Lebensdaten
1661 bis 1730
Geburtsort
Essen
Sterbeort
Halberstadt
Beruf/Funktion
kursächsischer Hoffaktor
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118960881 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Behrend Lehmann
  • Lehman, Berend
  • Lehman, Berend Issacher Halevi Bermann
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Lehmann, Behrend, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118960881.html [23.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. kam aus E. über H. nach Sachsen, Hannover u. Österreich;
    V Juda ( 1693), 1657 in E. zuerst erw., S d. Elia ( 1690), 1640 zuerst erw., beide in Geldgeschäften tätig;
    M N. N.;
    B Herz ( 1746), Hoffaktor in Wien;
    Vt Joseph Kosmann, Rabbinatsbeisitzer in Deutz;
    - 1) Mirjam Joel ( 1707), 2) Hannele, T d. Mendel Beer, Judenschaftsvorsteher in Frankfurt/Main; Schwager Jonas Meyer ( um 1735/36), Hof- u. Gen.provediteur, Bevollmächtigter L.s in Dresden;
    3 S Lehmann Behrend ( 1774), Hoffaktor in Dresden, Elias Behrend, Hofschutzjude in Dresden, Kosmann Behrend, in Hannover, Kriegslieferant d. Hochstifts Münster;
    E Kosmann (getauft Christian Gottlieb, 1801), Isaak (getauft Christian Leberecht, 1801), Hirschel, alle Hoffaktoren in Dresden;
    Ur-E Michael Berend ( 1832), Hofagent in Hannover, Gründer e. Bankhauses;
    Urur-E Kosmann Berend (1801–86), Hofagent in Hannover, Emil (s. 2).

  • Leben

    L. entstammte einer angesehenen, alteingessenen Essener Familie. Er siedelte nach Halberstadt über und gründete dort ein großes Handelsunternehmen, das sich zu einer Weltfirma mit Filialen in Dresden, Hannover, Wien, Hamburg und Amsterdam entwickelte. Als Hoffinanzier wurde er Mittelpunkt eines Kreises von Hofjuden, der Berlin, Leipzig, Dresden, Halle, Wien, Wolfenbüttel und Blankenburg umschloß. L. wurde Hofbankier der Kurfürsten von Hannover, der Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel, der Könige von Preußen, des Polenkönigs Stanislaus Leszczýnski und zahlreicher adliger Herrschaften. Seine Haupttätigkeit entfaltete er aber als Hofbankier, Hofjuwelier, Münzentrepreneur und politischer Agent Augusts d. Starken. Seit 1696 war er Hofjude in Dresden; am 28.11.1697 erfolgte seine Ernennung zum Residenten im Niedersächs. Kreise als Belohnung für die bei der Wahl Augusts d. Starken zum König von Polen geleisteten Dienste. An dieser Wahl hatte er entscheidenden Anteil, indem er zusammen mit seinem Schwager Leffmann Behrens Millionen beschaffte oder vorschoß und am Wahltag selbst mit barem Gelde die Entscheidung herbeiführte. Im Nord. Kriege wirkte er als Heereslieferant, Geldgeber und politischer Agent. Seine ständigen Vorschüsse an den Dresdener Hof gingen jährlich in die Millionen. Als Münzlieferant hat er allein von Juni 1701 bis Aug. 1702 für 560 000 Reichstaler vermünzt. L. war auch Juwelenlieferant der Gräfinnen Cosel und Königsmarck sowie der Hofgesellschaft. Seine Tätigkeit als Hoffinanzier von Stanislaus Leszczýnski machte L. in den Jahren 1715-25 zum Inhaber der Herrschaft Lissa in Posen, da der Polenkönig die geliehenen Gelder nicht zurückzahlen konnte. Zehn Jahre lang bezog L. die Revenuen aus seinen polnischen Gütern. 1723-28 war er außerdem Besitzer der Herrschaft Seeburg in der Gfsch. Mansfeld, die 13 Dörfer umfaßte. Dazu kamen Besitzungen in Halberstadt und Blankenburg.

    Die ersten Jahrzehnte des 18. Jh. bildeten den Höhepunkt in L.s Laufbahn als Finanzier und Großkaufmann. In dieser Zeit gehörte er zu den führenden Repräsentanten der jüd. Hoch- und Hoffinanz in Deutschland. Nach seinem Tode löste sich seine Firma in Einzelunternehmen auf. Wie alle großen Hofjuden hat auch L. die Interessen seiner Glaubensgenossen mit Eifer und Erfolg vertreten. Er ist der eigentliche Begründer der jüd. Gemeinde in Dresden; die Gemeinden in Halberstadt und Halle hat er unterstützt und seinen Glaubensgenossen in Lissa Erleichterungen verschafft. Vor allem aber hat er das Talmud-Studium gefördert. Seine zahlreichen Nachkommen wirkten am Dresdener Hof bis zur Mitte des 19. Jh. als Hoffaktoren.

  • Literatur

    E. Lehmann, Der poln. Resident B. L., 1885;
    L. Lewin, Gesch. d. Juden in Lissa, 1904;
    S. Samuel, Gesch. d. Juden in Stadt u. Stift Essen 1291-1802, 1905;
    J. Meisel, B. L. u. d. sächs. Hof, in: Jb. d. Jüd.-Literar. Ges. 16, 1924, S. 227-52;
    H. Schnee, Der Finanzier u. Resident B. L. als Typ e. Hoffaktors im System d. absoluten Fürstenstaates, in: Die Welt als Gesch. 13, 1953, S. 221-45;
    ders., Die Hoffinanz u. d. moderne Staat II, 1954, S. 169-222;
    The Universal Jewish Enc. VI, 1948, S. 597;
    Enc. Jud. X, 1971.

  • Autor

    Heinrich Schnee
  • Empfohlene Zitierweise

    Schnee, Heinrich, "Lehmann, Behrend" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 68 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118960881.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA