Lebensdaten
1723 bis 1788
Geburtsort
Cavalese (Trentino)
Sterbeort
Pavia
Beruf/Funktion
Mediziner ; Naturforscher
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11909360X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scopoli, Giovanni Antonio
  • Scopoli, Johann Anton
  • Scopoli, Giovanni Antonio
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Zitierweise

Scopoli, Johann Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11909360X.html [16.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Anton, Dr. iur., Statthalter d. Fürstbf. v. Trient in C.;
    M Claudia Catharin, T d. Antonius v. Gramola, Patrizier in Trient;
    1) Cavalese 1749 Albina v. Miorini ( um 1756/57?), 2) Laibach 1758 Catharina v. Franchenfeldt ( um 1770?), 3) Schemnitz um 1772/73 (?) Caroline v. Freyenau;
    1 S, 1 T aus 1), 1 S aus 3) Johann (Giovanni) (1774–1854, ital. Conte 1810), Med., ital. Feldarzt, 1802 Adjunkt am ital. Sekretariat in Mailand, 1806–17 Ökonom, Organisator d. Erziehungswesens unter Napoleon, dann in d. oberital. Kommunal- u. Landespol. aktiv, Privatgel. in Verona, nat.ök. u. iur. Schriftst., Phil., Hist. u. Poet (s. Wurzbach).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Grundschule in Cavalese und des Gymnasiums in Trient und Hall bei Innsbruck studierte S. Medizin an der Univ. Innsbruck, wo er 1743 zum Dr. med. promoviert wurde. Das Studium der Pflanzen und Insekten seiner Heimat Tirol, dem er sich von früher Jugend an gewidmet hatte, betrieb er neben der Tätigkeit als praktischer Arzt in Cavalese, Trient und Venedig weiter. 1751 berief ihn Fürstbf. Leopold v. Seckau, Gf. v. Firmian, als Privatsekretär. 1753 unterzog sich S. der Physikatsprüfung unter Gerard van Swieten (1700–72) an der Univ. Wien, 1754 erhielt er eine Stelle als Physicus in der Bergbaustadt Idria in der slowen. Provinz Krain. Hier hatte er ungefähr 2000 Bergarbeiter mit ihren Familien ärztlich zu betreuen, wozu er u. a. eine Werksapotheke einrichten ließ; 1763 übertrug man S. zusätzlich den Unterricht der Bergbauschüler in metallurgischer Chemie. Die Ergebnisse vieler Exkursionen ins Umland beschrieb S. in seinen Hauptwerken „Flora Carniolica“ (1760; 2 Bde., 21772) mit mehr als 750 Samenpflanzen und mehr als 250 Kryptogamen und „Entomologia Carniolica“ (1763, Faks. 1880) mit mehr als 1000 Arten. S. unterhielt einen regen Briefwechsel mit Carl v. Linné und zahlreichen anderen Naturforschern, u. a. Joseph Banks, Torbern Bergman, Antoine Laurent de Jussieu, Albrecht v. Haller und Jean Senebier. Seine ärztliche Tätigkeit in Idria veranlaßte S. zur chem. Untersuchung quecksilberhaltigen Gesteins, zur Schilderung von dessen Gewinnung und Aufbereitung und zur Beschreibung der dadurch bedingten Erkrankungen der Bergarbeiter. Mit seinen Vorschlägen zum Arbeitsschutz und zu Heilmethoden (Tentamina physicochymico-medica, 1761) wurde S. zu einem Mitbegründer der Arbeitsmedizin. Er studierte auch unterirdische Gewächse (v. a. Pilze u. Flechten) und wurde so zu einem Wegbereiter der botan. Speläologie.

    1769 erfolgte, wohl auch aufgrund der Kritik seiner Vorgesetzten in Idria an S.s zeitraubenden wiss. Untersuchungen, seine Versetzung an die Bergakademie in Schemnitz (Banská Štiavnica, Slowakei) als Prof. für Chemie, Mineralogie und Metallurgie. Zugleich wurde S. zum k. k. Münz- und Bergrat sowie zum Beisitzer bei dem Oberstkammergrafenamt für Niederungarn ernannt. 1776 folgte er einem Ruf als Prof. der Chemie und Botanik an die Univ. Pavia, wo er einen botan. Garten und ein chem. Laboratorium einrichtete und die Naturaliensammlung besonders durch Mineralien ergänzte. Bei seinen Pflanzenbestimmungen folgte S. zunächst Caspar Bauhin, später John Ray, Joseph Pitton de Tournefort und schließlich Linné, dessen Sexualsystem der Pflanzen er jedoch ablehnte. S. korrigierte das Vogelsystem stellenweise und erneuerte v. a. die Klassifikation der Insekten, indem er sich durch Berücksichtigung möglichst vieler Strukturmerkmale um eine natürliche Systematik bemühte. Auch in der Klassifikation der Mineralien ging S. eigene Wege, indem er neben optischen Strukturmerkmalen auch deren chem. Eigenschaften berücksichtigte. Seine auf eigenen Experimenten beruhenden Kenntnisse gingen in die von ihm herausgegebene, stark erweiterte ital. Übersetzung des damals führenden chem. Wörterbuchs von Pierre Joseph Macquer ein (Dizionario di chimica, 10 Bde., 1784/85). Zur Verbesserung des Landbaus schlug S. u. a. chem. Düngemittel vor und befaßte sich auch mit der Vieh- und Bienenzucht.

    Viele, von S. teilweise erstmals beschriebene, Pflanzenarten und Insekten wurden nach ihm benannt. Das von ihm 1760 als „Atropa species“ beschriebene Nachtschattengewächs benannte Linné 1767 „Hyoscyamus Scopolia“, während Jacquin die Art 1764 zu der neuen Gattung „Scopolia“ (Species: Carniolica) stellte. Aus der Wurzel von Scopolia japonica stellte Ernst Schmidt (1845–1921) 1892 das Alkaloid „Scopolamin“ dar, das mit seinen Derivaten als Spasmolytikum bis heute therapeutisch verwendet wird.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. zahlr. wiss. Ges., u. a. d. Societas Oeconomica, Bern (1769), d. Ges. Naturforschender Freunde, Berlin (1774), d. Ökon. Ges., St. Petersburg (1780), d. Ges. d. Wiss., Neapel (1781), d. Ökon. Ges., Paris (1785) u. d. Wiss. Ges., Toulouse (1785).

  • Werke

    Methodus plantarum enumerandis stirpibus ab eo repertis destinata, 1754;
    Dissertationes ad historiam naturalem pertinentes, 3 T., 1772;
    Principia mineralogiae systematicae et practicae, 1772 (dt. 1775 u. 1786, ital. 1778);
    Introductio ad historiam naturalem, sistens genera lapidum, plantarum et animalium hactenus detecta, 1777;
    Fundamenta chemiae, praelectionibus publicis accommodata, 1777, 21779 (dt. 1786);
    Fundamenta botanica, praelectionibus publicis accommodata, 1783 (dt. 1786);
    Deliciae Florae et Faunae Insubricae seu novae, 3 T., 1786–88 (darin auch e. kurze Autobiogr.);
    Anfangsgründe d. Metallurgie, 1789;
    Elementi di Chimica e Farmacia, 2 T., 1786, 21790;
    Teilnachlässe:
    Biblioteca Universitaria di Pavia;
    Linnean Soc., London.

  • Literatur

    K. E. v. Moll, Icones ad S. Entom[ologiam] Carniol[icam], in: Schrr. d. Berlin. Ges. naturforschender Freunde 9, 1789, S. 257–301;
    W. Voss, I. A. S., Lb. e. österr. Naturforschers, in: Verhh. d. k. k. Zool.-botan. Ges. Wien 31, 1881, S. 17–66;
    Museo Civico di Rovereto (Hg.), C. v. Linné, Lettere inedite di Carlo Linneo a G. A. S., 1889;
    E. Lesky, Arbeitsmedizin im 18. Jh., Werksarzt u. Arbeiter im Quecksilberbergwerk Idria, 1956;
    R. Wannenmacher, Scopolamin – Scopolia – S., in: Med. Mschr. 14, 1960, S. 601–03 (P);
    L. G. Higgins, Entomologia Carniolica, J. A. S., in: Journal of the Soc. for the Bibliography of Natural History 4, 1963, S. 167–69;
    C. Violani, G. A. S. dalla „Diaeta Litteratorum“ alle „Deliciae“, in: G. A. S., Dissertatio de diaeta Litteratorum, [Faks.] Traduzione di Domenico Magnino, Testi di G. Rindi e C. Violano, 1988, S. 73–137 (P);
    C. Violani, C. Giordano, G. A. S. (1723–1788), in: Bolletino della Società Pavese di Storia Patria, 1988, S. 2–7 (W-Verz., P);
    D. Soban (Hg. u. Übers.), Carolus Linnaeus Johannesu Antoniusu Scopoliju, posnetki rokopisov pisem s slovenskim in angleškim prevodom, prevedia, 1995 (P);
    dies., Joannes A. S. – Carl Linnaeus, dopisovanje 1760–1775, 2004;
    Pogg. II;
    Wurzbach.

  • Autor/in

    Brigitte Hoppe
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoppe, Brigitte, "Scopoli, Johann Anton" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 97-98 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11909360X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA