Lebensdaten
1887 bis 1970
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Starnberg
Beruf/Funktion
Bankier
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 133755436 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schniewind, Hermann Hubert Otto Maria
  • Schniewind, Otto
  • Schniewind, Hermann Hubert Otto Maria
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Schniewind, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133755436.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Emil (1852–1941), RA in K., 1898 alleiniger Anwalt d. Stadt Köln, JR, Mitgl. u. a. in Aufsichtsräten d. Eschweiler Bergwerksver. AG, d. Gebr. Stollwerk AG in Köln, Mitbegr. d. I. G. Farbenind. AG (s. J. U. Heine, Verstand & Schicksal, 1990, S. 241 f.), S d. Christoph Eugen (1814–79), aus Valenciennes, Dr. med., prakt. Arzt in K., u. d. Elisabeth Lützeler;
    M Elisabeth (Else) (1861–1950), T d. Hermann Arndts (1831–88), preuß. Reg.rat in Wiesbaden (s. Biogr. Hdb. Preuß. Abg.haus I), u. d. Johanna Marcelli (1833–1913): Ur-Gvv Johann Heinrich (1786–1833), aus Emmerich, Steuerrat in K.;
    Gr-Ov Eduard (1826–82), Oberlandesger.rat in K;
    Ov Konrad (1846–1928), Dr. med., Geh. Sanitätsrat in K., Theodor (1853–1931), Notar, JR in Koblenz;
    Tante-v Antoinette (1847–1926), Franziskanerin in Aachen;
    9 Geschw u. a. Emil (* 1892), Landger.rat in K., Senatspräs., Friedrich (~ 1896), Kaufm. in K. u. München, Johanna (* 1888, ⚭ Erich Baur, OB in Bottrop), Maria (* 1893, Wilhelm Peters, * 1888, Chefarzt d. St. Josef-Krankenhauses in Wiesbaden, PD), Agnes (* 1895, ⚭ Friedrich Schmitz-Pfeiffer, Kaufm. in Hildesheim);
    Berlin 1919 Vera (1894–1981, ev.), aus Wilhelmshaven, T d. Paul Mießner (1860–96);
    2 S Eckart (* 1924), Dr. iur., Folkmarl (* 1928), Dr. iur, 2 T;
    Vt Otto (1887–1964), aus Saarlouis, 1934 Insp. d. Bildungswesens d. Marine, 1937 Chef d. Marineabwehramts im Reichskriegsmin., 1943 Oberbefehlshaber d. Murinegruppenkommandos Nord, 1940 Admiral, 1944 Gen.admiral (s. Munzinger; Personenlex. Drittes Reich).

  • Leben

    S. studierte nach dem Abitur 1906 Rechtswissenschaften in Freiburg, München, Edinburgh, Berlin und Bonn (Referendarexamen 1909). Nach dem Militärdienst (Reserveoffz. 1912) wurde er 1912 in Heidelberg zum Dr. iur. promoviert und bestand 1914 das 2. Staatsexamen. Er leistete 1914-18 Kriegsdienst und war seit Jan. 1919 im Reichsschatzamt, später im Preuß. Ministerium für Handel und Gewerbe tätig; 1922-25 ließ er sich beurlauben. In dieser Zeit absolvierte er eine Ausbildung in der „Discontogesellschaft“, danach kehrte er in das Handelsministerium zurück (1927 Min.rat.).

    Seit 1928 nach Teheran als Finanz- und Wirtschaftsberater bei der pers. Regierung im Ministerrang delegiert, wurde S. nach seiner Rückkehr 1933 Staatskommissar bei der Berliner Börse, 1935 Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium als Leiter der Abteilung Finanzen, Banken, Versicherungen. Im Mai 1937 verließ S. den Staatsdienst unter Verzicht auf eine Pension, da bei der Staatsanwaltschaft Schleswig-Holstein eine (offenbar nicht weiter verfolgte) Anzeige gegen ihn wegen Staats- und parteifeindlicher Umtriebe vorlag. 1937 wurde er in das Direktorium der Reichsbank berufen, das er 1938 auf eigenen Antrag wieder verließ, da er die Methoden der Rüstungsfinanzierung nicht billigte. Im April 1939 wurde S. auf Bitten der jüd. Familie Aufhäuser zweiter persönlich haftender Gesellschafter und verdeckter Treuhänder der Familie im „arisierten“ Bankhaus „Seiler & Co., vorm. Aufhäuser“. Mit der Partnerschaft hatte ihm Siegfried Aufhäuser auch das Amt des schwed. Generalkonsuls in München übertragen, womit die Verleihung der schwed. Staatsangehörigkeit verbunden war. S. war Mitglied der Geschäftsführung des Bankhauses bis Nov. 1945. In der von Carl Friedrich Goerdeler (1884–1945) geplanten Reichsregierung war er als Reichswirtschaftsminister vorgesehen. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 erfolgte S.s Verhaftung und Einlieferung in das Gefängnis Berlin-Moabit und später in das KZ Ravensbrück. Anfang März 1945 wurde er auf Intervention der schwed. Regierung aus der Haft entlassen.

    1945 wurde S. von der amerik. Militärregierung der Geschäftsführung des Bankhauses Seiler & Co. enthoben, seine Konten wurden gesperrt; im Mai 1947 erfolgte seine Rehabilitierung. 1945 Vorsitzender der Gesellschafter-Versammlung der „Telefonbau & Normalzeit Lehner & Co.“ in Frankfurt, wurde er 1948 Vorsitzender der „Bayer. Rückversicherung AG“ in München. Im Herbst 1947 leitete er auf Ersuchen der bayer. Staatsregierung eine Währungskommission und erstellte 1948 für die Regierung ein Gutachten. 1948/49 war er Berater für den Marshallplan beim Vorsitzenden des Verwaltungsrates des Vereinigten Wirtschaftsgebietes und führte die Verhandlungen mit den amerik. Stellen über die Gewährung und Durchführung der Marshallplan-Hilfe. 1948-58 erster Vorsitzender des Verwaltungsrates bei der neugegründeten „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ (KfW), übte er bestimmenden Einfluß auf deren Entwicklung aus. Seit 1952 war er als dritter persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Neuvians, Reuschel & Co. in München tätig; er war Mitglied vieler Aufsichtsund Verwaltungsräte (u. a. RÜHAG Rückvers. AG München, Bayer. Hypotheken- u. Wechsel Bank München, Rhein-Main-Donau-AG München, Ind.-Kredit-Bank Düsseldorf. Sarotti AG Hattersheim).

  • Auszeichnungen

    Gr. BVK mit Stern (1952).

  • Literatur

    Manfred Pohl, Wiederaufbau, Kunst u. Technik d. Finanzierung 1947-1953, Die ersten J. d. Kreditanstalt f. Wiederaufbau, 1973;
    P. Hoffmann, Widerstand, Staatsstreich, Attentat, Der Kampf d. Opposition gegen Hitler, 21985;
    E. Moser u. R. Winkler, Wegmarken, 125 J. Bankhaus H. Aufhäuser, 1995 (P);
    U. Keith, Die „Arisierung“ d. Bankhauses H. Aufhäuser, in: Aufstieg u. Fall d. Privatbankiers, 1998, S. 349-53;
    H. Harries, Wiederaufbau, Welt u. Wende, Die KfW, Eine Bank mit öff. Auftrag 1948-1998, 1998, S. 6 f., 14, 18-23, 25, 27, 30, 72;
    J. Klasen, Die Kreditanstalt f. Wiederaufbau u. ihre Rolle in d. wesldt. Wohnungsbaufinanzierung 1949-1967, 1999;
    A. Grünbacher, Reconstruction and Cold War in Germany, The Kreditanstalt f. Wiederaufbau (1948–1961), 2004; |

  • Quellen

    Qu Konzernarchiv d. KfW, Vorläufiges Findbuch z. schriftl. u. fotograf. Nachlaß Dr. O. S., 2006; Ztg.ausschnittslg., Fotos.

  • Autor/in

    Dieter Lehmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Lehmann, Dieter, "Schniewind, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 324-325 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133755436.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA