Lebensdaten
1844 bis 1900
Geburtsort
Munkatsch (Munkács, heute Mukatschewo/Ukraine)
Sterbeort
Bonn-Endenich
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118735268 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lieb, Mihály (bis 1868)
  • Munkácsi, Mihály (bis 1880)
  • Munkácsi, Michael (bis 1880)
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Zitierweise

Munkácsy, Michael von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118735268.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Michael Lieb ( 1850), Salzsteuereinnehmer in M., S d. Benedikt;
    M Cäcilie Reök ( 1849) aus d. Burgenland;
    Urur-Gvv Johann Lieb d. J., Bildhauer;
    Ur-Gvv Franz Johann Lieb, kam 1730 als Beamter d. Salzamtes aus Bayern nach Bartfeld;
    Om István Reök ( 1877), Rechtsanwalt in Pest, seit 1849 in Békéscsaba, Vormund M.s;
    Colpach (Luxemburg) 1874 Cécile (1845–1915, s. L, 1] Edouard Baron de Marches, 1820–73, österr. Offz., Bgm. v. Ell, Kunstliebhaber), T d. Charles Papier (1811–98), Schreiber am Diekircher Gericht, dann Beamter in Luxemburg, u. d. Marguerite Valérius (1817–1902);
    1 S (früh †).

  • Leben

    M. kam nach dem Tod seiner Eltern als 6jähriger zu seinem Onkel, dem Rechtsanwalt István Reök, nach Békéscsaba Bez. Gyula, wo er 1855-58 eine Tischlerlehre absolvierte. Danach war er in Arad als Tischler tätig und widmete sich unter Elek Szamossys Anleitung dem Zeichnen. 1863 ging er nach Pest, um Malerei zu studieren. Er setzte seine Studien 1865 in Wien bei C. Rahl, 1866 in München bei S. Wagner, W. Kaulbach und den Brüdern Adam, 1868 in Düsseldorf bei Ludwig Knaus fort, an den er von Wilhelm Leibl empfohlen worden war. Unter dem Einfluß seiner Vorbilder Eduard Schleich, Leibl und Knaus sowie Courbet und der Schule von Barbizon, die er 1867 anläßlich eines Parisbesuches kennengelernt hatte, fand M. seinen eigenen, romantisch gefärbten realistischen Stil, der sich durch einen temperamentvollen Pinselstrich, glühendes Kolorit und wirkungsvolle Kontraste auszeichnete. 1869 entstand in Düsseldorf M.s erstes großes Bild „Letzter Tag eines Verurteilten“ (Acad. of Fine Art, Philadelphia), das im folgenden Jahr mit einer Goldmedaille des Pariser Salons ausgezeichnet wurde, 1871 „Die Charpiezupferinnen“ (Nat.gal., Budapest, hier auch die folgenden Gemälde). 1872 ging M. auf Veranlassung des Barons de Marches nach Paris, wo seine effektvollen, oft großformatigen Genre-, Salon- und Landschaftsbilder sowie seine Porträts sehr geschätzt wurden. Auf der Wiener Weltausstellung 1873 erregten seine volkstümlichen Genrebilder „Nächtliche Vagabunden“ und „Frau beim Buttern“ große Aufmerksamkeit. 1874 malte M. den an Manet erinnernden „Mann mit Mantel“, zwei Jahre darauf „Im Atelier“, eines seiner schönsten Salonbilder. Um seinen aufwendigen Lebensstil in seinem Pariser Palais und auf Schloß Colpach sowie seine ausgedehnten Reisen finanzieren zu können, schloß er mit seinem Kunsthändler Charles Sedelmeyer einen Vertrag, der ihn zwang, dem Publikumsgeschmack entgegenzukommen. Seit Ende der 70er Jahre bevorzugte M., zeitlebens ein Gegner der Impressionisten, religiöse und historische Themen. Das Gemälde „Der blinde Milton diktiert sein Werk, Das verlorene Paradies'“ (1877, New York Public Library), auf der Pariser Weltausstellung 1878 mit der Großen Goldenen Medaille prämiert, verschaffte ihm internationales Ansehen. Ausgehend von Renans Lebensbeschreibung Christi entstanden in den 80er Jahren „Christus vor Pilatus“ und „Golgatha“, die nach Philadelphia verkauft wurden, 1890 „Ecce Homo“. 1886-90 schuf M. für das Treppenhaus des Wiener Kunsthistorischen Museums das barock anmutende Deckengemälde „Die Apotheose der Renaissance“, 1891-93 für das ungar. Parlament das Monumentalgemälde „Die Landnahme“. Als einer der gesuchtesten Maler und Porträtisten seiner Zeit mit Aufträgen überhäuft, erlitt M. 1896 einen Zusammenbruch, der eine zunehmende Geisteskrankheit zutage treten ließ. Im selben Jahr schrieb Augustin Boyer anhand von M.s Erzählungen dessen Kindheitserinnerungen nieder („Souvenirs, L'Enfance“), die sein Neffe F. W. Ilges 1897 deutsch herausgab. M. hielt sich seither in Sanatorien bei Baden-Baden und Bonn auf. Seine Werke, soweit sie nicht 1898 in Paris und 1908 auf Schloß Colpach versteigert worden sind, vermachte er der Ungar. Nationalgalerie in Budapest.

  • Literatur

    F. W. Ilges, M. v. M., 1899 (W, P);
    C. Sedelmeyer, M. v. M., Sein Leben u. seine künstler. Entwicklung, 1914 (W, P);
    L. Végvári, Leben u. Werk v. M. M., 1958 (W, L, P);
    ders., Kat. d. Gem. u. Zeichnungen M. M.s, 1959 (630 Nummern);
    ders., M., 1961 (W, L, P);
    G. Pogány, M. M., Ausst.kat. Dresden 1967 (W, L, P);
    K. J. Hartner, in: Volkskal. d. Deutschen in Ungarn, 1969, S. 76-81;
    G. Perneczky, M., 1970 (W, L, P);
    V. Oberhammer, in: Jb. d. Kunsthist. Slgg. in Wien 70, 1974;
    A. Székely, M. M., 1977 (W, L, P, wieder 1993);
    J. Kohnen, M. u. Luxemburg, 1984 (P);
    Z. Bakó, M. M. u. László Paál, Führer z. ständigen Ausst. d. Ungar. Nat.gal., 1992 (W, P);
    B. Hammacher, Ungarn u. d. Münchner Schule, Ausst.kat. München 1995 (W, L, P);
    ThB;
    KML;
    ÖBL;
    A. Treszl (Hrsg.), Wer ist wer?, Erstes ungarndt. Biogr.lex., 1993 (P). – Zu Cécile: J. Mersch, in: Biogr. Nat. du Pays de Luxembourg, VI, 1957, S. 417-503 (P).

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Munkácsy, Michael von" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 597 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118735268.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA