Lebensdaten
1180 bis 1208
Beruf/Funktion
Erzbischof von Köln
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135669154 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bruno IV.
  • Brun IV. von Sayn
  • Brun von Sayn
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Zitierweise

Brun IV., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135669154.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Eberhard I., Graf von Sayn (1139–76);
    B Heinrich II., Graf von Sayn (1176–1202), Vogt des Domstifts Köln, Gründer der Abteien Sayn und St. Maximin zu Köln, Erbauer von Blankenberg/Sieg.

  • Leben

    B., Propst der Stifter Mariengraden in Köln (1180), St. Castor in Koblenz (1182) und St. Cassius in Bonn (1192), wurde am 25.7.1205 von der welfischen Partei zum Erzbischof erhoben, nachdem sein Vorgänger Adolf I. 1204 von Otto IV. zu Philipp von Schwaben übergegangen und exkommuniziert worden war. Die bergische Partei unter Dompropst Engelbert, die Stiftsstände und Suffraganbischöfe blieben Adolf treu; zu B. stand nur das belagerte Köln. Dort hielt er mit Otto IV. Hof, bis er bei der Vernichtung des welfischen Heeres zu Wassenberg 1206 durch Philipp gefangengenommen und erst nach einjähriger Haft in Süddeutschland nach Rom entlassen wurde. Nach der Ermordung des Staufers kehrte er am 11.9.1208 nach Köln zurück.

  • Literatur

    ADB III;
    J. Ficker, Engelbert d. Hl., 1853, S. 38 bis 46;
    L. Ennen, Gesch. d. Stadt Köln II, 1865, S. 40-50;
    V. Röhrich, Adolf I. EB v. Köln, Diss. Königsberg 1886, S. 70 ff.;
    C. Wolfschläger, EB Adolf I. v. Köln als Fürst u. Politiker, in: Münstersche Btrr., NF 6, 1905, S. 99 ff.;
    R. Knipping, Regg. d. Erzbischöfe v. Köln III, 1909, S. 1-9;
    C. A. Ley, Köln. Kirchengesch., 21917, S. 209-11;
    H. Foerster, Die Kölner Bischofswahlen, in: Zs. d. Berg. Gesch.-Ver. 54, 1924, S. 87 f.;
    A. Gf. v. Hachenburg, Prinz v. Sayn-Wittgenstein, Saynsche Chronik, 1929, S. 5 f.;
    Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques X, Sp. 558 f.

  • Autor/in

    Helmut Dahm
  • Empfohlene Zitierweise

    Dahm, Helmut, "Brun IV." in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 671-672 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135669154.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bruno IV., Erzbischof von Köln, 1205—8. Am 11. Nov. 1204 hatte der Kölner Erzbischof Adolf von Altena (s. d.) seinen lange vorbereiteten Abfall von der Sache König Otto's IV. vollendet, indem er König Philipp zu Coblenz huldigte. Papst Innocenz III., gegen Adolf als das ehemalige Haupt der welfischen Partei besonders erbittert, setzte eine Commission zum Vorgehen gegen den Abtrünnigen ein, die ihn zuerst bannte und dann (19. Juni 1205) absetzte. Schon wiederholt hatte man in früheren Fällen die Pröpste des St. Cassiusstifts zu Bonn als Candidaten aufgestellt, um Mitglieder des bergischen Grafenhauses, dem Adolf angehörte, vom Kölner Erzstuhl fernzuhalten. Auch diesmal fiel die Wahl ( 25. Juli) auf den Bonner Propst, Bruno v. Sayn, einen rührigen Anhänger der welfischen Partei. Von den Stiftsvasallen hielt fast Niemand zu ihm als sein Neffe Graf Heinrich von Sayn, der Kölner Stiftsvogt, und Heinrich, Herzog von Limburg, der von den päpstlichen Commissarien als Stiftsverweser in temporalibus bestellt worden war. Dagegen stellten sich auf seine Seite die Kölner Bürger und die Majorität des Klerus, nur ein Theil des Domcapitels verließ die Stadt, darunter auch der Dompropst Engelbert, der nachmalige Erzbischof. Durch den Abfall Adolfs und das Kölner Schisma wurden die Schrecken des Bürgerkrieges am unteren Rhein verdoppelt. Den Sommer über schwankte der Kampf hin und her. Der Rhein wurde gesperrt, Köln von dem gegenüberliegenden Deutz aus belästigt; Erzbischof Adolf fiel ins Limburgische ein, und der Dompropst Engelbert brandschatzte die Umgebung Kölns. Zur Vergeltung plünderte B. im September die Besitzungen der Grafen von Jülich und Hostaden, doch der Anzug König Philipps trieb ihn hinter die Mauern seiner Hauptstadt zurück. Fünf Tage hindurch berannte Philipp die Stadt, aber ohne Erfolg mußte er abziehen. Nachdem er Neuß zur Uebergabe gezwungen,|ging er nach dem Oberrhein zurück. Der kleine Krieg aber dauerte fort. Adolf beherrschte das Land, B. die Stadt, in der sich auch König Otto befand. Da seine Suffraganbischöfe auf staufischer Seite standen, mußte sich B., dem Brauche zuwider, vom Erzbischof Sifrit von Mainz unter Assistenz zweier englischer Bischöfe die Weihe ertheilen lassen. Wenige Tage später kam es zur Katastrophe. Im August 1206 erschien Philipp neuerdings in der Kölner Gegend, mit ihm vereinigte sich Adolf. Bei Wassenberg an der Roer traten ihnen König Otto und B. entgegen. Sie wurden umzingelt, der größte Theil ihrer Mannschaft fiel oder ertrank in den nahen Sümpfen. Otto und B. hatten sich nach Wassenberg gerettet und wurden hier eingeschlossen. Der König entrann mit wenigen Begleitern, B. aber fiel nach Uebergabe der Burg in die Hände seiner Gegner. Bald darauf machte Köln seinen Frieden mit dem Sieger. Ueber ein Jahr saß B. zu Trifels und Rothenburg in engem Gewahrsam. Auch als der Papst im Sommer 1207 Friedensunterhandlungen mit Philipp anknüpfte, wurde seine Haft höchstens gemildert. Erst gegen Ende des Jahres erhielt er die Freiheit und reiste nach Rom. Bei den weiteren Verhandlungen spielt die Kölner Frage eine Hauptrolle. Man vermochte sich nur über ein Provisorium zu einigen, da brachte die Ermordung Philipps (21. Juni 1208) die Entscheidung. Die Unterwerfung der stausischen Partei unter König Otto hatte die vollständige Restitution Bruno's zur selbstverständlichen Folge. Allgemein anerkannt, zog er in Köln ein, starb aber bereits nach wenigen Wochen zu Blankenberg an der Sieg am 2. Nov. 1208. — Ennen, Gesch. der Stadt Köln II, 38 ff. Winckelmann, König Philipp von Schwaben.

  • Autor/in

    Cardauns.
  • Empfohlene Zitierweise

    Cardauns, Hermann, "Brun IV." in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 430-431 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135669154.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA