Lebensdaten
1538 bis 1592
Sterbeort
Zabern
Beruf/Funktion
Bischof von Straßburg ; Graf von Manderscheid
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119543052 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Johann IV. von Manderscheid-Blankenheim
  • Johann IV.
  • Manderscheid-Blankenheim, Johann IV. Graf von
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Zitierweise

Manderscheid-Blankenheim, Johann Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119543052.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Arnold (1500–48), M Margaretha ( 1571), T d. Johann v. Wied-Runkel (1485–1533) u. d. Elisabeth Gfn. v. Nassau (1488–1559);
    B Hermann ( 1604, s. Einl.).

  • Leben

    Seit 1547 war M. Domherr in Köln, seit 1562 Domscholaster, 1579 Keppler; er resignierte auf seine Kölner Würden am 4.11.1589. Bei der Neuwahl des Kölner Erzbischofs im Herbst 1567 konnte er sich nicht durchsetzen; 1569 verdächtigte man ihn in Köln als Anhänger der Augsburger Konfession. Am 26.1.1569 erfolgte die Wahl M.s zum Bischof von Straßburg, weil er „kirchlich indifferent schien“ (Hahn); er setzte sich gegen den luth. Bewerber Pfalzgf. Richard durch. Die Urteile der Zeitgenossen über den Bischof gehen sehr weit auseinander. In der neueren Geschichtsschreibung wird der Bischof auf der einen Seite als „catholique libéral“ (Wackenheim), auf der anderen Seite als einer der aktivsten Verfechter der Gegenreformation|(Burg) bezeichnet. Das Hinauszögern der confessio fidei läßt sich mit politischen Motiven erklären: 1570 wollte M. als Erzbischof von Köln gewählt werden, aber auch diesmal mißlang das Vorhaben; vor allem Papst Pius V. hatte sich widersetzt. Erst im Sommer 1573 erhielt er während eines Romaufenthaltes die päpstl. Konfirmation als Bischof von Straßburg. 1571 ließ der Bischof Jesuiten aus den Niederlanden ins Elsaß kommen und übergab ihnen das Franziskanerkloster Zabern. Die Jahre 1575-80 sind durch eine rege Reformtätigkeit gekennzeichnet, so daß Auseinandersetzungen mit der Stadt Straßburg nicht ausblieben. M. weigerte sich lange, der Stadt den herkömmlichen Eid zu leisten, weil sie die Rechte der Katholiken verletzt hatte; erst im November 1578 kam es zur Aussöhnung und Eidesleistung. Für die energischen Reformversuche des Bischofs in diesem und dem folgenden Jahr sind nicht so sehr religiöse als vielmehr politische Gründe zu vermuten, da es M. um die Wiederherstellung der landesherrlichen Macht ging. Die Reformen verstärkten sich, als 1577 ein erneuter Versuch, die Kölner Kurwürde zu erhalten, fehlgeschlagen war (gewählt wurde Gebhard Truchseß von Waldburg). Während M. einerseits als Gegenreformator 1581 den Katechismus des Petrus Canisius neu herausgab und im selben Jahr die Jesuiten nach Molsheim berief, suchte er andererseits in dieser Zeit für seinen Neffen Philipp Dietrich auf Wunsch der Mutter einen „Lehrer augsburgischer Konfession“ aus. 1583 griffen die Kölner Unruhen auf das Straßburger Kapitel über, da acht Kölner Domherren auch in Straßburg Sitz und Summe hatten: die kath. Domherren schlossen die sieben ev. Domherren aus. Gestützt auf die Hilfe der Stadt Straßburg, bemächtigten sich jedoch diese des „Bruderhofes“, des Sitzes der domkapitularischen Finanzverwaltung. M. suchte Unterstützung bei Herzog Karl III. von Lothringen und bei den drei geistlichen Kurfürsten. Nachdem der Papst bereits 1583 die Exkommunikation der prot. Domherren ausgesprochen hatte, erließ der Kaiser erst nach langem Zögern am 24.3.1589 ein Dekret gegen die abtrünnigen Kleriker, die den exkommunizierten Kölner Erzbischof zu ihrem Dechanten wählten. Der Zwistigkeiten in seinem Bistum müde, trug sich M. 1590 mit dem Gedanken an Abdankung. Nach seinem Tod gab Kardinal Karl von Lothringen der kath. Restauration neue Impulse.

  • Literatur

    Nuntiaturberr. aus Dtld. I, 1 - II, 7, hrsg. v. St. Ehses, A. Meister, I. Ph. Dengel, H. Kramer u. a., 1895-1952;
    L. G. Glöckel, Gesch. d. Bisthums Straßburg I, 1880;
    M. Lossen, Der Anfang d. Straßburger Kapitelstreites, in: Abhh. d. hist. Cl. d. bayer. Ak. d. Wiss. 18, 1889, S. 743-806;
    ders., Der Köln. Krieg I/II, 1882-97;
    A. Meister, Zum Straßburger Kapitelstreit, in: Röm. Quartalschr. f. christl. Alterthumskde. u. f. KG 6, 1892, S. 241-50;
    ders., Die Haltung d. drei geistl. Kurfürsten in d. Straßburger Stiftsfehde 1583–92, in: Ann. d. hist. Ver. f. d. Niederrhein 61, 1895, S. 95-128;
    ders., Akten z. Schisma im Straßburger Domkapitel 1583–92, in: Mitt. d. Ges. f. Erhaltung d. geschichtl. Denkmäler im Elsaß II, 19, 1899, S. 282-359;
    ders., Der Straßburger Kapitelstreit 1583–92, 1899;
    E. Gfrörer, Straßburger Kapitelstreit u. bischöfl. Krieg im Spiegel d. elsäss. Flugschriftenlit. 1569-1618, 1906;
    K. Hahn, Die kirchl. Reformbestrebungen d. Straßburger Bischofs J. v. M. 1569-92, 1913;
    A. M. Burg, Hist. de l'église d'Alsace, 1945;
    P. Stintzi, Hist. de l'église catholique en Alsace, 1946;
    G. v. Lojewski, Bayerns Weg nach Köln, 1962;
    Ch. Wakkenheim, Les évêques de Strasbourg, témoins de leur temps, 1976;
    Hierarchia Catholica, hrsg. v. G. v. Gulich u. C. Eubel, III (1503–91), 1910.

  • Portraits

    Grabmal (zerstört), davon Zeichnung, 18. Jh., Abb. in: H. Neu, Heimatchronik d. Kr. Schleiden, o.J., S. 91.

  • Autor/in

    Peter Neu
  • Empfohlene Zitierweise

    Neu, Peter, "Manderscheid-Blankenheim, Johann Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 14 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119543052.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA