Lebensdaten
um 1735 bis 1787
Geburtsort
Coburg
Sterbeort
Gotha
Beruf/Funktion
Komponist ; Kapellmeister
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 119296225 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schweitzer, Anton
  • Schweizer, Anton
  • Schweitzer, Anton
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Schweizer, Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119296225.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Tuchmacherfam.;
    V Johann Caspar (* 1708), Tuchmacher, Pagenaufwärter d. Hzg. Franz Josias v. Sachsen-Coburg-Saalfeld in Saalfeld, seit 1735 in G.;
    M Anna Maria ( 1741), T d. Caspar Höhn;
    Ur-Gvv Georg Jacob, Tuchmacher; – ledig.

  • Leben

    S. erhielt seine musikalische Ausbildung im Dienst des Hzg. Ernst Friedrich III. Carl von Sachsen-Hildburghausen (1727–80) in Hildburghausen, in dessen Hofkapelle er im Alter von etwa zehn Jahren als Sängerknabe aufgenommen wurde und später Cello und Viola spielte. 1758 sandte ihn der Herzog nach Bayreuth, wo S. Unterricht bei Jakob Friedrich Kleinknecht (1722–94) erhielt. Nach seiner Rückkehr wurde S. zum hzgl. Kammermusikus ernannt und stieg nach einem Studienaufenthalt in Italien 1766 zum Kapellmeister in Hildburghausen auf. Schon 1769 wurde das Hoftheater aufgrund finanzieller Schwierigkeiten geschlossen und S. entlassen. Als Kapellmeister der Theatertruppe des Abel Seyler (1730–1800) reiste er anschließend durch Norddeutschland, war für die Gesangsausbildung der Mitglieder zuständig und schrieb mehrere Schauspielmusiken. 1771 folgte die Truppe einer Einladung der Hzgn. Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach an den Weimarer Hof und wurde hier einige Zeit seßhaft. Neben zahlreichen Ballettmusiken komponierte S. in Weimar 1772 das Singspiel „Die Dorfgala“ nach einem Text von Friedrich Wilhelm Gotter und das Melodram „Pygmalion“ nach einem Text von Rousseau.

    Großen Erfolg errang seine Oper „Alceste“, die am 28.5.1773 in Weimar uraufgeführt und in der Folge in Dresden, Leipzig, Mannheim, Frankfurt/M., München, Berlin, Hamburg u. a. gespielt wurde. Das Libretto zur „Alceste“ hatte der in Weimar als Prinzenerzieher wirkende Christoph Martin Wieland (1733–1813) verfaßt, der seinen Text programmatisch als „Singspiel“ bezeichnete und mit mehreren Artikeln in der Zeitschrift „Der teutsche Merkur“ publizistisch begleitete.

    Nach dem Schloßbrand in Weimar 1774, dem auch das Theater zum Opfer fiel, gingen S. und die Seylersche Theatertruppe nach Gotha, wo S. 1775 eine Anstellung als Musikdirektor des Hoftheaters erhielt und 1778 Nachfolger Georg Bendas (1722–95) als Hofkapellmeister wurde. 1780 wurde in Mannheim die bereits 1777 als Auftragswerk für den dortigen Hof entstandene Oper „Rosamunde“ aufgeführt, deren Libretto wiederum von Wieland stammte. Das Stück konnte jedoch nicht an den Erfolg der „Alceste“ anknüpfen. Seit der Aufhebung des Hoftheaters in Gotha 1779 beschränkte sich S.s Aufgabenbereich auf die Leitung des Orchesters, die er bis zu seinem Tod innehatte.

    Von S.s Werken wurden nur wenige zu seinen Lebzeiten gedruckt, der Großteil der Manuskripte, darunter sämtliche Ballettmusiken, wurde durch Theaterbrände oder aus Unkenntnis vernichtet. Musikgeschichtlich von Bedeutung ist besonders die „Alceste“, mit der S. und Wieland die erste durchkomponierte Oper in dt. Sprache schufen. S.s Musik orientierte sich in den Arien am Modell der ital. Opera seria, ganz individuell gestaltet sind die zahlreichen Accompagnato-Rezitative. Von den Zeitgenossen wurde die „Alceste“ sehr unterschiedlich beurteilt: Während Schubart S. gleich hoch schätzte wie Hasse, Gluck und Johann Christian Bach, äußerte sich Mozart, der „Alceste“ und „Rosamunde“ in Mannheim hörte, kritisch. Goethe karikierte die Reduzierung des antiken Mythos auf ein Familienrührstück durch Wielands Text in der Satire „Götter, Helden und Wieland“ (1773, gedr. 1774). Anläßlich|der Wiedereröffnung

    der Weimarer Herzogin Anna Amalia-Bibliothek nach Brand und Renovierung kam es zu einer vielbeachteten Aufführung der „Alceste“ im Okt. 2007, die auch von einer Neuedition begleitet wurde.

  • Werke

    J. Maurer, A. S. als Opernkomp., 1912 (mit Ed. v. 15 Briefen, W-Verz., Qu, P);
    A. S., Rosamunde, Seine zweite dt. Oper nach e. Text v. C. M. Wieland, 2 Bde., hg. v. J. Stüber, 1997;
    A. S., Alceste, hg. v. St. Hörner u. T. Hartmann, Denkmäler d. Tonkunst in Bayern NF Bd. 23 (in Vorbereitung);
    – Alceste, Aufn. d. Ensemble Concerto Köln unter d. Ltg. v. M. Hofstetter, 2008 (CD Berlin Classics).

  • Literatur

    ADB 33;
    A. Abert, Der Geschmackswandel auf d. Opernbühne, am Alkestis-Stoff dargest., in: Die Musikforsch. 6, 1953, S. 214–35;
    T. Baumann, North German Opera in the Age of Goethe, 1985;
    M. Vogel, Alceste, Wielands erste dt. Oper, 1995;
    G. Busch-Salmen, „Jeder Gedanke ist Gebärde . . .“, C. M. Wielands u. A. S.s Singspiel Alceste, Text u. Kontext, in: Musik als Text, Ber. über d. internat. Kongreß d. Ges. f. Musikforsch. Freiburg i. Br., hg. v. H. Danuser u. T. Plebuch, Bd. 2, 1998, S. 441–47;
    J. Krämer, Dt.sprachiges Musiktheater im späten 18. Jh., 1998, bes. S. 202–60;
    H. Geyer, ,Die Phantasie ist izt die würksamste Kraft seiner Seele`, Rührung u. Modernität, Überlegungen zu Wielands u. S.s Alceste, in: Jb. d. Ständigen Konferenz Mitteldt. Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt u. Thüringen 2001, 2002, S. 41–69;
    K. T. Goldbach, Anmm. z. Oper Rosamunde v. Christoph Martin Wieland u. A. S., in: Aufbrüche – Fluchtwege, Musik in Weimar um 1800, hg. v. H. Geyer u. Th. Radecke, 2003, S. 133–51;
    F. Reininghaus, Triumph d. Liebe üb. d. Tod, in: Neue Musikztg. 56, 2007, S. 48;
    Gedenktage d. mitteldt. Raumes, 1987, S. 183–86 (P);
    R. Müller, A. S., Alceste, in: Piper Enz. d. Musiktheaters, Bd. 5, 1994, S. 678–80;
    Weimar Lex. (P);
    Riemann;
    MGG;
    MGG2;
    New Grove;
    New Grove2;
    New Grove Opera.

  • Portraits

    Stiche v. Ch. G. A. Liebe n. e. Gem. v. E. Heinsius, Abb. in: Die Musik, Jg. V, 1906, Beil. zu H. 10, u. H. E. v. Wintter, 1816, Abb. in: Weimar Lex.

  • Autor/in

    Marion Brück
  • Empfohlene Zitierweise

    Brück, Marion, "Schweizer, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 57-58 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119296225.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schweizer: Anton S. (Schweitzer), geboren in Coburg 1737, als herzogt. Capellmeister in Gotha am 23. November 1787, war ein sehr fruchtbarer und zu seiner Zeit hochberühmter und angesehener Operncomponist, welcher als Schöpfer der ersten deutschen Opera seria, d. h. ernsten, großen Oper, damals allerdings bescheiden noch Singspiel genannt, anzusehen ist, und einst ebenso gefeiert, als strenge kritisirt wurde. Bekanntlich wurden deutsche Schauspiele mit Gesang schon lange ("Daphne“ von Opitz und H. Schütz, Torgau 1627, und „Selwig“ von Harsdörffer und J. G. Staden, Nürnberg 1644) aufgeführt und abgesehen von andern Orten namentlich auf der Schaubühne in Hamburg (1678—1738) regelmäßig Opernvorstellungen gegeben. Diese erste Opernperiode schloß mit einer 1741 in Danzig veranstalteten Darstellung. Aber nicht lange wollte man auf dergleichen Spiele verzichten und so wurde denn schon 1743 mit dem aus dem Englischen überfetzten „Der Teufel ist los“ in Berlin ein neuer Versuch gemacht. Während nun an den größeren, über bedeutendere Geldmittel verfügenden Höfen glanzvolle italienische Opernaufführungen stattfanden, begnügten sich die kleineren Höfe und größeren Städte mit deutschen Singspielen und Operetten, die theils aus dem Italienischen und Französischen überseht, theils neu componirt waren. Dichter und Tonsetzer, wer bekannt und berühmt werden wollte, drängte sich zum Theater und eine Fluth von kleinen, komischen Singstücken, den vielen Theaterprincipalen und fahrenden Comödiantenbanden erwünschte Abwechslung ermöglichend, brach plötzlich herein. Hauptsächlich thaten sich in diesem Genre Leipzig (durch J. A. Hiller), Gotha (durch G. Benda) und Weimar (durch J. W. Wolf) hervor. Aber die Form aller dieser Operetten war eine beschränkte, ihr Inhalt vielfach ein nichtssagender, ihre Musik häufig banal und oberflächlich. Der Wunsch eine der großen italienischen Oper nachgebildete, durch und durch deutsche Oper zu erhalten, wurde insbesondere in den feineren Kreisen immer lebhafter. Er sollte endlich durch S. befriedigt werden. — Für die musikalische Ausbildung Schweizer's, der nicht in Gotha sondern in Coburg aufwuchs, sorgte nicht Friedrich III. von Gotha sondern Herzog Franz Josias von Coburg. Dann schickte er ihn zu fernerer Ausbildung zum Capellmeister Kleinknecht nach Bayreuth. S., von dem hier gesprochen wird, übernahm, nachdem er seine Lehrzeit glänzend bestanden, die Musikdirectorstelle am Theater in Hildburghausen, wo unter Herzog Ernst Friedrich III. Karl eine sehr gute Truppe engagirt war. Er muß sich durch seine Thätigkeit, wie sein Geschick seinem Herrn vortheilhaft bemerklich gemacht haben, denn dieser gewährte ihm die Mittel, zur Fortsetzung seiner Studien einige Jahre nach Italien zu gehen. Von da 1772 heimgekehrt, wurde er bei der damals bestrenommirten Seiler'schen Gesellschaft in Weimar Musikdirector. Dieselbe, die einige sehr gute Kräfte hatte, spielte mit großem Beifalle auf dem dortigen, in der alten Wilhelmsburg eingerichteten Schloßtheater. Dies dauerte bis durch den unglücklichen Schloßbrand, anfangs Mai 1774, der Fortsetzung der Vorstellungen ein jähes Ende bereitet wurde. Bei der Seiler'schen Gesellschaft war der bekannte Schriftsteller Michaelis als Theaterdichter angestellt, in Weimar lebten, alle mit S. befreundet, Hermann, Jacobi, Bertuch, Wieland; vor allem aber interessirte sich hier die geistreiche Herzogin-Regentin, Anna Amalie für das Theater. Durch sie wurden alle schöpferischen Geister belebt und angespornt, dafür ihre beste Kraft einzusetzen. Auf ihre Anregung schrieb Wieland einen ernsten Operntext, die „Alceste“, dessen Composition der dafür begeisterte S. sofort in Angriff nahm. Mit den größten Erwartungen versammelte sich am 28. Mai 1773 im Theatersaale eine auserlesene Gesellschaft; Dichter und Componist. Sänger und Orchester in hoher Erregung, die Hörer dem was da kommen sollte mit äußerster Spannung entgegensehend. Der Eindruck der Vorstellung war ein großer und tiefer, die Hoffnungen der Verfasser und Hörer weit übertreffender. Wie ein strahlendes Meteor hob sich das neue Werk empor, nun alsbald seinen Weg mit schönstem Erfolg über alle besseren deutschen Bühnen machend, ja für ein Vierteljahrhundert mit gleichem Ruhm auf denselben sich behauptend. Erst 1781 folgte Mozart, mit seiner Entführung aus dem Serail. Wieland, der den Erfolg seiner Dichtung vornehmlich der trefflichen Musik zuschrieb, war davon wahrhaft entzückt und berauscht und pries „Alceste“ als das Schönste, was man bisher in Deutschland gehört, selbst Glucks berühmte gleichnamige Oper übertreffend. Am ersten Flügel dirigirte bei der Première S., am zweiten Wolf; das Orchester war verstärkt, der wackre Tischler- und Maschinenmeister Mieding hatte die Ausstattung besorgt; Mad. Koch, eine schöne, stimmbegabte Sängerin, die mit rührendem Ausdruck declamirte, sang die „Alceste“, Mlle Heinsin, spätere Frau Hellmuth, die „Parthenia", Herr Hellmuth (Tenor) den „Admet“, Herr Günther (Baß) den „Herkules“. Zu den stattfindenden Wiederholungen strömten die Hörer aus der Nähe und Ferne. Solche, die die besten Aufführungen in|London, Paris und Neapel gesehen, versicherten, „Alceste“ hätte sie übertroffen. Nach dem Schloßbrande wirkte S. als Capellmeister Herzog Ernst II. in Gotha, wo die berühmten Tonsetzer G. H. Stölzel und G. Benda (Schöpfer des ersten Melodrams „Ariadne auf Naxos“, 1774) seine Vorgänger waren, bis er, 51 Jahre alt, einem heftigen Krankheitsanfalle rasch erlag. — S. schrieb: von Wieland verfaßt: „Aurora", ein Singspiel, 1771. „Alceste", eine ernsthafte Oper, 1773. „Die Wahl des Herkules", lyr. Drama, 1773. „Rosamund", große Oper, 1778. „Idris und Zenide", (?). Von Jacobi gedichtet: „Elysium", mus. Drama, 1774. „Apollo unter den Hirten", Vorspiel 1770. Von Bertuch: „Polyxena", 1775. Von Goethe: „Erwin und Elmire", Singsp. Von Gotter: „Die Dorfgala", kom. Oper, 1772. Von unbekannten Verfassern: „Der lustige Schuster" 2. Theil, Operette, 1770. „Walmir und Gertraud", Singsp. „Pigmaleon", Monodram; „Die Stufen des menschlichen Alters"; 1775 „Das Fest der Thalia“ 1770, Vorspiele. „Die Waffen des Achilles"; „Die Amazonen“, Ballete. Außerdem componirte er die Musik zu folgenden Schauspielen: Sinfonie zu Richard III., Trauermarsch zu „Clavigo", zum „Bürgerlichen Edelmann", und zum „Edelmann ein Wucherer", zu „Philemon und Baucis" und zum „Oeffentlichen Geheimniß“, und Arien zum „Redenden Gemälde“. Manche der Werke Schweizer's sind im Druck erschienen, trotzdem und ohngeachtet seiner einstigen Berühmtheit ist auch er heute vollständig vergessen.

  • Autor/in

    Schletterer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schletterer, Hans Michael, "" in: Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891), S. 371-373 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119296225.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA