Lebensdaten
1874 bis 1945
Geburtsort
Greußenheim (Unterfranken)
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Gewerkschafter ; Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118752995 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stegerwald, Adam Andreas
  • Stegerwald, Adam
  • Stegerwald, Adam Andreas

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Zitierweise

Stegerwald, Adam, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752995.html [21.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Martin, Kleinbauer;
    M Franziska Staab;
    7 Geschw;
    – ⚭ Kreszenz (1879–1951), aus Gaimersheim b. Ingolstadt, T d. Martin Humpel;
    5 S Alois (1904–63, Priester in Köln, Heinrich (1905–43, Steuerberater in Berlin, Franz (1909–91, ⚭ Ursula Bitter), Dipl.-Kaufm. in Amorbach, Paul (1911–66, Abt.leiter in Köln, Wilhelm (1916–82, Landrat in Neumarkt (Oberpfalz), 1 T Barbara (1903–57, ⚭ Johannes Brücken, 1955, Dr. phil., Oberstudiendir.);
    E Bernd Michael (* 1941), Dipl.-Kaufm., Monika (* 1944), Lehrerin.

  • Leben

    S. absolvierte eine Schreinerlehre und ging nach seinen Wanderjahren 1894 nach München, wo er an Kursen der kath. Arbeitervereine teilnahm und 1900–02 Gasthörer an der Universität u. a. bei Lujo Brentano war. 1899 war er Mitbegründer des „Christlichen Holzarbeiterverbandes“, später Generalsekretär (1903–20) bzw. Vorsitzender (1920–29) des „Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands“. Obwohl er selbst von der kath. Soziallehre wesentlich geprägt war, verteidigte er im „Gewerkschaftsstreit“ innerhalb des dt. Katholizismus (1900–12) die Unabhängigkeit der Christlichen Gewerkschaften erfolgreich gegen Bestrebungen einzelner Bischöfe, sie der kirchlichen Autorität zu unterstellen. Während des 1. Weltkriegs ordnete er die Christlichen Gewerkschaften in den „nationalen Burgfrieden“ ein, 1916 wurde er in den Vorstand des Kriegsernährungsamtes, 1917 als einziger Arbeitervertreter in das Preuß. Herrenhaus berufen. S. war überzeugter Monarchist, verteidigte nach der Revolution aber die Republik gegen Umsturzversuche der radikalen Parteien. 1918/19 initiierte er den „Deutschen Gewerkschaftsbund“ (DGB), einen Zusammenschluß der Christlichen Gewerkschaften mit mehreren nichtsozialistischen Angestellten- und Beamtenverbänden, dem er – ebenso wie dem „Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands“ – bis 1929 vorstand. Mit dieser Hausmacht im Rücken übernahm S. höchste politische Ämter für die Deutsche Zentrumspartei: 1919 wurde er in die Nationalversammlung und in die Preuß. Landesversammlung gewählt, 1919–21 amtierte er als Preuß. Volkswohlfahrtsminister, 1921 kurzzeitig als Ministerpräsident. Als Reichstagsabgeordneter (1920–33) und wichtigster Vertreter des Arbeiterflügels des Zentrums prägte er die Sozialgesetze der Weimarer Republik mit. Sein gesellschaftliches Ideal war die „Volksgemeinschaft“ aller demokratischen Kräfte von der SPD bis zur DNVP. Um die Zersplitterung des dt. Parteiwesens zu überwinden, rief er 1920 im „Essener Programm“ – vergeblich – zur Gründung einer interkonfessionellen christlichen Volkspartei auf. Seine Ämterhäufung in Politik und Arbeiterbewegung sowie sein Eintreten für eine Zusammenarbeit des Zentrums mit den konservativen Parteien DVP und DNVP provozierten jedoch erhebliche Widerstände in den eigenen Reihen. 1928 scheiterte er als Kandidat für den Vorsitz seiner Partei, 1929 legte er seine Ämter in der Arbeiterbewegung nieder. Nach einem Intermezzo als Zentrums-Fraktionsvorsitzender im Reichstag (1929) und Reichsverkehrsminister (1929 /30) war er 1930–32 als Arbeitsminister im Kabinett seines früheren persönlichen Referenten Heinrich Brüning (1885–1970) für die Sozialpolitik des Reiches unter den Bedingungen der Weltwirtschaftskrise verantwortlich. Die Deflationspolitik Brünings trug er mit, weigerte sich aber, den Sozialstaat insgesamt zu beseitigen. 1933 stimmte S. mit seiner Fraktion dem Ermächtigungsgesetz Hitlers zu, wurde jedoch wenig später aus sämtlichen öffentlichen Funktionen verdrängt. Anschließend zog er sich ins Privatleben zurück und beschäftigte sich in schriftlichen Exposés mit der Frage, ob eine Annäherung der kath. Kirche an den Nationalsozialismus möglich sei, was er bejahte. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er für mehrere Wochen inhaftiert. Im Mai 1945 von den US-Behörden zum Regierungspräsidenten von Unterfranken berufen, war er kurz vor seinem Tod an der Gründung von CDU und CSU führend beteiligt.|S.s wichtigste Ziele waren die politisch-gesellschaftliche Gleichberechtigung der Arbeiter und der Ausgleich zwischen Kapitalismus und Sozialismus, der später in die Soziale Marktwirtschaft einging. Zu den bleibenden Verdiensten S.s, einer der markantesten Persönlichkeiten der dt. Arbeiterbewegung im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, gehört sein lebenslanges Eintreten für eine christliche Volkspartei, die 1945 in den Unionsparteien verwirklicht wurde.

  • Auszeichnungen

    A bayer. Kg.-Ludwig-Kreuz; Verdienstkreuz f. Kriegshilfe; EK am weißen Band (alle im 1. Weltkrieg); Dr. rer. pol. h. c. (Bonn 1925); Gedenktafeln am Geburtshaus in Greußenheim u. am Wohnhaus in Berlin-Charlottenburg, Zoppoter Str. 62.

  • Werke

    Die Aufgaben d. christl. Gewerkschaften im öff. u. soz. Leben, 1908;
    Im Kampf um d. Grundsätze d. christl. Gewerkschaften, 1912;
    Arbeiterschaft u. Kriegsentscheidung, 1917;
    Arbeiterwähler u. Zentrumspartei, 1918;
    Unsere Not u. unsere Rettung, 1919;
    Dt. Lebensfragen, 1921;
    Aus meinem Leben, 1924;
    Nicht Klassen, sondern Stände!, 1925;
    Zur Reform d. Beamtenbesoldung, 1927;
    Zentrumspartei, Arbeiterschaft, Volk u. Staat, 1928;
    Die Notverordnung v. 5. Juni 1931, [1931];
    Wo stehen wir?, 1945;
    Wohin gehen wir?, 1945;
    zahlr. Artikel in Ztgg. u. Periodika;
    Nachlaß:
    Archiv f. Christl.Demokrat. Pol., St. Augustin.

  • Literatur

    L. Altenhöfer, S., 1965 (P);
    R. Morsey, Die Dt. Zentrumspartei 1917–1923, 1966;
    ders., in: Zeitgesch. in Lb. I, 1973, S. 206–19 (P);
    ders., Der Untergang d. pol. Katholizismus, 1977;
    ders., in: Fränk. Lb. VIII, 1978, S. 284–301 (P);
    M. Schneider, Die Christl. Gewerkschaften 1894–1933, 1982;
    W. Loth, Katholiken im Ks.reich, 1984;
    W. L. jr. Patch, Christian Trade Unions in the Weimar Republic 1918–1933, 1985;
    A. S., Leben – Werk – Erbe, hg. v. H. Neugebauer, 1995;
    B. Forster, A. S., 2003 (W-Verz., L, P);
    ders., A. S., Pol. in soz. Verantwortung, 2008 (P);
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Biogr. Lex. Weimarer Rep.;
    BBKL X;
    RT-Abg. Zentrum;
    Lex. Christl. Demokratie;
    Demokrat. Wege (P);
    Kölner Personenlex.;
    Lilla, Reichsrat.

  • Autor/in

    Bernhard Forster
  • Empfohlene Zitierweise

    Forster, Bernhard, "Stegerwald, Adam" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 114-115 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752995.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA