Lebensdaten
1902 bis 1993
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Journalist ; Schriftsteller ; Übersetzer
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118750747 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Salomon, Hans (eigentlich)
  • Floris, Franz (Pseudonym)
  • Munk, Peter (Pseudonym)
  • mehr

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Zitierweise

Sahl, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118750747.html [25.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Paul David Salomon (1872–1929), Bankier in D. u. B., S d. Leopold Martin Salomon (1847–1912), Brauereidir. in B., u. d. Rosa Levy;
    M Anna Maaß (* 1880);
    1) 1962 Melinda Albrechtova (* 1931), 2) 1989 Ute Velthusen (1936–94);
    3 S aus 1) (1 früh †).

  • Leben

    S. wuchs in Berlin auf, wohin die großbürgerliche, assimiliert-jüd. Familie 1907 umgezogen war. Er besuchte zunächst das Wilhelm-Gymnasium, später bis zum Abitur 1920 die Leibniz-Oberrealschule. Anschließend studierte er Kunstgeschichte, Archäologie, Literaturgeschichte und Philosophie in München, Berlin, Leipzig und Breslau. Hier wurde er 1925 bei August Grisebach mit einer Arbeit über den „Breslauer Barbara-Altar. Ein Beitrag zur Geschichte der dt. Malerei im 15. Jh.“ promoviert. S., der bereits seit 1922 publizierte, machte nun das Schreiben zum Beruf. Als politischer Journalist, Theater-, Film- und Literaturkritiker arbeitete er für zahlreiche Organe der kommunistischen wie links-liberalen Presse, hauptsächlich jedoch für die von Leopold Schwarzschild und Stefan Großmann herausgegebene Zeitschrift „Das Tage-Buch“, für den Berliner „Montag Morgen“, den „Berliner Börsen-Courier“ und die „Neue Montags-Zeitung“ Willi Münzenbergs. Aufsehen erregte er 1926 mit einer mehrteiligen Reportage über „Die Klassiker der Leihbibliothek“, in der er den nachwies, daß das breite Publikum weit mehr als seine Klassiker Goethe, Schiller und Heine die Blut- und Bodenliteratur eines Rudolf Herzog, Rudolf Stratz und Fedor v. Zobeltitz goutiere. Er gehörte zu den publizistischen Wegbereitern u. a. von Anna Seghers und Ernest Hemingway.

    Nach seiner Emigration 1933 schrieb S. zunächst in Prag, dann in Zürich und Paris Kritiken, politische Artikel und Gedichte vornehmlich für den „Prager Mittag“, „Das Neue Tage-Buch“ und den New Yorker „Aufbau“. Seine undogmatische antifaschistische Haltung, wie sie v. a. auch in seinem auf Frans Masereels Holzschnittfolge „Die Passion eines Menschen“ bezugnehmenden Chorwerk „Jemand“ (Musik v. Tibor Kasics, UA Zürich 1938) zum Ausdruck kommt, brachte ihn bald sowohl mit der bürgerlichen als auch kommunistischen Hitleropposition in Konflikt. Bei Kriegsbeginn von den Franzosen als staatenloser Ausländer mehrere Monate interniert (u. a. in Nevers, zus. mit Hermann Kesten, Walter Benjamin u. Gerhard Kreyssig), arbeitete er 1940/41 als Fluchthelfer für Varian Fry in Marseille, ehe er selbst in die USA floh. In New York veröffentlichte er 1942 seine erste Gedichtsammlung „Die hellen Nächte“, ein poetisches Tagebuch seiner franz. Exiljahre. Als Übersetzer Thornton Wilders, Tennessee Williams und Arthur Millers u. a. sowie als Auslandskorrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung“, der „Welt“ und der „Süddt. Zeitung“ trug S. zur Vermittlung amerik. Kultur in Europa bei und provozierte im Nachkriegsdeutschland wiederholt heftige Kontroversen: 1955 über die „Konventionalität“ abstrakter Kunst, 1961 wegen seines Vergleichs der Berliner Mauer mit dem Warschauer Ghetto. 1959 erschien sein Exil-Roman „Die Wenigen und die Vielen“ (engl. 1962), ein komplexes Erzählwerk, das trotz positiver Kritiken kaum rezipiert wurde. In seinen letzten beiden Lebensjahrzehnten veröffentlichte S. noch zahlreiche Gedichte (Wir sind die Letzten, 1976) und Erzählungen (Umsteigen nach Babylon, 1987). Bleibendes Renommee erwarb er mit seinen Erinnerungen „Memoiren eines Moralisten“ (1983, niederl. 1994) und mit „Das Exil im Exil“ (1990, ital. 1995).|

  • Auszeichnungen

    BVK 1. Kl. (1959); Thornton Wilder Prize for distinguished translation of American lit., Columbia Univ. New York (1979); Gr. BVK (1982); Andreas-Gryphius-Preis d. Künstlergilde Esslingen (1984); Internat. Exil-Preis d. Bayer. Ak. d. Schönen Künste, München (1990); Goethe-Medaille d. Stadt Frankfurt (1991); Carl-Zuckmayer-Medaille d. Stadt Mainz (1992); Lessing-Preis d. Freistaates Sachsen (1993).

  • Werke

    Weitere W Le Troupeau perdu, Roman d'une epoque, 1964;
    Hausmusik, Eine Szenenfolge, 1980;
    Die Inselfahrt, Eine ernste Komödie, 1990;
    Rubinstein oder Der Bayreuther Totentanz, Eine Antioper in zwei Akten, 1990;
    Wir sind die Letzten, Der Maulwurf, Gedichte, 1991;
    „Und doch …“‚Essays u. Kritiken aus zwei Kontinenten, 1991;
    Der Tod des Akrobaten, Erzz., 1992;
    George Grosz u. H. S., So long mit Händedruck, Briefe u. Dok., 1993;
    Survivre est un métier: récit, 1995;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: DLA, Marbach; – Bibliogr.: G. Ackermann u. M. Brodersen, H. S., Eine Bibliogr. seiner Schrr., 1995 (P).

  • Literatur

    E. W. Skwara, H. S., Leben u. Werk, 1986 (P);
    G. S. Freyermuth, Reise in d. Verlorengegangenheit, 1990 (P);
    W. Biermann, F. J. Raddatz, U. Samel u. K. R. H. Sonderborg, Für H. S., Eine Hommage, 1991 (P);
    F. J. Görtz, in: FAZ MAGAZIN, H. 581 v. 19.4.1991, S. 10-19 (P);
    H. Frielinghaus, H. S., Daten u. Bilder, 1992 (P);
    B. Spies, in: Carl-Zuckmayer-Medaille d. Landes Rheinland-Pfalz 1993, 1994, S. 25-60;
    M. Brodersen, Schreiben nach Auschwitz, H. S., in: EXIL 14, 1994, Nr. 2, S. 5-12 (P);
    Andreas Schmidt, Jemand hieß H. S. u. war Literat, Und ich wußte es nicht, 1999 (P);
    M. Wolbold, Zw. Ablehnung, Anpassung u. Zerrissenheit, Dt. Exilautoren in d. USA, 1999;
    G. Ackermann u. M. Brodersen, Paul Abraham? Anmerkungen zu H. S.s Gedicht „Der Maestro“, in: JUNI, Nr. 33-34, 2002, S. 125-32;
    A. Reiter, H. S. im Pariser Exil, in: A. Saint Sauveur, G. Badia u. U. Lemke (Hg.), Fluchtziel Paris, Die dt.sprachige Emigration 1933-1940, 2002;
    Dt. Exil-Lit. 1933–45, 1970;
    Dt.sprachige Exillit. seit 1933, IV, 1994;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1971-1998, 1999;
    Metzler Lex. d. dt.-jüd. Lit., 2000 (P);
    Schweizer Lex.;
    Kussmaul;
    KLG;
    BHdE II;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy;
    CineGraph;
    Munzinger.

  • Portraits

    Zeichnung v. G. Wollheim, 1941;
    Zeichnung v. L. Meidner, 1959;
    Aquarell v. K. R. H. Sonderborg, 1991 (alle Privatbes.).

  • Autor/in

    Momme Brodersen
  • Empfohlene Zitierweise

    Brodersen, Momme, "Sahl, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 352-353 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118750747.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA