Lebensdaten
1843 bis 1900
Geburtsort
Graz
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
Komponist ; Dirigent
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119523876 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Picot de Peccaduc Freiherr von Herzogenberg, Leopold Heinrich
  • Picot de Peccaduc Freiherr von Herzogenberg, Heinrich
  • Picot de Peccaduc Freiherr von Herzogenberg, Leopold Heinrich
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Zitierweise

Herzogenberg, Heinrich Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd119523876.html [24.10.2017].

CC0

  • Genealogie

    V August (1815–46), k. k. Kämmerer u. Gubernialsekr. in G., S d. August Baron Picot de Peccaduc, seit 1811 Frhr. v. H. (1767-1834), aus d. Bretagne, franz. Offz., 1797 im Emigrantenkorps Rohan, dann in österr. Diensten, 1813 Gen.-Major, seit 1820 Lokaldir. d. Ing.-Ak. in Wien, 1827 FML (s. Wurzbach VIII), u. d. Anna Gfn. Sedlnitzky v. Choltitz; M Natalie (1816–63), T d. Leonhard Gl v. Rothkirch u. Panthen (1773–1842), k. k. FML u. Kommand. Gen. in Illyrien, Steiermark u. Tirol (s. Wurzbach 27), u. d. Juliana Charl. Freiin v. Rothkirch u. Trach; Wien 1868 Elisabeth (1847–92), T d. Bodo v. Stockhausen (1810–85), hannov. Gesandter in Wien, u. d. Klothilde Gfn. v. Baudissin; kinderlos; Groß-N Johanna (* 1921), Dr. phil., Schriftstellerin.

  • Leben

    H. studierte Jura, Staatswissenschaften und Philosophie, bevor er sich 1862 in Wien dem Studium der Komposition bei dem Hofopernkapellmeister, Dirigenten der Philharmonischen Konzerte und Lehrer am Konservatorium Felix Otto Dessoff (1835–92, s. Literatur) zuwandte, durch den er die für ihn bedeutsame Bekanntschaft von Brahms machte. 1864 beendete er seine musikalischen Studien und lebte dem kompositorischen Schaffen, seit 1868 in Graz, wo er in einem eigenen Konzert mit der Dramatischen Kantate „Columbus“ (op. 11) und der Symphonie „Odysseus“ (op. 16) als Komponist erfolgreich hervortrat. 1872 übersiedelte er nach Leipzig und gründete dort 1874 mit Ph. Spitta, Alfred Volkland und Franz von Holstein den „Bach-Verein“, dessen Leitung er 1875 übernahm. 1885 wurde er als Nachfolger F. Kiels an die Hochschule für Musik in Berlin berufen, zum Professor ernannt und mit der Direktion der Abteilung Komposition betraut. Als Mitglied des Senats der Akademie der Künste leitete er seit 1889 auch deren Meisterschule für Komposition und daneben eine von ihm ins Leben gerufene „Musikalische Gesellschaft“. Schon seit 1887 sah er sich zeitweise aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, seine Ämter niederzulegen, konnte aber von 1892 bis Frühjahr 1900 seine Aufgaben wieder wahrnehmen und leitete seit 1897 nach dem Tode von Woldemar Bargiel auch dessen Kompositions-Klasse.

    Von vielseitiger Begabung und umfassender Bildung, erkannte H. schon frühzeitig in der Musik seine eigentliche Berufung. Steht seine Symphonie „Odysseus“ noch deutlich unter Wagners Einfluß, so sah er in seinem künstlerischen Streben immer mehr in Brahms, mit dem er und seine musikalisch hochbegabte Frau eng befreundet waren, sein Ideal, dem er vornehmlich in seinen Liedern, Klavier- und Kammermusikwerken – mehr epigonal als eigenschöpferisch – nacheiferte. Hier hat er als einer der bedeutendsten Vertreter der Brahms-Nachfolge zu gelten. Wesentlich wurde außerdem für H. das Studium der Werke Johann Sebastian Bachs und damit die Auseinandersetzung mit der evangelisch Kirchenmusik überhaupt. Hatte er in früheren Jahren schon allgemein geistliche Chorwerke (zum Beispiel die „12 deutschen geistlichen Volkslieder“ op. 28, 1880) und auch Werke für den katholisch Gottesdienst (zum Beispiel Requiem op. 72, 1891, Messe op. 87, 1895) komponiert, so widmete er sich in den letzten Jahren seines Lebens fast ausschließlich Kompositionen für den evangelisch Gottesdienst, die den Höhepunkt seines Schaffens bedeuten: die liturgischen Gesänge op. 81, 1894, die Choralmotetten op. 102, 1898, und die Motetten op. 103, 1898, sowie die drei Kirchen-Oratorien („Geburt Christi“ op. 90, 1895, „Passion“ op. 93, 1896, „Erntefeier“ op. 104, 1899). Mit ihnen hat H. – obwohl Katholik – an der evangelischen kirchenmusikalischen Bewegung der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, die die Liturgie der Kirche neu zu beleben und zu vertiefen trachtete, entscheidenden Anteil.

  • Werke

    Weitere W u. a. Dt. Liederspiel f. Soli u. gem. Chor mit Pianoforte zu 4 Hdn., op. 14, um 1870; Variationen üb. e. Thema v. J. Brahms f. Pianoforte zu 4 Hdn., op. 23, 1876; Orgel-Phantasie üb. d. Melodie „Nun komm d. Heiden Heiland“, op. 39, 1883; Symphonie c f. gr. Orch., op. 50, 1885; Symphonie Nr. 2 B f. gr. Orch., op. 70, 1890; Totenfeier, Kantate f. Soli, gem. Chor, Orch. u. Orgel, op. 80; Kantate üb. d. Choral „Gott ist gegenwärtig“ f. Gemeinde-Gesang, gem. Chor, Orch. mit unterlegter Klavier-Stimme, op. 106, 1901.

  • Literatur

    Johs. Brahms im Briefwechsel mit H. u. E. v. Herzogenberg, 2 Bde. (= Brahms-Briefwechsel I, II, hrsg. v. M. Kalbeck), 1907 (P); J. Spengel, H. v. H. in s. Vokalwerken, in: Die Sängerhalle, 1893; W. Altmann, H. v. H., s. Leben u. Schaffen, in: Die Musik 2, 1903, S. 28-47, erweitert 1903; ders., H. v. H.s Kammermusikwerke, in: Der Musiksalon 1, 1909, S. 153-55, 173-75, 189-91; F. Spitta, H. v. H.s Bedeutung f. d. ev. Kirchenmusik, in: Jb. Peters 26, 1920, S. 34-55; W. Kahl, in: MGG VI, Sp. 302-06 (W-Verz., L); Riemann (W, L); ÖBL (W, L); BJ V (Tl. 1903, W, L). - Zu F. O. Dessoff: ÖBL (W, L).

  • Autor

    Imogen Fellinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Fellinger, Imogen, "Herzogenberg, Heinrich Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 743-744 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119523876.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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