Lebensdaten
1843 bis 1920
Geburtsort
Sulzburg (Südbaden)
Sterbeort
Solothurn (Schweiz)
Beruf/Funktion
Optikindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118779346 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leitz, Ernst

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Zitierweise

Leitz, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118779346.html [24.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst August (1802–72), Realschullehrer in Sulzburg, dann Hauptlehrer in Schopfheim (Schwarzwald), S d. Goldarbeiters Johann Christoph (* 1761) u. d. Anna Maria Barbara Rüflin;
    M Christina Elisabeth (1818–81), T d. Bäckermeisters Joh. Georg Döbelin in Sulzburg u. d. Maria Elisabeth Sacker;
    Wetzlar 1867 Anna (1844–1908), T d. Weißgerbermeisters Joh. Karl Ludwig Löhr in Wetzlar u. d. Anna Maria Catharina Michel;
    2 S, 1 T, u. a. Ludwig (1867–98), Mitarbeiter L.s, entwickelte mikrophotograph. Apparate, beteiligt an d. Gründung v. Zweigwerken im Ausland, Ernst (s. 2).

  • Leben

    L. hatte ursprünglich Theologie studieren sollen, absolvierte dann aber, seiner Neigung folgend, eine Mechanikerlehre bei Christian Friedrich Oechsle in Pforzheim, dessen Vater die „Oechslesche Mostwaage“ erfunden hatte. Die Wanderschaft führte L. zunächst nach Vevey am Genfer See, dann nach Zürich und schließlich für einige Monate nach Neuchâtel. Hier arbeitete er als Gehilfe Matthäus Hipps, des Erbauers elektrischer Uhren, und erlernte die Herstellung feinmechanischer Geräte in Serie. In Neuchâtel begegnete er auch Karl Junker, der eine Zeitlang als Gehilfe bei Friedrich Belthle (1829–69) an dem von Carl Kellner gegründeten Optischen Institut in Wetzlar gearbeitet hatte. Auf Empfehlung Junkers trat L. Anfang 1864 als Gehilfe in das Wetzlarer Institut ein und bezog Wohnung im Hause seines Meisters Belthle. Im Sept. 1864 nahm er an der 39. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte in Gießen teil und führte dort das kurz zuvor von Philipp Reis erfundene Telephon vor.

    Am 7.10.1865 wurde L. Teilhaber des kränkelnden Belthle und übernahm nach dessen Tod 1869 die Werkstatt als alleiniger Inhaber. 1870 beschäftigte er 20 Personen, davon 7 Optiker und 10 Mechaniker. Die Gründerjahre brachten dem Unternehmen ebenso einen Aufschwung wie die von L. sorgfältig gepflegte Verbindung zur Univ. Gießen. Aufgrund seiner bei Hipp erworbenen Kenntnisse in der Serienfertigung übertraf L. die meisten anderen optischen Werkstätten durch erheblich kürzere Lieferzeiten. Auf zahlreichen Kongressen von Naturforschern und Ärzten führte er seine Mikroskope selbst vor und gewann bald auch persönlich großes Ansehen. Die steigende Nachfrage nach Mikroskopen durch die Forschung, die von L. eingeführten technischen Neuerungen und sein persönlicher Einsatz ließen das „von C. Kellner in Wetzlar gegründete Institut Nachf. Ernst Leitz“ rasch besonderen Rang gewinnen. 1870-80 wurden schon 2 500 Mikroskope gebaut, und die Produktion vervielfachte sich, seit die Bakteriologie um 1880 durch Robert Koch entscheidende medizinische Bedeutung gewann. Seit 1885 baute L. mineralogische Stative und gab seit 1893 einen besonderen mineralogischen Katalog heraus. Die seit 1875 ständig vergrößerten Werkstätten wurden 1883 mit Dampfkraft und 1894 mit einer Dampfturbine zur Erzeugung von elektrischem Strom ausgestattet. 1887 wurden mehr als 100, 1889 bereits 200 Personen beschäftigt; 1887 wurde das 10 000. Mikroskop gebaut, 1891 das 20 000., 1899 das 50 000. Zweigwerke entstanden in Berlin, New York (1895), St. Petersburg (1898) und Tokio (1900). Durch den Aufstieg der Leitz-Werke erlebte die Stadt Wetzlar, die 1803 die Reichsfreiheit und das Reichskammergericht verloren hatte, eine neue wirtschaftliche Blüte.

    L. begründete 1885 eine besondere Tradition seines Unternehmens in der betrieblichen Sozialpolitik durch die Schaffung einer Unterstützungskasse für Krankheits- und sonstige Notfälle. 1899 kam eine Invaliden-, Witwen- und Waisenkasse hinzu. Bis zu seinem Tode war L. aktiv in der Leitung des Werkes tätig. Politisch stand er Friedrich Naumann nahe, war 1907-10 Mitglied der Freisinnigen Volkspartei, 1910-18 der Fortschrittlichen Volkspartei und 1918-20 der Deutschen Demokratischen Partei. – Dr. med. h. c. (Marburg 1910), Ehrenbürger v. Wetzlar (1918).

  • Literatur

    s. L zu 1) u. 2).

  • Portraits

    Gem. v. G. Tronnier, 1916 (Wetzlar, Leitz-Werke).

  • Autor/in

    Ludwig Luckemeyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Luckemeyer, Ludwig, "Leitz, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 173 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118779346.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA