Lebensdaten
1887 bis 1936
Geburtsort
Schloß Bieberstein bei Fulda
Sterbeort
Flur Bucha bei Jena (Selbstmord)
Beruf/Funktion
Dramatiker ; Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118828657 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Göring, Reinhard
  • Goering, Reinhard
  • Göring, Reinhard
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Zitierweise

Goering, Reinhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118828657.html [21.06.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Frdr. Reinhard (1860–95), Reg.baumeister, S d. Rechtsanwalts Frdr. Reinhard in Oberstein/Nahe u. d. Charl. Christina Philippine Gottlieb;
    M Paula Treiß (1862–1916); 1) 1912 ( 1926) Helene Gurowitsch (* 1882), 2) Düsseldorf 1935 Marlene (* 1914), T d. Carl Holzapfel (* 1890, verschleppt 1945), Schriftsteller, seit 1924 Buchhändler in Berlin, seit 1928 Propagandist d. Dt. Lufthansa u. seit 1930 Herausgeber des „Dt. Luftfahrtkal.“, später stellv. Leiter d. NS-„Kulturwerks“ „Kraft durch Freude“ (s. Kosch, Lit.-Lex., W), u. d. Hildegard Carnap;
    2 T v. 1), 2 S v. 2).

  • Leben

    G. verliert früh den Vater durch Selbstmord, die Mutter stirbt in geistiger Umnachtung. Verwandte ermöglichen das Studium der Medizin, das ihn von Jena (1905) über Berlin und München nach Paris führt, wo er 1911 die russisch-jüdische Kunststudentin Helene Gurowitsch kennenlernt. Er heiratet sie 1912 nach der Geburt eines Kindes. Im selben Jahr erscheinen Gedichte im „Lyrischen Jahrbuch“ (Frankfurt), 1913 der Roman „Jung Schuk“, eine sprachlich wie gehaltlich ungleich gearbeitete Darstellung eigener Lebensproblematik an Hand von Briefen und Aufzeichnungen des am Ende Selbstmord begehenden wertherähnlichen Helden. Bei Kriegsausbruch 1914 legt G. in Bonn sein Examen ab, kommt als Militärarzt ins Saarland und erkrankt an Tuberkulose. Er verbringt die Kriegszeit in der Schweiz (Davos). Dort schreibt er 1916 sein erstes und erfolgreichstes Drama, „Seeschlacht“, dessen erste (geschlossene) Aufführung am 10.2.1918 in Dresden einen Skandal erregt. In Berlin verhilft Max Reinhardt im gleichen Jahr dem Stück zum Durchbruch, das von nun an als eines der klassischen Bühnenwerke des deutschen Expressionismus gilt (Kleistpreis 1918). Es hat weder eine pazifistische noch nationale Tendenz. Die Seeschlacht, ein das Individuum überwältigendes Fatum, wird aus der Perspektive von sieben in einem Panzerturm eingeschlossenen Matrosen dargestellt. Die künstlerische Originalität und sprachliche Dichte seines Erstlings hat G. nicht wieder erreicht. Von den Dramen „Der Erste“ (1918), „Der Zweite“ (1919), „Scapa Flow“ (1919) und „Die Retter“ (1919) experimentiert jedes mit einer neuen Stilform; das letztere (am überzeugendsten) stellt einen Vorstoß zum absurden Theater dar. Während G. in den zwanziger Jahren erfolglos versucht, in verschiedenen Städten eine Praxis zu beginnen, schreibt er nur vereinzelte Gedichte und Prosastücke sowie literarische und fachliche Artikel. 1926 erfolgt die Promotion zum doctor medicinae in Leipzig. Durch Arbeit an einem Luftfahrtkalender lernt er zahlreiche europäische Großstädte kennen (Fluggedichte „Sturm“, 1928). In Davos entsteht Ende 1928 „Die Südpolexpedition des Kapitän Scott“ (1930 Uraufführung in Berlin und Kleistpreis), ein Stück, das literarisch der Neuen Sachlichkeit zugerechnet wird. Er heiratet 1935 Marlene Holzapfel, mit der er seit 1931 zusammengelebt hat. Anfang Oktober 1936 macht er seinem Leben ein Ende. Aus der „Südpolexpedition“ machte G. auch ein Libretto für den Schönberg-Schüler W. Zillig; die daraus entstandene Oper „Das Opfer“ wurde November 1937 in Hamburg uraufgeführt.

  • Werke

    Prosa, Dramen, Verse, 1961 (P);
    Seafight, a Tragedy, engl. Übers. v. B. Q. Morgan, Stanford, Kalifornien, 1940.

  • Literatur

    R. Leonhard, in: Das junge Dtld. 2, 1919;
    H. Benzmann, in: Das dt. Drama 3, 1920;
    R.-G.-Heft d. Zs. Der Sturm, Jan. 1928 (mit Zeichnungen v. G.);
    E. Heilborn, Kleistpreis 1930, in: Die Literatur 33, 1930/31;
    W. Kordt, in: Progr. d. Bochumer Aufführung v. „Seeschlacht“ u. „Scapa Flow“, Dez. 1938;
    E. Gottlieb, in: Theater u. Zeit 4, 1956;
    D. Hoffmann, Vorwort zu: R. G., Prosa, Dramen, Verse, 1961;
    Soergel-Hohoff II (P). - Nachlaß (auch Phot.) im Bes. d. Witwe in München.

  • Portraits

    Phot., 1920 (Marbach, Dt. Lit.archiv im Schiller-Nat.mus.), Abb. in: R. G., Prosa, Dramen, Verse, 1961, u. b. Soergel-Hohoff II.

  • Autor/in

    Kurt Mueller-Vollmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Mueller-Vollmer, Kurt, "Goering, Reinhard" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 529 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118828657.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA