Lebensdaten
erwähnt 1351, gestorben 1377
Sterbeort
in Österreich
Beruf/Funktion
Bischof von Gurk und Freising
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 131456709 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Paul
  • Paul von Jägerndorf
  • Paul
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Orte

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Zitierweise

Paul von Jägerndorf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd131456709.html [25.06.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus schles. Rittergeschl.

  • Leben

    P. stand als Kaplan und Gesandter am päpstl. Hof in Avignon in Diensten Kg. Ludwigs II. von Ungarn, war Magister und Archidiakon in Neutra, dann Domherr in Breslau, bis er 1351 Bischof von Gurk wurde. Seit 1357 fungierte er in der Kirchenprovinz Salzburg zudem als päpstl. Kollektor. Der Bitte des ungar. Königs, dessen langjährigen Vertrauten P. zum Patriarchen von Aquileja zu ernennen, entsprach Papst Innocenz VI. nicht; er teilte in seiner Antwort an Ludwig II. vom 21.5.1359 jedoch mit, daß er P. unter dem 15. Mai das Bistum Freising übertragen habe (Besitzergreifung am 2.7.1359).

    War P. schon als Bischof von Gurk zusammen mit Hzg. Rudolf IV. als Vermittler zwischen Hzg. Ludwig V. dem Brandenburger, Sohn Kaiser Ludwigs IV. des Bayern, und Papst Innocenz VI. mit dem Ziel einer Aussöhnung herangezogen worden, konnte er zwei Monate nach seiner Ernennung zum Bischof von Freising Ludwig V. vom Bann lösen. In seinem Freisinger Episkopat sah sich P. vor die Aufgabe gestellt, die vor allem in den Jahren des Kampfes mit den Päpsten in Avignon unter seinen Vorgängern erlittenen beträchtlichen Schäden für Bistum und Hochstift zu beheben und auf die schweren Übergriffe Hzg. Rudolfs IV. auf Freisinger Hochstiftsgüter in Österreich zu reagieren. P. wandte sich daher an Papst Urban V., der den Legaten Colonna mit den Ausgleichsverhandlungen beauftragte. Rudolf IV. lenkte ein und versprach, die eingezogenen Freisinger Hochstiftsgüter wieder zurückzugeben. Nach dessen Tod schloß P. mit den Brüdern Albrecht III. und Leopold III. 1365 einen Bündnisvertrag, der eine Regulierung der Schäden vorsah; P. verpflichtete sich im Gegenzug, den Herzögen mit den in Österreich gelegenen Burgen und Städten des Hochstifts Beistand zu leisten und sie ihnen bei gegebener Notlage zu öffnen. P. appellierte auch an den Papst, als es seitens der Grafen von Görz zur Rechtsanmaßung über die Freisinger Hofmark Innichen im Pustertal kam. Der mit Unterstützung Gregors XI. vermittelte Vertrag von 1374 regelte zwar die Rückgabe der Hofmark an Freising, rang P. aber weitgehende, die rechtliche Position des Hochstifts in Innichen schwächende Zugeständnisse ab. Die hohen Schulden Freisings zwangen P. 1361 u. a. zu einer vorübergehenden Abtretung des Freisinger Anteils am Münchener Brückenzoll und – auf Druck des Domkapitels – zur Rücknahme von Privilegien, auch solcher seiner Vorgänger. – Am 27.4.1365 weihte P. die nach dem Stadtbrand von 1327 erbaute neue gotische Kirche von St. Peter in München, am 5.5.1370 die Kirche des Klosters Ettal.

  • Literatur

    C. Meichelbeck, Historia Frisingensis, I-II, 1724-29, II/1, S. 157-60, II/2, S. 178-95;
    M. v. Deutinger, Kataloge d. Bischöfe v. Freysing, in: Deutingers Btrr. 1, 1850, S. 19, 51, 82 f., 136, 186;
    ders., Päpstl. Urkk. z. Gesch. d. Bisthums Freysing, ebd. 2, 1851, S. 84-94;
    H. Strzewitzek, Die Sippenbeziehungen d. Freisinger Bischöfe im MA, in: Bayer. Archiv f. KGesch., 1938, S. 193-96;
    J. Obersteiner, Die Bischöfe v. Gurk (1072–1822), 1969, S. 155-63 (=Aus Forsch. u. Kunst, V, hg. v. G. Moro);
    J. Maß, Das Bistum Freising im MA, 1986, S. 267-72, 375 f.;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    M. Heim, in: Gatz IV (im Druck).

  • Autor/in

    Manfred Heim
  • Empfohlene Zitierweise

    Heim, Manfred, "Paul von Jägerndorf" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 107 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131456709.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA