Lebensdaten
1696 bis 1765
Geburtsort
Tiefenort/Werra
Sterbeort
Karlsruhe
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 119330563 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Molter, Johann Melchior

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Zitierweise

Molter, Johann Melchior, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119330563.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Valentin (1659–1730), Schulmeister u. Kantor in T.;
    M Maria Ottilia N. N. (1670–1745);
    B Johann Christoph, Schulmeister u. Kantor in T.;
    1) Hagsfeld b. Karlsruhe 1718 Maria Salome (1691-1737), T d. Barbiers Johann Nicolaus Rollwagen Rollwagen in Gernsbach, 2) um 1740 Maria Christina Wagner (1686–1767);
    5 S, 3 T aus 1), u. a. Friedrich Valentin (1722–1808), Literat, Dir. d. Hofbibl. u. GR in K.;
    E Friedrich (1775–1842), Oberbibliothekar u. GR in K., Johann Friedrich (1776–1828), Geh. Archivrat in K (s. L).

  • Leben

    M. erhielt ersten Musikunterricht im Elternhaus, später besuchte er das Gymnasium im nahen Eisenach, wo der Gelehrte und Kantor Johann Conrad Geisthirt (1672–1734) sein Lehrer wurde. 1715 verließ M. Eisenach, möglicherweise ging er zu Telemann nach Frankfurt/Main, wenn er nicht bereits vor 1712 dessen Schüler in Eisenach gewesen|war. Franz. Einflüsse in frühen Werken M.s lassen auch eine Reise nach Frankreich oder einen Studienaufenthalt bei J. C. F. Fischer in Rastatt möglich erscheinen. Um 1717 trat M. in Karlsruhe als Geiger in die Dienste des Mgf. Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach, der ihm einen Studienaufenthalt in Italien bei vollem Gehalt gewährte. Knapp zwei Jahre, von Ende 1719 bis Spätsommer 1721, hielt er sich in Venedig und Rom auf; unverkennbar ist der Einfluß venezian. Musik auf sein Schaffen im folgenden Jahrzehnt. Nach seiner Rückkehr wurde er 1722 als Nachfolger von J. Ph. Käfer zum Hofkapellmeister ernannt und erhielt damit auch die Leitung der in Karlsruhe neben der ital. und franz. besonders gepflegten deutschen Oper. Nach dem Ausbruch des Polnischen Thronfolgekrieges wurde 1733 die Hofmusik aufgelöst und M. unter Beibehaltung seines Titels entlassen. Bereits 1734 erhielt er in Eisenach die vakante Kapellmeisterstelle am Hof Hzg. Wilhelm Heinrichs von Sachsen-Eisenach. Nach dem Tod seiner Frau trat M. 1737 eine zweite, wiederum voll bezahlte Reise nach Italien an, die ihn nach Venedig, Rom und Bologna, möglicherweise auch nach Neapel und Mailand führte. Auf die Nachricht vom Tod seines früheren Dienstherrn hin kam er im Sommer 1738 aus Italien nach Karlsruhe und führte dort eine umfangreiche Trauermusik bei den Beisetzungsfeierlichkeiten auf. In den folgenden Jahren brachte er sich durch Übersendung von Musikalien aus Eisenach dort immer wieder in Erinnerung. 1741 erhielt M. nach dem Tod Hzg. Wilhelm Heinrichs erneut seine Entlassung und ging 1742 nach Karlsruhe, wo er jedoch erst 1743 unter drückenden Bedingungen wieder in Dienst genommen wurde. Nach dem Regierungsantritt des Mgf. Karl Friedrich wurde M. 1747 mit der Reorganisation der Hofmusik beauftragt. Die Pflege der Oper wurde nicht wieder aufgenommen, das Gewicht lag jetzt mehr auf der Instrumentalmusik. M. versah sein Amt bei nun angemessener Besoldung bis zu seinem Tod.

    In M.s Schaffen, das alle Gattungen der damaligen Musik umfaßt, spiegeln sich die verschiedenen Einflüsse wider, die im Laufe seines Lebens auf ihn einwirkten. Dabei wird eine konsequente Entwicklung vom Spätbarock zur Vorklassik sichtbar. Von entscheidender Bedeutung waren die beiden Italienaufenthalte durch die Begegnung mit der Musik von Vivaldi, Pergolesi und Sammartini. Den Höhepunkt seines Schaffens bilden die Kompositionen der Eisenacher Jahre, in denen er unter dem Einfluß der hochentwickelten, von Telemann geprägten Musikkultur Mitteldeutschlands stand und im Austausch und Wettstreit mit den in Eisenach wirkenden Künstlern wie Johann Bernhard Bach und Johann Christian Hertel einen deutlichen Reifeprozeß erfuhr. Die damals geschaffenen Vokal- und Orchesterwerke gehören zum besten, was M. geschrieben hat. Der neue ital. Stil, der in seiner späteren Produktion dominierte, gereichte dieser nicht unbedingt zum Vorteil, eine gewisse Verflachung ist bisweilen nicht zu übersehen. Das bei M. nie stark ausgeprägte kontrapunktische Element trat nun ganz zurück. Schematisch wiederkehrende Formabläufe und kurzatmige Sätze wirken kleinmeisterlich, doch wird dieser Eindruck wenigstens teilweise durch ein außergewöhnliches Interesse am Klanglichen, das sich in der Verwendung seltener Instrumente und in apart besetzter Kammermusik manifestiert, sowie durch eine schier unerschöpfliche melodische Erfindungskraft in den zahlreichen nach 1742 entstandenen Sinfonien und Konzerten wieder aufgewogen. Von M.s ca. 550 nachweisbaren Kompositionen sind mehr als 400 erhalten.

  • Werke

    Erhaltene W 1 Oratorium;
    11 Kirchenkantaten;
    1 Dramma per Musica;
    7 ital. Solokantaten;
    2 Arien;
    6 Solfeggien;
    14 Ouverturen;
    1 Musica turchesca;
    28 Orchestersonaten u. -
    konzerte;
    38 Solokonzerte;
    ca. 160 Sinfonien;
    20 Bläserensembles;
    9 Märsche;
    Hofballmenuette;
    ca. 100 Kammermusikwerke (darunter M.s einziges zu Lebzeiten ersch. Werk: 6 Violinsonaten mit d. Titel „Esercizio Studioso“ op. 1, Amsterdam 1722/23);
    Choralbearbb. f. Orgel;
    Cembalostücke;
    zahlr. Fragmente u. Skizzen.

  • Literatur

    L. Schiedermair, Die Oper an d. Bad. Höfen d. 17. u. 18. Jh., 1913;
    F. Längin, J. M. M., d. Mgfl. Baden-Durlach. Kapellmeister u. Hofkompositeur, in: Bad. Heimat. Ekkhart, Jb. f. d. Badner Land, 1965, S. 128-33;
    N. O'Loughlin, J. M. M., in: The Musical Times 107, 1966, S. 110-13;
    K. Häfner, Der badische Hofkapellmeister J. M. M. (1696-1765) in seiner Zeit, hrsg. v. d. Bad. Landesbibl. Karlsruhe, 1996 (P);
    ders., Systemat.-themat. Verz. d. Werke v. J. M. M. (in Vorbereitung);
    MGG mit Suppl.bd.;
    Riemann mit Erg.bd.;
    The New Grove. – Zu Johann Friedrich:
    W. Leesch, Die dt. Archivare 1500-1945, II, 1992.

  • Portraits

    Federzeichnung v. P. L. Ghezzi, 1738 (Biblioteca Apostolica Vaticana, Rom).

  • Autor/in

    Klaus Häfner
  • Empfohlene Zitierweise

    Häfner, Klaus, "Molter, Johann Melchior" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 11 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119330563.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA