Lebensdaten
1895 bis 1976
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118749935 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Roth, Eugen

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Zitierweise

Roth, Eugen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118749935.html [29.02.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann, Journalist in M.;
    M Therese Mauerer, T e. Antiquitätenhändlers;
    1938 Klothilde Philipp. Buchbindermeisterin;
    2 S.

  • Leben

    R. besuchte zunächst die Luisenschule, seit 1904 das Theresiengymnasium in München und wechselte kurze Zeit später in die Internatsschule von Kloster Ettal. 1914 legte er das Abitur am Münchner Wittelsbacher-Gymnasium ab und meldete sich als Kriegsfreiwilliger. Eine schwere Verletzung bei Ypern im Oktober beendete seinen Einsatz. Die anfängliche Begeisterung für den Krieg wich schnell einer ablehnenden Haltung.

    Noch während des Kriegs begann R., in München Geschichte, Germanistik und Kunstgeschichte zu studieren. 1922 wurde er bei Fritz Strich (1882–1963) über den „Hainbund“ promoviert. Anfang der 20er Jahre unternahm er Reisen nach Norwegen, Griechenland und in einige afrikan. Länder. 1927 wurde er Schriftleiter in der Lokalredaktion der „Münchner Neueste Nachrichten“. Im Rahmen dieser Tätigkeit verfaßte er 1931 einen eindringlichen Bericht über den Brand des Münchner Glaspalasts (Der Glaspalast in München, Glanz u. Elend 1854-1931, 1972). Im April 1933 fristlos entlassen, war er danach als freischaffender Schriftsteller tätig.

    Schon 1915 hatte R. sein erstes Gedicht in der Zeitschrift „Jugend“ veröffentlicht und sich der „Werkschar“, einer der Jugendbewegung verpflichteten Vereinigung, angeschlossen. 1918 erschien sein erster Gedichtband „Die Dinge, die unendlich uns umkreisen“ in der Reihe „Der jüngste Tag“ im Kurt Wolff Verlag. Darauf folgten die Bände „Erde, der Versöhnung Stern“ (1921), „Der Ruf (1923) und „Monde und Tage“ (1929), die expressionistische Natur- und Liebeslyrik enthalten und von Aufbruchstimmung zeugen. In diese Zeit fiel auch seine enge Freundschaft mit Ernst Toller (1893–1939) und Klabund (1890–1928).

    Während seiner ernsten Lyrik nur geringer Erfolg beschieden war, gewann R. mit humorvollen Texten eine stetig wachsende Leserschaft. Anfang der 30er Jahre druckte der „Simplicissimus“ 93 gereimte Lebensweisheiten R.s, die in Buchform hohe Auflagenzahlen erreichten (gedr. Ein Mensch, 1935, zuletzt 1998). R. betrachtet darin seine Mitmenschen und ihre Schwächen mit warmherzigem Blick, spielerischer Leichtigkeit, aber nicht ohne Skepsis und Hintersinn. 1936 erschien das ironisch-boshafte Lehrgedicht „Die Frau in der Weltgeschichte“ (Neuausg. 1990), dessen Urfassung als R.s Beitrag zur Faschingsveranstaltung der literarischen Gesellschaft „Argonauten“ um Paul Alverdes (1897–1979) und Georg Britting (1891–1964) entstand, mit der R. in enger Verbindung stand. 1938 publizierte R. „Die Fremde“, seinen ersten Band mit ernsten Erzählungen, später folgten „Der Weg übers Gebirg“ (1942), „Der Fischkasten“ (1942), und „Abenteuer in Banz“ (1943), in denen R. die Gefährdungen der menschlichen Existenz mit großem Einfühlungsvermögen und präziser Beobachtungsgabe beschwört.

    Trotz seiner Verwundung wurde R. 1939 für wehrtauglich befunden und auf umfangreichen Lesereisen als Truppenunterhalter eingesetzt. 1948 begann die Zusammenarbeit mit dem Carl Hanser Verlag. Dort erschien die Fortsetzung der Simplicissimus-Gedichte, „Mensch und Unmensch“ (1948, Neuausg. 1997), und das Lehrgedicht „Eugen Roths Tierleben“ (2 Bde., 1948/49, zuletzt 1989), dessen detaillierte zoologische Kenntnisse und wissenschaftliche Genauigkeit Konrad Lorenz (1903–89) so beeindruckten, daß er zu der Ausgabe von 1973 ein Vorwort verfaßte. Einen letzten großen Erfolg feierte R. 1964 mit dem Abschluß der „Mensch-Trilogie“, „Der letzte Mensch“ (Neuausg. 1998). Der bekennende Münchner (75 Jahre Münchner, 1970) war lebenslang Liebhaber der bildenden Künste; er trug eine bedeutende Sammlung von Aquarellen, Zeichnungen und Scherenschnitten aus der Zeit der dt. Romantik und des Biedermeier zusammen (Sammelsurium, Freud u. Leid e. Kunstsammlers, 1955).|

  • Auszeichnungen

    Kunstpreis f. Lit. d. Stadt München (1952);
    Bayer. Verdienstorden (1959);
    Gr. BVK (1965);
    Ehrengast d. Villa Massimo, Rom (1965);
    Ernst-Hoferichter-Preis (1976);
    Münchner Turmschreiber;
    Mitgl. d. Ak. d. Schönen Künste, München.

  • Werke

    Weitere W Das Gemeinschaftserlebnis d. Göttinger Dichterkreises, Ein Btr. z. Wahrheit u. Dichtung d. 18. Jh., Diss. München 1922;
    Der Wunderdoktor, 1939, Neuausg. 2000;
    Rose u. Nessel, 1951;
    Gute Reise, 1954 (Neuausg. 1993);
    Unter Brüdern, 1958;
    Der Schrift- u. Druckkunst Ehr u. Macht v. E. R. in Reime gebracht, 1959;
    Neue Rezepte vom Wunderdoktor, 1959 (Neuausg. 2000);
    Lebenslauf in Anekdoten, 1962 [Autobiogr.];
    Das E.-R.-Buch, 1966;
    Ins Schwarze, Limericks u. Schüttelreime, 1968;
    Das neue E.-R.-Buch, 1970 (Nachwort v. J. Kaiser);
    Erinnerungen e. Vergeßlichen, 1972 [Autobiogr.];
    Alltag u. Abenteuer, 1974;
    Sämtl. Werke, 5 Bde., 1977;
    Sämtl. Werke. 8 Bde., 1977 (P);
    Das gr. E.-R.-Jub.buch, 2003;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Lit.archiv Monacensia. München.

  • Literatur

    R. Flügel, E. R. 1957;
    E. R. z. 70. Geb.tag, Privatdr., 1965 (W-Verz.);
    J. Kaiser, „Kurzum, der Mensch hat nichts zu lachen“, E. R., in: ders., Was mir wichtig ist. 1996, S. 189-201;
    E. R., 75 J., Privatdr., 1970;
    M. Schütte, Facetten des Menschen, Stud. z. Biogr. u. z. Erz.werk E. R.s, 1993 (W, L);
    Ch. Peters, E. R. als Journalist, Dipl.arbeit Eichstätt 1996;
    K. Ude, Der andere E. R., Zum 75. Geb.tag d. Dichters am 24. Jan., in: ders., Schwabing v. innen, ausgew. u. kommentiert v. G. Gerstenberg, 2002, S. 85-89;
    H. Alzheimer. Volkskunde in Bayern, 1991;
    Kürschner Lit.-Kal., Nekr. 1971-1998, 1999;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W);
    Munzinger.

  • Autor/in

    Gunna Wendt
  • Empfohlene Zitierweise

    Wendt, Gunna, "Roth, Eugen" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 112-113 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118749935.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA