Lebensdaten
1779 bis 1860
Geburtsort
Neumarkt (Úterý, Böhmen)
Sterbeort
Wilten bei Innsbruck
Beruf/Funktion
Abt von Tepl ; Gründer von Marienbad ; Prämonstratenser
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 129402419 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reittenberger, Kaspar Prokop
  • Reitenberger, Kaspar Karl
  • Reittenberger, Kaspar Prokop
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Reitenberger, Kaspar Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129402419.html [07.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Johann Josef (1750–1809), Bäcker, Stadtschreiber, Bgm. in N., S d. Johann Josef (1727–76), Bäcker, Stadtschreiber in N.;
    M Juditha Lippert (1758–1817); 7 Geschw.

  • Leben

    R. trat nach dem Besuch des Gymnasiums in Prag in das dortige ebfl. Seminar und 1800 in dasPrämonstratenser-Chorherrenstift Tepl ein, wo er den Ordensnamen Karl erhielt. Seit 1799 studierte er Theologie in Prag und wurde 1804 zum Priester geweiht. 1804-06 Kaplan in der Stiftspfarrei von Tepl, war er seit 1807 Vizesekretär, später Sekretär des Abtes Chrysostomus Laurentius Pfrogner (1802–12). Nach dessen Tod wurde er 1813 zum Abt gewählt. Schon während seiner Zeit als Sekretär setzte er sich für den Ausbau der auf Stiftsgrund gefundenen und vom Stiftsarzt Johann Josef Nehr (1752–1820) medizinisch erforschten Mineralquellen ein. Deren Lage in unzugänglichen Waldsümpfen erforderte umfangreiche bauliche Investitionen. 1818 erlangte Marienbad (Mariánské Lázne) offiziell den Status eines Kurbades, das sich rasch großer Beliebtheit erfreute. Auf Betreiben R.s wurden die Badehäuser und Kuranlagen in aufwendiger Weise ausgestaltet. Die finanziellen Belastungen, die R. dem Stift aufbürdete, führten jedoch seit 1816 zu Beschwerden und Intrigen, die bis zum Prager Erzbischof und zum Kaiserhaus drangen. Zusätzlich schuf R. sich Gegner in den eigenen Reihen mit dem Versuch, das Kloster den Ordensregeln gemäß zu reformieren und die Position des Abtes nach innen zu festigen. Als Anhänger der kath. Restauration und der zentralen Autorität des Papsttums war er entschiedener Gegner des Josephinismus, der seiner Ansicht nach im österr. Staate vorherrsche und die Souveränität der Kirche untergrabe. Nach einer Visitation 1824 durch den Prager Erzbischof 1826 auf Intervention des Kaiserhauses zur Abdankung gezwungen, mußte sich R. in das Stift Wilten bei Innsbruck zurückziehen. Bis zuletzt betrachtete er sich als Opfer von Intrigen und hoffte auf eine Rückberufung. Dieser Wunsch erfüllte sich nicht, erst spät fand R. als Begründer von Marienbad Anerkennung.– Prälat (1813).

  • Literatur

    ADB 28;
    Augsburg. Allg. Ztg. v. 29. u. 30.8.1860;
    K. K. R., d. Begründer v. Marienbad, 1875;
    FS z. 74. Versig. Dt. Naturforscher u. Aerzte II, hg. v. E. H. Kisch, 1902;
    Neue Freie Presse v. 18. u. 22.9.1906;
    M. Urban, Alt-Marienbad, 21908;
    B. Brandl, Prälat K. R., FS zu seinem 150. Geb.tag, 1930 (P);
    M. Enzinger, Goethe u. Tirol, 1932, S. 99 ff.;
    A. K. Huber, Das Stift Tepl im Aufklärungsza., in: Analecta Praemonstratensia 29, 1953, S. 86-99;
    ders., Goethe in böhm.-mähr. Klöstern, in: Archiv f. KGesch. v. Böhmen-Mähren-Schlesien 4, 1976, S. 163-75;
    Heimatbuch Marienbad, Stadt u. Land 1, 1977, S. 307-10 (P);
    Egerländer Biographisches Lexikon (P);
    Wurzbach;
    ÖBL;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    Hdb. d. Hist. Stätten, Böhmen u. Mähren, hg. v. J. Bahlcke u. a., 1998. – Zur Fam.: A. Dietl, in: Sudetendt. Fam.-forsch. 1, 1928/29, H. 3, S. 137.

  • Portraits

    Gem. v. M. Fuchs, 1814 (vermutl. Stift Tepl);
    Lith. v. W. Georg, 1827 (Stift Tepl);
    anonymes Gem., 1814 (Städt. Mus. Neumarkt);
    anonymes Gem., um 1859/60 (Stift Wilten).

  • Autor/in

    Andrea Pühringer-Gräf
  • Empfohlene Zitierweise

    Pühringer-Gräf, Andrea, "Reitenberger, Kaspar Karl" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 398 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129402419.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Reittenberger: Kaspar Karl R., der Gründer von Marienbad, wurde am 29. December 1779 zu Neumarkt in Böhmen von achtbaren Bürgersleuten geboren und von diesen dem Prämonstratenserstifte Tepl anvertraut, daß er sich dem geistlichen Stande widme. Nachdem R. seine theologischen Studien in Prag beendet und 1804 die heiligen Weihen empfangen hatte, versah er im Stifte längere Zeit die Stelle eines Secretärs bei dem damaligen Abte Chrysostomus Pfrogner und lernte als solcher alle Einzelheiten der Stiftsverwaltung auf das gründlichste kennen. Als Pfrogner im J. 1812 starb, wurde R. 1813 mit Stimmenmehrheit zum Abte gewählt. In dieser Stellung lichtete er sein erstes Augenmerk auf die in den Kriegswirren seiner Zeit herangekommenen|Oekonomieverhältnisse des Stiftes; er ließ das Stiftsgebäude neu herstellen, neue Volksschulhäuser erbauen, die vorhandenen erweitern und erwies sich besonders in dem Hungerjahre 1817 der umwohnenden Bevölkerung als ein barmherziger Helfer. Dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf die im Bereiche des Stiftseigenthums gelegenen Mineralquellen des heutigen Marienbades, die mitten in den damals fast noch unzugänglichen Sümpfen des Waldes unbenutzt lagen. Schon 1779 hatte der Stiftsarzt Dr. J. J. Nehr die Heilkraft jener Quellen erprobt, und ihm gebührt daher wol der Name eines Entdeckers des Marienbades, eigentlicher Gründer von Marienbad ist indessen unbestritten Abt R., der, als er zur Prälatur gelangte, seine ganze Thatkraft einsetzte, das Bad zu einer ergiebigen Einnahmequelle für das Stift zu gestalten. Nachdem er 1816 die Quellen nochmals hatte untersuchen lassen, ließ er 1817 die Promenade zwischen dem Kreuz- und Karolinenbrunnen anlegen; 1818 wurde Marienbad zum Range eines Kurortes erhoben, und schon für das nächste Jahr die Eröffnung der ersten Saison angekündigt; das Badehaus wurde mit großen Auslagen bergerichtet, die Umgebung in eine schöne Landschaft umgestaltet; auch wurde die Versendung des Kreuzbrunnens eingeleitet und Niederlagen davon in den Hauptstädten errichtet. Dann folgte die Umwandlung der inneren Einrichtung des Kurapparates nach dem Muster der bedeutendsten Kurorte Böhmens und Deutschlands, die Bestellung einer eigenen Badeinspection, die Erbauung eines Badehauses für Stahlbäder, 1820 die Errichtung eines Gasbades, dem sich bald Douche-, Dampf- und Moorbäder anschlossen, die Erbauung von Straßen, Brücken, Kanälen, Promenaden. Wasserleitungen, Brunnentempeln, eines Interimtheaters, eines Kursalons, einer Schule, einer Kapelle zur Abhaltung des Gottesdienstes, eines Kurspitals zur Aufnahme dürftiger Kranker ohne Rücksicht am Religion und Nationalität, die Gründung einer Apotheke u. s. w., und dies alles geschah aus den Einkünften des Stiftes, jedoch in einer Weise, daß nirgends eine Verkürzung fühlbar ward, da niemand ein Opfer brachte, als nur der Abt R. allein, der sein Personaleinkommen diesem Zwecke widmete. So war binnen kurzer Zeit die frühere Armuth der ganzen Gegend, die bis dahin ohne Verkehr und Erwerb war, einem behäbigen Wohlstande gewichen, und die für den Kurort gemachten großen Auslagen lohnten sich bald in reichlicher Weise, da sich schon im J. 1824 ein Reinertrag von 30 000 Gulden herausstellte. Und der Lohn des Abtes für seine Opferwilligkeit? Hatte er im Anfange seiner Unternehmungen mit dem größten Unverstande seiner Umgebung zu kämpfen, so verwandelte sich derselbe nach ihrem Gelingen in häßlichen Neid. Alle diese Zerwürfnisse im Stifte wurden schließlich durch eine höchsten Orts befohlene Verschärfung der klösterlichen Disciplin noch gesteigert, so daß R. es für das Beste hielt, 1827 sein Amt niederzulegen. Er zog sich mit einer anständigen Jahresrente in das Stift Mitten nach Tirol zurück und ist dort am 21. März 1860 gestorben.

    • Literatur

      Nachruf an den Gründer von Marienbad Kaspar Karl Reittenberger etc. Von Prof. Dr. Schneider. Marienbad 1868.

  • Autor/in

    Brümmer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brümmer, Franz, "Reitenberger, Kaspar Karl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 28 (1889), S. 167-168 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129402419.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA