Lebensdaten
1849 bis 1921
Geburtsort
Strümpfelbrunn (Odenwald)
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Kolonialbeamter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118779745 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leutwein, Theodor

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Zitierweise

Leutwein, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118779745.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adam (1811–79), Pfarrer, S e. Landwirts;
    M Sophie (1819–55), T d. Handelsmanns Karl Ludwig Hanser in Neufreistett (Baden) u. d. Barbara Haug;
    1) 1874 Frieda, T d. Kaufm. Friedrich Mammel in F., 2) 1908 Klara, T d. Großkaufm. Theodor Milenz in Danzig;
    2 S (1 ⚔), 2 T aus 1), u. a. Paul (* 1882, n. 1966), kolonial- u. außenpol. Schriftsteller, Begr. d. „Rednerschule f. Weltpol.“ in Berlin, 1 S aus 2).

  • Leben

    Nach der Gymnasialzeit in Konstanz und dem Studium von zwei Semestern Rechtswissenschaft in Freiburg trat L. 1868 in das 5. Bad. Infanterie-Rgt. ein. 1869 wurde er zum Leutnant, 1877 zum Oberleutnant, 1885 zum Hauptmann und 1893 zum Major befördert. 1887-92 war er Lehrer an den Kriegsschulen in Neiße und Hersfeld. Im Dez. 1893 zur Dienstleistung beim Auswärtigen Amt kommandiert, erhielt er auf Vorschlag des mit ihm befreundeten Obersten E. Liebert, der sich 1890 zur Berichterstattung über Wißmann in Ostafrika aufgehalten hatte, von Reichskanzler Caprivi den Auftrag, den Witbooi-Krieg in Südwestafrika zu beenden und die Landeshauptmannschaft zu übernehmen. Am 15.9.1894 konnte er den Nama-Capitein Hendrik Witbooi nach der Erstürmung von dessen Hauptfestung Naukluft zur Anerkennung der deutschen Schutzherrschaft bewegen. Durch die Errichtung neuer, mit kleinen Truppenabteilungen besetzter Stationen – eine Politik des „divide et impera“ – und nicht zuletzt durch seine konziliante Behandlung der Unterworfenen vermochte er schließlich im gesamten Schutzgebiet die deutsche Oberherrschaft zur Anerkennung zu bringen. Am 27.6.1895 wurde L. definitiv zum Landeshauptmann ernannt, und seit dem 10.11.1897 war er gleichzeitig Kommandeur der Schutztruppe. 1898 erhielt er den Titel Gouverneur, 1899 wurde er Oberstleutnant, 1901 Oberst und 1905 charakterisierter Generalmajor. Persönlich setzte er|1898 im Reichstag den Bau der Bahnlinie vom Hafenort Swakopmund nach Windhuk durch, die 1902 eröffnet wurde. Neben der wirtschaftlichen Förderung der Kolonie bemühte er sich gleichzeitig um eine auf Rechtssicherheit und „Vertrauen“ beruhende Behandlung der Eingeborenen, wobei er von der – auf mittelalterlichen Vorbildern beruhenden – Vorstellung von einer deutschen Oberhoheit auf der Basis eines allgemeinen Landfriedens ausging („System Leutwein“). Schwere Mißstände wie die Alkoholeinfuhr und das von Händlern praktizierte Kreditunwesen (mit anschließender Haftung der Stämme) suchte er zu beheben, mußte sich jedoch meist mit Kompromissen gegenüber den radikalen Siedler- und Händlerinteressen begnügen. Nach dem Ausbruch des Herero-Nama-Aufstandes (1904–07) mußte der moderate L. Mitte Juni 1904 das Kommando der Truppen an General v. Trotha abgeben, im Nov. 1904 auch die Gouverneursgeschäfte. Auf sein Ersuchen hin wurde er beurlaubt und erhielt am 19.8.1905 seine Versetzung in den Ruhestand. Fortan lebte er in Freiburg (Breisgau) und in Überlingen am Bodensee.

  • Werke

    Elf J. Gouverneur in Dt.-Südwestafrika, 1906;
    mehrere Aufsätze üb. d. Schweizer Armee in: Internat. Revue;
    üb. Südwestafrika: Die Konzessionsgesellschaften, in: Dt. Revue, Aug. 1906;
    Zur Besiedlungsfrage, ebd., Juni 1908.

  • Literatur

    P. Leutwein (S), Afrikanerschicksal: Gouverneur L. u. s. Zeit, 1929;
    O. Hintrager, Südwestafrika in d. dt. Zeit, 1956 (P);
    W. Reichwein, in: Ekkart, Jb. f. d. Badner Land, 1966, S. 150-54;
    H. Bley, Kolonialherrschaft u. Sozialstruktur in Dt.-Südwestafrika 1894-1914, 1968 (engl. 1971, P);
    H. Gründer, Christl. Mission u. dt. Imperialismus, 1982 (P);
    DBJ III;
    Wi. 1912;
    Dt. Koloniallex. II, 1920.

  • Autor/in

    Horst Gründer
  • Empfohlene Zitierweise

    Gründer, Horst, "Leutwein, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 387 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118779745.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA