Lebensdaten
1652 bis 1717
Geburtsort
Sameister bei Roßhaupten (Allgäu)
Sterbeort
Kloster Füssen
Beruf/Funktion
Baumeister ; Maler ; Stukkator
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11890941X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Herkomer, Johann Jakob
  • Herkommer, Johann Jakob
  • Herkomer, Johann Jakob
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Zitierweise

Herkommer, Johann Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11890941X.html [25.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Balthasar ( 1666), Gastwirt in Seeg, seit 1639 in S., S d. Gastwirts Christoph in Seeg, aus Gastwirlsfam., u. d. Barbara Schmied;
    M Barbara ( 1691), T d. Bauern Hiemer in Oberthingau;
    B Isaak ( 1686), Schmied (?) in S., Stifter d. dortigen Fam.kapelle, Johann ( 1703), Handelsherr in Augsburg;
    Schw Regina ( Gg. Fischer, Bäcker); - ledig;
    N Joh. Georg (1685–1754), Goldschmied in Augsburg (s.ThB), Joh. Georg Fischer ( 1747), Baumeister (s. NDB V).

  • Leben

    Als Maler ausgebildet, wandte sich H. während eines längeren Aufenthaltes in Venetien, wo er unter anderem für die Collalto in Belluno arbeitete, der Architektur zu. Nach seiner Rückkehr 1685 schuf er als erstes bisher bekanntes Werk die von seinem Bruder Isaak gestiftete Familienkapelle in Sameister. Die eigene und seines Bruders Porträtbüste weisen ihn als Bildhauer aus. 1694 reiste er abermals für 3 oder 4 Jahre nach Italien und erreichte Rom. Mit dem Neubau des Benediktinerklosters Sankt Mang in Füssen begann er 1701 eine umfangreiche Tätigkeit als Architekt, Altbarbauer, Stukkator und Freskant, die er in den letzten 7 Lebensjahren nochmals intensivierte. Die Benediktiner zogen ihn 1711 zur Konkurrenz um den Konventbau von Ottobeuren und 1711-15 um den Kirchenbau von Weingarten heran. Wirkten H.s Ideen dort nur indirekt, so schuf er mit dem 1716 begonnenen Bau der Klosterkirche in Fultenbach sein reifes Spätwerk (1811 abgebrochen). Von den Zeitgenossen hochgerühmt wurden die Modernisierungen von Sankt Moritz (1714) und katholisch Heilige(r) Kreuz (1716) in Augsburg (1944 zerstört). 1712 lieferte H. den Entwurf zur Stadtpfarrkirche Sankt Jakob in Innsbruck, der von seinem Neffen Johann Georg Fischer vor der Ausführung 1717 stark abgeändert wurde.

    H. hielt sich in der Dekoration an zeitgenössische italienisch Vorbilder, entnahm die ihm als Maler ferner liegenden architektonischen Großformen älteren Bauten, eine Vorliebe für Großartiges verratend. Das Füssener Wandpfeilersystem mit seinen Kuppeljochen schließt an Santa Giustina in Padua an, die Chorgestaltung an Palladio. Zunächst werden die einzelnen Motive in lockerer Komposition, sich zuweilen gegenseitig beeinträchtigend zitiert, später ordnen sie sich ganz der Grundkonzeption unter, wodurch sich der fremdartig-venezianische Charakter mildert. Dies erhellt am besten ein Vergleich von Sankt Mang mit den Plänen für Fultenbach. Seine Unbefangenheit befähigte H. vorzüglich zur Umwandlung mittelalterlicher Kirchen. Die Farbigkeit der Räume und das Zusammenkomponieren von Groß- und Altararchitektur waren für Schwaben um 1700 neu. Die vielseitige Begabung machte H. zum Intendanten des gesamten Füssener Kunstlebens. Durchaus schöpferisch übernahm Johann Georg Fischer sein architektonisches Erbe, das dessen Schüler Franz Kleinhans bis circa 1770 fortführte. Den Einfluß H.s auf Dominikus Zimmermann, der 1708-16 in Füssen wohnte, machen unter anderem dessen Kirche in Sießen bei Saulgau, die Fensterformen und die frühen Stuckmarmoraltäre deutlich. Bei der Weingartener Planung wirkte H. auf Franz Beer von Blaichten ein. Wie dieser zählt auch H. als einer ihrer eigenwilligsten Vertreter zur kraftvollen ersten Generation deutscher Barockarchitekten.

  • Werke

    Weitere W Seitenkapellen d. Stiftskirche St. Lorenz in Kempten, gegen 1705;
    Pfarrkirche in Oberbeuren, 1709;
    Wallfahrtskapelle Hl. Kreuz b. Kempten, 1711;
    Entwurf d. Grabmals f. Fürstbischof Johann Christoph v. Freyberg im Augsburger Dom, 1713;
    Krippkirche St. Nikolaus in Füssen. 1717.

  • Literatur

    M. Hauttmann, Gesch. d. kirchl. Baukunst in Bayern, Schwaben u. Franken 1550-1780, 21923;
    J. Trautwein, J. J. H., Diss. München 1941 (ungedr.);
    H. Dußler, Der Allgäuer Barockbaumeister J. J. H., 1956 (P);
    H. J. Sauermost, Der Allgäuer Barockbaumeister Johann Georg Fischer, Diss. München 1966 (L);
    ThB.

  • Portraits

    Selbstporträt-Sandsteinbüste in d. Kapelle in Sameister, 1691;
    Totenbild, Gem. im Bibl.saal v. St. Mang, 1717, Abb. v. beiden b. Dußler, s. L.

  • Autor/in

    Heinz Jürgen Sauermost
  • Empfohlene Zitierweise

    Sauermost, Heinz Jürgen, "Herkommer, Johann Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 624 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11890941X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA