Lebensdaten
1711 bis 1787
Geburtsort
Einbeck/Leine
Sterbeort
Providence (Pennsylvania)
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe ; Gründer der lutherischer Kirche in Pennsylvania
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118810251 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mühlenberg, Henry Melchior
  • Muhlenberg, Henry Melchior
  • Muhlenberg, Heinrich Melchior
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Zitierweise

Mühlenberg, Heinrich Melchior, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118810251.html [21.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Nicolaus Melchior (1660/66-1723/29), Schuhmachermeister, Mitgl. d. Brauerzunft, Ger.beamter in E.;
    M Anna Maria (1675–1747), T d. Anton Reinhold Kleinschmid (1637/38-1703), Offz. u. Kaufm. in E.;
    Tulpehocken (Pennsylvania) 1745 Anna Maria (1727–1802), T d. Johann Conrad Weiser (1696–1760) aus Affstätt b. Herrenberg (Württemberg), Politiker, pennsylvan. Oberst, bevollmächtigter Vermittler zw. Indianern u. Weißen in Pennsylvania (s. L), u. d. Anna Eva Feck (1704/05-81);
    6 S, 5 T, u. a. Peter (s. 2), Friedrich August (s. 3), Heinrich (s. 4), Eva Elisabeth (1748–1808, Christoph Emanuel Schultze, 1740–1809, Pfarrer, Mitarbeiter M.s), Margretha Henrietta (1751–1831, Johann Christoph Kunze, 1744–1807, Pfarrer, Mitarbeiter M.s, s. DAB);
    E John Andrew Melchior Schultze (1775–1852), Gouverneur v. Pennsylvania.

  • Leben

    M.s Vater, der ein Laienamt in der Kirche bekleidete, bestimmte seinen jüngsten Sohn für eine höhere Schulbildung. Nach dem Tod des Vaters mußte M. zum Unterhalt der Familie beitragen, verfolgte daneben jedoch weiterhin seine Ausbildung. Er ließ sich im Orgelspielen sowie im Rechnen, in Latein und Griechisch unterweisen. 1733/34 besuchte er das Lyzeum in Clausthal, wo er so viel Anerkennung gewann, daß er für ein einjähriges Stipendium seiner Vaterstadt zum Besuch der neuen Univ. Göttingen ausgewählt wurde (1735/36). Joachim Oporin war hier sein maßvoll pietistischer Lehrer. Der pragmatische und effiziente Mittelweg zwischen Orthodoxie, Pietismus und Aufklärung in Göttingen sollte M. später bei seiner Pionierarbeit in Amerika zustatten kommen. Er fand Anschluß an pietistische Kreise und in den Grafen Heinrich XXIV. Reuß-Köstritz und Erdmann Heinrich v. Henckel-Pölzig adelige Gönner, die ihn 1738 als Informator zu den Franckeschen Stiftungen in Halle schickten. 1739 vermittelten sie seine Berufung als zweiter Prediger und Inspektor über das Waisenhaus nach Großhennersdorf (Niederlausitz) an Henriette Sophie v. Gersdorff, eine Tante des Grafen Nikolaus v. Zinzendorf. Ordiniert wurde M. 1739 in Leipzig. Während sein ursprünglicher Wunsch, in der Halleschen Mission in Indien eingesetzt zu werden, kein Gehör fand, vermittelte ihm Gotthilf August Francke an seinem 30. Geburtstag die Berufung in die Gemeinden Philadelphia, Providence und New Hanover in Pennsylvania.

    Nach einem sechswöchigen Aufenthalt bei Friedrich Michael Ziegenhagen, dem luth. Hofprediger in London, reiste M. nach Amerika und kam – nach einem Zwischenaufenthalt bei den Salzburger Emigranten in Georgia – Ende 1742 in Philadelphia an. Es gelang ihm, den herrnhutischen Führungsanspruch Zinzendorfs zurückzuweisen wie auch Hochstapler aus ihrem angemaßten Amt zu verdrängen. Er initiierte den Bau von Kirchen und Schulen und dehnte bald seine Arbeit über die Grenzen von Pennsylvania nach New York (1751/52) und New Jersey (1758/59) aus. Diese Gründungsphase kam zu Beginn der 1770er Jahre mit dem Wirken seiner Söhne und fähiger jüngerer Kollegen wie Christoph Emanuel Schultze, Johann Christoph Kunze, Justus Heinrich Christian Helmuth und Johann Friedrich Schmidt zu einem gewissen Abschluß. Auch die personelle Unterstützung aus Halle fand damit ihr Ende.

    Erfolge auf dem Weg zu einer Ordnung der Gemeinden waren 1748 die erste Zusammenkunft des Ev.-Luth. Ministeriums von Pennsylvania, die Einführung einer Kirchenordnung 1762 in Philadelphia, die Vorbild für andere Gemeinden wurde, weiterhin die Erhebung des Kirchenrats in Philadelphia zur rechtsfähigen Körperschaft 1765 (1767 auch in New Jersey) sowie 1784 die Vereinigung der beiden Stadtgemeinden von New York und 1786 die Gründung eines Ev.-Luth. Ministeriums durch Kunze in New York. Mit einem Schlichtungsauftrag war M. 1774/75 nach Georgia gereist und hatte auf dem Weg die Gemeinde in Charleston (South Carolina) geordnet. Virginia und Maryland waren dem pennsylvan. Ministerium angeschlosen. Mit den Gemeinden in Boston und Lunenburg (Nova Scotia) stand er in Kontakt, so daß sein Wirken die gesamte Ostküste des nordamerikan. Kontinents umfaßte. Mit den schwed. Lutheranern arbeitete M. eng zusammen, besonders mit Carl Magnus v. Wrangel. Den reformierten Predigern Michael Schlatter und Johann Joachim Zübly fühlte er sich freundschaftlich verbunden. In den Anglikanern Richard Peters und William Smith fand er wohlwollende Förderer, vor allem Rückhalt in politischen Dingen, in denen er sich persönlich zurückhielt. 1776 zog er sich aus Philadelphia zurück und überließ Jüngeren die Verantwortung. Sein Einfluß blieb jedoch wirksam. Unter M.s Mitwirkung veröffentlichte das Ministerium 1786 ein traditionsbildendes Gesangbuch und eine Kirchenagende. M. selbst hat einige Gelegenheitsschriften|drucken lassen, bedeutender sind allerdings seine Tagebücher und Briefe.

    Neben seelsorgerlichen und organisatorischen Qualitäten verfügte M. über beachtliche musikalische und medizinische Fähigkeiten, Rechts- und Sprachkenntnisse. Der „Vater des amerikan. Luthertums“ löste sich nie ganz von Europa. Gerade nach dem Unabhängigkeitskrieg suchte M. die transatlantische Bindung strukturell zu festigen. Den Übergang des Ministeriums von einer brüderlichen Vereinigung Hallenser Prediger zu einem selbständigen Organ kirchenamtlicher Autorität in Nordamerika hat M. allenfalls zögernd vollzogen. So ließ er sich in seinem berechtigten Drängen nach einer amerikan. Predigerausbildung allzu lange von Halle abweisen. Sein großes Verdienst bleibt – zwischen separatistischen und unionistischen Bestrebungen im pennsylvan. Pluralismus – der Aufbau eines eigenständigen und überlebensfähigen Luthertums.|

  • Auszeichnungen

    D. theol. (Univ. of Pennsylvania 1784).

  • Werke

    u. a. Erbaul. Lieder-Slg., Zum Gottesdienstl. Gebrauch in d. Vereinigten Ev. Luth. Gemeinen in Nord-America, Gesamlet, eingerichtet u. z. Druck befördert durch d. gesamten Glieder d. hiesigen Vereinigten Ev. Luth. Ministeriums, 1786;
    Kirchen-Agende d. Ev.-Luth. Vereinigten Gemeinen in Nord-America, 1786;
    H. M. M., Patriarch d. Luth. Kirche Nordamorika's, Selbstbiogr., Aus d. Missionsarchive d. Franckeschen Stiftungen zu Halle, Mit Zusätzen u. Erll. versehen v. W. Germann, 1881 (P);
    The Journals of H. M. M., hrsg. v. Th. G. Tappert u. J. W. Doberstein, 3 Bde., 1942-58 (P, Neudr. 1982 mit neuem Material in Bd. 2, S. 773-808, v. H. T. Lehmann u. J. W. Kleiner, P);
    Die Korr. H. M. M.s, Aus d. Anfangszeit d. dt. Luthertums in Nordamerika, I/II, hrsg. v. K. Aland, 1986/87, III/IV hrsg. v. K. Aland in Verbindung mit B. Köster u. K.-O. Strohmidel, 1990/93 (V in Vorbereitung);
    The Correspondence of H. M. M., I, hrsg. u. übers. v. J. W. Kleiner and H. T. Lehmann, 1993.

  • Literatur

    ADB 22;
    W. J. Mann, Life and Times of H. M. M., 1887, 21888, dt. 1891 (P);
    F. Reichmann, The Muhlenberg Family, A Bibliography Compiled from the Subject Union Catalog Americana-Germanica of the Carl Schurz Memorial Foundation, 1943;
    Th. G. Tappert, H. M. M. and the American Revolution, in: Church History 11, 1942, S. 284-301;
    P. A. W. Wallace, The Muhlenbergs of Pennsylvania, 1950 (P);
    R. F. Scholz, Was M. a Pietist? in: Concordia Historical Institute Quarterly 52, 1979, S. 50-65;
    ders., The Confessional Stance of H. M. M. and the Early Pennsylvania Ministerium, in: Lutheran Quarterly 1, 1987, S. 439-55;
    H. L. Nelson, A Critical Study of H. M. M.s Means of Maintaining His Lutheranism, 1980;
    L. R. Riforgiato, Missionary of Moderation, H. M. M. and the Lutheran Church in English America, 1980 (P);
    Ch. H. Glatfelter, Pastors and People. German Lutheran and Reformed Churches in the Pennsylvania Field, 1717-1793, 2 Bde., 1980/81 (P);
    J. W. Kleiner, H. M. M. and Pietism, in: Consensus, A Canadian Lutheran Journal of Theology 16, 1990, S. 71-89;
    K.-O. Strohmidel, H. M. M.s European Heritage, in: Lutheran Quarterly 6, 1992, S. 5-34;
    ders., Turning Confessionalist, H. M. M. u. d. Luthertum im pluralist. Pennsylvania, in: Amerikastud./American Studies 38, 1993, S. 383-98;
    P. A. Baglyos, M. in the American Lutheran Imagination, in: Lutheran Quarterly 6, 1992, S. 35-50;
    H. T. Lehmann u. J. W. Savacool, M.s Ministry of Healing, in: ebd., S. 51-68;
    Thomas J. Müller, Kirche zw. zwei Welten, Die Obrigkeitsproblematik b. H. M. M. u. d. Kirchengründung d. dt. Lutheraner in Pennsylvania, 1994;
    PRE;
    RGG3;
    BBKL;
    DABZu Conrad Weiser: P. A. W. Wallace, C. W., 1696–1760, 1945;
    F. S. Weiser, The Weiser Family, 1960;
    DAB

  • Portraits

    Gem. v. Ch. W. Peale, um 1784 (Privatbes.), Abb. in Glatfelter, II, S. 98 (s. L);
    Kupf. v. J. W. Steel, Abb. in Journals (s. W), Wallace u. Riforgiato (s. L), u. e. unbek. Künstlers, Abb. in J. H. Ch. Helmuth, Denkmal d. Liebe u. Achtung, 1788;
    Statue v. S. Wanlass, 1992 (Muhlenberg College, Allentown, Pennsylvania).

  • Autor/in

    Karl-Otto Strohmidel
  • Empfohlene Zitierweise

    Strohmidel, Karl-Otto, "Mühlenberg, Heinrich Melchior" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 279 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118810251.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mühlenberg: Heinrich Melchior M., geb. zu Eimbeck in Hannover 1711, 1781 in Philadelphia. Seine Familie stammt aus Obersachsen und war im dreißigjährigen Kriege verarmt. Der Tod seines Vaters, eines Gerichtsbeamten, verzögerte den Antritt seiner theologischen Studien und erst 1725 konnte M. die Hochschule zu Göttingen beziehen, welche er später mit der zu Halle vertauschte. — Die zerstreuten deutschen und schwedischen Lutheraner in Pennsylvanien und den benachbarten Staaten, welche früher einer geordneten Seelsorge entbehrten, hatten 1740 zu einem kirchlichen Organismus sich geeinigt und wandten sich an die Glaubensgenossen in Deutschland, um ein Haupt ihrer Kirche zu erhalten. M. wurde ihnen vorgeschlagen und nahm die Wahl an. Er verließ Halle im Frühjahr 1742, verweilte in London bei Dr. Ziegenhagen, dem Caplan des Königs Georg II., und langte im September in Charleston. Südkarolina, an, von wo er nach einer mühsamen und gefährlichen Reise am 25. Novbr, 1742 in Philadelphia eintraf. Seine Aufgabe war eine schwierige: von New-York bis Georgia erstreckte sich sein Sprengel. Die Grenzgemeinden waren den Anfällen der Indianer ausgesetzt und hier wurde nicht selten auch seine chirurgische Geschicklichkeit verlangt. Durch Charakter und Kenntnisse war M. der Mann, einen solchen Posten auszufüllen. Er sprach hoch- und niederdeutsch und englisch gleich fließend, war thätig und versöhnlich und ein vortrefflicher Kanzelredner. So erlangte er bald ein großes Ansehen, welches noch gesteigert wurde durch seine Vermählung mit der Tochter Anna des einflußreichen pennsylvanischen Obersten Konrad Weißer. Mit dem aus Deutschland gesendeten Gelde vollendete er am 2. Mai 1743 die erste Kirche zu Providence, am 5. April 1745 die zweite in Philadelphia. Im J.1745 machte die Ankunft mehrerer anderer deutscher Geistlichen es M. möglich, seine Geschäfte zu theilen und mehr|sich der Oberleitung der Kirche zu widmen. Zu diesem Zwecke siedelte er nach la Trappe, Montgomery County, über, wo damals die größte lutherische Gemeinde bestand. Im J. 1748 hatte M. die Freude, die lutherischen Prediger von 20 Gemeinden sich zur ersten Synode versammeln zu sehen. Erst 1761 kehrte M. nach Philadelphia zurück, wo er 1781 gestorben ist.

    • Literatur

      Franz Löher, Geschichte und Zustände der Deutschen in Amerika, Cincinnati 1847 (Leipzig, K. F. Köhler), S. 127.

  • Autor/in

    Stricker.
  • Empfohlene Zitierweise

    Stricker, "Mühlenberg, Heinrich Melchior" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 460-461 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118810251.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA