Lebensdaten
gestorben 1221
Beruf/Funktion
Bischof von Passau
Konfession
-
Normdaten
GND: 137656688 | OGND | VIAF: 81820454
Namensvarianten
  • Ulrich II. von Passau
  • Ulrich II.
  • Ulrich II. von Passau
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Ulrich II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137656688.html [09.05.2021].

CC0

  • Leben

    U. war seit 1196, vielleicht sogar schon seit 1193 Kanzlist sowie schließlich Protonotar und scriba des Herzogs von Österreich, seit etwa 1204 möglicherweise Pfarrer von Falkenstein und seit einem unbekannten Zeitpunkt Mitglied des Passauer Domkapitels. Seine – wahrscheinlich durch den österr. Hzg. Leopold VI. besonders geförderte – Wahl zum Passauer Bischof, die im Juni/Juli 1215 nur durch einen Teil des Domkapitels in Eferding erfolgte, traf auf heftige Widerstände. Die Hintergründe des Widerstands gegen U.s Erhebung sind nicht bekannt; daß sich der Widerwille gegen einen, einmal auch als „magister“ bezeichneten protégé des babenberg. Herzogs richtete, muß eine Vermutung bleiben. Erst im Sommer 1216 konnte der Konflikt um die Wahl auf einer ebenfalls in Eferding tagenden Versammlung beigelegt und der nur die Diakonsweihe besitzende Elekt vom Salzburger Ebf. Eberhard II. (reg. 1200–46) zum Priester und Bischof geweiht werden. Am 23. 9. 1216 bestätigte U. dann dem Passauer Domkapitel alle Besitzungen und Rechte.

    Von seinen Aktivitäten in der Diözese ist nicht allzu viel bekannt, doch lassen Auseinandersetzungen mit dem regionalen Adel, v. a. mit den Herren v. Hals, die Errichtung der Veste Oberhaus (seit 1219), der Erwerb eines Teils des Erbes der Herren von (Unter-) Griesbach (um 1220) und die Ambitionen auf die am südl. Donauufer gelegene Burg Vichtenstein intensive Bestrebungen nach territorialpolitischer Ausgestaltung der bfl. Herrschaft erkennen. Hierfür hat U. Grundlegendes geleistet durch den am 21. und 24. 1. 1217 in einer komplizierten Interaktion vollzogenen Erwerb der Ilzgaugrafschaft, die den Bischöfen eine übergeordnete Rechtsstellung in dem Raum des sich nördl. der Donau ausgestaltenden Hochstifts (des sog. Abteilandes) verlieh und deren Besitz am 5. 9. 1220 noch einmal eigens bekräftigt wurde. Häufig ist U. außerhalb seiner Diözese nachgewiesen: Bei der Königskrönung in Aachen (25. 7. 1215) und der Kaiserkrönung Friedrichs II. in Rom (22. 11. 1220) war er anwesend und suchte diesen auch sonst wiederholt auf; ferner ist er als Teilnehmer am 4. Laterankonzil (11.–30. 11. 1216) bezeugt. Von Damiette in Ägypten, wohin er, nach der Kaiserkrönung noch immer in der Umgebung Friedrichs II. weilend, gegen Ende April 1221 mit ksl. Auftrag zur Unterstützung der Kreuzfahrer geschickt worden war, kehrte U., der bereits kurz nach seiner Wahl das Kreuz genommen hatte, nicht mehr zurück: Er starb auf der Rückreise und hinterließ eine wegen der kostenintensiven Territorialpolitik und vielleicht auch wegen der Finanzierung der Kreuzzugsteilnahme hochverschuldete Kirche.

  • Quellen

    Qu Die Regg. d. Bischöfe v. Passau II: 1206–1254, bearb. v. E. Boshof, 1999, Nr. 1331–1488.

  • Literatur

    L J. Oswald, Das alte Passauer Domkapitel, Seine Entwicklung bis z. dreizehnten Jh. u. sein Wahlkapitulationswesen, 1933, S. 69 f.;
    H. Fichtenau, Die Kanzlei d. letzten Babenberger (1948), in: ders., Btrr. z. Mediävistik II, 1977, S. 212–57, bes. S. 229 ff.;
    H. Dienst, Bemm. z. spätbabenberg. u. ottokar. Kanzlei in Österr. u. Steier (1198–1278), in: Landesherrl. Kanzleien im SpätMA I, 1984, S. 273–95, bes. S. 282 ff.;
    F.-R. Erkens, Aspekte d. Passauer Gesch. im 14. Jh., Das Bm. zw. Habsburg, Wittelsbach u. Böhmen u. d. kommunale Bewegung in Passau, in: Ostbair. Grenzmarken 31, 1989, S. 61–85, bes. S. 64;
    A. Landersdorfer, Passaus Bischöfe in d. Zeit Papst Innozenz’ III., Streiflichter auf ihr oberhirtl. u. landesherrl. Wirken, ebd. 40, 1998, S. 35–48, bes. S. 42, 44;
    E. Boshof, Das Kloster Niedernburg im frühen u. hohen MA, in: F.-R. Erkens (Hg.), 1000 J. Goldener Steig, 2011, S. 29–46, bes. S. 43–46;
    F.-R. Erkens, Bfl. Herrschaft im Nordwald, Der Passauer Bischöfe herrschaftl. Präsenz im Norden d. Donau, in: K. Birngruber u. a. (Hg.), Adel, Burg u. Herrschaft an d. „Grenze“, Österr. u. Böhmen, 2012, S. 41–55, bes. S. 47 f.;
    LexMA; Gatz IV.

  • Autor/in

    Franz-Reiner Erkens
  • Empfohlene Zitierweise

    Erkens, Franz-Reiner, "Ulrich II." in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 590-591 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137656688.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA