Lebensdaten
1831 bis 1916
Geburtsort
Schönbeck bei Friedland (Mecklenburg)
Sterbeort
Frankfurt (Oder)
Beruf/Funktion
Orgelbauer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11879468X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sauer, Wilhelm Carl Friedrich
  • Sauer, Wilhelm
  • Sauer, Wilhelm Carl Friedrich

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Zitierweise

Sauer, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11879468X.html [24.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst (1797–1873), Schmiedemeister in Sch., seit 1838 Orgelbauer in Friedland mit Filialen in Dt.-Krone u. Frankfurt/O.;
    M Johanna Christina Sumke (1800–82);
    7 Geschw u. a. Johann Ernst (1823–42), Orgelbaugehilfe in Friedland; * 1) 1859 Minna Auguste Penske (um 1840–76), T e. Kantors, 2) 1878 Anna (1848–1924), T d. J. A. W. Bauer (1795–1850), Brauereibes. u. Stadtrat in Potsdam, u. d. Charlotte Peinemann (1812–77);
    1 T aus 1) Johanna (1859–87, vermutl. Oswald Marbach, Ps. Silesius Minor, 1810–90, Naturphilos., Prof. d. Math. am Nikolaigymn. in Leipzig, s. ADB 52), 2 S aus 2) Wilhelm (1879–1962), o. Prof. f. Strafrecht, Prozeßrecht u. Rechtsphilos. 1921-35 in Königsberg, 1935-46 in Münster, Vf. u. a. e. „Lehrb. d. Rechts- u. Staatsphilos.“ (s. L), Franz Gustav Adolf (1883–1945 verschollen), Dr. iur., Reichsger.rat;
    E Wolfgang (1920–89), Prof. f. dt. Gesch. an d. Univ. of California, Berkeley (Kalifornien, USA).

  • Leben

    S. besuchte das Gymnasium in Friedland (Abitur um 1849) und begann, seiner zeichnerischen Begabung und künstlerischen Neigung folgend, ein Studium an der Berliner Bauakademie. Nach dem plötzlichen Tod seines Bruders Johannes brach er sein Studium ab, trat in den väterlichen Betrieb ein und absolvierte dort eine kurze Orgelbaulehre. Um 1853 – nach einjährigem Militärdienst – reiste er zu Aristide Cavaillé-Coll (1811–99) nach Paris, besuchte das Elsaß und die Schweiz, und kehrte nach kurzem Aufenthalt in England nach Hause zurück. 1855 vertraute ihm der Vater die Filiale in Deutsch-Krone (Westpreußen) an, 1857 gründete S. im günstiger gelegenen Frankfurt/O. eine eigene Werkstatt, 1860 eröffnete er eine Filiale in Königsberg. 1866 wurden in Frankfurt geräumige Werkstätten mit Dampfbetrieb bezogen und zwei Jahre später erweitert. Die Auftragslage war günstig, die Zahl der produzierten Orgeln bzw. Register wuchs stetig. Vom Berliner Hof hochgeschätzt, konnte S. in der Reichshauptstadt über 100 Orgeln aufstellen, darunter seine größte mit 113 Registern im neuen Dom. 1910 verkaufte S., schon lange an Malaria und einer schweren Darmkrankheit leidend, seinen Betrieb an den seit 1892 bei ihm tätigen Paul Walcker (1846–1928).

    Die Firma S. entwickelte sich in der 2. Hälfte des 19. Jh. zur führenden Orgelbauwerkstatt in Preußen und produzierte bis 1910 nahezu 1100 Orgeln. Die meisten gelangten in die preuß. Provinzen, aber auch in andere dt. Länder mit Ausnahme von Hannover, Bayern und Württemberg. Zahlreiche Orgeln wurden nach Rußland und in die balt. Staaten exportiert, etliche nach Südamerika und Südafrika. Die Jerusalemer ev. Himmelfahrtskirche (der Ksn.-Auguste-Viktoria-Stiftung) und die Kirche des Priesterseminars am Campo Santo in Rom besaßen Sauer-Orgeln. Von Anfang an und als einer der ersten in Norddtld. auf Kegelladen spezialisiert, verbesserte S. die Technik und stellte 1894 mit Hilfe Paul Walckers die Traktur von der mechanischen auf die pneumatische Funktion um. Klanglich näherte er sich immer mehr der Orchesterimitation mit scharfen Streichern und einer reichen Farbpalette verschiedener Prinzipale, Flöten und mit beachtlichem Zungenchor unter deutlich franz. Einfluß. Anstelle der exzessiven Tonkraft mancher Orgeln seiner Kollegen mit Hochdruckstimmen, wie etwa Schlag oder Weigle, machte er „die Noblesse des Orgeltons zum Mittelpunkt seiner Bestrebungen“ (E. Rupp). Freundschaftlicher Ideenaustausch mit bedeutenden Musikern der Zeit, wie Max Reger, Fritz Stein, Arthur Nikisch, Richard Strauss, Carl Straube oder Heinrich Reimann befruchtete die künstlerische Symbiose zwischen dem Instrument, dem Komponisten und seinem Interpreten.

    1916 ging die Firma an das Haus Walcker in Ludwigsburg über, konnte 1945 in bescheidenem Maße fortgeführt werden, war seit 1972 als VEB Frankfurter Orgelbau „Sauer“ verstaatlicht und wurde 1990 als „W. Sauer Orgelbau“ (Inh. Werner Walcker-Mayer) reprivatisiert.|

  • Auszeichnungen

    akad. Künstler (1883); preuß. Hoforgelbaumeister (1884); Roter Adler-Orden III. Kl. (1904); Kgl. Kronenorden III. Kl.; gold. Medaille sowie Verdienstkreuz f. Kunst u. Wiss.; Mitgl. d. Verbands d. Orgelbaumeister Dtld.s (Vorstand 1906).

  • Werke

    Weitere W Tilsit, Neue Ev. Kirche, 1859, II/22;
    Bernau, 1864, III/35;
    Königsberg, Dom, 1862, 111/54;
    Frankfurt/O., Nikolai, 1868, III/48;
    Magdeburg, Johannis, 1870, IV/64;
    Berlin, Zionskirche, 1872, 11/30;
    Petersburg, Katharinen, 1875, 111/35;
    Fulda, Dom, 1876, III/52;
    Bromberg, 1877, III/42;
    Prag, Rudolfinum, 1884, III/50;
    Leipzig, Thomaskirche, 1888, III/63;
    Rio de Janeiro, Saal, 1891, III/46;
    Mühlhausen/Th., Marien, 1891, III/61;
    Berlin, Alte Garnison-Kirche, 1892, III/70;
    Bremen, Dom, 1894, III/65;
    Berlin, Ks.-Wilhelm-Gedächtniskirche, 1895, IV/94;
    Wesel, Willibrord, 1895, III/80;
    Rom, Campo Santo, 1896, II/14;
    Postdam, Garnison-Kirche, 1898, 111/46;
    Brandenburg, Katharinen, 1899, III/40;
    Mainz, Christus, 1903, III/50;
    Berlin, Dom, 1904 IV/113;
    Görlitz, Stadthalle, 1910, IV/72.

  • Literatur

    C. Franz, in: Orgelbau-Ztg. 6, 1884, S. 157-59;
    Urania 45, 1887, S. 2 f.;
    P. Daehne, Zwei Meister dt. Orgelbaukunst, in: Zs. f. Instrumentenbau 31, 1910/11, S. 344-48;
    W. S. t, ebd. 36, 1915/16, S. 226 f. (P);
    S. Kümmerle, Enc. d. ev. Kirchenmusik III, 1894, S. 146-48;
    E. Rupp, Die Entwicklungsgesetz d. Orgelbaukunst, 1929, S. 148-56;
    W. Metzler, Romant. Orgelbau in Dtld., [1965], S. 63-69;
    H.-J. Falkenberg, Der Orgelbauer W. S. 1831-1916, Leben u. Werk, 1990 (P);
    ders., Die Orgelwerkstatt W. S. 1910-1995, 1998;
    Gedenktage d. mitteldt. Raumes, 1966, S. 34, ebd. 1991, S. 96-101 (P);
    M. Pohl u. St. Fricke, Die S.-Orgel im Dom zu Berlin, 21997;
    Rigaer Theater- u. Tonkünstler-Lex., 1890;
    Riemann mit Erg.bd.;
    MGG2;
    H. Fischer, 100 J. Bund dt. Orgelbaumeister, 1991;
    H. Fischer u. Th. Wohnhaas, Lex. süddt. Orgelbauer, 1994, S. 340;
    Breslau-Lex.;
    BBKL VIII;
    Brandenburg. Biogr. Lex.;
    New Grove;
    zu Wilhelm ( 1962):
    FS f. W. S. z. seinem 70. Geb.tag, 1949;
    W. S., Leben u. Lehre, 1958;
    Wi. 1935-58;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1961;
    Munzinger;
    Aitpreuß. Biogr. IV.

  • Autor/in

    Hermann Fischer
  • Empfohlene Zitierweise

    Fischer, Hermann, "Sauer, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 458-459 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11879468X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA