Lebensdaten
1882 bis 1942
Geburtsort
Wien
Sterbeort
auf der Überfahrt nach Mexiko
Beruf/Funktion
Anarchist
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118833197 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Grossmann, Rudolf
  • Grossman, Rodolphe
  • Grossman, Rudolf
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Zitierweise

Ramus, Pierre, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118833197.html [24.10.2017].

CC0

  • Genealogie

    V N. N. Grossmann (jüd.), aus Ungarn, Kaufm. in W.; M N. N. (kath.), aus Mähren; 2 Schw; – 1916 Sophie Ossipowna Friedmann ( 1974), Anarchistin; 2 T Elisabeth (Lilly) Schorr, Dr., in d. USA, Erna.

  • Leben

    Wegen sozialdemokratischer Propaganda wurde R. eines Wiener Gymnasiums verwiesen und von seinen Eltern als 16jähriger in die USA geschickt. Hier begann er seine journalistische Tätigkeit in der sozialistischen Bewegung. Unter dem Einfluß von Johann Most (1846–1906) und Emma Goldmann (1869–1940) wandte er sich dem Anarchismus zu. 1904 kehrte er nach Europa zurück und ließ sich nach Aufenthalten in London und in der Schweiz 1907 in Österreich nieder. Dort gab er das anarchistische Organ „Wohlstand für alle, Ohne Herrschaft“ (Jg. 1-7, 1907-14), die Publikation „Die Freie Generation, Dokumente der Weltanschauung des Anarchismus“ (Jg. 1-2, 1906-08) sowie das „Jahrbuch der Freien Generation, Volkskalender und Dokumente zur Weltanschauung des Sozialismus – Anarchismus“ (Jg. 1-5, 1910-14) heraus. Daneben verbreitete R. zahlreiche Broschüren sowie einige Werke, in denen er Vorkämpfer des Anarchismus würdigte. 1907 nahm er als Delegierter Österreichs am Internat. Kongreß der Anarchisten in Amsterdam teil. Ein Jahr später gründete er eine anarchistische Gewerkschaftsföderation für Niederösterreich und nach seinem Austritt 1911 die „Freie Gewerkschaftsvereinigung“. Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde R. inhaftiert, weil er Kriegsdienst und Fahneneid verweigerte. 1915 wurde er ein weiteres Mal festgenommen und unter Hausarrest gesetzt. In dieser Zeit entstanden seine wichtigsten Schriften. Nach dem Krieg geriet R. durch das uneingeschränkte Festhalten am Prinzip der Gewaltlosigkeit in offenen Gegensatz zu Sozialdemokraten und Kommunisten. Als Gegenmodell baute er 1918 den „Bund herrschaftsloser Sozialisten“ auf und wurde als dessen Vertreter Mitglied des Arbeiterrats in Wien. Im selben Jahr gründete er „Erkenntnis und Befreiung, Organ des herrschaftslosen Anarchismus“ (Jg. 1-15, 1918-33) und entfaltete erneut eine umfangreiche Vortragstätigkeit. Nach dem „Anschluß“ Österreichs an Deutschland floh R. über die Schweiz nach Frankreich. Bei Kriegsbeginn kam er dort als „feindlicher Ausländer“ in ein Internierungslager, von wo er über Spanien in ein Flüchtlingslager in Marrakesch gelangte. R. starb auf der Reise ins Exil nach Mexiko an einem Herzschlag.

    In seinem politischen Denken von Tolstoi und Kropotkin beeinflußt, wollte R. die Menschheit durch Aufklärung zu einem Einsatz für eine humanere Welt befähigen. Von der Frage ausgehend, warum die Arbeiterbewegung an ihrem Anspruch gescheitert ist, eine sozialistische Gesellschaftsordnung zu verwirklichen, versuchte er, eine fundierte Kritik am Marxismus zu leisten. Gleichzeitig entwarf er aus einem libertären Sozialismusverständnis heraus eine konkrete Utopie und reflektierte die Möglichkeiten zu deren Verwirklichung. In seinem Heimatland wurde R. zum bedeutendsten Vertreter der libertärsozialistischen Strömung, die in der Geschichte der österr. Arbeiterbewegung allerdings eine Randerscheinung blieb.|

  • Auszeichnungen

    Pierre-Ramus-Ges., Wien (seit 1992).

  • Werke

    Die Irrlehre u. Wiss.losigkeit d. Marxismus im Bereich d. Sozialismus, 1919; Die Neuschöpfung d. Ges. durch d. kommunist. Anarchismus, 1921; Friedenskrieger d. Hinterlandes, Der Schicksalsroman e. Anarchisten im Weltkriege, 1924. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Steiermärk. Landesarchiv, Graz; Internationaal Instituut vor Sociale Geschiedenis IISG, Amsterdam (s. homepage im Internet).

  • Literatur

    G. Botz u. a., Im Schatten d. Arbeiterbewegung, Zur Gesch. d. Anarchismus in Österr. u. Dtld.,|1977; G. Brandstetter, Rudolf Grossmann, Ein österr. Anarchist (1882–1942), in: G. Botz u. a. (Hg.), Bewegung u. Kl., 1978, S. 89-118; Reinhard Müller, Der aufrechte Gang am Rande d. Gesch., Anarchisten in d. Steiermark zw. 1918 u. 1934, in: R. Hinteregger u. a., Auf d. Weg in d. Freiheit, Btrr. zu e. steir. Zeitgesch., 1984, S. 163-96; I. Schepperle, P. R., Marxismuskritik u. Sozialismuskonzeption, 1988 (Qu, W, L); T. de Boer, Inventar d. Archivs P. R. (Rudolf Grossmann) (1882–1942), 1997; Hommage à la Non-Violence, Ein gr. freiheitl. Erzieher, P. R. (1882-1942), hg. v. d. P.-R.-Ges., 2000 (Bibliogr., P); Dict. biogr. du Mouvement ouvrier internat., hg. v. J. Maitron u. G. Haupt, I, Autriche, 1971; BHdE I; ÖBL.

  • Portraits

    Fotos in: Archiv d. Internationaal Instituut vor Sociale Geschiedenis IISG, Amsterdam.

  • Autor

    Ilse Ruch-Schepperle
  • Empfohlene Zitierweise

    Ruch-Schepperle, Ilse, "Ramus, Pierre" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 136-137 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118833197.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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