Lebensdaten
1176 oder 1182 bis 1230
Geburtsort
Wien?)
Sterbeort
San Germano
Beruf/Funktion
Herzog von Österreich und Steiermark
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118827839 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leopold VII.
  • Leopold der Glorreiche
  • Liupold der Glorreiche
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Leopold VI., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118827839.html [21.11.2017].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Fam. d. Babenberger;
    V Hzg. Leopold V. v. Österreich u. (seit 1192) v. Steier ( 1194, s. NDB 14);
    M Helene, T d. Kg. Géza II. v. Ungarn ( 1199);
    B Hzg. Friedrich I. v. Österreich ( 1198, s. NDB V);
    - 1203 Theodora, E d. Kaisers Isaak II. Angelos v. Byzanz ( 1246);
    3 S, 4 T, u. a. Heinrich „der Grausame“ ( 1227), Hzg. Friedrich II. ( 1246, s. NDB V), Margarete ( 1267, 1] 1225 Kg. Heinrich [VII.], 1242, s. NDB VIII, 2] 1251 Ottokar II. Premysl, 1278, Kg. v. Böhmen).

  • Leben

    Als sein Vater 1194 überraschend starb, befand sich der höchstens 16jährige L. im Heere Kaiser Heinrichs VI. in Palermo. Nach einigen weiteren Monaten in Italien kehrte er als Herzog der Steiermark – sie war seinem Vater 1192 aufgrund der Vereinbarungen der Georgenberger Handfeste (17.8.1186) zugefallen – in die Heimat zurück. Sein älterer Bruder, Friedrich I., erhielt nur das österr. Herzogtum, obwohl 1186 ausdrücklich die Unteilbarkeit der Herrschaft über die Herzogtümer verbrieft und Friedrich als Nachfolger in beiden Ländern designiert worden war. Friedrich starb bereits 1198 im Hl. Land während eines Kreuzzuges. L. fiel nun die Herrschaft in beiden Herzogtümern zu. Er erwies sich als ein klug berechnender Realpolitiker, dem es vergönnt war, den Erfolg seiner zähen Kleinarbeit zu erleben: Von häufigen Grenzübergriffen abgesehen, herrschte während seiner Regierungszeit Frieden in seinen Ländern; auch kein Kreuzheer zog durch. Auf der Grundlage dieser Friedenspolitik erschloß er sein unterschiedlich strukturiertes Herrschaftsgebiet in wirtschaftlicher Hinsicht durch den Ausbau von Verkehrsverbindungen (Semmeringstraße)|und durch Privilegierung von großen Marktplätzen; so erhielt 1212 Enns, 1221 Wien ein Stadt(Stapel)recht, durch das ihnen der sehr einträgliche Zwischenhandel nach Ungarn gesichert war. In der Steiermark traten neben Judenburg Marburg und in steigendem Maße Graz hervor. L. setzte allgemein sein alleiniges Münzrecht durch und organisierte die landesfürstliche Finanzverwaltung – vielleicht trug zur Finanzierung dieser Aktivitäten, zu denen auch die Gründung von Wiener Neustadt zählte, auch das Lösegeld für den engl. Kg. Richard Löwenherz bei. In der Münzer-Hausgenossenschaft in Wien schuf L. ein wirksames Instrument der Finanzierung seiner weitreichenden Unternehmungen, durch die Veranlassung der Anlage von Urbaren verschaffte er sich einen besseren Überblick über die landesfürstlichen Einnahmen. Der Sicherung und dem Ausbau des von ihm begünstigten Fernhandels sowohl in West-Ost-, als auch in Nord-Süd-Richtung diente ferner der Kauf von Marktplätzen und Besitz im späteren Land ob der Enns (Linz, Wels) und in Krain bzw. Friaul (Portenau/Pordenone).

    L.s Sinn für fürstliche Repräsentation kam in glanzvollen und aufwendigen Feiern, etwa aus Anlaß seiner Schwertleite (1200) und seiner Hochzeit (1203), ebenso zum Ausdruck wie in repräsentativer Bautätigkeit (Hof in Wien, „Pfalz“ in Klosterneuburg). Sein Wiener Hof galt als Zentrum von (Dicht-)Kunst und Kultur; besonders ist Walther von der Vogelweide zu nennen, der allerdings später in Unfrieden aus Wien schied (wohl wegen seiner zunehmend radikalen politischen Haltung), daneben Bruder Wernher und Neidhart von Reuental.

    Als „glorreich“ (so lautet sein Beiname seit dem Beginn des 16. Jh.) erschien seine Regierung bereits der nächsten Generation; Abt Johann von Viktring charakterisierte L. in der 1. Hälfte des 14. Jh. mit dem Satz: „Überfluß hatte er an Reichtümern und Ehre, viele glorreiche und fromme Taten vollbrachte er– hier wie in überseeischen Gebieten.“ Damit ist der kirchen- und reichspolitische Aspekt seines Wirkens umrissen: In seinen Ländern organisierte er eine rigorose Ketzerverfolgung, 1202/09 gründete er im österr.-steir. Grenzgebiet das Zisterzienserkloster Lilienfeld, das er zu seiner Grabstätte bestimmte, 1206/07 betrieb er die Schaffung eines Landesbistums mit dem Zentrum Wien – der Plan scheiterte allerdings am Widerstand Passaus und Salzburgs. L. begünstigte früh die Mendikanten in den Städten (Minoriten in Wien 1221, Dominikaner 1226). Seit dem Tod seines Bruders (1198) und seines ältesten Sohnes Leopold (1208) ließ er sich mehrmals das Kreuz an den Ärmel heften; 1212 brach er gegen die Albigenser auf, kam aber erst nach bereits erfolgtem Friedensschluß an. Ähnlich erging es ihm bei dem anschließenden Unternehmen gegen die Mauren in Spanien. Er beteiligte sich ebenso wie viele seiner Nachbarn 1218/19 an dem Unternehmen von Damiette, kehrte aber vor der Erstürmung der Feste über Italien nach Österreich zurück, nicht ohne Kontakt mit Papst Honorius III. aufgenommen zu haben. Obwohl L. traditionell ein Anhänger der Staufer blieb – er besuchte fast jedes Jahr einen Hof- oder Reichstag, blieb manchmal auch wochen- und monatelang in der Umgebung des Kaisers bzw. Königs –, hatte er dennoch zeitlebens gute Kontakte zur Kurie. Der raschen Anerkennung Ottos IV. 1208 (L. besuchte den Würzburger Hoftag, an dem sich der König mit Beatrix, der Tochter seines ermordeten Vorgängers und Rivalen, verlobte), zu der er sich vielleicht im Hinblick auf die erhoffte Förderung des Bistumsplanes entschloß, folgte – bald in Übereinstimmung mit der päpstl. Politik – eine frühe Anhängerschaft (seit 1212) zu dem jungen Friedrich II. Als sich Friedrich seit 1220 fast nur mehr in Italien aufhielt, wurde L. ein getreuer Gefolgsmann Heinrichs (VII.). Die Vertrauensstellung bei beiden höchsten Gewalten der Christenheit ermöglichte ihm eine erfolgreiche und nicht immer uneigennützige Vermittlertätigkeit, so 1225 und 1230 in San Germano. Das erste Mal, als in der Hauptsache Kreuzzugspläne abgestimmt wurden, traf er unter Ausschaltung aller Konkurrenten die Vereinbarung der Heirat seiner Tochter Margarete mit dem Kaisersohn Heinrich; die Hochzeit fand bereits im Herbst 1225 statt, 1227 folgte die Königskrönung des Paares. 1230, kurz vor seinem Tod, gelang L. die Vermittlung des letzten, allerdings kurzlebigen Friedens zwischen der Kurie und den Staufern.

  • Literatur

    ADB 18;
    F. Eheim, Hzg. L. VI., in: Gestalter d. Geschicke Österreichs, hrsg. v. H. Hantsch, 1962, S. 51-63.

  • Literatur

    zu Leopold I. - Leopold VI.: A. v. Meiller, Babenberger Regg., 1850;
    UB z. Gesch. d. Babenberger in Österreich, I-IV/1, 1950-68;
    G. Juritsch, Gesch. d. Babenberger u. ihrer Länder, 1894;
    K. Lechner, Die Babenberger, Markgrafen u. Herzöge v. Österreich 976-1246, 1976 (L);
    1000 J. Babenberger in Österreich, Kat. d. nd.österr. Landesausst., 31976 (L).

  • Autor

    Heide Dienst
  • Empfohlene Zitierweise

    Dienst, Heide, "Leopold VI." in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 283 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118827839.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Leopold VI. (VII.), 1195—98 Herzog von Steiermark, 1198—1230 auch von Oesterreich, war der jüngere Sohn Herzog Leopolds V. (VI.) und der ungarischen Prinzessin Helena und Bruder Herzog Friedrichs I. von Oesterreich. Seine Erziehung scheint für jene Zeit eine sorgfältige gewesen zu sein. Als sein Lehrer wird Ulrich, der Bischof von Passau genannt. Noch vor dem Tode seines Vaters im jugendlichsten Alter machte er den Zug Kaiser Heinrichs VI. nach Italien mit (1194) und that sich auf demselben durch Tapferkeit hervor, obgleich er noch nicht die Schwertleite empfangen hatte. Nach dem Tode seines Vaters trat er die Verwaltung des Herzogthums Steiermark an, wie es scheint, unabhängig von seinem Bruder Friedrich, dem als dem älteren von beiden Oesterreich zufiel. Während der Abwesenheit seines Bruders auf einem Kreuzzuge regierte L. auch Oesterreich und gelangte durch dessen Tod auf der Kreuzfahrt auch in den Besitz dieses Herzogthums. Bei der Wahl König Philipps war er nicht zugegen, schloß sich aber 1198 demselben an. Wir finden in der nächsten Zeit Herzog L. in den Thronstreit, der zwischen König Emerich von Ungarn und dessen Bruder Andreas ausgebrochen war, zu Gunsten des letzteren verflochten. Erst 1200 legte der Cardinal-Erzbischof Konrad von Mainz diese Fehde bei. In seiner Gegenwart und im Beisein des neugewählten Erzbischofs Eberhard von Salzburg, sowie vieler anderer Fürsten wurde damals — zu Pfingsten des J. 1200 — in der Schottenkirche zu Wien Herzog L. die Schwertleite zu Theil und zur Feier dieses Festes ein solcher Aufwand gemacht, daß der anwesende Walther von der Vogelweide meinte, L. habe so viel gegeben, "als ob er nicht länger wollte leben". Anfangs mit einer Tochter Premysl Otokars I. von Böhmen verlobt, löste L. aus unbekannten Gründen diese Verbindung auf und feierte 1203 zu Wien seine Hochzeit mit der griechischen Prinzessin Theodora, einer Nichte der Gemahlin König Philipps, worin wol nicht "ein Schachzug gegen des letzteren byzantinische Politik", sondern vielmehr ein Beweis dafür zu erblicken sein wird, daß L. trotz der Gegenbemühungen des Papstes, sich immer enger an den Kaiser anschloß, wie dies u. a. auch seine ruhmvolle Theilnahme an dem Feldzuge König Philipps gegen Cöln und die dortigen Anhänger Otto's IV. im September 1205 beweist. Als im December 1204 König Emerich starb, vertrieb Andreas II. dessen Sohn, seinen Neffen Ladislaus und die Mutter des letzteren, die verwittwete Königin Constanze. Beide flohen nach Oesterreich, wo sich ihrer Herzog L. annahm. Ladislaus starb in Wien, Constanze ließ L. in ihre Heimath Aragonien geleiten. Nach Philipps Ermordung erkannte auch Herzog L. Otto IV. von Braunschweig als König an. Er fand sich zu Anfang des J. 1209 in Nürnberg bei demselben ein und wohnte auch dem glänzenden Hoftage zu Würzburg (Ende Mai) bei, wo sich Otto IV. mit der Stauferin Beatrix, der Tochter König Philipps, verlobte. Bei diesem feierlichen Acte fungirte der beredte Herzog von Oesterreich als Sprecher der Fürsten und neben dem Herzog von Baiern als Brautführer. Doch fiel L. später von Otto IV. ab und befand sich unter denjenigen, welche sich (September 1211) an der ersten Wahl Friedrichs II. zu Nürnberg betheiligten, trat aber im folgenden Jahre noch einmal auf Otto's Seite zurück. — Schon im J. 1208 hatte L. zu Kloster Neuburg mit vielen seiner Edlen|das Kreuz genommen. Der Papst Innocenz III. hatte ihm mittelst der Bulle vom 25. Februar 1208 durch den Prior Nicolaus v. Seitz das Kreuzeszeichen zugesandt. Doch verzögerte sich die Ausfahrt, da Herzog L. zum Beschützer seines Landes während seiner Abwesenheit den Markgrafen Dietrich von Meißen ersah und um sich auf diesen desto sicherer verlassen zu können, daran dachte, einen seiner Söhne mit einer Tochter desselben zu vermählen, wozu wegen naher Verwandtschaft die päpstliche Dispensation eingeholt werden mußte. Die projectirte Heirath kam jedoch nicht zu Stande. Erst 1225 wurde die Tochter Herzog Leopolds, Constanze, mit dem Sohne des Markgrafen Dietrich, Heinrich dem Erlauchten, vermählt. Auch trat Herzog L. erst im Herbst des J. 1212 die Kreuzfahrt an — aber zunächst nicht, wie er gelobt hatte, ins hl. Land, sondern nach Spanien, wo er jedoch erst nach der Einnahme von Calatrava eintraf. Von Spanien heimgekehrt, trat L. zu dem jungen Staufer, König Friedrich II. über, bei welchem er sich im Februar 1213 zu Regensburg aufhielt und sodann wieder im Juli zu Eger erscheint. Hierauf treffen wir ihn in Ungarn; er war zugegen, als die Königin Gertrude (von Meran), die Gemahlin Andreas' II., ermordet wurde (28. September 1213) und entging mit Mühe einem gleichen Schicksal. 1214 nahm L. an der Heerfahrt König Friedrichs II. gegen Otto IV. und seine Anhänger am Niederrhein Theil. Auch in den nächstfolgenden Jahren treffen wir ihn häufig am Hofe des Kaisers. Im J. 1217 trat der Herzog die so lange verzögerte Kreuzfahrt an, nachdem er noch zuvor die von ihm gegründete Cistercienserabtei Lilienfeld besucht und der Einweihung der vier ersten Altäre durch seinen einstigen Lehrer, Bischof Ulrich von Passau, in der Klosterkirche beigewohnt hatte. Er zog über Glemona in Friaul (7. Juli), wo wir den Erzbischof von Kalocsa bei ihm antreffen, wol im Auftrage seines Herrn, des Königs Andreas II. von Ungarn, der sich wie so viele andere Fürsten an diesem Zuge betheiligte. Ohne Aufenthalt segelte L. von Spalato ab und erreichte nach einer beispiellos schnellen Fahrt von nur 16 Tagen Alton, während Andreas, wie es scheint, erst später eintraf. Neben dem Könige von Ungarn ragte unter den Kreuzfahrern L. durch besonderes und wohlbegründetes Ansehen hervor, zumal er fast der einzige Fürst war, der von dem ausschweifenden und brutalen Wesen der übrigen Kreuzfahrer eine rühmliche Ausnahme machte. Die ersten Unternehmungen — gegen Damascus, gegen die Burg auf dem Berge Tabor und gegen die Beste Beaufort scheiterten kläglich und König Andreas kehrte darnach in seine Heimath zurück. Erst nach der Ankunft neuer Pilgerschaaren wurde der ursprüngliche Plan eines Angriffs auf Damiette in Egypten wieder aufgenommen. Herzog L. that sich bei der Belagerung Damiette's, namentlich bei der Erstürmung des Kettenthurmes, durch Wunder der Tapferkeit hervor, verließ aber am 5. Mai 1219 Egypten, noch ehe sich die Stadt den Christen ergab. Jedenfalls hatte L. durch sein ebenso tapferes als würdevolles Wesen die Augen der Welt auf sich gelenkt. Es läßt sich deutlich erkennen, daß fortan sein Ansehen und sein Einfluß immer größer wurden. Besonders als Friedensvermittler bewährte er wiederholt seine diplomatische Begabung. So erscheint L. an dem Zustandekommen des Vertrages auf dem Berge Scac (2. Juli 1221), der den böhmischen Kirchenstreit beilegte, betheiligt. Als später (1224) König Andreas II. von Ungarn mit seinem erstgeborenen Sohne Bela zerfiel, sah sich L. vom Papste um Vermittelung angegangen, wozu er sich als Verwandter der byzantinischen Gemahlin des ungarischen Prinzen eignete. Und so wie er in diesen beiden Fällen das Vertrauen des Papstes genoß, so wurde L. auch vom Kaiser und anderen Fürsten geschätzt und umworben. So heirathete 1222 Herzog Albert von Sachsen die Tochter Leopolds, Agnes. Mit König Heinrich III. von England verhandelte L. über die Vermählung seiner Tochter.|1225 finden wir 8. in Italien. Er war zugegen, als der Kaiser am 25. Juli zu S. Germano das Kreuzzugsgelübde erneuerte. Am 18. November fand zu Nürnberg die Hochzeit des jungen Königs Heinrich (VII.) mit Leopolds Tochter Margaretha, jene Heinrichs, des Sohnes Leopolds, mit Agnes, Schwester des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen und die Verlobung Constanzens, der Tochter Leopolds mit des Markgrafen von Meißen Sohne (s. o.) statt. Doch wurde dieses dreifache Fest durch die Schreckenskunde von der Ermordung des Erzbischofs Engelbert von Köln, des Reichsverwesers, unterbrochen, worauf der Kaiser die Leitung seines Sohnes und die Reichsregierung unserem Herzoge übertrug. Zwar wurde diese Verfügung zu Gunsten des Herzogs Ludwig von Baiern bald wieder zurückgenommen, doch erscheint L. in den nächsten Jahren gewöhnlich am Hofe des jungen Königs. 1226 folgte er dem Rufe des Kaisers nach Italien, wo zu Ostern auf einem großen Reichstage zu Cremona über die Angelegenheiten des Reiches und über den Kreuzzug verhandelt werden sollte. Aber der Reichstag kam nicht zu Stande, weil die Lombarden die Ausgänge der Alpenpässe nach Italien beseht hielten. Nur L. und einige sächsische Fürsten, die ihren Weg über Oesterreich genommen hatten, gelangten glücklich an ihr Ziel. Die Abwesenheit des Herzogs benutzten die Böhmen zu einem Einfalle in Oesterreich, der jedoch von dem durch L. mit der Obhut des Landes betrauten Heinrich I. (III.) von Kuenring glücklich zurückgewiesen wurde. Noch einmal (1230) eilte L. nach Italien zu dem Kaiser, um nebst anderen Fürsten zwischen diesem und dem Papste zu vermitteln. Dies gelang auch; doch starb der Herzog wenige Tage nach dem Frieden von S. Germano ebendaselbst am 28. Juli 1230 und wurde im Kloster Monte Cassino beigesetzt. Nur seine Gebeine wurden nach Lilienfeld zur Bestattung gebracht. L. war ohne Frage einer der hervorragendsten Fürsten seiner Zeit, einer der bedeutendsten Regenten von Oesterreich. Durch und durch Ritter im besten Sinne dieses Wortes, war er zugleich ein kluger Staatsmann, ein Meister der Rede und Freund und Gönner der höfischen Dichtkunst jener Zeit (Walther von der Vogelweide, Ulrich von Liechtenstein). Seine im ganzen friedliche Politik war doch auch auf Erwerbungen bedacht und förderte zugleich in hohem Grade die innere Entwickelung seiner Länder. Nach den bischöflich freisingischen Lehen, die er nach dem Tode des Markgrafen Heinrich von Istrien (1228) erwarb, konnte sich bereits sein Sohn den Titel eines "Herrn von Krain" beilegen. Er kaufte die Grafschaft Retz von der Wittwe des Burggrafen Friedrich von Nürnberg, die Stadt Linz von dem Grafen von Haunsberg, die Stadt Wels von dem Bischof von Würzburg. Selbst in Tirol machte er bereits Erwerbungen. Ein Freund des Bürgerwesens, als welchen ihn auch die Sage (bei Gnenkel) verherrlicht, verlieh er Enns (1212) und Wien (1221) ausgedehnte Stadtrechte. Flandrische Kaufleute in Wien erwarben 1208 ein Privilegium für ihre Genossenschaft. Besonders Wien blühte unter ihm empor, so daß er es, als er mit dem Papste Innocenz III. über die Errichtung eines Bisthums daselbst unterhandelte, als eine der vorzüglichsten Städte des Deutschen Reiches nach Köln bezeichnen konnte. Doch scheiterte der Plan der Errichtung eines Wiener Bisthums an dem Widerstande des Bischofs von Passau. Dagegen erbaute der Herzog eine neue Kirche (St. Michael) in der Stadt, nahe der neuen Burg, die er statt der früheren am "Hof" gelegenen an der Stelle, wo sich dieselbe (der Schweizerhof) heute noch befindet, errichtete. Auf Andringen seines Arztes und Vertrauten Meister Gerhard gründete er vor dem Kärntnerthor jenseits des Wienstusses gemeinschaftlich mit jenem nach dem Muster des in Rom bei der Kirche St. Maria de Sassia bestehenden Klosters ein Spital für die in Wien erkrankenden und hülflosen Fremden, dessen Leitung dem neuen Orden der|Brüder vom hl. Geiste übertragen wurde. Ebenso gründete der Herzog das schon erwähnte Kloster Lilienfeld und auch die Karthause Geirach, welche in Verfall gerathen war, stellte er von neuem her. Als Freund des Clerus gepriesen, war er zugleich ein strenggläubiger Sohn der Kirche, und da auch das Bürgerthum unter ihm gedieh und der Adel in Oesterreich und Steiermark unter ihm Ach zu farbenprächtigem Glanz entfaltete, so ist es begreiflich, daß gar bald die Zeit kam, in der alle Stände auf seine Regierung, als auf eine Epoche entschwundenen Glückes zurückblickten und ihn als den Urheber alles guten Rechtes bezeichneten, und nicht mit Unrecht hat ihm die Nachwelt den Beinamen "der Glorreiche" beigelegt. Nur die Familienverhältnisse werfen einen Schatten auf das sonst so glanzvolle Bild seines Lebens. Von seinen Söhnen starb der älteste, Leopold (1216), in jungen Jahren, von seinen Töchtern Agnes 1225. Im J. 1226 empörte sich sein Sohn Heinrich gegen ihn und vertrieb die eigene Mutter Theodora aus Haimburg. Doch starb der ungerathene Sohn im J. 1228. Die Ehe Margarethas mit dem römischen König Heinrich war nicht glücklich. Unter diesen Umständen ruhten die Hoffnungen Leopolds fast einzig auf seinem jüngsten Sohne Friedrich, welcher auf des Vaters Antrieb aus unbekannten Gründen seine zweite Ehe mit einer Griechin, Tochter des Kaisers Theodor Laskaris löste, um sich mit Agnes, Tochter Otto's von Meran, zu vermählen. Allein der junge Herzog Friedrich erinnerte zwar in ritterlichem Gebühren an seinen Vater, aber es fehlte ihm jene Mäßigung, die diesem in hohem Grade eigen war und die errungenen Erfolge sicherte.

    • Literatur

      Meiller, Regesten. Die österr. Annalen. Die einschlägigen Werke von Winkelmann, Schirrmacher, Röhricht. Frieß (die Herren von Kuenring) u. dgl. Eine neue Monographie dieses Fürsten wäre höchst wünschenswerth.

  • Autor

    v. Zeißberg.
  • Empfohlene Zitierweise

    Zeißberg, Heinrich von, "Leopold VI." in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 388-391 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118827839.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA