Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Nürnberger Patrizierfamilie
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 128827173 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Muffel, von

Verknüpfungen

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Zitierweise

Muffel, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128827173.html [24.08.2019].

CC0

  • Leben

    Die Familie zählt zu den ältesten Patriziergeschlechtern Nürnbergs. Die frühesten Nennungen stammen aus dem späten 13. Jh.: 1286 wird Conrad als Salmann in Nürnberg, 1288 Otto als Zeuge erwähnt. In der ältesten erhaltenen Ratsliste von 1319 ist Friedrich als einer der 13 Schöffen vertreten. Wahrscheinlich entstammt die Familie der Ministerialität. Dafür sprechen die Verwandtschaft und die Wappengleichheit mit den um dieselbe Zeit auftretenden Familien Weigel und Neumarkter. Von diesen sind hervorzuheben die „reiche“ Weiglin ( 1360) und Konrad von Neumarkt ( 1296), Gründer des Katharinenklosters in Nürnberg. Im Handel traten die M. zwar nicht so stark wie andere Patriziergeschlechter hervor, doch liegen Belege für eine wirtschaftliche Tätigkeit vor. Im 14. Jh. war die Familie ununterbrochen im Rat vertreten. Mit dem Erwerb der Dörfer Eschenau (1383) und Eckenhaid (1387) legte Nikolaus I. ( 1392) eine sichere Grundlage zu einem stattlichen Landbesitz. Als Losunger (= reg. Bürgermeister) spielte er in der Zeit des Städtekrieges (1388) eine wichtige Rolle. Bei einem Besuch in Nürnberg nahm König Wenzel im Hause Nikolaus' I. Wohnung. Sein Bruder Paulus ( 1399) ließ in Eschenau ein „festes“ Haus bauen, legte 1387 über die der Familie gehörenden Güter ein Salbuch an und stattete die Nürnberger Pfarrkirche St. Sebald reich mit Stiftungen aus. In der Person Nikolaus' III. (s. u.) erlebte die Familie zugleich glänzenden Aufstieg und jähen Sturz.

    Nach seinem schmachvollen Tod teilten seine Söhne das väterliche Erbe und verließen die Stadt. Nach nur neun Jahren kehrte Gabriel ( 1498, s. NDB X*), einer der Söhne, nach Nürnberg zurück, wurde in den Rat gewählt und begründete die Linie, die sich nach Eschenau, dem ihm zugefallenen böhm. Lehen, benannte. Sein Sohn Jakob d. Ä.der Ältere (1471-1526) stieg im Rat zu einem der sieben Älteren Herren auf. Durch das Porträt, das Dürer 1526 von ihm schuf, erlangte er einen hohen Bekanntheitsgrad. Sein Sohn Jakob d. J.der Jüngere ( 1569) wurde ebenfalls einer der Septemvirn sowie Kriegshauptmann. 1555 gehörte er der städtischen Abordnung an, die auf dem Reichstag zu Augsburg für Nürnberg den Religionsfrieden unterschrieb. In den folgenden beiden Jahrhunderten waren die M. v. Eschenau immer wieder im Rat vertreten. Mit dem Tode von Georg Marquard (1715–84) erlosch der patrizische Zweig der Familie.

    Der andere an der Erbteilung von 1469 beteiligte Sohn Nikolaus IV. ( 1496) und seine Nachkommen kehrten nicht mehr nach Nürnberg zurück. Nach dem ihnen zugefallenen Ermreuth nannten sie sich M. v. Ermreuth. Zeitweilig gehörten einige von ihnen zur fränk. Reichsritterschaft. Sie waren bis zu Beginn des 19. Jh. als Beamte oder Offiziere in fürstl. Diensten tätig. Johann Karl Heinrich (1736–88), ein Sohn des Pfarrers Johann Christoph Helmhard (1707–60), stand zunächst im Militärdienst der Bayreuther Markgrafen, dann in preuß. und seit 1758 in russ. Diensten. Im russ.russisch-türk.türkisch Krieg und bei der Niederwerfung des großen Kosakenaufstandes unter J. Pugatschew zeichnete er sich aus. Unter Verleihung des Generalmajorstitels wurde er 1788 ehrenvoll verabschiedet, doch noch im selben Jahr von Baschkiren ermordet. 1813 fand dieser Zweig der Familie als Freiherren Aufnahme in die bayer. Adelsmatrikel. Der letzte Angehörige des Geschlechtes war der unverheiratet gebliebene Adolf Frhr. v. M. (1848–1912), zuletzt Oberst und Kommandeur des 4. bayer. Chevauxlegers-Regiments. Seinen Ruhestand nutzte er zur Niederschrift einer umfangreichen Familiengeschichte.

  • Quellen

    Qu. Fam.archiv im StA Nürnberg.

  • Literatur

    Adolf Frhr. v. Muffel, Fam.gesch. M., Hs., 10 Bde., 1912, je ein Expl. im StA Nürnberg u. in d. Stadtbibl. Nürnberg;
    G. Hirschmann, Die Fam. M. im MA, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Nürnberg 41, 1950, S. 257-392 (Diss. Erlangen 1948);
    ders., Johann Karl Heinrich v. M. (1736-1788), Ein fränk. Pfarrerssohn als russ. Gen., in: ders., Aus sieben Jhh. Nürnberger Stadtgesch., 1988, S. 117-21.

  • Autor/in

    Gerhard Hirschmann
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Hirschmann, Gerhard, "Muffel, von" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 568 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128827173.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA