Zech, Lore( verheiratete)

Lebensdaten
1923 – 2013
Geburtsort
Gütersloh
Sterbeort
Örsundsbro (Schweden)
Beruf/Funktion
Zellbiologin ; Zytogenetikerin
Konfession
andere
Normdaten
GND: 1145571298 | OGND | VIAF: 164911607
Namensvarianten

  • Vogt-Köhne, Lore( geborene)
  • Zech, Lore( verheiratete)
  • zech, lore
  • Vogt-Köhne, Lore( geborene)
  • vogt-köhne, lore
  • Vogt-Koehne, Lore
  • Vogt-Coehne, Lore

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Zitierweise

Zech, Lore( verheiratete), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1145571298.html [20.03.2026].

CC0

  • Zech, Lore, geborene Vogt-Köhne

    | Zellbiologin, Zytogenetikerin, * 24.9.1923 Gütersloh, † 13.3.2013 Örsundsbro (Schweden), ⚰ Örsundsbro (Schweden). (schwedische Staatskirche)

  • Genealogie

    V Friedrich Emil Reinhard Gerhard Werner Köhne (1899 – n. 1928), aus G., Kaufm.;
    M Lotte Vo(i)gt (1897–1927), aus Laasphe;
    Hendrik Zech, Virol., Dr., Prof., in d. 1950er J. am Torbjörn Casperssons Laboratorium d. Karolinska Institutet;
    1 T Gunnel Hillevi Hendriksdotter Zech.

  • Biographie

    Z., die ihre Mutter im Alter von vier Jahren verlor, wuchs bei ihrer Großmutter im Sauerland auf. 1943 legte sie ihr Abitur am Gymnasium Arnsberg ab. Seit 1944 studierte sie an der Univ. Marburg Humanmedizin, wechselte nach dem 2. Weltkrieg nach Bonn, um Biologie, Chemie und Physik zu studieren und wurde 1963 an der Univ. Tübingen zur Dr. rer. nat. promoviert. 1953 erhielt sie ein Stipendium des Schwed. Forschungsrats und folgte ihrem Mann nach Schweden, wo sie am Institute of Cell Research and Genetics des renommierten Karolinska-Instituts in Stockholm arbeitete. Nach ihrer Emeritierung 1989 wechselte sie an das Institut für Medizinische Genetik der Universitätsklinik Uppsala, wo sie bis zu ihrem Tod jeden Tag im Labor mitarbeitete und v. a. Studierende sowie junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über Jahrzehnte unterstützte und förderte. Besonders mit dt. Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen hielt sie ihr Leben lang engen Kontakt, u. a. mit Thomas Cremer (* 1945), Peter Lichter (* 1957), Anna Jauch, Brigitte Schlegelberger (* 1956), Evelin Schröck und Simone Heidemann.

    Z. gilt als Begründerin der modernen Zytogenetik. Sie entwickelte die erste Methode zur differentiellen Darstellung der menschlichen Chromosomen, schuf damit die Grundlage für unser Verständnis, wie Chromosomenveränderungen Erkrankungen verursachen, und klärte die Rolle von Chromosomenveränderungen in der Tumorentwicklung auf. Erst aufgrund ihrer Entwickung der neuen zytogenetischen Methoden war es möglich, Gene entsprechend ihrer Anordnung auf den Chromosomen zu kartieren.

    In den 1960ern Jahren arbeitete Z. unter Torbjörn Caspersson, der unter Verwendung fluoreszierender DNA-bindender Farbstoffe wie Quinacrin eine Methode zur Bänderung von Pflanzenchromosomen entwickelt hatte. Z., die von der Anwendbarkeit dieser Methode auf humane Chromosomen überzeugt war, arbeitete unabhängig an der Entwicklung der Q-Bandentechnik menschlicher Chromosomen und erreichte einen Durchbruch, als sich das Y-Chromosom eines Mannes hell leuchtend im Mikroskop zeigte. Caspersson reklamierte diese Errungenschaft für sich, so daß Z. auf der entscheidenden Publikation als Zweitautorin fungierte und die Arbeit mit „Caspersson et al.“ zitiert wird. 1971 wurde ihre Leistung gewürdigt durch die Einladung zu dem Internationalen Kongreß für Humangenetik in Paris, um die von ihr mithilfe der Q-Bandentechnik aufgeklärte Struktur menschlicher Chromosomen vorzustellen; auf dieser Konferenz wurde auch die erste Version der internationalen zytogenetischen Nomenklatur ISCN etabliert.

    In den folgenden Jahren nutzte Z. die Q-Bandentechnik, um zahlreiche chromosomale Veränderungen zu identifizieren, die in engem Zusammenhang mit dem Auftreten von Leukämien und Krebserkrankungen stehen.

    Die wohl bekannteste von ihr entdeckte chromosomale Veränderung ist die sog. Burkitt-Translokation t(8;14)(q24;q32), die noch heute diagnostisch genutzt wird. Diese ist gleichzeitig ein Modell der Tumorentstehung: Durch eine Chromosomenveränderung gelangt das c-MYC-Onkogen in die Nähe des in B-Zellen aktiven IGH-Gens, weshalb es durch die dauerhafte Aktivierung dieses regulatorischen Gens zur unkontrollierten Zellproliferation und zur Tumorentstehung kommt. Z. beschrieb weitere charakteristische Chromosomenaberrationen, wie die Deletion 13q der chronischen lymphatischen Leukämie, die Monosomie 7 myeloischer Neoplasien und die Inversion 14 der T-chronischen lymphozytischen Leukämie. Ihre Arbeiten bereiteten den Weg für die Identifizierung der entschei|denden Genveränderungen und die daraus folgende molekulare Charakterisierung von Krebserkrankungen, durch die die Entwicklung zielgerichteter Krebstherapien möglich wurde.

  • Auszeichnungen

    |BVK 1. Kl. (1991);
    Lisec-Arzt-Preis d. Univ. Bonn (1991);
    Mauro-Baschirotto-Preis d. Europ. Ges. f. Humangenetik (1992);
    Dr. med. h. c. (Univ. Kiel 1993);
    Björkén-Preis d. Med. Fak. d. Univ. Uppsala (1993);
    Gunnar Dahlberg-Medaille d. Northern Soc. of Pathology (1996);
    Ehrenmitgl. d. European Cytogeneticists Ass. in Wien (1999) u. 1. Ehrenmitgl. d. Dt. Ges. f. Humangenetik (2004);
    – L.-Z.-Preis d. Dt. Ges. f. Humangenetik (seit 2015).

  • Werke

    |Chemical Differentiation along Metaphase Chromosomes, in: Experimental Cell Research 49, 1968, S. 219–22 (mit T. Caspersson u. a.);
    Identification of Human Chromosomes by DNA-Binding Fluorescent Agents, in: Chromosoma 30, 1970, S. 215–27 (mit T. Caspersson, C. Johansson u. E. J. Modest);
    Characteristic Chromosomal Abnormalities in Biopsies and Lymphoid-Cell Lines from Patients with Burkitt and Non-Burkitt Lymphomas, in: Internat. Journ. of Cancer 17, 1976, H. 1, S. 47–56 (mit U. Haglund, K. Nilsson u. G. Klein);
    High-Resolution Analysis of Chromosome Markers in Burkitt Lymphoma Cell Lines, ebd. 29, 1982, H. 2, S. 153–57 (mit S. Zhang u. G. Klein);
    Inversion of Chromosome 14 Marks Human T-Cell Chronic Lymphocytic Leukaemia. in: Nature 308, 1984, S. 858–60 (mit G. Gahrton u. a.);
    Chromosome 13, a New Marker for B-Cell Chronic Lymphocytic Leukemia, in: Hereditas 108, 1988, S. 77–84 (mit H. Mellstedt).

  • Literatur

    |B. Schlegelberger, in: Molecular Cytogenetics 6, 2013, S. 20 f. (P);
    dies. u. a., in: Med. Genetik, Personalia 25, 2013, H. 2, S. 287–94;
    G. Anneren u. a., L. Z., 1923–2013, forskare och pionjär, in: Förening för Medicinsk Genetik Aktuellt (Internet).

  • Autor/in

    Brigitte Schlegelberger
  • Zitierweise

    Schlegelberger, Brigitte, "Zech, Lore, geborene Vogt-Köhne" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 606-607 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1145571298.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA