Lebensdaten
1875 bis 1962
Geburtsort
Trier
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Indogermanist ; Hethitologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 11875145X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sommer, Johann Ferdinand
  • Sommer, Ferdinand
  • Sommer, Johann Ferdinand

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Zitierweise

Sommer, Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11875145X.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp (1845–1911), Rechnungsrat, zuletzt in Rostock, S d. Ferdinand (1812–75), Kürschnermeister in Weinheim/Bergstraße, u. d. Sophie Schmitt (1815–54), aus Heidelberg;
    M Johanna (1846–1906), T d. Johann Saur (1804–86), Handelsmann in Koblenz, u. d. Gertrude Wimmersberg (1807–70), aus Andernach;
    Dortmund 1906 Johanna (1877–1955), aus Dortmund, T d. August Kaiser (1847– 1902), aus Groß-Schierstedt, Bauuntern., u. d. Wilhelmine Grote (1851–1946), aus Iserlohn;
    2 T Johanna (1907–2003, ⚭ August Couturier, 1911–85, Dr. med., Allg.arzt in Fürstenfeldbruck u. Pirmasens), Dr. oec. publ., Else (* 1908), Prokuristin d. Heimeran-Verlags in M.; Schwägerin Else Kaiser (1888–1980, ⚭ Friedrich Zucker, 1881–1973, Papyrologe, o. öff. Prof. f. Klass. Philol. in Jena, korr. Mitgl. d. Dt. Archäol. Inst., 1948 korr., 1949 o., 1969 ao. Mitgl. d. Dt. (Berliner) Ak. d. Wiss., 1948 o., 1963 korr. Mitgl. d. Sächs. Ak. d. Wiss., s. Kürschner, Gel.-Kal. 1970; Biogr. Hdb. SBZ/DDR);
    E Wolfgang Couturier (* 1941), Dr. med., Internist in Fürstenfeldbruck.

  • Leben

    S. besuchte in Trier die Volksschule und in Kassel das humanistische Gymnasium. Ab 1893 studierte er in Marburg/Lahn und in Freiburg (Br.); hier wurde er 1896 bei Rudolf Thurneysen (1857–1940) mit einer keltologischen Arbeit promoviert. Die Weiterbildung in Leipzig bei Karl Brugmann, August Leskien und Eduard Sievers mündete 1899 in die Habilitation über „die Komparationssuffixe im Lateinischen“. 1902 wurde S. nach Basel berufen, 1909 nach Rostock, 1913 nach Jena, 1924 nach Bonn und schließlich 1926 München (1951 em.).

    S.s Arbeitsgebiet umspannte viele Bereiche der Sprache und fast alle indogerman. Sprachzweige (mit Einschluß „kleiner“ Sprachen wie Lydisch oder Venetisch). In der ersten Lebenshälfte machte er die klass. Sprachen zum Forschungsschwerpunkt und begründete 1902 mit dem „Handbuch der lat. Laut- und Formenlehre“ seinen dauerhaften Ruhm (2/31914, Nachdr. 1948, I, 41977 v. R. Pfister). Zu diesem Bereich kehrte er zurück, nachdem er durch den 2. Weltkrieg alle seiner hethitol. Aufzeichnungen eingebüßt hatte. Neue Untersuchungen besonders zu Homer konnte er nur noch zum Teil vollenden (Schriften aus dem Nachlaß, 1977).

    S. widmete sich als einer der ersten Indogermanisten v. a. der Hethitologie: Sobald er das um 1915 entzifferte Hethitische als indogerman. Sprache erkannt hatte, arbeitete er sich mit Hilfe seines Jenaer assyriologischen Kollegen Arthur Ungnad (1879–1947) in die komplexe Keilschrift ein, später berieten ihn Hans Ehelolf und Adam Falkenstein. Dadurch war S. zu selbständiger philol. Bearbeitung der hethit. Texte in der Lage; durch S. wurde die philol. Methode in der Hethitologie Allgemeingut. Jede Seite im „Hethit. Wörterbuch“ (1952) von Johannes Friedrich (1893–1972) dokumentiert die gerade durch S. erzielten Fortschritte in der Erschließung des Hethitischen. Nicht durchwegs glücklich verfuhr S. allerdings in der aufsehenerregen den „Aḥijawā--Frage“. Emil Forrer (1894–|1986) glaubte in den hethit. Texten ein griech. „Achäerland“ (hethit. Aḥijawā) und griech. Fürsten zu erkennen, darunter einen „Alexandros“ (hethit. Alakšanduš). S., der die Leistungen des oft allzu kühnen Forrer anerkannte, bezweifelte in mehreren großen polemischen Schriften sowohl die Lokalisierung des Landes als auch die Deutung der Namen (Die Aḥijawā-Urkunden, 1932; Zur Geschichte der griech. Nominalkomposita, 1948, u. a.). Neue Funde scheinen jetzt jedoch Forrer im Ganzen zu bestätigen, doch S.s gründliche Untersuchungen behalten ihren Wert. In seinen von Scharfsinn, Klarheit und Lebendigkeit gekennzeichneten Schriften verbinden sich philologische Strenge und methodische Gewissenhaftigkeit mit Einfallsreichtum und Offenheit für Neuentdeckungen (Hethitologie, Laryngaltheorie). In seiner didaktisch sehr geschickten Lehre behandelte S. nur wenige spezielle Themen: indogerman. Grammatik und Altertumskunde, Altirisch (zuletzt 1905/06), Hethitisch (seit 1922) und Sanskrit. Vorlesungen und Textübungen galten v. a. dem Latein, Griechisch und Deutsch (mit Einschluß des älteren Germanischen) und sollten v. a. Lehramtsstudenten ansprechen. Nachdem er während des 1. Weltkrieges am Jenaer Gymnasium Carolo-Alexandrinum unterrichtet hatte, verfaßte S. auch mehrere für Lehrer bestimmte Werke, darunter die originelle, lehrreiche „Vergleichende Syntax der Schulsprachen“ (1921, 31931, Nachdr. 1959, 1971 u. 1989). Zu seinen Schülern zählen u. a. die Indogermanisten Albert Debrunner, Walter Porzig, Hans Krahe, Annelies Kammenhuber und Helmut Humbach, besonders Anton Scherer, Karl Hoffmann, Hermann Berger, Heinz Bechert und Johannes Bechert.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Sächs. Ak. d. Wiss. (o. 1922, korr. 1924), d. Preuß. Ak. d. Wiss. (korr. 1944) u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (o. 1927) u. mehrerer weiterer Ak. u. wiss. Ges.; Geh. Reg.rat (1926); bayer. Verdienstorden (1959).

  • Werke

    Weitere Werke u. a. Lat. Schulgrammatik mit sprachwiss. Anmm., 1920, 21923;
    Zum attributiven Adjektivum, 1928;
    Die hethit. akkad. Bilingue des H ̆ attušili I, 1938 (mit A. Falkenstein);
    Hethiter u. Hethitisch, 1947;
    Zum Zahlwort, 1951;
    Hg.:
    Indogerman. Forsch. 64–67, 1958–62 (mit A. Debrunner);
    W-Verz.:
    Indogerman. Forsch. 62, 1955, S. 78–96;
    Schrr. aus d. Nachlaß, 1977, S. 343–56;
    Nachtrag: Kleinasiat. Forsch. 1, 1929, S. 335–57;
    R. Pfister, Hdb. d. lat. Laut- u. Formenlehre, I, 41977.

  • Literatur

    W. Wissmann, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1962, S. 179–85;
    A. Scherer, in: Gnomon 34, 1962, S. 844–47;
    J. Friedrich, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 114, 1964, S. 13–15;
    H. Kronasser, in: Archiv f. Orientforsch. 20, 1963, S. 299 f.;
    Schrr. aus d. Nachlaß, 1977, S. 333–42 (P);
    H. Adrom, Indogermanistik in München 1826–2001, 2001 (P);
    R. Oberheid, Emil O. Forrer u. d. Anfänge d. Hethitol., 2007;
    Lex. Grammaticorum.

  • Portraits

    Ölgem. v. E. M. Fischer, 1935, Abb. in: Corolla linguistica, FS F. S., 1955, Frontispiz.

  • Autor/in

    Bernhard Forssman
  • Empfohlene Zitierweise

    Forssman, Bernhard, "Sommer, Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 566-567 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11875145X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA