Lebensdaten
1900 bis 1963
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Soziologe ; katholischer Sozialreformer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13279747X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Knoll, August Maria
  • Knoll, A.
  • Knoll, A. M.

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Zitierweise

Knoll, August Maria, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13279747X.html [25.05.2020].

CC0

  • Genealogie

    V August Joseph (1873–1932), Steueramtsdir.;
    M Johanna Preibisch (1874–1944);
    1934 Gertrud Eisert (* 1907);
    3 S.

  • Leben

    K., Schüler unter anderem von Kelsen, Dopsch und Spann, promovierte 1924 an der Universität Wien zum Dr. rer. pol. Anschließend arbeitete er als Hauslehrer und als freier Journalist. Damals bestimmten Vertreter des politischen Katholizismus aus den Reihen des österreichischen Cartellverbandes, Seipel und Dollfuß, – K. war Mitglied einer Verbindung dieses Verbandes – das Schicksal der 1. Republik. 1932 war er Privatsekretär Seipels, kurz vor dessen Tod. 1934 habilitierte er sich an der Universität Wien für das Fach Soziologie. 1938, nach der Besetzung Österreichs, wurde K. von den Nationalsozialisten seiner Funktionen als kommissarischer Verwalter des „Vorwärts“-Verlags enthoben. Zwischen 1940 und 1944 wurde er zur deutschen Wehrmacht einberufen, ohne aber an die Front zu müssen. 1945 war K. einer der ersten, die der neu gegründeten ÖVP beitraten, er beeinflußte sie bis etwa 1955 im Rahmen des von ihm 1953 mitgegründeten Instituts für Sozialpolitik und Sozialreform. 1946 wurde er außerordentlicher, 1950 ordentlicher Professor für Soziologie an der Universität Wien. In seinen wissenschaftlichen und politischen Arbeiten vertrat K., der sich als treuer Sohn der Kirche fühlte, eine spezifisch österreichische Variante des Linkskatholizismus. In einer für diesen Bereich typischen Weise war er österreichischer Patriot, was ihn von Anfang an in Gegensatz zum Nationalsozialismus gebracht hatte. Aus dieser Opposition heraus entwickelte er eine in den letzten Lebensjahren unter dem Einfluß E. K. Winters immer deutlicher werdende Sympathie für sozialistische gesellschaftspolitische Vorstellungen wie: Überwindung einer auf dem Privateigentum beruhenden Wirtschaftsordnung, Trennung von Kirche und Staat, und so weiter. Überdies wurde er immer stärker zum Kritiker der herrschenden katholischen Naturrechtslehre, deren Wesensmerkmal er in der Adaption an bestehende gesellschaftliche Systeme sah. In seinen letzten Lebensjahren, vor allem durch sein 1962 veröffentlichtes Buch „Katholische Kirche und scholastisches Naturrecht“ (21968), geriet er in eine innerkirchliche Auseinandersetzung, in der er als Wortführer einer Bewegung galt, die eine größere Selbständigkeit des katholischen „Laien“ forderte. Er wandte sich gegen die Vorstellungen, daß es Aufgabe der Kirche wäre, neue soziale Systeme zu schaffen und zu legitimieren. K. war einer der entschiedensten Gegner jeder Form des kirchlichen Integralismus, dem er vorwarf, die jeweils herrschende Gesellschaftsordnung im Nachhinein mit christlicher Etikette zu versehen und so zu ideologisieren.

  • Werke

    u. a. Kirche u. Zukunft, hrsg. v. W. Daim u. F. Heer, 1963;
    Kath. Gesellschaftslehre, Zwischen Glaube u. Wiss., 1966 (aus d. Nachlaß);
    Zins u. Gnade, Stud. z. Soziol. d. christl. Existenz, 1967 (teilweise Neuaufl., teilweise aus d. Nachlaß).

  • Literatur

    A. Pelinka, in: NÖB 19, 1977 (L, P).

  • Autor/in

    Anton Pelinka
  • Empfohlene Zitierweise

    Pelinka, Anton, "Knoll, August Maria" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 208 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13279747X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA