Lebensdaten
erwähnt 1076, gestorben 1123
Beruf/Funktion
Graf von Schauenburg ; Herr auf der Neuen Burg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 122886216 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ludwig der Springer
  • Ludwig
  • Ludwig von Schauenburg
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Zitierweise

Ludwig II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122886216.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Ludowinger (s. NDB 15);
    V Ludwig d. Bärtige ( n. 1055, St. Alban zu Mainz);
    M Cäcilie v. Sangerhausen;
    B Gf. Beringer v. Sangerhausen ( spätestens 1110);
    - 1088 Adelheid ( 1110), Wwe d. Pfalzgf. Friedrich III. v. Sachsen, T d. Gf. Udo II. v. Stade, Mgf. d. Nordmark, 5 S, 3 T, u. a. Hermann ( 1114), Landgf. Ludwig I. ( 1140, s. NDB 15), Gf. Heinrich Raspe I. v. Gudensberg ( 1130), Bischof Udo v. Naumburg 1125 ( 1148), Kunigunde ( 1118, Wichmann, Gf. in|Sachsen), Cäcilie ( 1141. Gf. Gerlach v. Veldenz), Adelheid ( 1146, Gf. Ulrich II. v. Weimar).

  • Leben

    Als ältester Sohn Ludwigs des Bärtigen baute der gleichnamige Sohn dessen am Rande des Thüringer Waldes gelegene, durch die Schauenburg gesicherte bescheidene Rodungsherrschaft weiter aus und schob sie nach Norden in das Thüringer Becken vor. Er bediente sich dabei der zeitgemäßen Mittel der Burgen- und Klostergründung und einer erfolgreichen Familienpolitik. Die Ehe mit der verwitweten Pfalzgräfin Adelheid von Sachsen vermehrte seine Besitzungen und öffnete der Familie den Zugang zu den führenden Geschlechtern des Reiches. Eckpfeiler des wachsenden Herrschaftsbereiches wurden im Westen die von L. angelegte, 1080 zuerst genannte Wartburg über Eisenach, im Osten die Neuenburg, die er um 1100 über der Stadt Freyburg an der Unstrut auf dem Wittum seiner Gemahlin errichtete. In den Kämpfen Kg. Heinrichs IV. mit den aufständischen Sachsen scheint L. zunächst (1080) auf der Seite des Königs gestanden zu haben; dieser hat ihn vermutlich damals zum Grafen erhoben. Später gehörte der streng kirchlich gesinnte L. im Bündnis mit Erzbischof Ruthard von Mainz und den sächs. Großen zu den erbitterten Gegnern Heinrichs IV. Neben der Schauenburg gründete er 1085 das Benediktinerkloster Reinhardsbrunn; er besiedelte es mit Mönchen des Reformklosters Hirsau. Es lag ganz auf der politischen und kirchlichen Linie L.s, daß Papst Urban II. 1092 dem Kloster den Besitz bestätigte, die Vogtfrage regelte und ihm die röm. Freiheit verlieh, 1094 das Privileg erneuerte und durch das Recht der freien Abtswahl erweiterte.

    So stand L. zunächst an der Seite des im Gegensatz zum Vater auf den Thron gelangten Kg. Heinrich V. Aber als der Kaiser sich 1112 die Güter der ausgestorbenen Grafen von Weimar zusprechen ließ, schloß er sich der allgemeinen sächs.-thür. Fürstenopposition mit Erzbischof Adalbert I. von Mainz an der Spitze an. Nachdem der kaiserliche Feldherr Gf. Hoyer von Mansfeld die Verbündeten geschlagen hatte (1113), stellte sich L. in Dortmund dem Kaiser, wurde aber gegen Übergabe der Wartburg freigegeben. Vielleicht nach erneutem Widerstand ließ ihn Heinrich V. bei seiner Hochzeitsfeier mit Mathilde von England in Mainz (Jan. 1114) festsetzen; L.s jüngere Söhne Ludwig und Heinrich Raspe setzten den Kampf fort. Erst nach fast drei Jahren erhielt L. die Freiheit zurück (Okt. oder Nov. 1116). Sein ältester Sohn Hermann war nach mehr als zwei Jahren Gefangenschaft 1114 auf der Burg Hammerstein gestorben. L. starb im Kloster Reinhardsbrunn, in das er kurz vor seinem Tode eingetreten war. Der Beiname „Saltator“ gründete sich auf seine angebliche Flucht durch einen sagenhaften Sprung von der Burg Giebichenstein in die Saale.

  • Literatur

    W. Kaestner, L. II., d. Springer, Gf. v. Th. ( 1123), Diss. Jena 1914; s. a. L zu Ludwig IV.
    , S. 423.

  • Portraits

    Grabdenkmal, 14. Jh., aus d. Kloster Reinhardsbrunn jetzt in d. Georgenkirche Eisenach.

  • Autor/in

    Walter Heinemeyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Heinemeyer, Walter, "Ludwig II." in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 418-419 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122886216.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ludwig der Springer, ein thüringischer Graf, 1123, Sohn des Vorhergehenden. Der Beiname „Saltator“ findet sich erst im 15. Jahrhundert, als Zusatz einer späteren Handschrift der Erfurter Annalen. Erst Jahrzehnte nach dem angeblichen Todesjahr seines Vaters (1055 vel citra, Annal. Reinhardsbr.) wird L. von gleichzeitigen Quellen erwähnt, und zwar erscheint er zuerst 1076 und 1080 als Anhänger Heinrichs IV. Nach der unglücklichen Schlacht bei Flarchheim rettete er den König auf geheimen Wegen nach Hessen. Ludwigs Beste, die Wartburg, welche damals zuerst genannt wird, war von den beiderseitigen feinden besetzt. Da L. von dem sächsischen Geschichtsschreiber Bruno, der dies erzählt, nicht als Graf bezeichnet wird, bald nachher aber diesen Titel führt, so läßt sich vermuthen, daß Heinrich IV. ihn zur Belohnung seiner Dienste zur gräflichen Würde erhoben hat. Indessen L. blieb der Partei des Königs nicht treu. 1085 finden wir ihn in intimster Verbindung mit den entschiedensten Gegnern Heinrichs. Damals berief er zur Begründung des Klosters Reinhardsbrunn Mönche aus Hirschau, dem Mittelpunkt der gregorianischen Bestrebungen in Süddeutschland. An die Spitze seiner Stiftung stellte er unter Beirath des Bischofs Harrand von Halberstadt, der von Heinrich nicht anerkannt wurde, den Hirschauer Giselbert, der vor dem König hatte aus Hasungen entweichen müssen und auch in Reinhardsbrunn von dem Hasse desselben verfolgt wurde. Reinhardsbrunn wurde mit reichen Besitzungen ausgestattet und dem Papste unmittelbar unterstellt. Es blieb die Lieblingsstiftung der Dynastie. Ihre Entstehung hat die spätere Reinhardsbrunner Tradition (der Historien) in Zusammenhang gebracht mit der Ermordung des Pfalzgrafen Friedrich, welche sie L. dem Springer zuschreibt. Die Wittwe des Ermordeten, die schöne und reiche Adelheid, wurde die Gattin Ludwig's, dieser Umstand und die Neigung der klösterlichen Geschichtsschreiber, von der plötzlichen Reue eines Bösewichts und dadurch veranlaßter Klosterstiftung zu erzählen, bewirkte, daß erst die Anstiftung der Mordthat, dann die That selbst L. zur Last gelegt wurde. Eben im Jahre 1085 (5. Febr.), im Jahre der Stiftung von Reinhardsbrunn ist Pfalzgraf Friedrich ermordet worden, die spätere Reinhardsbrunner Tradition schiebt die That um 23 Jahre zurück und verlegt dann in die Zwischenzeit die Gefangenschaft Ludwigs auf dem Giebichenstein und den Sprung in die Saale. Die Vermählung Ludwigs mit der Pfalzgräfin Adelheid hat sein Besitzthum bedeutend vermehrt, sie ist eine der zahlreichen glücklichen Heirathen, durch welche die Machtstellung des Hauses gehoben wurde. Stützpunkte derselben waren jetzt vornehmlich die Wartburg im|Westen und die Neuenburg (bei Freiburg an der Unstrut) im Osten. Briefe Walrams von Naumburg an L., die nicht vor 1094 geschrieben sein können, zeigen, daß L. dauernd auf Seiten der Opposition gegen den Kaiser verharrte, ungefähr 1099 treffen wir ihn in einer zahlreichen Versammlung vornehmlich sächsischer Fürsten, die ohne Zweifel nicht zu dem harmlosen Zweck der Einweihung des Klosters Lippoldsberga, sondern zur Besprechung eines Anschlags wider den Kaiser zusammengekommen waren (Giesecke, Die Hirschauer während des Investiturstreits, 1883, S. 114). Zu Heinrich V. stand er natürlich anfangs in den besten Beziehungen. Als aber die veränderte Politik des Kaisers und sein gewaltsames Eingreifen in die Orlamünder Erbschaftsfrage die Fürsten Ostsachsens und Thüringens 1112 zum Aufstand veranlaßte, da hatte L. auch persönliche Motive genug, sich den Gegnern des Kaisers anzuschließen. Aber Heinrich warf die Empörung blitzschnell nieder. Bei Wärnstädt unweit Quedlinburg erlitt L. mit andern sächsischen Großen im Februar 1113 eine vollständige Niederlage, einen Monat später ergab er sich dem Kaiser. Gegen Auslieferung der Wartburg, seiner wichtigsten Feste, gab ihn zwar Heinrich frei, aber auf der Höhe seiner Macht, während der glänzenden Feier seiner Vermählung mit Mathilde von England (Januar 1114), ließ er ihn plötzlich verhaften und in Fesseln werfen. Zwei und drei Viertel Jahr — bis in den Spätherbst 1116 — sollte er in Gefangenschaft schmachten, aber die widerrechtliche Festnehmung Ludwigs rief eine neue sächsische Fürstenverschwörung hervor. Der Kaiser vermochte nicht sie zu bewältigen. Gegen Auslieferung des von Ludwigs Söhnen gefangenen kaiserlichen Hauptmanns Heinrich mit dem Haupte wurde L. mit andern gefangenen sächsischen Großen im October oder November 1116 freigelassen, nachdem er für friedliches Verhalten Bürgschaft geleistet hatte. Jetzt beeendete er auch die Streitigkeiten mit seinem Stiefsohn, Pfalzgraf Friedrich von Putelendorf, der Hilfe beim Kaiser gesucht hatte. Trefflich hatte L. die Schwierigkeiten des Kaiserthums unter den letzten Saliern zur Mehrung seiner Macht zu nutzen gewußt. Die erhöhte Bedeutung, welche ihr die Quellen beilegen und die bald folgende Erhebung seines Sohnes zur landgräflichen Würde lehren dies unverkennbar. Ludwigs Politik, die früher ziellos schwankend erschien, zeigt sich nach Ausmerzung der gefälschten Kaiserurkunden durchaus consequent und in Uebereinstimmung mit der ältesten Reinhardsbrunner Tradition, welche berichtet, daß L. einen beständigen Krieg gegen die Inhaber der Reichsgüter in Thüringen geführt habe, bis er sich schließlich mit dem Kaiser ausgesöhnt und zum Zeichen dessen die Burg Eckardsberga erhalten habe. Wann diese Aussöhnung stattgefunden hat, ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben, Ende 1119 treffen wir ihn noch in Verbindung mit Adalbert von Mainz, dem eifrigsten Gegner des Kaisers, seine Söhne erscheinen sofort (am 8. Mai 1123) am Hofe Heinrichs. Am Ende seiner Tage, im Jahre 1123, begab sich L. in das Kloster Reinhardsbrunn, um dort bald (6. Mai? 1123) zu sterben.

    • Literatur

      Knochenhauer, Gesch. Thüringens.

  • Autor/in

    Wenck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wenck, Karl, "Ludwig II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 589-590 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122886216.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA