Lebensdaten
1746 bis 1807
Geburtsort
Providence (Pennsylvania)
Sterbeort
Gray's Ferry/Philadelphia (Pennsylvania)
Beruf/Funktion
amerikanischer Politiker ; General
Konfession
lutherische Familie
Normdaten
GND: 137681828 | OGND | VIAF: 26252801
Namensvarianten
  • Muhlenberg, Johann Peter Gabriel
  • Mühlenberg, Johann Peter Gabriel
  • Mühlenberg, John Peter Gabriel
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Zitierweise

Mühlenberg, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137681828.html [29.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (s. 1);
    B Friedrich August (s. 3), Heinrich (s. 4);
    Philadelphia 1770 Anna Barbara (1751–1806), T d. Matthias Meyer ( 1775/76) aus Philadelphia, u. d. Esther N. N. ( n. 1787);
    4 S, 3 T, u. a. Hester (1785–1872, Isaac Hiester, 1785–1855, Arzt, erster Präs. d. Berks County Medical Society);
    E William Muhlenberg Hiester (1818–78), Rechtsanwalt, Politiker, Pennsylvania State Senator.

  • Leben

    M. wurde zwar in Deutsch, Englisch und in der luth. Lehre unterrichtet, doch die formale Erziehung des aufgeweckten Knaben von unbändigem Temperament wurde vernachlässigt. Ende 1761 besuchte er die Akademie (Lateinschule) in Philadelphia und reiste im Frühjahr 1763 mit seinen Brüdern Friedrich August und Heinrich zur weiteren Ausbildung nach Halle. Für die Schulbildung zu alt, trat er im Oktober desselben Jahres eine Lehrstelle bei einem Lübecker Drogisten an, der ihn schamlos ausnutzte. Im August 1766 floh er und ließ sich bei einem für Amerika bestimmten engl. Regiment anwerben. Als Sekretär eines Offiziers gelangte er in seine Heimat zurück.

    Zunächst lernte M. Buchhaltung, ließ sich vom schwed. Propst Carl Magnus v. Wrangel zum Katecheten ausbilden und übernahm im Februar 1769 die Vertretung seines Vaters in|Bedminster und New Germantown (New Jersey). 1771 nahm er eine Berufung an die deutsche luth. Gemeinde in Woodstock (Virginia) an und reiste im Frühjahr 1772 nach London, um die zur Amtsausübung notwendige anglikan. Ordination zu empfangen. Während seines Wirkens als Seelsorger für Lutheraner und Anglikaner betätigte sich M. zunehmend politisch. Anfang 1776 wählte er den Soldatenstand und rekrutierte als Oberst das 8. virginische Regiment. M. zeichnete sich während des Unabhängigkeitskrieges durch Entschlossenheit, Mut und Besonnenheit aus. Das Jahr 1776 brachte ihm die ersten Kampfhandlungen (Sullivan's Island), 1777 die Ernennung zum Brigadegeneral (Februar) und die Schlachten von Brandywine und Germantown sowie das anschließende Winterlager von Valley Forge. In der kriegsentscheidenden Schlacht von Yorktown im Oktober 1781 trat M. besonders hervor. Er wurde mit Land im Westen, vor allem in Ohio, entschädigt, das er für sich und andere (u. a. Friedrich Wilhelm v. Steuben) mühevoll erkundete. Nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst 1783 im Rang eines Generalmajors zog er nach Philadelphia, wo er eine politische Laufbahn einschlug.

    1784 wurde M. in den obersten Exekutivrat von Pennsylvania gewählt. Mit Benjamin Franklin als Präsident war er 1785-88 Vizepräsident von Pennsylvania, für das er 1789-91 dem ersten Kongreß angehörte. Anfangs stand er den Föderalisten nahe, doch wandte er sich 1788 Thomas Jefferson und dessen Republikanischer Partei zu. 1793-95 und 1799-1801 vertrat er Montgomery County im Kongreß. 1788 und 1801-07 wirkte M. als Präsident der German Society of Pennsylvania, 1790 im pennsylvan. Verfassungskonvent. Den 1801 erlangten Sitz im Senat legte er bald nieder, um die Ernennung zum Supervisor of the Federal Revenue für Pennsylvania anzunehmen. Seit 1802 bekleidete er für Philadelphia den Posten eines Collector of Customs. – Ein County im Westen Kentuckys ist nach M. benannt.

  • Werke

    u. a. Journal of Rev. P. M. in London, 1772, ed. by J. Fry, in: Lutheran Church Review 4, 1885, S. 294-300;
    Orderly Book of Gen. J. P. G. M., March 26-December 20, 1777, in: Pennsylvania Magazine of History and Biography 33, 1909, S. 257-78, 454-74;
    ebd. 34, 1910, S. 21-40, 166-89, 336-60, 438-77;
    ebd. 35, 1911, S. 59-89, 156-87, 290-303.

  • Literatur

    ADB 22;
    H. A. Muhlenberg, The Life of Major-Gen. P. M. of the Revolutionary Army, 1849 (P);
    W. Germann, Jugendleben d. Gen. P. M., in: Dt.-Amerikan. Mag., Okt. 1886, S. 43-47, Jan. 1887, S. 186-201, April 1887, S. 334-44 (engl. in: Pennsylvania Magazine of History and Biography 37, 1913, S. 298-329, 450-70);
    E. W. Hocker, The Fighting Parson of the American Revolution, A Biography of General P. M., Lutheran Clergyman, Military Chieftain. and Political Leader, 1936;
    P. A. W. Wallace, The Muhlenbergs of Pennsylvania, 1950 (P);
    G. M. Smith, The Reverend P. M., A Symbiotic Adventure in Virginia, 1772–1783, in: Report, Society for the History of the Germans in Maryland 36, 1975, S. 51-65;
    Ch. H. Glatfelter, Pastors and People, German Lutheran and Reformed Churches in the Pennsylvania Field, 1717–1793, 2 Bde., 1980/81 (P);
    DAB

  • Portraits

    Gem. e. unbek. Künstlers (Privatbes.), Abb. in Muhlenberg, Wallace u. Glatfelter (s. L);
    Gem. v. J. Trumbull „Surrender of Lord Cornwallis at Yorktown“, 1820 (Yale University Art Gallery, New Haven, Connecticut);
    Marmorskulptur v. B. Nevin, 1884 (United States Capitol, Washington. D. C.);
    Statuen in Philadelphia, 1910 (City Hall) u. Allentown, Pennsylvania, 1942 (Muhlenberg College).

  • Autor/in

    Karl-Otto Strohmidel
  • Empfohlene Zitierweise

    Strohmidel, Karl-Otto, "Mühlenberg, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 280 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137681828.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mühlenberg: Peter M., Sohn von Heinrich Melchior, geb. zu la Trappe (Pennsylv.) den 1. Octbr. 1746, am 1. Octbr. 1807. Er wurde von Kindheit auf zum geistlichen Stande bestimmt und seine Erziehung in diesem Sinne von seinem Vater geleitet. Da aber die Bildung auf den amerikanischen Lehranstalten nicht ausreichte, um dieses Ziel zu erreichen, so sandte sein Vater ihn mit zwei jüngeren Brüdern, Friedrich und Heinrich, im J. 1763 nach Europa. Am 27. April schifften sie sich zu Philadelphia ein, zunächst nach London, von wo Dr. Ziegenhagen die jungen Leute nach Halle dirigirte. Als nicht genügend zur Universität vorbereitet, traten sie zunächst ins Gymnasium ein. M., der ziemlich wild aufgewachsen war, fand sich nur schwer in die Ordnung der Anstalt; in Folge einer Bestrafung floh er 1764 von Halle und licß sich bei einem hannoverschen Dragonerregiment anwerben. Ein englischer Oberst, welcher mit der Mühlenberg'schen Familie in Amerika bekannt war, erkannte ihn auf der Durchreise durch seinen Garnisonsort, suchte ihn auf und erlangte seine Entlassung, so daß M. 1766 nach Amerika zurückkehren konnte, wo sein Vater nun wieder die Leitung seiner Studien übernahm. 1768 wurde er ordinirt und am 12. Mai Hülfsprediger an der Zions- und St. Paulskirche in New-Jersey. Am 5. Febr. 1769 trat er diese Stellung an und verheirathete sich am 6. Nov. 1770. Bald erhielt M. einen Ruf, die Neubildung der schwedisch-deutschen lutherischen Gemeinden in Virginia zu übernehmen. In diesem Staat war aber die englische Kirche gesetzlich eingeführt und um den Zehnten erheben zu können, bedurfte der Geistliche der Ordination durch einen Bischof der englischen Kirche. M. legte also seine Stelle in New-Jersey nieder und schickte sich zur Reise nach England an. Er verließ Philadelphia am 2. März 1772 und langte am 10. April in Dover an. Sein Aufenthalt in London war kurz, aber bedeutungsvoll. Er wurde bereits am 23. April 1772 ordinirt und predigte am 3. Mai in deutschen Savoykirche; er machte die Bekannschaft Penn's und versäumte nicht Garrick zu sehen. Bereits am 24. Mai verließ M. London und traf im Juli wieder in Philadelphia ein, zu einer Zeit, wo die Streitigkeiten zwischen den Colonien und dem Mutterlande bereits einen sehr gereizten Charakter angenommen hatten. Unter der deutschen Bevölkerung in Virginia, welche der Bedrückungen noch wohl eingedenk war, die sie aus der Heimath vertrieben hatten, war M. bereits von großem Einfluß nicht nur als Geistlicher und Sohn des verehrten „Vater Mühlenberg“, sondern auch als guter Jäger und Schütze, der auf seinen Streifereien mit der ganzen Bevölkerung bekannt wurde. So kam es, daß, als 1774 die Boston Port Bill zum Bruche trieb, er in der Versammlung zu Woodstock am 16. Juni zum Präsidenten gewählt wurde. Die dort wie überall gefaßten Resolutionen, sich Steuern nicht durch das englische Parlament, sondern nur durch eigene Abgeordnete auflegen zu lassen und Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, führten zur Einführung eines Sicherheitsausschusses, dessen Präsident M. wurde; auch zur Staatsconvention, welche am 1. August zu Williamsburg zusammentrat, wurde M. als Abgeordneter gewählt, doch führte diese Versammlung, wo die gemäßigten Elemente noch einmal siegten, nicht zu dem von M. gewünschten Resultat. Erst auf der Versammlung zu Richmond am 1. März 1775 siegte Mühlenberg's Partei; es wurde beschlossen, den Staat in Vertheidigungsstand zu sehen und der königliche Statthalter, Lord Dunmore, erklärte diesen Beschluß für Hochverrath. Die Feindseligkeiten begannen, und als im December 1775 zu den vorhandenen beiden Regimentern noch 6 neue aufgestellt wurden, ernannte man M. zum Obersten des 8. Regiments, während alle anderen Obersten gediente Offiziere waren. Die virginischen Deutschen, Abr. Baumann und P. Helfenstein wurden Mühlenberg's Oberstlieutenant und Major. Die Uebernahme des Commandos von Mühlenberg's Seite fand unter besonderen Umständen statt. Als das Gerücht sich verbreitete, Pfarrer M. werde in Woodstock seine Abschiedspredigt halten, strömten aus der ganzen Gegend die Gemeindeglieder zusammen und bald war die einfache Dorfkirche überfüllt mit den trotzigen Gestalten der Bergbewohner aus den Grenzbezirken, so daß ein Theil der Anwesenden sich auf dem Kirchhof aufstellte. M. bestieg die Kanzel; unter dem Chorrock trug er die Uniform. Seine ergreifende Rede hatte einen politischen Schluß: „Die heilige Schrift“, rief er aus, „sagt: Alles Ding hat seine Zeit, Predigen hat seine Zeit und Beten hat seine Zeit, aber diese Zeiten sind vorüber; auch Fechten hat seine Zeit und diese Zeit ist gekommen!“ So legte er den Chorrock ab, stieg von der Kanzel und ließ vor der Kirche die Werbetrommel schlagen. Dreihundert Mann ließen sich sogleich anwerben. Dies geschah Mitte Januar 1776; am 21. März war sein Regiment marschfertig. Wir können die Thaten Mühlenberg's und der Seinen nicht durch alle Phasen des Befreiungskrieges verfolgen. Washington hielt große Stücke auf ihn und sein „German regiment“. Bereits am 21. März 1777 wurde er vom Congreß zum Brigadegeneral und Führer des 1., 5., 9. und 13. Virginiaregiments ernannt. Die ausgezeichnete Tapferkeit und Disciplin dieser Truppen rettete am 11. September in der Schlacht bei Brandywine das amerikanische Heer vor völliger Zerstreuung. In dieser Schlacht traf M. mit den feindlichen Dragonern zusammen, in deren Reihen er gedient hatte, und unter denen sich noch manche seiner Bekannten befanden. Am 2. Novbr. 1778 wurde er Divisionsgeneral, Anfangs 1783 Generalmajor. Einige Monate nachher wurde die Armee entlassen und M. konnte nach Woodstock zurückkehren, wo er sein Eigenthum sehr vermindert vorfand. Seine Gesundheit hatte gelitten, er war ohne Stellung. Einen Antrag, wieder Geistlicher zu werden, lehnte er ab; er entschloß sich, dem Handel sich zu widmen und nach Philadelphia überzusiedeln. Als Dotation hatte er 18 000 Acres Land erhalten, welche meist in Ohio lagen. Im Sommer und Herbst machte er zwei Reisen nach seinen Besitzungen. Die Briefe, welche er davon nach Hause schrieb, sind sehr interessant; er schoß Büffel an Stellen, wo heute Großstädte stehen. Die Nähe der feindlichen Indianer machte es sehr schwierig, das Land zu verpachten; doch gelang es endlich (Ende 1784) und er siedelte nun nach Philadelphia über. Nach kaum einjährigem Aufenthalt in dem Staat Pennsylvanien wurde er zu dessen Vicepräsidenten erwählt und bis 1788 wieder erwählt. Im December 1788 wurde er zum Mitglied des ersten Congresses der Vereinigten Staaten (4. März 1789—91) erwählt; sein Bruder Friedrich August M. wurde Präsident (speaker). Auch am dritten Congreß (December 1793 bis März 1795) und am sechsten (4. März 1799 bis 1801) nahm M. Theil. Am 18. Februar 1801 wurde er für Pennsylvanien in den Senat der Verein. Staaten gewählt, aber schon nach wenig Monaten legte er diese Stelle nieder. Der Präsident Jefferson ernannte M. am 30. Juni 1801 zum Supervisor of the Internal Revenue von Pennsylvanien und im Juli 1802 erhielt M. die einträgliche Stelle eines Collector des Hafens von Philadelphia. Er behielt dieselbe bis zu seinem Tode, welcher am 1. Octbr. 1807 auf seinem Landsitz bei Philadelphia eintrat. Zwei Söhne, Major Peter und Franz, Abgeordneter für Ohio, überlebten ihn. — Nach M. wurde ein County|in Kentucky genannt. — M. gehört zu den ausgezeichnetsten der Männer, welche in Krieg und Frieden die amerikanische Republik gegründet haben. Obgleich von fremdem Ursprung und weder den großen amerikanischen Familien, noch dem ausländischen Militäradel angehörig, hat er sich durch eigenes Verdienst hohe Militärstellungen errungen und nicht minder hat das Vertrauen seiner Mitbürger ihn zu bedeutenden Civilämtern erhoben.

    • Literatur

      Die Hauptquelle über sein Leben, das von einem Nachkommen herausgegebene Buch: The life of major-general Peter Mühlenberg of the revolutionary army, by Henry A. Muhlenberg (Philadelphia, Carey & Hart 1849, XII u. 456 S. mit seinem Bildniß) ist zugleich durch Mittheilungen aus Mühlenberg's Correspondenz ein wichtiger Beitrag zur Geschichte des amerikanischen Befreiungskrieges.

  • Autor/in

    Stricker.
  • Empfohlene Zitierweise

    Stricker, "Mühlenberg, Peter" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 461-463 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137681828.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA