Lebensdaten
erwähnt getauft 1685 , gestorben 1750
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Rudolstadt (Thüringen)
Beruf/Funktion
Komponist ; Kapellmeister
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 122356306 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Graff, Johann
  • Graf, Johann
  • Graff, Johann
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Zitierweise

Graf, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122356306.html [23.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hans, dt. Schulmeister, S d. dt. Schulmeisters Johann;
    M Barbara, T d. Wagners u. Bierbrauers Andreas Zetter in Sulzbach;
    N. N.;
    6 S, 1 T, u. a. Chrstn. Ernst (1723–1803), Hofmusiker im Haag, Frdr. Hartmann (1727–95), Leiter d. öffentl. Konzerte in Hamburg, wiederholt als Gast in London, seit 1772 Musikdir. in Augsburg, Dr. h. c. d. Musik (Oxford 1789) (beide s. ADB IX; MGG; Riemann).

  • Leben

    G. wurde frühzeitig durch ungenannte Meister eine vielseitige musikalische Ausbildung zuteil, besonders als Oboist, Geiger und Komponist. Erstmals wird sein Name anläßlich seiner Mitwirkung im heimatlichen Deutschherrenstift genannt. Aber schon um 1708 trat er als Instruktor und Oboistenmeister ins Regiment des Nürnberger Generals Georg Wilhelm Löffelholtz ein, das an den Kämpfen in Ungarn teilnahm und G. wiederholt Gelegenheit bot, sich in Wien zu perfektionieren. Vielleicht durch Verbindungen kaiserlicher Musiker mit dem Geiger und Mainzer Hofbeamten J. J. Walther oder durch Vermittlung des Reichsvizekanzlers Friedrich Karl von Schönborn mochte er zu dessen Oheim, dem EB Lothar Franz, empfohlen worden sein, der abwechselnd zu Mainz und Bamberg residierte. Zuerst Leiter der Mainzer „Oboisten-Banda“, dann Hofmusiker in Bamberg (spätestens 1715), widmete er im Juli 1718 sein erstes gedrucktes Werk, 6 Violinsonaten, dem musikliebenden Neffen und Obermarschall des Kurfürsten, Rudolf Franz Erwein Graf von Schönborn. Den Geist ihrer Zeit überragend, könnten sie nach Manier und Technik Früchte seines Umgangs mit dem berühmten Geigenmeister J. J. Walther darstellen, verwandt auch dem fränkischen Geiste seines Landsmannes Johann Pachelbel. 1722 übersiedelte G. nach Rudolstadt, wo ihn der Fürst von Schwarzburg zum Konzertmeister ernannte und mit der Leitung der Tafelmusik sowie Kompositionstätigkeit beauftragte. Schon aus dem darauffolgenden Jahr liegt ein neues Werk vor, das sich spürbar von seinem Erstling dadurch unterscheidet, daß es melodisches Pathos und „neue Empfindsamkeit“ zum Ausdruck bringt. Zahlreiche Kompositionen aus der folgenden Zeit, mehrere Jahrgänge von Kirchenstücken, Tafelmusiken und theatralische Szenen gingen durch den Schloßbrand von 1735 verloren. Ein letztes gedrucktes Opus, wiederum seinem Fürsten gewidmet, erschien 1737. Zwei Jahre später, als die Kapelle mit 30 Musikern verzeichnet wird, unter ihnen 3 Söhne G.s, dekretierte ihn der Fürst anstelle des verstorbenen K. H. Lyra zum Kapellmeister. Wenige Jahre später trat G. wegen Erkrankung ab, zeitweise von einem seiner Söhne, dann durch den Vizekapellmeister und Hofkomponisten Christoph Förster vertreten. – Durch seine Werke selbst als ausgezeichneter Geiger legitimiert, erwarb er sich auf Grund seines versöhnlichen, „fränkischen“ Wesens und seines Könnens die Verehrung seines Fürsten und dessen Hofes und wirkte über Schüler, zumal durch seine Söhne über seinen Tod hinaus. Kennzeichnet sein erstes Werk die Provenienz von der altdeutschen Geigerschule Schmelzer-Waltherscher Art, das zweite eine nachdrückliche Hinwendung zu Händelscher Melodik, so will das Alterswerk (1737) bewußt „nicht undeutlich distinguierende Arbeit“ darstellen, die sich in allerlei auf die Mannheimer Schule hinweisenden Manieren, ausgeschriebenen Verzierungen, Raketen, Synkopen, dissonierenden Intervallen manifestiert, bei fühlbarer Annäherung seiner musikalischen Gedanken an die Sprache J. S. Bachs.

  • Werke

    Weitere W u. a. op. 1, 1718, op. 2, 1723, op. 3, 1737 (je 6 Sonaten a Violino solo), Neuausg. v. op. 1 Nr. 3 in: Organum, R. III/3, hrsg. v. M. Seiffert, 1924; Bühnenwerke:
    Die eröffnete Lebensthür, 1733;
    Ulysses, 1742;
    Daphne, 1743;
    Antiope, 1745;
    Der goldene Apfel, 1746;
    Die beständige Liebe, 1746;
    Die gesegnete Vermehrung d. Fürsten-Tage, Abendmusik (Texte hs. in d. Stadt- u. Kreisbibl. Rudolstadt).

  • Literatur

    ADB IX;
    B. Engelke, Die Rudolstädter Hofkapelle unter Lyra u. J. G., in: Archiv f. Musikwiss., 1918/19, S. 594 ff.;
    A. Moser, Gesch. d. Violinspiels, 1923, S. 329;
    E. W. Böhme, Die frühdt. Oper in Thüringen, 1931, S. 166 ff. (W);
    J. G. Walther, Musikal. Lex. od. musikal. Bibl., Leipzig 1732, S. 288;
    E. L. Gerber, Neues Hist.-biograph. Lex. d. Tonkünstler 1812–14, II, Sp. 371;
    A. Scharnagl u. H. Haase, in: MGG V, Sp. 668-70 (W, L);
    Mitt. v. B. Röttinger, Bamberg, u. B. Baselt, Halle.

  • Autor/in

    Fritz Zobeley
  • Empfohlene Zitierweise

    Zobeley, Fritz, "Graf, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 722 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122356306.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Graf: Johann G., aus dem Gebiete der ehemaligen Reichsstadt Nürnberg gebürtig, bildete sich durch Unterricht in der Composition, sowie auf verschiedenen Instrumenten, insbesondere der Violine, zum tüchtigen Musiker aus. Er erhielt zunächst eine Stelle im Orchester des sogenannten „deutschen Hauses“ in Nürnberg, kam dann als Instructor und „Hoboisten-Meister“ zum „Löffelholtz'schen Regiment“ nach Ungarn, in welcher Stellung er zwei Mal Wien besuchte, wodurch seine weitere Ausbildung wesentlich gefördert wurde. Im Jahre 1718 trat er in die Dienste des Kurfürsten von Mainz, bald darauf in die des Bischofs von Bamberg, wurde aber später als Concertmeister nach Rudolstadt berufen, wo er um 1745 als Capellmeister starb. Gerber (Neues Tonkünstlerlexikon II) nennt folgende Compositionen Graf's für Violine mit beziffertem Baß: „6 Sonate op. 1“ (Bamberg 1718); „6 Sonate op. 2“ (Rudolstadt 1723). Auch 6 „kleine Partien“ von ihm für zwei Violinen, Viola und Baß (op. 5, 1739) sind bekannt geworden. Eine neunstimmige Motette ("In convertendo") besitzt die Pariser Bibliothek G. hatte 6 Söhne, die er sämmtlich zu tüchtigen Musikern erzog, doch haben sich nur Christian Ernst und Friedrich Hartmann (s. o.) besonders hervorgethan.

  • Autor/in

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Graf, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 549 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122356306.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA