Lebensdaten
1812 bis 1868
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
katholisch?
Normdaten
GND: 118735691 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nüll, Eduard van der

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Weitere Erwähnungen in der NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Nüll, Eduard van der, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118735691.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jacob Friedrich (1750–1823), Getreidegroßhändler aus Köln, Bankier, Mineralien- u. Edelsteinsammler, ältere Autoren behaupten, N. sei e. natürl. S d. FML Ludwig Frhr. v. Welden (1782–1853), Gen.stabsoffz. in W.;
    M Maria Theresia (1780–1840), T d. Philipp Anton Schwab (1741–91), k. k. Rat u. Expeditionsdir. d. niederösterr. Reg.;
    B Friedrich ( bald n. 1854), 1850 Gen. u. Brigadier im 5. Armeekorps in Mailand (s. Wurzbach); – N. N.;
    1 T (postum *);
    Vt Wilhelm Rr. v. Haidinger (1795–1871, österr. Adel 1865), Mineraloge u. Geologe (s. NDB VII).

  • Leben

    N. trat mit 12 Jahren in die Akademie der vereinigten bildenden Künste in Wien ein und besuchte dort die „Schule der historischen Zeichnungsgründe“. 1828 begann er am polytechnischen Institut Architektur zu studieren. 1832 trat er in die galizische Landesbauakademie in Lemberg ein und legte dort 1835 die theoretische und praktische Dienstprüfung ab. Seit November desselben Jahres besuchte er die von Peter v. Nobile (1774–1854) geleitete Architekturschule an der Akademie der bildenden Künste, wo er bei diesem sowie Carl Roesner (1804–69) und Paul Sprenger (1798–1854) bis 1838 studierte. Hier lernte er auch August Sicard v. Sicardsburg (1813–68) kennen, mit dem er zeitlebens eine überaus enge und fruchtbare Ateliergemeinschaft unterhielt; N. war – nach dem Urteil der Zeitgenossen – der bedeutende Entwerfer, Sicard der Praktiker. 1838 gewannen die beiden Architekten den „Hofpreis“, der mit einer vierjährigen Studienreise nach Italien, Frankreich, England und Norddeutschland verbunden war; 1843 kehrten sie nach Wien zurück. Im Dezember 1843 wurde N. zum Professor für Ornamentik an der Manufakturschule ernannt, 1845 als Nachfolger von Christian Ludwig Förster (1797–1863) Professor für Architektur (Sicard war 1843 zum Professor für Architektur ernannt worden).

    Die frühesten Werke (Projekt für das Ständehaus, Pest, 1844; Carl-Theater, 1847, zerstört) kennzeichnen den Beginn der Suche nach „einem wirklich originellen und nationalen Baustyle“ (1845). Die Beteiligung an der Konkurrenz zur Altlerchenfelder Kirche (1848) blieb zwar erfolglos, aber nach dem Tod Johann Georg Müllers 1849 wurde N. die Ausstattung der Kirche übertragen. N. verwendete die Architekturmalerei und die Ornamentik als Mittel räumlicher Gestaltung und nahm auf diese Weise Abstand von dem bis dahin üblichen Prinzip des Eklektizismus. Die darin wirksame, nur an der Stilgeschichte ausgerichtete Ideologie hatte er 1845 als „strotzenden Unsinn“ bezeichnet, dem durch die systematische räumliche Entfaltung der ornamentalen Grundformen ein Ende zu bereiten sei. 1849 gewannen Sicard und N. die Ausschreibung für das Arsenal und entwarfen die wichtigsten Gebäude der ausgedehnten Anlage (vollendet 1856). 1860 gewannen sie den internationalen Wettbewerb für die Hofoper, bei der N. seine Vorstellung eines neuen Stils besonders eindrucksvoll verwirklichte (1861-69). Die Zeitgenossen, die das Revolutionäre dieser „romantischen Moderne“ spürten, reagierten z. T. sehr heftig. Die Pressekampagne gegen die Oper war einer der Gründe für den Freitod N.s. Zu seinen Schülern gehörten u. a. Heinrich v. Ferstel (1828–83) und K. v. Hasenauer (1833–94); der bedeutendste, Otto Wagner (1841–1918), entwickelte den Ansatz N.s 50 Jahre später fort.

  • Werke

    Weitere W u. a. Genie- u. Artillerie-Ak., 1852 (nicht ausgeführt);
    Roberthof, 1855;
    Schloß in Brisenz, Mähren, 1857 (nicht ausgeführt);
    Zeichnung z. Ehrenschild f. Mac Donnell, 1853 (Salzburg, Mus. Carolino Augusteum);
    Missale Romanum f. Pius IX., 1855 ff. (Rom, Vaticana);
    Warenhaus Haas, 1866 (zerstört);
    Schulbeispiele f. Wohnbauten (Wien, Planslg. d. Albertina).

  • Literatur

    ADB 24;
    R. v. Eitelberger, E. van d. N. u. A. v. Sicardsburg, Kunst u. Künstler Wiens, 1879;
    A. Wurm v. Arnkreuz, E. van d. N. u. A. Sicard v. Sicardsburg, die Schöpfer moderner Architektur, in: Zs. d. Österr. Ingenieur- u. Architektenver. 65, 1913, S. 833-37, 849-55;
    H. C. Hoffmann. W. Krause u. W. Kitlitschka, Das Wiener Opernhaus, 1972;
    O. A. Graf, Otto Wagner, IV, 1994;
    Wurzbach;
    Kosch, Kath. Dtld.;
    ThB;
    ÖBL;
    Dict. of Art.

  • Portraits

    2 Medaillons im Stiegenhaus d. Oper, Wien;
    Lith. v. Kriehuber.

  • Autor/in

    Otto Antonia Graf
  • Empfohlene Zitierweise

    Graf, Otto Antonia, "Nüll, Eduard van der" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 369 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118735691.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Nüll: Eduard van der N., Architekt, zu Wien 1812 geboren, wo er am 3. April 1868 starb. Er war der natürliche Sohn des Feldmarschalllieutenants Freiherrn v. Melden. An der Akademie wollte er sich anfangs der|Malerei widmen, wo ihn Professor H. Maurer unterrichtete. Zu Anfang der dreißiger Jahre wendete er sich aber von diesem Kunstfache zur Architektur, allerdings zunächst ohne Vorkenntnisse und eigentliches Studium. Er fand 1832 eine Anstellung als Baupraktikant beim Landesgubernium in Lemberg, empfand aber den Mangel eines gediegenen Unterrichtes so tief, daß er zur Akademie nach Wien zurückkehrte, um hier Architektur zu betreiben. Seine Dienststellung wurde ihm dabei belassen. An der Schule war es weniger die Leitung der damaligen im nüchternsten Classicismus verharrenden Lehrer aus der Nobile'schen Tradition, was den talentvollen Künstler förderte, als vielmehr sein inniger, bis ans Lebensende andauernder Freundschaftsbund mit dem mitstrebenden Architekten Siccard v. Siccardsburg. Die beiden hochbegabten Naturen studirten aufs eifrigste, arbeiteten nun gemeinschaftlich und richteten ihr Augenmerk von der geistlosen Schablone des Empirestiles zu den Erscheinungen der Renaissance Italiens. Hierdurch wurden beide Künstler mit Ludwig v. Förster und wenigen anderen die ersten Repräsentanten des großartigen Aufschwungs der Wiener Architektur der Gegenwart, welche so bedeutende Resultate liefern sollte. 1839 competirten beide mit Entwürfen für eine Börse, erhielten jeder den ersten Preis und die Mittel, eine italienische Studienreise anzutreten, die dann auch noch auf Frankreich, Deutschland und England ausgedehnt wurde. Nach vier Jahren wieder in die Heimath gelangt, erhielt N. die Professur für Ornamentlehre und Perspective, dann nach Förster's Tode noch diejenige für Architektur, auch Siccardsburg bekleidete einen entsprechenden Posten. Die Freunde wirkten nun fortan in dem Sinne, daß Siccardsburg das eigentlich Architektonische, N. aber die Ausschmückung leitete, wobei er sich als feinfühliger Decorateur erwies. Das begeisterte Schaffen der Künstler gewann ihnen die Sympathie aller Kunstfreunde, es stimmte zu den damals bereits sich regenden Gedanken der Stadterweiterung und Verjüngung der Residenzstadt, und hatte den besonders wichtigen Erfolg, die Herrschaft des Baubüreaugeistes in Oesterreich zu brechen, an Stelle des Monopols phantasieloser Baubeamten wieder die freie Künstlerthat zu setzen. Die beiden Meister waren nun für das Karltheater, den Sophiensaal, das Industrieausstellungsgebäude von 1845, das Ständehaus in Pest thätig. Wichtiger war ihr Eingreifen im Bau des großartigen Artilleriearsenals zu Wien, wo sie mit Förster, Hansen und Rösner gemeinschaftlich thätig waren. Als der Monumentalbau der Altlerchenfelder Kirche zustande kam, besorgte N. die Ausstattung aller Geräthschaften und Einrichtungsstücke des Innern. Endlich gipfelte das Wirken dieses merkwürdigen Dioscurenpaares in der Schöpfung des Opernhauses, welches 1861 begonnen wurde und dessen Bau sowie die gesammte Ausstattung ihrem Genius entsprang. Das Gebäude ist zwar keineswegs frei von ästhetischen und stilistischen Mängeln, es gehört jedoch gewiß zu den glänzendsten und solidesten Theaterbauten der Neuzeit. Gehässigkeiten und Intriguen aller Art vergällten den Künstlern indeß die Freude an dem Werk, ja, sie führten N. endlich in Trübsinn, der mit seinem Selbstmorde schloß. 1861 war er Oberbaurath geworden. Zu seinen Schöpfungen sind noch zu rechnen das prachtvolle Waarenmagazin von Haas am Graben, ein Entwurf für eine neue Universität, sowie für die Sparkasse in Prag, die Zeichnung zum O'Donellschild, zu einem Gebetbuch der Kaiserin Elisabeth, zu den Monumenten des Erzherzogs Karl und Prinz Eugens.

  • Autor/in

    Ilg.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ilg, Albert, "Nüll, Eduard van der" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 51 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118735691.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA