Lebensdaten
1849 bis 1914
Geburtsort
Waal bei Landsberg/Lech
Sterbeort
Budleigh-Salterton (Devonshire, England)
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker ; Holzschnitzer ; Komponist ; Kunstschriftsteller
Konfession
anglikanisch
Normdaten
GND: 118979361 | OGND | VIAF: 77115718
Namensvarianten
  • Herkomer, Hubert (bis 1899)
  • Herkomer, Sir Hubert (seit 1907)
  • Herkomer, Hubert von
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Zitierweise

Herkomer, Hubert von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118979361.html [22.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Lorenz ( 1886/88), Holzschnitzer, wanderte 1851 n. Nordamerika aus, kehrte aber enttäuscht 1857 n. Europa zurück u. wurde in Southampton seßhaft, S e. Maurers;
    M Josefine ( 1879), T d. Lehrers Niggl in Denklingen b. Kaufbeuren;
    1) 1873 Anna Weise ( 1883) aus Berlin, 2) 1884 Lulu ( 1885), 3) Landsberg 1888 Margaret, beide T d. Gutsbes. Thomas Griffiths in Stanleyhouse/Gfsch. Ruthin;
    2 S aus 1), 2 T aus 3).

  • Leben

    Der zeichnerisch auffallend begabte H. besuchte die Kunstschule in Southampton. Bei einem geschäftlichen Aufenthalt seines Vaters in Bayern, 1865, durfte er für ein halbes Jahr eine Vorklasse der Kunstakademie in München unter Echter besuchen. Nach Abschluß der Kunstschule übertrug man ihm die Leitung einer Zeichenklasse, doch konnte das seinen künstlerischen Ehrgeiz nicht befriedigen. H. zog als freischaffender Künstler nach London. Nach Jahren der bittersten Not konnte er in der 1869 gegründeten Wochenzeitschrift „The Graphic“ einige Holzschnitte veröffentlichen, Darstellungen aus dem Leben der Menschen, die Glück und Wohlstand nicht erreicht hatten: Korbflechter in der Blindenanstalt, Soldaten in der Wachstube, Zigeuner auf dem Felde und so weiter, realistisch, ohne Pathos, mit sicherem, sensiblem Strich wiedergegeben. 1872 debütierte er bei der Ausstellung der Royal Academy mit dem Stimmungsbild „After the toil of the day“. Bei seiner Vorliebe für das Anekdotische und Idyllische in der breit angelegten Schilderung erkennt man den Einfluß Frederic Walkers, dessen realistische Kunst sein Vorbild war. Allgemeines Aufsehen erregte erst H.s Gemälde „The last Muster“ in der Ausstellung der Royal Academy 1875. Mit realistischem Pathos und mit Sentimentalität sind die markanten Häupter der greisen Invaliden idealisiert, die einem Gottesdienst im Chelsea-Hospital beiwohnen. Die Darstellungsweise gefiel. H. erhielt Aufträge als Porträtmaler aus den höchsten Gesellschaftskreisen: John Ruskin (1879), A. Tennyson (1879), Archibald Forbes (1881). Das Porträt Richard Wagners, das er 1877 bei dessen Londoner Aufenthalt in Aquarell skizzierte und 1878 als Brustbild in Öl ausführte, gilt als eines der besten repräsentativen Wagner-Porträts (Bayreuth). Den Gipfel seines Ruhmes errang H. 1885 mit dem Bildnis der Miss Katherine Grant als der „Dame in Weiß“, das überall ungeheures Aufsehen erregte und ihm auf verschiedenen Ausstellungen, unter anderem auf der Pariser Weltausstellung 1889, 4 Goldmedaillen und andere hohe Auszeichnungen eintrug. Als Gegenstück malte er 1886 bei einem Aufenthalt in Nordamerika die „Dame in Schwarz“, die nicht minder berühmt wurde. Es waren die Jahre seiner höchsten Schaffenskraft und Produktivität. Von der Londoner Gesellschaft wurde er mit Bildnisaufträgen überhäuft, unter anderem Königin Viktoria (1891), Cecil Rhodes (1894), Lord Kitchener (1896). Nebenbei malte er Genrebilder, mit Vorliebe Motive aus Bayern, und beschäftigte sich mit den graphischen Techniken; die Radierungen nach seinen Gemälden fertigte er selbständig Seine Erfahrungen und Verbesserungen auf diesem Gebiet veröffentlichte er in dem Buch „Etching and Mezzotint Engraving“ (London 1892). Von der Universität Oxford erhielt er 1885 einen Vorlesungsauftrag mit Ernennung zum Professor. In Bushey, nahe bei London, wo er mit seiner Familie lebte, ließ er sich einen schloßartigen Wohnsitz, Lululand, in normann. Stil errichten, dessen kunstgewerbliche Inneneinrichtung nach eigenen Entwürfen hauptsächlich von seinem Vater und dessen beiden Brüdern ausgeführt wurde (Die Erbauer meines Hauses, Triptychon, 1894). 1883 gründete er eine eigene Malschule. Die Schüler, sie hatten sich schnell auf über 100 vermehrt, wohnten in Bushey und wurden unentgeltlich nach H.s eigenen freien Methoden unterrichtet. Seine Vielseitigkeit verleitete ihn jedoch auch zu Dilettantismus. Von der Familie seiner Mutter musikalisch begabt, komponierte er Lieder für die Zither, später ganze Opern, zu denen er auch die Libretti verfaßte und die er mit Schülern und mit der Familie auf seiner eigens erbauten Liebhaberbühne vor geladenem Publikum in Szene setzte. Dabei entwarf er die Kostüme, führte Regie und spielte auch geeignete Rollen selbst, so wie eben alles nach seinen eigenen Vorstellungen geschehen mußte. Als Liebhaber des Automobilsports organisierte er die ersten Auto-Rallies in Deutschland 1903, 1905 und 1907 und stiftete für den Sieger den Herkomer-Pokal. H.s besondere Liebe galt seiner bayerischen Heimat. In Landsberg a. L., wo er meistens seinen Sommerurlaub verbrachte, ließ er eine alte Papiermühle als Atelierwohnung umbauen und daneben zum Gedenken an seine verstorbene Mutter den sogenannte(r) Mutterturm 1886 in normann. Stil errichten (heute Museum). Den oberen Sitzungssaal des Rathauses in Landsberg stattete er mit zwei riesigen Ölgemälden auf|Leinwand aus. Dargestellt sind in Lebensgröße der Bürgermeister mit Magistrat sowie eine Versammlung der 32 Stadtverordneten (1905) in kraftvoll realistischer Manier.

    Die großbürgerliche Gesellschaft spätviktorianischer Zeit sah sich in H.s Kunst mit ihrem kräftigen Pathos, ihrer idealisierten Schönheit und Eleganz, aber auch Theatralik, Sentimentalität und Süßlichkeit nach ihrem Geschmack würdig repräsentiert; sie dankte ihm dafür mit Auszeichnungen und Reichtum. Die Stadt Landsberg ehrt sein Andenken mit einer ständigen Ausstellung seiner Werke im Obergeschoß des Rathauses.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. bildenden Künste Berlin u. München;
    Friedenskl. d. Pour le mérite.

  • Werke

    Weitere W Gem. in öff. Slgg. u. a. Berlin, Nat. Gal.;
    London, Nat. Portrait Gal., Tate-Gal.;
    Bristol;
    Manchester;
    Liverpool;
    Glasgow;
    Melbourne;
    Leipzig;
    München;
    Landsberg.-The Herkomers, 2 Bde., London 1910 f. (P, Autobiogr.).

  • Literatur

    W. L. Courtney, H. H., His Life and Work, London 1892;
    R. R. Muther, Gesch. d. modernen Kunst III, 1893, S. 373;
    ders., Gesch. d. engl. Malerei, 1903, S. 317 ff.;
    H. Zimmern, in: Emporium 7, Bergamo 1898, S. 83-108;
    L. Pietsch, H., 1901, = Künstlermonogrr., hrsg. v. H. Knackfuß, Bd. 54;
    A. L. Baldry, H. H., London 1901 (W-Verz.);
    S. Mills, Life and Letter of Sir H. H., 1923;
    Landsberger Gesch.bll., 1939, Nr. 5-8;
    H. Faussner, Die Rosenheimer Gal., 1954, S. 22 ff.;
    G. Reynolds, Victorian Painting, London 1966, S. 37, 188;
    ThB (W, L);
    DBJ I (Tl. 1914, W, L).

  • Portraits

    Selbst-P f. d. Künstlerporträtslg. d. Uffizien, Florenz 1895;
    als Prof. d. Univ. Oxford, 1907 (Landsberg, Rathaus).

  • Autor/in

    Elisabeth Meixner
  • Empfohlene Zitierweise

    Meixner, Elisabeth, "Herkomer, Hubert von" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 623-624 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118979361.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA