Zdarsky, Mathias

Lebensdaten
1856 – 1940
Geburtsort
Kozichowitz (Koschichowitz, Kožichovice) bei Trebic (Třebíč, Böhmen)
Sterbeort
Sankt Pölten (Niederösterreich)
Beruf/Funktion
Skipionier ; Alpinist ; Maler ; Bildhauer ; Erfinder ; Skiläufer ; Konstrukteur
Konfession
-
Normdaten
GND: 118772317 | OGND | VIAF: 808322
Namensvarianten

  • Zdarsky, Matthias
  • Ždárský, Matyáš
  • Zdarsky, Mathias
  • Zdarsky, Matthias
  • Ždárský, Matyáš
  • zdarský, matyas
  • Zdarsky, M.

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Zitierweise

Zdarsky, Mathias, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118772317.html [28.01.2026].

CC0

  • Zdarsky, Mathias (Matyáš Žd’árský)

    | Skipionier, Alpinist, Maler, Bildhauer, * 25.2.1856 Kozichowitz (Koschichowitz, Kožichovice) bei Trebic (Třebíč, Böhmen), † 20.6.1940 Sankt Pölten (Niederösterreich), Habernreith, Gemeinde Lilienfeld (Niederösterreich).

  • Genealogie

    V Johann, Sägmüller in K., S d. Wenzel (* 1768), Sägmüller in Pauschau (Pousov), u. d. Theresia Wessely (* 1815), aus Jarmeritz (Jaromerice);
    M Josefa Eigl, aus Iglau;
    4 ältere B (1 früh †) u. a. Franz (1845/46–1927), Bez.schulinsp., Turnlehrer, Vf. v. „Das Schülerturnen an Volks- u. Bürgerschulen“, 1892, 5 ältere Schw (2 früh †);
    – ledig.

  • Biographie

    Z., der sich als Jugendlicher für den Turnsport begeisterte und infolge eines Unfalls auf dem linken Auge erblindete, besuchte 1870–74 die Oberrealschule Iglau und dann die Dt. Lehrerbildungsanstalt Brünn. Im Anschluß an die Matura 1878 war er bis 1881 in Wien, danach an der Volksschule Elsenreith (Niederösterr.) und 1882/83 in der Strafanstalt Stein bei Krems als Lehrer tätig, bevor er in München und Zürich Malerei und Bildhauerei studierte. Während der Studienzeit unternahm er zahlreiche Reisen über den Balkan, durch Italien und Nordafrika und erwarb 1889 den Berghof Habernreith in Lilienfeld, wo er als Maler und Bildhauer tätig war.

    Auf seinem Hof beschäftigte sich Z. mit den Expeditionsberichten Fridtjof Nansens und mit der Nordischen Skifahrt sowie der dabei gebräuchlichen Rohrbügelbindung für Ski, zu der er nach zahlreichen Versuchen 1890 die sog. Lilienfelder Stahlsohlenbindung als stabilere Alternative mit seitlichem Halt entwickelte. 1896 in Österreich patentiert (Nr. 31.366), wurde die Bindung, die auch Torslalomfahrten und Steilabfahrten ermöglichte, zum Modell für moderne Skibindungen. Z. gilt außerdem als Erfinder des Biwaksacks (Z.-Zelt) und wirkte 1905 an der Herstellung des „ERZ“ -Notfallkoffers mit.

    Z. wurde v. a. mit seiner Entwicklung des Vorlagestemmschwungs, der ersten alpinen Schwungtechnik, zu einem Begründer des alpinen Skilaufs. Mit seinem Lehrbuch, in dem er die Vorteile dieser Technik vorstellte, erreichte er ein großes Publikum (Die Lilienfelder Skilauf-Technik, 1896 mit Vordatierung 1897, seit ⁴1908 u. d. T. Alpine [Lilienfelder] Skifahr-Technik, ¹⁷1925). Darüber hinaus veröffentlichte er Aufsätze in alpinistischen und Sportzeitschriften, v. a. in der „Allgemeinen Sportzeitung“ und im „Schnee“. 1898 gründete Z. in Lilienfeld einen Skiverein, 1900 den (Internationalen) Alpen Skiverein in Wien, der sich bis 1914 mit knapp 2000 Mitgliedern zu einem der größten Skivereine Europas entwickelte und zum Vorbild für weltweite Vereinsgründungen wurde (1938 aufgelöst, 2003 neugegründet). Z.s Schüler, der Generalmajor Theodor Edler v. Lerch (1869–1945), der 1910–12 als Austauschoffizier bei der japan. Armee in Jōetsu eingesetzt wurde, vermittelte die von Z. begründete Skifahrtechnik nach Fernost. 1905 organisierte Z. eine internationale „Vergleichsfahrt“ mit Anhängern der „Nordischen Technik“ auf der Breiten Ries am Schneeberg, bei der sich die Lilienfelder Technik als überlegen erwies, und im selben Jahr eine „Wettfahrt“ am Muckenkogel bei Lilienfeld, die er gewann und die als erster Torslalomlauf der Skigeschichte gilt. Z. leitete neben zahlreichen zivilen Ausbildungskursen Lehrgänge für das österr. Militär (1903–09 in Lilienfeld, 1908 in Gastein u. Böckstein, 1909 in Mitterndorf, 1910 in Gröbming). Während des 1. Weltkriegs war er als Skilauf-Ausbilder und Lawinenexperte eingesetzt, bis er bei einer Lawinenrettung 1916 im Niedergailtal schwer verletzt wurde. Seit 1939 pflegebedürftig, lebte er zuletzt im Grand Hotel Pittner in St. Pölten.

  • Auszeichnungen

    |Ehrenmitgl. d. Ski Club of Great Britain (1905), d. Alpen-Skiver. (1908), d. Dt. Touring Clubs (1910), d. Österr. Gebirgsver. (1931), d. Kandahar Ski Clubs (1935) u. d. Österr. Skiverbands (1936);
    Goldenes Verdienstkreuz mit d. Krone (1909);
    Rr.kreuz d. Franz-Josef-Ordens mit d. Kriegsdekoration (1916);
    Ehrenbürger d. Marktgde. Lilienfeld (1926);
    Goldenes Ehrenzeichen f. Verdienste um d. Rep. Österr. (1931);
    Ehrenbrief d. Dt. Reichsbundes f. Leibesübungen (1938);
    – Z.-Hütte am Traisenberg, St. Aegyd am Neuwalde;
    Z.weg, Wien-Hietzing (1951);
    Z.-Ges. (1958);
    Mount Z., Antarktis (1959);
    Z.str., St. Pölten-Spratzern (1977);
    Z.räume, Bez.mus. Lilienfeld (1981, seit 1996 Z.-Skimus.);
    Nostalgie-Skirennen am Muckenkogel (jährl. seit 1985).

  • Werke

    Weitere W Anl. f. d. Gebrauch u. d. mil. Verwendung d. Ski u. Schneereifen, 1908;
    Skisport, Ges. Aufss., 1909, ²1915;
    Sport u. Sportbetrieb, 1912;
    |Für Skifahrer, Ges. Aufss. u. Vortrr., 1916;
    Das Wandern im Gebirge, 1+21925;
    Btrr. z. Lawinenkde., 1929;
    Nachlaß, Kunstobjekte u. Qu Z.-Archiv im Bez.mus. Lilienfeld.

  • Literatur

    |W. Fleischmann u. E. Steinbrüchel, Lilienfelder oder Norweger Skilauftechnik?, 1910;
    E. Mehl (Hg.), Z., FS z. 80. Geb.tag d. Begründers d. alpinen Skifahrweise, 1936 (W, Verz. d. Vortrr. u. Lehrgänge, L, P);
    F. Prinz, Die Bedeutung Z.s f. d. Entwicklung d. alpinen Schilaufs, Diss. Wien 1944;
    E. Bazalka, Skigesch. Niederösterr., 1977;
    Friedl (Gottfried) Wolfgang, M. Z., Der Mann u. sein Werk, Btrr. z. Gesch. d. alpinen Schifahrens v. d. Anfängen bis z. Jetztzeit, 1987, ²2003 (W, L, P);
    H. Tiwald, Auf d. Spuren v. M. Z., 2004;
    M. D. Amstutz, Die Anfänge d. alpinen Skirennsports, 2010;
    O. Schöner (Hg.), M. Z. u. d. Bahnbrecher im alpinen Schnee, 2015;
    Hist. Lex. Wien;
    zur Fam.: J. Budischowski, Zur Fam. d. Skipioniers M. Z. (1856–1940), in: Adler, Zs. f. Geneal. u. Heraldik 22, 2004, H. 7, S. 229–47.

  • Porträts

    P Z.-Plakette v. C. M. Schwerdtner, 1912;
    Denkmal v. I. Hahnl-Faerber, 1963 (Lilienfeld);
    Briefmarken d. Österr. Post (1990 u. 2005).

  • Autor/in

    Stefan Jordan
  • Zitierweise

    Jordan, Stefan, "Zdarsky, Mathias (Matyáš Žd’árský)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 605-606 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118772317.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA