Zassenhaus, Hans

Lebensdaten
1912 – 1991
Geburtsort
Koblenz
Sterbeort
Columbus (Ohio, USA)
Beruf/Funktion
Mathematiker
Konfession
lutherisch
Namensvarianten

  • Zassenhaus, Hans Julius
  • Zassenhaus, Hans J.
  • Zassenhaus, Hans
  • Zassenhaus, Hans Julius
  • Zassenhaus, Hans J.

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Zitierweise

Zassenhaus, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143007.html [27.03.2026].

CC0

  • Zassenhaus, Hans Julius

    | Mathematiker, * 28.5.1912 Koblenz, † 21.11.1991 Columbus (Ohio, USA), ⚰ Hamburg, Friedhof Nienstedten. (lutherisch)

  • Genealogie

    V Julius (1874–1939), aus Mettmann (Berg. Land), ev. Theol., 1911 Dir. d. Hilda-Schule (f. Mädchen), in K., 1916 d. Kuratoriumsschule in Groß Flottbek (Stadtteil v. Altona), Vf. e. Gesch. d. Christentums, S d. Carl (um 1840–1926), Kaufm. in Mettmann, u. d. Anna Korff (1847–1940), in Bonn;
    M Margarete (1891–1967), aus Minden, T d. Oskar Ziegler ( v. 1874), Architekt, u. d. Emma Peuckmann ( n. 1874);
    2 B Wilfried (1910–44), Arzt, Günther (1913–1999), Arzt, wanderte 1948 in d. USA aus, 1 Schw Hiltgunt (1916–2004), Schriftst., Ärztin, Dolmetscherin;
    1942 Liselotte Lohmann (1914–2006), aus Hamburg;
    2 S Michael (* 1943), Peter (* 1949), 1 T Angela (* 1947).

  • Biographie

    Z. wuchs seit 1916 in Altona auf, er besuchte u. a. die Knabenrealschule in Groß Flottbek und legte sein Abitur 1930 an der Lichtwarkschule in Hamburg ab. Im Anschluß studierte er Physik an der Univ. Hamburg, wechselte jedoch bald zur Mathematik; sein wichtigster Lehrer wurde Emil Artin (1898–1962). Bereits 1934 veröffentlichte Z. seine erste Abhandlung, „Zum Satz von Jordan-Hölder-Schreier“, den er mithilfe seines „Schmetterlingslemmas“ bewies (Abhh. aus d. Math. Seminar d. Hamburg. Univ. 10, 1934, S. 106–08) und für die er mit dem Konsul-Leo-Guttmann-Preis ausgezeichnet wurde. Im selben Jahr wurde Z. bei Artin mit der „Kennzeichnung der endlichen linearen Gruppen als Permutationsgruppen“ zum Dr. rer. nat. promoviert (Abhh. d. Math. Seminars d. Hans. Univ., 1936, S. 17–40) und wechselte an die Univ. Rostock, wo der 1923 in Hamburg habilitierte Robert Furch (1894–1867) seit 1926 als Professor für Mathematik wirkte. Hier verfaßte Z. das „Lehrbuch der Gruppentheorie“ (1937, engl. 1949, ²1958, Nachdr. 1974), das ein Klassiker der Lehrbuchliteratur wurde und mehrere Jahrzehnte ein Standardwerk blieb. Z., der im Mai 1935 an der Univ. Hamburg sein Staatsexamen abgelegt hatte, kehrte 1936 als Assistent von Artin nach Hamburg zurück.

    Z. widmete sich weiterhin der Gruppentheorie, den Grundlagen der Geometrie, der Ringtheorie, der Theorie der Ordnungen, der Theorie der Lie-Algebren und der mathematischen Kristallographie. 1939 habilitierte er sich mit der Arbeit „Über Liesche Ringe mit Primzahlcharakteristik“ (Abhh. aus d. Math. Seminar d. Hans. Univ. 13, 1939, S. 1–100) für Mathematik, leistete seit 1940 Kriegsdienst bei meteorologischen Versuchsgruppen der Marine und wurde im März 1940 zum Diätenassistenten ernannt, was eine Daueranstellung bedeutete. Nachdem er 1943 einen Ruf an die Univ. Bonn abgelehnt hatte, wurde für ihn nach dem Krieg 1946 ein Extraordinariat in Hamburg eingerichtet. 1947 hielt er seine Antrittsvorlesung über „Methoden und Probleme der modernen Algebra“ (gedr. 1947) und fungierte nach dem Tod von Erich Hecke (1887–1947) als Geschäftsführender Direktor des Mathematischen Seminars der Univ. Hamburg. Neben der Theorie der Lie-Algebren forschte er nunmehr zur Zahlentheorie.

    Von den verschiedenen von ihm entwickelten Algorithmen in der Algebra ist der Z.-Algorithmus der bekannteste. Seit 1958 beschäftigte sich Z. mit einem neuen Zweig der Zahlentheorie, der Computeralgebra. Besondere Erwähnung verdient sein mit Michael Pohst (* 1945) herausgegebenes Lehrbuch „Algorithmic Algebraic Number Theory“ (1989, ²1997). Z. gilt als Mitbegründer der experimentellen und algorithmischen Zahlentheorie als selbständiger Disziplin.

    Mit einem Stipendium des British Council forschte Z. im Studienjahr 1948/49 an der Univ. Glasgow. 1949 folgte er einem Ruf auf den Redpath Chair an der McGill University in Montreal (Kanada) (kanad. Staatsbürger 1957). 1959 wechselte er an die University of Notre Dame (Indiana, USA) und 1963 an die Ohio State University in Columbus (em. 1982). 1955/56 wirkte er als Gastprofessor am Institute for Advanced Study in Princeton, 1958/59 am California Institute of Technology, 1967 als Gauß-Professor an der Univ. Göttingen, 1969 an der Univ. Heidelberg, 1970 an der University of California in Los Angeles und 1972 an der University of Warwick (Großbritannien). 1973/74 war er Direktor des Computing Centre in Notre Dame (Indiana, USA), 1974/75 am California Institute of Technology, 1977/78 und 1983 an der McGill University, 1979–82 und 1984/85 an der Univ. Saarbrücken. Darüber hinaus hielt er Vorlesungen in Aachen, Düsseldorf, Edmonton, Glasgow und Linz. 1963 organisierte er eine Artin-Gedenktagung in Boulder (Colorado, USA); 1969 gründete er die Zeitschrift „Journal of Number Theory“. Z.s wichtigster Schüler war Joachim Lambek (1922–2014), der 1950 als erster in Mathematik an der McGill University von Z. promoviert wurde.

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. d. Royal Soc. of Canada (1956);
    Dr. h. c. (Ottawa 1966, McGill Univ. 1974, Saarbrücken 1985);
    |Lester Ford Prize d. Mathematics Ass. of America (1977).

  • Werke

    Weitere W ca. 200 Publl.;
    Vorll. über Darst.theorie, Bd. 2, Darst.theorie Liescher Algebren, 1967;
    Emil Artin, his Life and his Work, in: Notre Dame Journ. of Formal Logic 5, 1964, S. 1–10;
    Lie Groups, Lie Algebras and Representation Theory, 1981;
    Nachlaß: Niedersächs. Staats- u. Univ.bibl. Göttingen.

  • Literatur

    |W. Plesken, in: Jber. d. Dt. Mathematiker-Vereinigung 96, 1994, S. 1–20 (W, P);
    M. Pohst, in: Journ. of Number Theory 47, 1994, S. 1–19 (W);
    H. Wefelscheid, in: Mitt. d. Math. Ges. in Hamburg 19, 2000, S. 155–66 (P);
    H. Zimmer (Hg.), Group Theory, Algebra and Number Theory, Colloquium in Memory of H. Z. held in Saarbrücken, Germany, June 4–5, 1993, 1996;
    Tobies, Biogr. Lex. Math.

  • Autor/in

    Karin Reich
  • Zitierweise

    Reich, Karin, "Zassenhaus, Hans Julius" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 604-605 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143007.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA