Lebensdaten
1690 bis 1770
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Komponist ; Orgelmeister
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 119149397 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Muffat, Theophil
  • Muffat, Liebgott (eigentlich)
  • Muffat, Gottlieb
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Weitere Erwähnungen in der NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Muffat, Gottlieb, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119149397.html [09.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (s. 1);
    Maria Rosalia Einöder ( 1781);
    2 S, u. a. Joseph (1721–56), Hofscholar an d. Hofkapelle in W.

  • Leben

    Nach dem Tod des Vaters dürfte M. zu seinen Brüdern nach Wien gezogen sein. Dort fand er 1711 als Hofscholar Aufnahme in der kaiserl. Hofkapelle und studierte nach eigener Aussage unter der Anleitung von J. J. Fux „Schlag-Kunst“ und Komposition. 1717 wurde er als „wirklicher“ Organist bestellt und erhielt einen Zuschuß für eine Studienreise, die ihn vermutlich nach Italien führte. 1723 begründete Hofmusikkapellmeister Fux M.s Gesuch um Gehaltsaufbesserung u. a. mit dem Hinweis, dieser würde wegen seines virtuosen Akkompagnements zu allen Opern- und Kammermusikaufführungen herangezogen und ließe auch seine Kompositionen bei Hof zum Vergnügen des Kaisers hören. Im selben Jahr wirkte M. bei der glanzvollen Aufführung der Fuxschen Festoper „Costanza e Fortezza“ in Prag mit, die anläßlich der Krönung Karls VI. stattfand. 1729 noch als zweiter Organist in den Listen der Hofmusikkapelle geführt, rückte er im Zuge der Reorganisation unter Kaiserin Maria Theresia 1741 zum ersten Organisten auf und stand zugleich als Organist in Diensten der Kaiserinwitwe Amalia. Ebenso wie sein von ihm über die Maßen bewunderter Lehrer Fux war auch M. als Instruktor sehr geschätzt; u. a. zählten G. Ch. Wagenseil, Kaiser Franz I. und Kaiserin Maria Theresia zu seinen Schülern. Ihr verdankte er auch 1763 (oder 1764) die Pensionierung bei vollen Bezügen.

    Wie sein Vorgänger J. J. Froberger scheint M. fast ausschließlich Musik für Tasteninstrumente komponiert zu haben. Zwei Sammlungen sind im Druck erschienen, der Rest ist in Abschriften überliefert, teilweise mit falschen Zuschreibungen an prominente Komponisten wie Händel, dem M.s „Componimenti musicali“ selbst eine Fülle von Anregungen boten. Die hohe Anerkennung, die sich in der weiten Verbreitung seiner Werke und in den kurz nach 1800 einsetzenden Neudrucken zeigte, sicherte ihm einen bedeutenden Platz unter den Klavierkomponisten der ersten Hälfte des 18. Jh. Seine Ausbildung durch Fux im strengen Stil, die sich nicht auf Vokalmusik beschränkte, sondern u. a. auch Frescobaldis „Fiori musicali“ berücksichtigte, vervollkommnete M. durch das Studium älterer und zeitgenössischer Klaviermusik. Neben Frescobaldis Werk muß er jenes von Froberger und A. Poglietti gekannt haben, auch Couperins Einfluß ist deutlich spürbar. Das Werk seines Vaters, vor allem dessen Tokkatensammlung „Apparatus musico-organisticus“ von 1690, die er selbst ein drittes Mal auflegte, hatte für M. zweifellos Vorbildcharakter. Wie Bach bevorzugte M. den konservativen und strengen Stil, während er gleichzeitig in der Einfachheit und Klarheit des melodischen Verlaufs starke Affinität zu Händel zeigte.

  • Werke

    Drucke: 72 Versetl Sammt 12 Toccaten bes. z. Kirchen=Dienst bey Choral=Aemtern u. Vesperen dienlich, Wien 1726, neu ed. DTÖ, XIX/2 (58), 1922, Nachdr. 1960 (F. W. Riedel, Werkverz. 1-84, unveröff.);
    Componimenti Musicali per il Cembalo, Augsburg 1739, neu ed. DTÖ, III/3 (7), 1896, Nachdr. 1959 (s. Riedel, wie oben, 85-135). – Hss.: Tokkaten, Capriccios, Präludien, Ricercare, Kanzonen, Fugen u. a. (s. Riedel, wie oben, 136-350, zweifelhafte Werke 351-495, Anh. 1-11);
    Sonata pastorale f. 2 Violinen u. Basso continuo;
    Salve Regina f. 2 Singstimmen, 2 Violinen u. Basso continuo.

  • Literatur

    ADB 22;
    MGG;
    Riemann mit Erg.bd.;
    New Grove.

  • Autor/in

    Ernst Hintermaier
  • Empfohlene Zitierweise

    Hintermaier, Ernst, "Muffat, Gottlieb" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 567 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119149397.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Muffat: Gottlieb M., Sohn von Georg M., geb. im April 1690 (getauft den 25. April) zu Passau, war ein Schüler von J. J. Fux in Wien, wurde am 3. April 1717 als Hoforganist angestellt und bekleidete diese Stelle bis er 1763 pensionirt wurde. Am 10. December 1770 starb er in Wien. Sein erstes, 1726 herausgegebenes Werk waren 72 Versetten für die Orgel. Von viel größerer Wichtigkeit aber sind seine „Componimenti Musicali per il Cembalo“, zu Augsburg in Querfolio prachtvoll in Kupfer gestochen (ohne Jahreszahl). Es sind sechs Folgen von frei erfundenen Musikstücken und Tänzen gleicher Tonart und eine „Ciacona“ mit 38 Veränderungen. Mit diesen Compositionen, in welchen sich französische Zierlichkeit und deutsche Gediegenheit in anziehendster Weise mischen, vermag sich M. selbst neben den Clavierwerken Bachs und Händel's zu behaupten. Seine Claviermusik ist durchaus originell, läßt aber eher noch eine Vergleichung mit derjenigen Händel's zu, als mit der Bach'schen. Händel kannte die Componimenti auch sehr wohl: im Schlußchor seiner Cäcilienode hat er die Fuge aus der vierten Folge derselben frei benutzt, und in seiner Ciacona mit 62 Veränderungen verwendet er denselben Grundbaß wie M. in der semigen. Der Verleger Johann Christian Leopold in Augsburg zeigt auf der letzten Seite der Componimenti „VII Ouverturen auf das Clavier“ von M. an. Vielleicht sind damit in ungenauer Bezeichnung eben die Componimenti selber gemeint; wäre es nicht der Fall, so hätte die Kunst einen Verlust zu beklagen, denn die „sieben Ouverturen“ sind bis jetzt nicht wieder ans Licht gekommen.

    • Literatur

      Vgl. Utto Kornmüller in den Monatsheften für Musikgeschichte, 1871, S. 128. — Ludwig v. Köchel, Die kaiserliche Hofmusikkapelle in Wien. Wien 1869, S. 111.

  • Autor/in

    Spitta.
  • Empfohlene Zitierweise

    Spitta, "Muffat, Gottlieb" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 443 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119149397.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA