Lebensdaten
um 1205 bis 1281
Geburtsort
wahrscheinlich Schaumburg/Weser
Sterbeort
Olmütz
Beruf/Funktion
Bischof von Olmütz ; Graf von Holstein-Schaumburg ; Ratgeber König Otakars II. von Böhmen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 104280050 | OGND | VIAF: 84942288
Namensvarianten
  • Brun von Schaumburg
  • Bruno
  • Brun
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Zitierweise

Brun, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104280050.html [06.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf III., Graf von Holstein ( 1225);
    M Adelheid, T des Burchard von Querfurt;
    B Adolf IV. ( 1261), Graf von Holstein;
    N Johann I. (1229–63), seit 1239 Graf von Holstein.

  • Leben

    B. wurde 1229 Dompropst zu Lübeck und Domherr zu Magdeburg, 1236 Dompropst von Hamburg. Seit 1239 unterstützte er seinen Neffen in der Regierung der angestammten Grafschaften und war gleichzeitig zwischen Magdeburg, Rom und Paris in kirchlich-finanziellen Angelegenheiten tätig. 1239-45 kämpfte er um seine Einsetzung in das seit dem Mongoleneinfall 1241 wichtige Olmützer Bistum und wurde am 19.9.1245 vom Papst zum Bischof ernannt. Jedoch verwehrte ihm anfänglich König Wenzel I. das Betreten der Diözese, so daß er erst Ende 1246 in Olmütz einziehen konnte. Erst damals wurde er vom Kapitel gewählt und anschließend konsekriert. 1262-70 war er Marschall und königlicher Stellvertreter in der Steiermark. 1274 nahm er am Konzil von Lyon teil. Von 1249 bis zum Tode Ottokars II. (1278) war B. der leitende Staatsmann des Přemyslidenhauses und hatte als solcher großen Anteil an der Entfaltung der böhmischen Macht von der Lausitz bis nach Venetien. Besondere Freundschaft verband ihn mit dem Deutschen Ritterorden, in dessen Interesse er auch die entscheidenden Preußenfeldzüge von 1254/55 und 1267/68 mit organisierte. Nach der Schlacht auf dem Marchfeld 1278 wurde er von Rudolf von Habsburg zum Reichsstatthalter für Nordmähren ernannt. B. war ein gesuchter, wenn auch nicht immer glücklicher Diplomat, ein großer Organisator mit weltweiten Verbindungen, juristisch und militärisch sehr gut geschult, mit wirtschaftlichen Dingen vertraut und dazu besonders sprachkundig. Er gilt infolge seiner rastlosen und umfassenden kirchlichen Reformen gleichsam als zweiter Begründer des bereits seit 1063 bestehenden Bistums Olmütz. Sein weitschauender Plan, Olmütz zum Metropolitansitz für die gesamten österreichischen und böhmischen Länder sowie für Preußen und das Baltikum erheben zu lassen, scheiterte zwar schließlich, doch wurden zumindest die ermländischen Bischöfe bis Ende des 13. Jahrhunderts von Olmütz aus betreut. Hauptsächlich zur Abwehr eines möglichen zweiten Mongolensturms und der dauernden Ungarneinfälle führte er in den Sudetenländern seit 1249 planmäßig das deutsche Lehnswesen im großen Umfang ein und übernahm das Magdeburger Vasallenrecht. Sein Hauptverdienst liegt jedoch in seinem Siedlungswerk. B. ist in Böhmen und Mähren der größte deutsche Kolonisator, nicht Germanisator. Auf seine Veranlassung hin wurden allein im Olmützer Bistumsland etwa 200 deutsche Dörfer und 30 Städte neu angelegt, das slavische Gebiet ausgebaut und nahezu 25 000 Siedler aus allen deutschen Stämmen, darunter auch solche von der Mittelweser, herangezogen. Dieser oder gleichzeitiger Kolonisationsbewegung nach dem Osten verdankt auch nach jüngsten schlüssigen Beweisen die Hamelner Rattenfängersage ihre Entstehung. Ein Großteil des Deutschtums des Ostsudetenlandes, des angrenzenden Oberschlesien und Innermährens sowie die Grundzüge der heutigen mährisch-sudetenschlesischen Kulturlandschaft gehen unmittelbar oder mittelbar zumeist auf B.s Wirken zurück. Dank seiner Tätigkeit war auch Olmütz bis 1918 das reichste und angesehenste (Erz-) Bistum der österreichisch-ungarischen Monarchie.

  • Literatur

    ADB III;
    M. Eisler, Gesch. B. s v. Schaumburg, in: Zs. d. Dt. Ver. f. d. Gesch. Mährens u. Schlesiens 8-11, 1904-07;
    W. Weizsäcker, Das Olmützer Lehenswesen unter Bischof B., ebenda, 20, 1916;
    B. Bretholz, Gesch. Böhmens u. Mährens bis z. Aussterben d. Přemysliden (1306), 1912, S. 410 ff.;
    ders., Gesch. Böhmens u. Mährens I, 1921;
    W. Wostry, Das Kolonisationsproblem, in: Zs. d. Ver. f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen 60, 1922;
    K. Berger, Die Besiedlung d. dt. Nordmährens im 13. u. 14. Jh., 1933;
    J. Kux, Gesch. d. kgl. Hauptstadt Olmütz bis z. Umsturz 1918, 1937;
    W. Latzke, Die Besiedlung d. Oppalandes im 12. u. 13. Jh., in: Zs. d. Ver. f. Gesch. Schlesiens 72, 1938;
    F. v. Klocke, Westfalen als ma. Kolonisten im mähr. Sudetenraum, in: Heimat u. Reich, 1938, S. 411 ff.;
    A. Steiger, Bischof B. v. Schaumburg, in: Nordmährenland 1, 1941, S. 12 ff.;
    W. Wann, Von d. Westfäl. z. Mähr. Pforte, in: Der Klüt 20, 1948, S. 46 ff. (P v. 1593);
    LThK;
    Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques X, Sp. 963.

  • Autor/in

    Wolfgang Wann
  • Empfohlene Zitierweise

    Wann, Wolfgang, "Brun" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 672 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104280050.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Brun, Bischof von Olmütz, stammt aus dem Geschlechte der Grafen von Holstein-Schaumburg. Schon in sehr jungen Jahren wurde er Propst der Lübecker und Hamburger Kirche. Innocenz IV., der ihn persönlich kennen gelernt hatte, ernannte ihn zum Capellan der römischen Kirche und am 10. Sept. 1245 zum Bischof von Olmütz, in welcher Stellung er bis zu seinem am 18. Febr. 1281 erfolgten Tode blieb. Bruno's geschichtliche Bedeutung beruht auf seinen Beziehungen zum König Ottokar II. von Böhmen und auf seiner ausgebreiteten politischen Thätigkeit während der ganzen Zeit des großen Interregnums. Beim Antritte seines ihm vom Papste ohne Rücksicht auf die vorhergegangenen Capitelwahlen verliehenen Bisthums fand B. große Schwierigkeiten. Um sich eine entsprechende Macht zu sichern, berief er viele deutsche Colonisten nach Mähren und schaffte sich einen zahlreichen Ministerialenstand, den er mit Gütern aus den bischöflichen Besitzungen belehnte. Man hat deshalb auch Bischof B. zuweilen als den Begründer des Olmützer Lehnhofs angesehen, und ihn überhaupt für den ersten gehalten, der deutsches Lehnrecht in Mähren einführte. Die Bestimmungen in den von ihm herrührenden Lehnsurkunden zeigen häufig große Aehnlichkeit mit dem auf den Namen König Ottokars lautenden Trebitscher Dienstmannenrecht. Was den Besitzstand des Olmützer Bisthums übrigens betrifft, so wurde er während Bruno's Regierung erheblich vermehrt, und es wurden genaue Verzeichnisse desselben angelegt. In das Jahr 1248 fällt der Aufstand des jungen Markgrafen Ottokar von Mähren gegen dessen Vater König Wenzel von Böhmen, in welchem B. zuerst Gelegenheit fand, sich dem jungen aufstrebenden Fürsten zu nähern. Zur Zeit, als der letztere von dem babenbergischen Erbe Besitz ergriff, erscheint der Bischof von Olmütz wiederholt als Rathgeber und Begleiter. Entscheidend war die Rolle, welche derselbe bei den Friedensverhandlungen mit Ungarn im J. 1254 spielte. Nachdem Oesterreich von Ottokar II., Steiermark hingegen von Bela IV. von Ungarn occupirt worden war, hatte Papst Innocenz IV. es sich sehr angelegen sein lassen, zwischen diesen beiden ihm gleich anhänglichen Königen einen Frieden herbeizuführen. Wiewol Ottokar geneigt war|den Krieg fortzuführen, hatte B. doch gerathen, sich von der päpstlichen Freundschaft nicht zu trennen und ermöglichte den Frieden dadurch, daß er die Abtretung eines großen Stückes von Steiermark an Oesterreich bewirkte. In dem Frieden, der zu Ofen geschlossen worden war, wurde zwischen Oesterreich und Steiermark die bis auf den heutigen Tag bestehende Grenze festgestellt, indem man nach der natürlichen Wasserscheide zwischen Donau und Mur den Anfang der beiderseitigen Territorien bestimmte. Auch an dem im J. 1255 unternommenen Kreuzzug Ottokars von Böhmen nach Preußen hatte B. Antheil, doch ist es eine durchaus schlechtbezeugte Ueberlieferung, wenn die Gründung von Braunsberg in Preußen auf eben diesen Bischof von Olmütz zurückgeführt wird. Wahrscheinlich liegt eine Verwechslung auf Grund des Namens vor. Zu eingreifenderer Wirksamkeit wurde B. berufen, nachdem König Ottokar im J. 1260 auch Steiermark seiner Monarchie einverleibt hatte. Die Schwierigkeiten, welche das Regiment des böhmischen Königs besonders gegenüber dem Adel von Steiermark fand, sollte B. als Landeshauptmann beheben; ihm sind die scharfen Maßregeln zuzuschreiben, welche nicht ohne guten Erfolg gegen die Unbotmäßigkeit der steirischen Ritter verhängt wurden. Doch konnte die Politik der Strenge nur so lange sich bewähren, als das deutsche Reich ohnmächtig war. König Rudolf benutzte die Opposition in den alten deutschen Reichsländern, um die Herrschaft des böhmischen Königs zu stürzen.. Nachdem die Reichsexecution gegen Ottokar beschlossen und König Rudolf an der Spitze des Reichsheers sich der österreichischen Länder bemächtigt, übernahm Bischof B. ein kluges Vermittleramt zwischen dem deutschen und böhmischen König. Er nahm an allen Verhandlungen von 1276 und 1277 Theil, welche den Zweck hatten den Frieden herbeizuführen und zu erhalten. Nach der Schlacht bei Dürnkrut im J. 1278 trat B. entschieden auf die Seite des Königs Rudolf und wurde von diesem nach der Occupation von Mähren zum kaiserlichen Reichsverweser und Statthalter für den nördlichen Theil der Markgrafschaft ernannt. Bevor noch die eingetretenen Wirren in der Regierung Böhmens gelöst und die Ordnung zurückgekehrt war, starb B., zuletzt ganz vorzugsweise mit den Angelegenheiten seines Bisthums beschäftigt. Wir besitzen von Bischof B. eine politische Denkschrift, welche zu den interessantesten Quellen der Zeit gerechnet wird. Sie ist zugleich das beste Zeugniß seiner staatsmännischen Begabung und Richtung. Papst Gregor X. richtete bald nach seiner Thronbesteigung an alle Bischöfe eine Aufforderung über den Zustand der christlichen Staaten eingehende Berichte an die römische. Curie zu erstatten. Soviel bekannt ist, hat dieser Einladung in umfänglicher Weise nur Bischof B. Folge gegeben. Sein Memoire ist vom 16. Dec. 1273 datirt und nimmt bereits auf die durch Rudolfs Königswahl eingetretenen Verhältnisse Rücksicht. Es stellt in drastischer Weise den Verfall der deutschen Königsgewalt dar, und zeigt daß das fortschreitende Interesse der deutschen Fürsten das Auftreten einer starken Reichsgewalt nicht mehr gestatten werde; zugleich weist die Denkschrift auf die Gefahren hin, welche der abendländischen Ordnung der Dinge von Seite des theils schismatischen theils heidnischen Ostens drohen und schließt eben daraus auf den für die Kirche nothwendigen Bestand einer starken Monarchie, wie sie durch die Schöpfung Ottokars II. vorhanden wäre. In dieser Richtung tritt die Tendenz der Bruno'schen Schrift deutlich genug hervor, das Interesse des päpstlichen Stuhls für die böhmisch-österreichische Monarchie neu zu kräftigen und zu beleben. Das merkwürdige Actenstück hatte in der päpstlichen Kanzlei zwar alle Beachtung gefunden, es vermochte aber doch nicht die Politik Gregors X. zu ändern und den König von Böhmen zu retten. Gregor erkannte Rudolf als deutschen König an, nachdem dieser dem römischen Stuhle die gewünschten Garantien bot. B. selbst scheint unter diesen Umständen|den gewaltigen Länderbesitz Ottokars für unhaltbar angesehen zu haben und suchte daher schon Ende 1276 im Frieden vor Wien die Zukunft des böhmischen Hauses mehr durch Familienverbindungen zu sichern.

    • Literatur

      Eine kurze Lebensbeschreibung Bruno's von Olmütz hat sich in einer Handschrift sec. XV. der Olmützer Bibliothek erhalten. Eine entsprechende Würdigung der Wirksamkeit Bruno's findet sich in neuester Zeit in den allgemeinen Geschichtswerken der Epoche.

  • Autor/in

    Lorenz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lorenz, "Brun" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 431-433 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104280050.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA