorbild zu Raimunds „Verschwender“ (bereits 1833 erschienen!) angesehen.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger v. Wien.

  • Literatur

    Aus Metternichs nachgelassenen Papieren, hrsg. v. R. Metternich, Bd. 6, 1883, S. 492 ff.;
    A. Sauer, Grillparzer u. Katharina Fröhlich, in: Jb. d. Grillparzer-Ges. 5, 1895, S. 224;
    K. Glossy, Literar. Geheimberr. aus d. Vormärz, ebd. 21-23, 1912, Anm. S. 137;
    H. Cloeter, Häuser u. Menschen v. Wien, ⁴1916, S. 122 ff. (P);
    E. Scheffer, Das Bankwesen in Österreich, 1924, S. 87 f.;
    J. Marx, Eine vormärzl. Wirtsch.krise im Lichte d. amtl. Berr., in: Hist. Bll. 5, 1932, S. 46 ff.;
    Wiener Kurier v. 31.10.1952;
    Österr. Bankarchiv 2, 1954, H. 3, S. 89 f.;
    Rathaus-Korr. v. 15.4.1954, Bl. 751;
    Wiener Ztg. v. 4.4.1954;
    Die Presse v. 18.9.1955;
    Österr. Neue Tagesztg. v. 24.10.1956;
    G. Otruba, Industrietopogr. Nd.österreichs, 1956, S. 137;
    ÖBL.

  • Porträts

    P zu Joh. Heinrich d. Ä.: Ölgem. v. Lange, 1790 (Kopie im Bes. v. Frau M. Sarasin-de Geymüller, Basel);
    - zu Joh. Jacob:
    Ölgem. v. Lange, 1790 (Kopie ebd.);
    Lith. v. F. Lieder, 1828 (Mus. d. Stadt Wien), Abb. in: H. Cloeter, s. L; - zu Joh. Heinrich d. J.:
    Lith. v. dems. (Wien, Nat.bibl.), Abb. ebd.;
    Lith. v. J. Kriehuber (Wien, Albertina);
    Miniature v. M. Daffinger (im Bes. v. Frau R. de Nikitine, Strasbourg).

  • Autor/in

    Gustav Otruba
  • Zitierweise

    Otruba, Gustav, "Geymüller, Johann Heinrich Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 362-363 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136480462.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA