Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Werkmeister in Regensburg
Konfession
-
Normdaten
GND: 121152936 | OGND | VIAF: 42686998
Namensvarianten
  • Roritzer
  • Roriczer
  • Roritzer

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Zitierweise

Roriczer, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121152936.html [01.10.2020].

CC0

  • Leben

    Der erste Steinmetz und Werkmeister dieses Namens, Wenczlaw ( vor 25.7.1419), wahrscheinlich aus Kolín (Böhmen) stammend, dürfte zu den Steinmetzen gehört haben, die nach dem Ende der Parlerschen Bautätigkeit in Prag nach Westen wanderten. Um 1410 scheint er in Esslingen unter Ulrich Ensinger ( 1419) gearbeitet zu haben, denn an der dortigen Frauenkirche tritt um diese Zeit erstmals nachweisbar das Steinmetzzeichen der R. auf. Es ist denkbar, daß Wenczlaw am Regensburger Dom Ensinger nachfolgte, dessen Tätigkeit hier noch unbewiesen, aber nicht unwahrscheinlich ist. Spätestens 1415 jedenfalls wurde Wenczlaw Werkmeister des Regensburger Doms und war 1416 an der Wiederherstellung der zerstörten Burg Ehrenfels bei Regensburg beteiligt. Ob er identisch ist mit dem 1401-09 in Nördlingen und Dürrwangen tätigen Werkmeister Wenczlaw, bleibt vorerst ungeklärt.

    Wenczlaws Sohn Konrad (um 1410 – nach 1477) ist 1446 in Regensburg erstmals sicher belegt. In den folgenden Jahren stieg er wohl zum Parlier und Stellvertreter seines Stiefvaters, des Dommeisters Andreas Engel, auf. 1454 wurde er Leiter des Chorbaus von St. Lorenz in Nürnberg und 1456 Regensburger Dommeister. Beide Bauten führte er bis 1463. 1459 war er an der Vorbereitung des Regensburger Steinmetztages beteiligt; im selben Jahr wurde er Mitglied der dt. Steinmetzbruderschaft. 1461 lieferte er einen Entwurf für den Turm der Nördlinger Georgskirche, 1466 bat ihn die Stadt Nürnberg um ein Gutachten für verschiedene Bauvorhaben. 1472 ersuchte ihn die Stadt Eger, für den Bau ihrer Pfarrkirche einen tüchtigen Meister zu empfehlen, worauf er seinen Sohn Matthäus dorthin schickte. 1474 fungierte er als Gutachter bei der Einwölbung der Münchener Frauenkirche. Finanzielle Nöte zwangen Konrad 1475, sein Haus in Regensburg zu verkaufen. 1477 ist er letztmals als geschworener Stadtmeister in Regensburg nachweisbar.

    Von seinen beiden Söhnen absolvierte Matthäus (um 1440 – um 1495) seine Lehrzeit wohl in Nürnberg und Regensburg; möglicherweise war er an der Errichtung des Turms der Pfarrkirche von Weißenburg (Bayern) (1459–65) beteiligt, wo sich das „R“-Zeichen nachweisen läßt. In Nürnberg, wo er auch das Bürgerrecht erhielt, übernahm er mit dem Erwerb des Meistertitels 1463 von seinem Vater auch die Leitung des Chorbaus von St. Lorenz (bis 1466). Nach seiner Entlassung arbeitete er um 1468-71 als Geselle in der Werkstatt des Hanns Böblinger am Turm der Frauenkirche in Esslingen. 1472 nach Regensburg zurückgekehrt, sandte ihn sein Vater nach Eger zum Bau der dortigen Pfarrkirche. Ein Jahr später – er war gerade an der Domkapitelsakristei des Eichstätter Doms tätig – holte man ihn als Gutachter zum Bau der Münchener Frauenkirche. 1476 erwarb Matthäus das Regensburger Bürgerrecht und wurde 1477 Dommeister. 1486/87 veröffentlichte er auf Anregung des Eichstätter Bischofs Wilhelm v. Reichenau (um 1426–96) drei Druckwerke: das „Büchlein von der Fialen Gerechtigkeit“, die „Geometria“ und eine Schrift über die Konstruktion eines Wimpergs. Sie bilden die drei Teile eines Lehrtraktats, dem als erstem gedrucktem Werkmeisterbuch in dt. Sprache eine herausragende Rolle in der Entwicklung des Deutschen als Wissenschaftssprache zukommt. Gleichzeitig machte das Buch dem interessierten Laien erstmals Fachwissen zugänglich. Vielleicht nicht zufällig nahezu zeitgleich mit Albertis „Res aedificatoria“ (1485) und Vitruvs „De architectura libri decem“ (1487) erschienen, war sein Zweck die Verbesserung der Ausbildung der Steinmetzen und die Vertiefung der fachlichen Kenntnisse auch der Bauherren. Aus Matthäus' eigener Hausdruckerei stammen noch einige Einblattdrucke. Um 1490 fertigte Hans Holbein d. Ä. ein Porträt von ihm an (Silberstiftzeichnung, Berlin, Staatl. Mus., Kupf.kab.). Seine Tochter Martha heiratete 1498 den Regensburger Steinmetz Hans Prem.

    Viel weniger ist über Matthäus' (jüngeren?) Bruder Wolfgang ( 30.5.1514) bekannt. Als dieser 1495 das Regensburger Bürgerrecht erwarb und die Leitung des Dombaus übernahm, war er schon geraume Zeit (als Werkmeister?) am Liebfrauenmünster in Ingolstadt tätig, wie eine Stelle in seinem Anstellungsvertrag nahelegt. Wie sein Vater und sein Bruder Wolfgang hatte auch er in Regensburg öffentliche Ämter inne als geschworener Stadtmeister, 1513 Mitglied des Äußeren Rates und städtischer Rechnungsverordneter; außerdem war er Mitglied der St. Wolfgangs-Bruderschaft. Als Folge der jahrelangen heftigen sozialen Unruhen und Aufstände in Regensburg wurde der streitbare Dommeister Ende Mai 1514 als einer der Rädelsführer des Hochverrats angeklagt und mit zwei anderen Handwerkern hingerichtet.|Seine Familie lebte in Regensburg noch bis 1524.

    Von Wolfgangs Kindern ist nur der Steinmetz Dionys namentlich bekannt, dem 1522 ein (verlorener) Geburtsbrief in Regensburg ausgestellt wurde. Er scheint in Österreich gearbeitet zu haben, denn beim Bau des Schlosses in Neuburg/Donau wird 1537 ein Meister D. R. aus Hallein genannt, der Türgerichte und Pflastersteine fertigte. O. Kletzl vermutete in Dionys R. den gleichnamigen Meister, der im elsäss. Zabern (Saverne) und der Umgebung um die Mitte des 16. Jh. Brunnen errichtete und sich an die Kunst seines Vaters anlehnte (Ziehbrunnen im Regensburger Dom). In Zabern stammt noch das Grabmal Bf. Wilhelms v. Honstein ( 1541) von seiner Hand.

    Die R. zählten wie die Parler, Böblinger oder Ensinger zu jenen Werkmeisterfamilien, die erst mit dem Entstehen der Familiennamen im 14. Jh. historisch faßbar werden, vermutlich aber älter sind. Die phantasievolle Lokalforschung hat ihr Bild stark verunklärt. Haupttätigkeitsfeld der R. war der Regensburger Dom und dessen weitgehende Vollendung im 15. und frühen 16. Jh. Aufgrund der herausragenden Stellung des Doms wurden sie aber auch für andere prominente Bauten verpflichtet oder als Gutachter herangezogen. Zu auswärtigen Baustellen kamen sie auftragsbezogen und mit ausgesuchten Handwerkern. Insofern ist das Bild der herumziehenden Bautrupps zumindest für das Spätmittelalter zu revidieren.

  • Werke

    Weitere W u. Mitarbeit: zu Wenczlaw: Regensburger Dom, Erdgeschoß d. Nordturms;
    Geburt-Christi-Altar, Vollendung d. Hauptportals (?), Einwölhung d. Domkreuzgangs (?);
    Meister Wenczlaw:
    Nördlingen. Baldinger u. Berger Tor, St. Leonhard;
    Dürrwangen, Stadtbefestigung (?);
    zu Konrad:
    Regensburger Dom, Wolfgangsaltar. Bildhauerarbeiten an d. Westfassade;
    zu Matthäus:
    Eichstätt, Domkapitelsakristei;
    Regensburger Dom, 2. Obergeschoß d. Nordturms. Mittelteil d. Westfassade mit Dreiecksgiebel, Kanzel, Sakramentshaus, Einfassung d. Dombrunnens;
    zu Wolfgang:
    Regensburger Dom, Sakramentshaus, Baldachin üb. d. Dombrunnen, Baldachinüberbau, 2. Obergeschoß d. Nordturms;
    Domkapitelhaus, Umbau. Polling-Epitaph im Domkreuzgang (?);
    Neumarkt, Pfarrkirche St. Johann Baptist, Rorbach-Grabplatte (zugeschr.).

  • Literatur

    ADB 24, S. 15 f. (zu Matthäus; fehlerhaft)
    ;
    C. W. Neumann, Die drei Dombaumeister R. u. ihr Wohnhaus, d. älteste bekannte Buchdruckstätte in Regensburg, in: Verhh. d. hist. Ver. f. Oberpfalz u. Regensburg 28, 1872, S. 1-96;
    F. Dietheuer. Drei Originalbriefe d. Dombaumeisters Conrad R. u. d. Ingolstädter Liebfrauenturmplan um 1460, ebd. 101, 1960/61, S. 165 ff.;
    A. Gümbel, Rechnungen u. Aktenstücke z. Gesch. d. Chorbaus v. St. Lorenz in Nürnberg, in: Repert. f. Kunstwiss. 32, 1909, S. 1 ff., 33, 1910, 36 ff.;
    Einblattdrucke d. XV. Jh., 1914, S. 510;
    Des Dombaumeisters u. Buchdruckers Matthäus R. Büchlein v. d. Fialen Gerechtigkeit Regensburg 1486 dem Urdr. nachgebildet, hg. v. K. Schottenloher, 1923;
    V. Kotrba, Odkud pocházeli Roritzerové?, in: Umění IX, 1963, S. 65-69;
    F. Geldner, M. R.s „Büchlein v. d. Fialen Gerechtigkeit“ u. d. beiden Ausgg. d. „Visierbüchleins“ v. 1485, in: Gutenberg-Jb. 1963, S. 60-66;
    Elmar D. Schmid, Nördlingen – die Georgskirche, 1977;
    L. R. Shelby, Gothic Design Techniques, 1977;
    A. Hubel. La fabrique de Ratisbonne, in: Les Bātisseurs des cathédrales, 1992, S. 165-177;
    ders., M. Schuller. Der Dom zu Regensburg, 1995, S. 111-49 (P);
    P. Morsbach, Matthes R.s „Büchlein v. d. Fialen Gerechtigkeit“, in: Der Weg führt durch Gassen, FS f. E. Dünninger, 1999, S. 192-207;
    O. Kletzl, in: ThB 28, S. 591 ff.;
    LThK3;
    Lex. MA;
    Vf.-Lex. d. MA2;
    Dict. of Art;
    LGB2; |

  • Quellen

    Qu München, Bayer. HStA; Nördlingen. StadtA; Regensburg, Bfl. Zentralarchiv u. StadtA.

  • Autor/in

    Peter Morsbach
  • Empfohlene Zitierweise

    Morsbach, Peter, "Roriczer" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 35-36 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121152936.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA