Lebensdaten
1667 bis 1728
Geburtsort
Hoff Kreis Greifenberg (Hinterpommern)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
kursächsisch-polnischer Staatsmann ; Heerführer ; General
Konfession
lutherische Familie
Normdaten
GND: 119415410 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Flemming, Jakob Heinrich Graf von

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Flemming, Jakob Heinrich Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119415410.html [09.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gg. Caspar (Reichsgf. 1700, 1630-1703), auf Hoff usw., brandenburg. GR u. Hofger.präs. in Stargard, S d. Jakob v. F. (1588-1655) auf Hoff usw., schwed. Rittm., pomm. Landmarschall (S d. Joachim, s. Einl.), u. d. Barbara v. Pfuel;
    M Agnes Helene (1645–96), T d. Ewald Joachim v. Flemming (1603–71) auf Leussin, Dir. d. Wollin. Distrikts, u. d. Dor. Agnes v. d. Osten;
    B Joach. Frdr. (1665–1740), kursächs. Gen. d. Kav., Bogislav Bodo (1671–1732), kursächs. Gen.-Lt. (beide s. ADB VII);
    1) Trebnitz/Schles. 1702 ( 1718) Franziska (kath.), Wwe d. Dominikus Fürst Radziwill, T d. Leo Fürst v. Sapieha, 2) 1725 Thekla (kath.), T d. Karl Stanislaus Fürst Radziwill;
    3 S aus 1) (früh †);
    N Dor. Charl. Luise (⚭ Frdr. Caspar Gf. v. Gersdorff, 1699–1751, sächs. GR), Eva Charl. Frieder. (⚭ Joh. Gg. Gf. v. Einsiedel, 1692–1760, sächs. Hofmarschall, s. NDB IV*).

  • Leben

    Nach Schulbesuch in Greifswald studierte F. in Frankfurt/Oder, Utrecht und Leiden. 1688 wurde er Soldat und setzte mit dem Heere Wilhelms III. von Oranien nach England über, wo er noch die Universität Oxford besuchte. Als brandenburgischer Hauptmann kämpfte er im|Pfälzer Erbfolgekrieg 1689 gegen Ludwig XIV. 1693 stand er in einem englischen Truppenverbande in Oberitalien und trat 1694 als Oberst in den Dienst des Kurfürsten Johann Georg IV. von Sachsen. Im gleichen Jahre wurde er zum hinterpommerischen Erblandmarschall gewählt. Unter Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen begann F.s großartiger Aufstieg im Militär- und Staatsdienst. 1695/96 wirkte er in diplomatischen Missionen und als sächsischer Regimentschef auf dem ungarischen Kriegsschauplatz. Als Bevollmächtigter seines Dienstherrn setzte er 1697 in zähen, geschickten Verhandlungen in Warschau dessen Wahl zum polnischen König gegen die größten Widerstände seitens der französischen Partei unter dem polnischen Adel durch. Zweifellos rührt daher jenes enge Verhältnis des Königs zu F., das niemals getrübt worden ist, während viele andere der höchsten und vertrautesten Staatsdiener die Ungnade des leicht mißtrauischen Herrschers erfuhren. Im Nordischen Krieg kämpfte F. als Generalleutnant gegen die Schweden, wobei er 1702 in der Schlacht bei Klissow schwer verwundet wurde. 1707 wurde er Gouverneur von Dresden, 1710 Präsident des kursächsischen Geheimen Kriegsratskollegiums. 1712 leitete er als Generalfeldmarschall die erfolglose Belagerung Stralsunds. Neben seinen militärischen Aufgaben hatte er sich öfters in diplomatischen Missionen bewährt, so daß ihm 1707 im neubegründeten Kabinett die Stellung eines Departementsministers der Auswärtigen Angelegenheiten übertragen wurde. 1712 stieg er zum dirigierenden Kabinettsminister auf. Damit vereinigte er die höchste Kommandogewalt im sächsischen Heere und die oberste Leitung der sächsisch-polnischen Staatsgeschäfte in seiner Hand. Mit der Ausbildung absolutistischer Regierungsformen in Sachsen ist die Person des nur vom Vertrauen des Herrschers getragenen „Ausländers“ F. aufs engste verbunden, über 2 Jahrzehnte war er eine der stärksten Stützen der sächsisch-polnischen Verbindung. – F. besaß eine überdurchschnittliche Arbeitskraft, Kühnheit und Entschlußfreudigkeit. Er beherrschte die französische, lateinische und polnische Sprache und stand mit berühmten Gelehrten seiner Zeit im Briefwechsel. In glänzenden Vermögensverhältnissen lebend, verfügte er über einen reichen Besitz an Liegenschaften in Pommern, Kursachsen, Schlesien, Polen und Litauen.

  • Literatur

    ADB VII;
    M. Ranfft, Leben u. Thaten d. … J. H. Gf. v. F., Naumburg u. Zeitz 1731 (P);
    C. Gurlitt, August d. Starke I, 1924, S. 337 ff.;
    P. Haake, August d. Starke, 1926, S. 120 ff.;
    ders., in: Sächs. Lb. II, 1938, S. 149-60 (L, P).

  • Autor/in

    Karlheinz Blaschke
  • Empfohlene Zitierweise

    Blaschke, Karlheinz, "Flemming, Jakob Heinrich Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 239 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119415410.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Flemming: Jakob Heinrich v. F., Graf, kursächsischer Cabinetsminister und Generalfeldmarschall, zweiter Sohn des brandenburgischen Geheimen Raths Georg Caspar v. F., geb. am 3. 13. März 1667, begleitete 1688 Wilhelm von Oranien auf seinem Zug nach England, trat im folgenden Jahre in brandenburgische Dienste, die er, nachdem er bei Fleurus, Heilbronn und in Italien mitgefochten, 1693 mit den kursächsischen vertauschte. Er wurde Generaladjutant des Kurfürsten Johann Georg IV. und nahm unter August dem Starken 1695 an dessen ungarischem Feldzuge Theil. Seine Gewandtheit, seine Unbedenklichkeit in der Wahl der Mittel und seine Verwandtschaft mit dem polnischen Krongroßschatzmeister Przebendowsky, empfahlen ihn dem Kurfürsten als den geeigneten Mann, um seine polnische Königswahl zu betreiben. Das Geschick und der Erfolg, mit denen er sich dieser Aufgabe entledigte, erwarben ihm die volle Gunst des nunmehrigen Königs. F. wurde die Seele seiner Geschäfte, er hauptsächlich trug in dieselben die Leichtfertigkeit und das Intriguenwesen hinein, die fortan das charakteristische Merkmal der sächsischen Diplomatie blieben, während er daneben doch auch in der Weise seines Zeitalters philosophische Abhandlungen schrieb und mit dem Pfarrer zu Wermsdorf über theologische Controversen correspondirte. 1699 zum Generallieutnant und wirklichen Geheimenrath, sowie zum Großstallmeister von Litthauen ernannt, befehligte er in Litthauen gegen die Sapieha's und Oginsky's, unterhandelte den Bund mit Dänemark, aber der Einfall in Lievland, mit dem August den Krieg gegen Karl XII. eröffnete, scheiterte wesentlich durch seine Schuld vor Riga. Dann ging er nach Berlin, um Preußen zur Mitwirkung gegen Schweden zu bestimmen, wurde 1702 bei Clissow schwer verwundet und 1703 als Gesandter nach Kopenhagen geschickt. Nachdem er bereits 1700 das Generalpostmeisteramt in Sachsen als erbliches Lehen erhalten, dasselbe jedoch um 150000 Thlr. und eine Pension von 1000 Thlr. wieder an den König verkauft hatte, wurde er 1705 General und Cabinetsminister des Kriegsdepartements, 1706 Chef der Garde. 1708 Gouverneur von Dresden, 1710 Präsident des geheimen Kriegsraths, 1711 Generalfeldmarschall und 1712 nach Pflug's Tode dirigirender Cabinetsminister. Stellungen, die ihm nicht nur einen dominirenden Einfluß, sondern auch Gelegenheit zu außerordentlicher Bereicherung gaben. Er war der Urheber des allerdings nicht zur Ausführung gekommenen Plans, Stanislaus Leszinsky in Zweibrücken aufheben zu lassen, und ebenso bezichtigte ihn 1719 der Abenteurer Clement in Berlin eines Anschlags auf die Person des Königs von Preußen. In demselben Jahre unterhandelte und unterzeichnete er zu Wien das Bündniß Augusts des Starken mit|Oesterreich und Hannover gegen Preußen. Nachdem er sich von seiner ersten Gemahlin, der Gräfin Franziska Sapieha, hatte scheiden lassen, vermählte er sich zum zweiten Male 1725 mit Thekla, der Tochter des litthauischen Großkanzlers Radziwill, die nach seinem Tode den Fürsten Wisniowiczky heirathete. Er starb im Genusse seiner Gunst und seines Glückes am 30. April 1728 auf einer Reise in Wien.

    Des Feldmarschalls älterer Bruder, Joachim Friedrich v. F., geb. am 27. Aug. 1665, anfangs in sächsischen, dann in brandenburgischen, seit 1698 wieder in sächsischen Diensten, starb als General der Cavallerie und Gouverneur von Leipzig am 12. Oct. 1740. — Der dritte Bruder, Bogislaus Bodo, geb. am 24. April 1671, am 14. Oct. 1732, stieg gleichfalls in kursächsischen Diensten zum Generallieutenant.

  • Autor/in

  • Empfohlene Zitierweise

    Flathe, Heinrich Theodor, "Flemming, Jakob Heinrich Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 117-118 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119415410.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA